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Antisemitismus vom 4. bis zum 20. Jahrhundert

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Wir klagen über die Finsternis und zünden "Lichter" an.

Den Millionen verfolgten, vertriebenen, inhaftierten, gefolterten

und ermordeten Andersgläubigen zum Gedenken.

 

„Vor dem Sieg des Christentums [im 4. Jahrhundert] verlangt man, dass der Staat keinen zu einer bestimmten Gottesverehrung zwingen darf, dann aber verlangt man in dem gleichen Ton, dass er alle zur eigenen Gottesverehrung der Christen zwingen muss, und zwar mit Anwendung aller Gewalt.“ 1)

 

"Jahrhundertelang hatten die Kirchenväter gegen die Juden geschrieben. Die meisten Päpste setzten diese Tendenz fort.“ 2) Sie wurden u. a. als Gottesmörder bezeichnet und hätten mit der Kreuzigung des Gottessohnes Jesus von Nazareth eine unaufhebbare Kollektivschuld auf sich geladen.  

 

Mit solchen Irrtümern und dauernden Diskriminierungen und Diskreditierungen der jüdischen Gläubigen wurden über lange Zeit die christlichen Gläubigen und ihre Seelen vergiftet. „Steter Tropfen höhlte den Stein“.

 

„Liebt eure Feinde, tut wohl denen, die euch hassen,“ 3) weit gefehlt! Millionen von gegensätzlichen Ursachen, in Form von Verteufelung der Juden, suchten sich schließlich als Wirkungen ihren Weg, sodass fehlgeleitete Menschen über viele Jahrhunderte in einen Tötungswahn verfielen, der zuletzt den „Holocaust“ des 20. Jahrhunderts hervorbrachte, sodass erneut Millionen Juden aus Europa, Jung und Alt, Frauen, Kinder und Männer, ermordet wurden.

 

„Nie hat uns ein Volk so beschwert, erniedrigt, gedemütigt und gehasst wie sie, wir wurden von ihnen in unerträglicher Weise entehrt“ 4), so der jüdische Philosoph, Rechtsgelehrte und Arzt Moses Maimonides, der 1149 n. Chr. vor den Muslimen aus Spanien fliehen musste. Es besteht sicher kein Zweifel, dass dieser erschütternde Satz die Ausschreitungen der Muslime des 12. Jh. betrifft, dass er aber auch auf die Gegensätzlichkeiten der christliche Kirche in den letzten 16 Jahrhunderten und auf viele ihrer Gläubigen angewendet werden kann.

 

Die nachfolgende Tabelle enthält nur einen Teil der vielen antijüdischen Gewalttaten, die sich seit dem 4. Jahrhundert ereignet haben.

 

Anmerkungen: Bild: © minerva79.de. 1) Carl Schneider, Theologe, Geistesgeschichte des antiken Christentums, 1954, II. Band, S. 27. 2) Abermals krähte der Hahn, 1996, S. 519, K. H. Deschner. 3) Lukasevangelium 6, 27. 4) „Brief in den Jemen“ von 1172 (Kairo), in dem sich Moses Maimonides auch auf die Erlebnisse im islamischen Spanien bezog.

 

 01 Frühe antichristliche Propaganda und Taten

  02 Antijudaismus der Katholischen- und Evangelischen Kirche

  03 Antijudaismus in Frankreich

  04 Antijudaismus in Spanien

  05 Antijudaismus in Deutschland

  06 Antijudaismus in Europa

 

<  01 Frühe antichr. Propaganda u. Taten

001

"Drei Jahrhunderte hindurch haben die Juden die Christen mit allen Mitteln verfolgt, dann haben sich die Christen ebenso blutig gerächt. Der Besitz der gemeinsamen Heiligen Schrift hat nicht verhindern können, dass christliche Bischöfe und Heilige die ersten waren, die Synagogen niederbrennen ließen und die Todesstrafe auf Mischehen mit Juden setzten."

Geistesgeschichte der christlichen Antike. Die altchristliche Gesellschaft. Die Juden, S. 327, Carl Schneider, Verlag C. H. Beck, München 1970.

002

 

 

„Das ... Judentum der ersten Jahrhunderte n. Chr. bildet folgende Jesus-Story aus: Jesus war das uneheliche Kind eines römischen Soldaten namens Panthera. Seine Wunder wirkte er durch Magie, die er in Ägypten gelernt hat. Seine Schüler stehlen nach seinem Tode seinen Leib, erfinden die Geschichte seiner Auferstehung. Jesus ist ein Betrüger Israels. Die Judenchristen erscheinen im Talmud als Minim: Betrüger, Verräter, Häretiker ... Samuel der Kleine verfasst eine Erklärung über Häretiker [Abweichler, Ketzer], ... diese wird aufgenommen in die täglichen Segensgebete in der Synagoge, zu den 18. Segnungen [Achtzehnbittengebet]. Wahrscheinlich vor Ende des ersten Jahrhunderts sind alle Synagogen der Diaspora [Verstreutheit] informiert über diese Verfluchung. Von diesem Augenblick an können die Christen nicht mehr am jüdischen Leben teilnehmen.“

Gottes erste Liebe, 1967, S. 61, 62, von Friedrich Heer, 1916-1983, Dr. der Philosophie, Kulturhistoriker und Schriftsteller, Publizist.

003

Jüdisches Gebet/Birkat ha-minim: „Den Abtrünnigen sei keine Hoffnung und die freche Regierung mögest du eilends ausrotten in unseren Tagen und die Nazarener [Christen] und die Minim [Ketzer, Abtrünnige, Abweichler, Andersdenkende] mögen umkommen in einem Augenblick, ausgelöscht werden aus dem Buch des Lebens und mit den Gerechten nicht aufgeschrieben werden. Gepriesen seist du, Jahwe, der Freche beugt.“

Übersetzt von P. Billerbeck, 1853-1932, evangelischer Pfarrer u. Gelehrter des Judentums. Siehe auch Wikipedia, the free ency-clopedia/Birkat haMinim.

004

Justin der Märtyrer, † 165 n. Chr.: „Und jetzt verstoßt ihr die, welche auf ihn [Jesus] und auf den allmächtigen Gott, der ihn gesandt hat, ihre Hoffnung setzen, und entehrt sie, ... indem ihr die Christusgläubigen in euren Synagogen verfluchet. Denn Hand an uns zu legen, dazu habt ihr nicht die Macht dank denen, welche jetzt regieren; getan aber habt ihr es, so oft ihr konntet."

Justin der Märtyrer, Dialog mit dem Juden Trypho, Kap. 16,4, Bibliotek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 33.

005

Während des jüdischen Bar-Kochba-Aufstandes, 132–135 n. Chr., wurden nach Justin die Christen verfolgt. Bar-Kochba, den „Sternensohn“, hielt man für den langerwarteten jüdischen Messias, der natürlich Jesus Christus nicht gelten lassen wollte. Die Römer siegten. Ca. eine halbe Million Juden und Bar-Kochba verloren ihre Leben und die Diaspore (Zerstreuung) wurde ausgelöst. - Justin: „Während des jüngst entbrannten jüdischen Krieges befahl nämlich Bar Kokhba, der Anführer des Aufstandes der Juden, nur die Christen zu schweren Strafen abzuführen, wenn sie nicht Jesus Christus verleugneten und lästerten.“

Justin, Philosoph, Kirchenvater, geb. um 100, † 165 n. Chr., Apologie I, 31, 6.

02 Antijudaismus der Kath.- u. Evang. Kirche

006

„Besonders im Johannesevangelium sehen jüdische Gelehrte ein ausgesprochen judenfeindliches Buch, das nach Meinung von J. Isaac allein darum verfasst wurde, um die ganze Verantwortung für die Kreuzigung Jesu auf die Juden zu wälzen und diese selbst als ein Volk darzustellen, das die Botschaft Gottes endgültig zurückgewiesen habe."

Erich Grässer, Der Alte Bund im Neuen, 1985, S. 135, 136 (AaO. S. 146).

007

"Darum waren die Juden noch mehr darauf aus, ihn zu töten, ... / Zog Jesus in Galiläa umher; ... weil die Juden darauf aus waren, ihn zu töten. Aber keiner von euch befolgt das Gesetz. Warum wollt ihr mich töten? / Da sagten einige Leute aus Jerusalem: Ist das nicht der, den sie töten wollen? / Aber ihr wollt mich töten, weil mein Wort in euch keine Aufnahme findet. / Jetzt aber wollt ihr mich töten, ... der euch die Wahrheit verkündet hat, ... / Von diesem Tag an waren sie entschlossen, ihn zu töten. / Als die Hohenpriester und ihre Diener ihn sahen, schrien sie: Ans Kreuz mit ihm. / Sie [die Juden] aber schrien: Weg mit ihm, kreuzige ihn! / Diese [die Juden] haben sogar Jesus, den Herrn, und die Propheten getötet; ... / Den Urheber des Lebens [Jesus] habt ihr getötet, ... / Der Gott ... hat Jesus auferweckt, den ihr ans Holz gehängt und ermordet habt."

Bibel, Johannesevangelium 5:16,18; 7:1; 7:19; 7:25; 8:37; 8:40; 11:53; 19:7; 19:15; 1.Thessalonicher 2:15; Apostelgeschichte 3:15; 5:30.

008

„Die staatlichen Machtmittel traten allmählich in den Dienst der Kirche, diese wurde freilich vom Staat abhängig. Tragischer aber ist, dass nun die Unzulänglichkeit des Menschen einsetzt: Aus den Verfolgten werden Verfolger“.  (Ab Konstantin d. Gr., römischer Kaiser von 306 - 337 n. Chr. u. ab 380 n. Chr.)

Dr. Carl Schneider, Theologe, in  Geistesgeschichte des antiken Christentums, 1954, Bd. II., S. 297.

009

"Jahrhundertelang hatten die Kirchenväter gegen die Juden geschrieben. Die meisten Päpste setzten diese Tendenz fort. Leo der Große sprach von den ungeheuren Verbrechen der Juden und nannte sie hassenswert und fluchwürdig." (Leo der Große, Leo I., Heiliger, Papst 440-461)

Leo serm. 53, 2f., 59, 1ff, nach Schneider, 1940, Das Frühchristentum als antisemitische Bewegung, S. 16, Abermals krähte der Hahn, Deschner, S. 519.

010

Kirchenlehrer Johannes Chrysostomos, + 407 n. Chr., schrieb 8 Predigten über die Juden, in denen er u. a. meinte, dass die Juden „nicht besser als Schweine und Böcke sind“. Er bezichtigte sie des Raubes und des Diebstahls, dass ihre Synagoge ein Hurenhaus, eine Mördergrube und eine Herberge wilder Tiere und des Teufels sei und dass auch die Seelen der Juden Herbergen des Teufels wären. Zwar würden sie nicht mehr länger ihre eigenen Kinder töten, aber sie hätten Christus getötet, was schlimmer sei.

Chrysostomos orationes Reden 1, 3f.; 1,7 u. 1,6 u. 6,2f., zitiert in Abermals krähte der Hahn, 1996, S. 510, K. H. Deschner.

011

„Fast alle Kirchenväter tragen ihre Steine herbei zur zunächst moralischen Steinigung der Juden ... Zwei ragen besonders hervor: Chrysostomos [um 349-407 n. Chr., Heiliger] und Augustinus [354-430 n. Chr., Heiliger]. In den Schriften der [Kirchen]Väter und der anderen kirchlichen Schriftsteller des vierten Jahrhunderts ist der Jude kein menschliches Wesen, sondern ein Monstrum, ein Ungeheuer, eine theologische Abstraktion, ein Wesen von übermenschlicher Schlauheit und Bosheit, gleichzeitig von übermenschlicher Blindheit.“

Gottes erste Liebe, 1967, S. 66, F. Heer. J. Parkes, 158f; J. Isaac, 159ff.

012

„Die erste Niederbrennung einer Synagoge erfolgte im Jahre 388 am Euphrat auf Befehl des Bischofs von Kallinikon ... Bischof Ambrosius [339-397 n. Chr.] ... erklärte sich sogar mit Bischof Kallinikon solidarisch. „Ich erkläre“, schreibt der Heilige und Kirchenlehrer, „dass ich die Synagoge in Brand gesteckt, ja, dass ich ihnen den Auftrag gegeben habe, damit es keinen Ort mehr gebe, wo Christus geleugnet wird.“ Kaiser Theodosius, 347, † 395 n. Chr., musste letztendlich klein beigeben.

Abermals krähte der Hahn, 1996, S. 513, Deschner. Gottes erste Liebe, 1967, S.67, F. Heer. Ambrosius, der Brandstifter von Kalinikum und Kaiser Theodosius: MPL XVI, 1148, J. Parkes, 166ff u. 191f. Wiki-pedia/Ambrosius

013

„Um das Jahr 415 beschlagnahmte in Ägypten Erzbischof Kyrill sämtliche Synagogen und machte daraus christliche Kirchen. Die Synagoge in Alexandria ließ er stürmen und zerstören, das Eigentum der Juden plündern und sie selbst, entgegen der ursprünglichen Absicht des kaiserlichen Statthalters, aus Alexandrien vertreiben.“ Er, der Heilige, Kirchenvater und Kirchenlehrer Kyrill, ließ auch die Kirchen der christlichen Novatianer schließen. Immerhin waren es auch aufgehetzte Christen aus Alexandria, die im Jahre 415 n. Chr. in einer Kirche die angesehene neuplatonische Philosophin und Wissenschaftlerin Hypatia ermordeten und ihren Leichnam zerstückelten.

Abermals krähte der Hahn, 1996, S. 513, K. H. Deschner, Wikipedia/Kyrill I./Hypathia.

014

„Mönche und monastisch lebende Christen sind bis heute die bitterbösesten Feinde des „fleischlichen“ Juden. Mönche führen die Haufen der Judenmörder in Spanien, in den Rheinlanden in der Zeit der Kreuzzüge, in England und Frankreich im 12. und 13. Jahrhundert an. Mönche führen den Sturm auf die Juden in Spanien im 14.-16. Jahrhundert und in Deutschland in Zeit Pfefferkorns und Reuchlins [1455-1522 n. Chr.]“

Gottes erste Liebe, 1967, S. 68, F. Heer.

015

„Die grauenhaftesten Metzeleien, das Zerhacken und Verstümmeln und Aufschlitzen und Lebendig-Verbrennen von ungezählten Tausenden geschah unter der Parole des Glaubens“. (Zit. in Abermals krähte ..., Deschner, S. 519.)

F. W. Foerster, Die jüdische Frage, 1959, S. 102. Bates, Glaubensfreiheit, 1947, S. 243

016

Das 3. Konzil von Toledo/Spanien, 589 n. Chr., verbot den Juden die Sklavenhaltung, die aber Christen gestattet war. Die Juden mussten daher ihren Landbesitz verkaufen. Die Menschen mit jüdischen Glauben durften keine christlichen Frauen heiraten oder christliche Konkubinen haben. Die Kinder solcher Beziehungen mussten getauft werden.

Canon 14, Abermals krähte der Hahn, K. H. Deschner, S. 516, Wikipedia/Konzil von Toledo.

017

„Auch hat selbst Gregor den Bau neuer Synagogen strikt untersagt und in nicht weniger als in 10 Briefen den Juden das Halten christlicher Sklaven verboten.“ (Gregor I., Gregor d. Große, Heiliger, Papst von 590-604 n. Chr.) (Zit. in Abermals krähte der Hahn, 1996, Deschner, S. 515.)

Epistel 9, 109 f., 7,24, 8,21, 6,33. Dazu Parkes, 1934, 210f. bes. 215f. Vgl. auch F. Wiegand, 236 f.

018

Das 6. Konzil von Toledo/Spanien tagte 638 n. Chr. und wurde vom König Chintila einberufen. Alle in Spanien lebenden Juden sollten getauft werden. Die christlichen Bischöfe stimmten dem König zu, dass Judentum im Reich völlig auszurotten und keine Nichtkatholiken zu dulden.

Canon 3; Abermals krähte der Hahn, K. H. Deschner, S. 517. Wiki-pedia/Konzil von Toledo.

019

Das 16. Konzil von Toledo/Spanien im Jahre 693 n. Chr. bestätigte ein Gesetz, demzufolge Juden eine Sondersteuer, die sogenannte Judensteuer zahlen mussten. Der Fernhandel und jeder Geschäftsabschluss mit Christen wurde ihnen untersagt.

Canon 3, Wikipedia / Konzil von Toledo.

020

Auf der Kirchenversammlung, dem 17. Konzil von Toledo im Jahre 694 n. Chr., wurden unmenschliche Maßnahmen gegen die jüdischen Gläubigen beschlossen. Sie wurden “wegen staatsfeindlicher Umtriebe und Beleidigung des Kreuzes Christi“ versklavt und beraubt, d. h., ihr Vermögen wurde beschlagnahmt. Die Kinder wurden ihnen vom siebten Jahr an weggenommen, um sie christlich zu erziehen u. später christlich zu verheiraten.

Canon 8, M. S. Bates, Glaubensfreiheit, Eine Untersuchung, 1947, S. 28 f., zit. in Abermals krähte der Hahn, K. H. Deschner, S. 517. Wiki-pedia/Konzil von Toledo.

021

Papst Stefan VI. (896-897) beschimpfte die Juden als „Hunde“. Das 3. Laterankonzil (1179) verbot im Canon 26 den Juden christliche Sklaven bei sich wohnen zu lassen. Christen die bei Juden wohnen würden exkommuniziert, d. h. aus der katholischen Kirchengemeinschaft ausgeschlossen werden.

M. S. Bates, Glaubensfreiheit. Eine Untersuchung, 1947, S. 217, zit. in Abermals krähte der Hahn, S. 520. Wikipedia, 3. Laterankonzil.

022

Papst Urban II. rief im Jahre 1095 n. Chr. alle katholischen Gläubigen Europas zum ersten christlichen Kreuzzug und zur Rückeroberung Palästinas auf. Das katholische Bauernheer von 1096 und das Ritterheer von 1097 gingen bereits im eigenen Land gegen alle Nichtkatholiken vor, besonders gegen Juden. Auf ihrem Weg in das sogenannte Heilige Land ermordeten sie alle Menschen dieser Religionsgemeinschaft. Ihr Leben konnten sie nur retten, wenn sie Christen wurden und sich taufen ließen. U. a. in den Orten Metz und Rouen in Ostfrankreich, im Rheinland in Speyer, Worms, Mainz, Trier, Köln, Neuss, Wevelinghoven, Altenahr, Xanten und Moers, wurde das Blut tausender Unschuldiger vergossen. Das gleiche Schicksal erlitten die jüdischen Einwohner von Prag.

Wikipedia / Antijudaismus / Kreuzzüge, 2015.

023

Papst Innozenz III., um 1160, † 1216, Papst 1198-1216 n. Chr., bezeichnete die Juden im Jahre 1205 als „gottverdammte Sklaven“ und wünschte ihnen eine dauernde Knechtschaft. (Zit. in Abermals krähte der Hahn, Deschner, S. 520.)

Decretales Gregori. IX., lib. V., tit. VI., c. 13 zit. nach W. Maurer, Kirche und Synagoge, 1953, S. 29.

024

Unter Papst Innozenz III., um 1161,  † 1216, Papst von 1198-1216 n. Chr., wurde im Jahre 1215 in Rom das 4. Laterankonzil abgehalten. Die Juden durften nun keine öffentlichen Ämter mehr ausüben, auch kein Handwerk und Gewerbe. Bei großen christlichen Feiertagen mussten sie zu Hause bleiben und wurden gezwungen sich zu uniformieren, also eine bestimmte Kleidung zu tragen. Dominierend war der Gelbe Ring oder Judenring, der in vielen christlichen Ländern Europas in Brusthöhe auf der Kleidung getragen werden musste. Schon 1180 mussten die deutschen Juden einen gelben spitzen „Judenhut“ tragen. Das christliche Mainzer Diözesenkonzil komplettierter 1229 n. Chr. die Diskriminierung, denn zu dem gelben Brustzeichen und dem „Judenhut“ wurde ein langer „Judenrock“ (Kaftan), ein „Judenstock“ und ein langer spitzer Bart angeordnet.

Wikipedia: 4. Laterankonzil u. Gelber Fleck. M. S. Bates, Glaubensfreiheit, Eine Untersuchung 1947, S. 217. E. Buonaiuti, Geschichte des Christentums, II., S. 253, zitiert in Abermals krähte der Hahn, K. H. Deschner, S. 520.

025

Auf dem Konzil von Zamora/Spanien, 1313 n. Chr., wurde die Verknechtung aller Juden gefordert und den weltlichen Behörden mit dem Kirchenbann gedroht, falls sie die Anordnung nicht umsetzen würden. Die antijüdischen Weisungen mussten jedes Jahr in den Kirchen vorgelesen werden.

M. S. Bates, Glaubensfreiheit, Eine Untersuchung, 1947, S. 28f, zitiert in Abermals krähte der Hahn, S. 517.

026

Unter dem Einfluss des stellvertretenden Bischofs und antisemitischen Hasspredigers Martinez kam es 1391 n. Chr. in Sevilla/Spanien zum Pogrom und danach in ganz Spanien. Sehr viele Judenviertel wurden geplündert und zerstört. Tausende Juden getötet, Zehntausende zur christlichen Taufe gezwungen und ca. 25.000 als Sklaven verkauft.

Abermals krähte der Hahn, K. H. Deschner, S. 517. Wikipedia / Geschichte der Juden in Spanien.

027

Dr. Martin Luther, Theologieprofessor, über die Juden: „Erstens, sollte man ihre Synagoge oder Schule ... anstecken.“ / „Zum anderen ... auch ihre Häuser zerbrechen und zerstören.“ / Sollte man ihren Rabbinern ... verbieten ... zu lehren.“ / „Zum Sechsten sollte man ihnen den Wucher verbieten.“ / „Juden ... Dreschflegel, Axt, ... Spaten, ... in die Hand geben.“ / „Zum Lande hinaustreibe, dass sie hinziehen in ihr Land.“ / Synagogen ... verbrennen und werfe ... Schwefel und Pech.“ / „Alle ihre Bücher wegnehmen, Betbücher, Talmude ... Bibel.“

Dr. Martin Luthers (1483-1546) Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“, erstmals gedruckt 1543 in Wittenberg von Hans Lufft.

028

Dr. Martin Luther, Theologieprofessor, über die Juden: „Ein solch verzweifelt, durchböset, durchgiftet, durchteufelt Ding ist’s um diese Juden, so diese 1400 Jahr unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewest und noch sind. Summe, wir haben rechte Teufel an ihnen.“

„Hierher zum Kusse! Der Teufel hat in die Hosen geschissen und den Bauch abermals geleert. Das ist ein recht Heiligtum, das die Juden und was Jude sein will, küssen, fressen, saufen und anbeten sollen, und wiederum soll der Teufel auch fressen und saufen, was solche Jünger speien, oben und unten auswerfen können. Hier sind die rechten Gäste und Wirte zusammengekommen, haben’s recht gekocht und angerichtet ... Der Teufel frisst nun mit seinem englischen Rüssel und frisst mit Lust, was der Juden unteres und oberes Maul speiet und spritzet.“

„Es ist hier zu Wittenberg an unser Pfarrkirchen eine Sau in Stein gehauen; da liegen junge Ferkel und Juden unter, die saugen; hinter der Sau steht ein Rabbi, der hebt der Sau das rechte Bein empor, und mit seiner linken Hand zeucht er den Pirzel über sich, bückt und guckt mit großem Fleiß der Sau unter dem Pirzel in den Talmud hinein, als wollte er etwas Scharfes und Sonderliches lesen und ersehen ... Denn also redet man bei den Deutschen von einem, der große Klugheit ohne Grund vorgibt: Wo hat ers gelesen? Der Sau im, grob heraus, Hintern“.

Dr. Marthin Luther, 1483-1546: Erlanger Lutherausgabe XXXII. 233 ff., 282, 298, zitiert in Abermals krähte der Hahn, 1996, S. 521, 522, K. H. Deschner.

029

„Zweimal vertrieb man die Juden im 16. Jahrhundert aus dem Kirchenstaat, wobei nur drei Städte ausgenommen waren.“ 1) - „Paul IV. ging gegen die Juden vor. Nachdem schon unter seinen Vorgängern gegen den Druck hebräischer Bücher in Venedig eingeschritten und die Verbrennung des Talmuds angeordnet worden war, verbot er nicht nur den Talmud und alle seine Auslegungen, sondern verwies die Juden auf das - Getto als ihren Wohnbezirk – am Tiber gelegen, war es durch Hochwasser gefährdet und ungesund ... Pius V. wieder rigoros gegen sie vorging. 1569 gestatte er nur noch jüdische Siedlungen in Rom und Ancona – aus dem übrigen Kirchenstaat wurden sie [die Juden] dagegen ausgewiesen.“ 2)

1.) Abermals krähte der Hahn, 1996, S. 523, K. H. Deschner. 2) Theologische Realenzyklopädie, Teil I, Band 1-17, G. Mueller, S. 145.

030

„1581 behauptete Papst Gregor XIII., dass „... die Schuld der Rasse [Juden], die Christus von sich gewiesen und gekreuzigt habe, mit jeder Generation nur größer werde und alle ihre Glieder mit ewiger Knechtschaft belaste“, eine Erklärung, die zu einem Anhang des katholischen Kirchenrechts erhoben wurde.“ Es war der gleiche Papst, der die Bartholomäusnacht (23./24.8.1572) in Paris/Frankreich ausdrücklich begrüßte, bei der, und in den Tagen danach, ca. 3000 Protestanten (Hugenotten) ermordet wurden. Zum Dank ließ er ein Te Deum singen und eine Gedenkmünze prägen.

Bates, M. S., Glaubensfreiheit, Eine Untersuchung, 1947, S. 243, zitiert in Abermals krähte der Hahn, S. Ha523, 1996, Deschner. Wikipedia/Gregor XIII./Bartholomäusnacht.

031

„Wird doch keiner, der die Geschichte kennt, leugnen, dass Christen, insbesondere Kinder, jahrhundertelang durch die Hand von Juden aus Fanatismus oder Aberglauben umkamen.“ Adolf Stöcker, Evangelischer Theologe und Politiker im Jahre 1891/92 vor dem deutschen Reichstag. (Zit. in Abermals krähte der Hahn, 1996, Deschner, S. 524)

Adler, Die Juden in Deutschland, von der Aufklärung bis zum Nationalsozialismus, 1960, S. 101.

032

1933 setzte sich der staatliche Arierparagraf in der Deutschen Evangelischen Kirche immer mehr durch. Der Ausschluss von Christen jüdischer Herkunft aus Kirchenämtern wurde festgelegt. Danach mussten Pfarrer und Kirchenbeamte entlassen werden, wenn ihre Eltern Juden waren oder z. B. der Großvater jüdisch war. Die Neueinstellung nichtarischen Personals war verboten. 1939 verlangte die Evangelische Kirche von angehenden Theologiestudenten den Nachweis arischer Abstammung. „Am 10.2.1939 beschloss der Landeskirchenrat der Thüringer evangelischen Kirche ein antijüdisches Gesetz, dessen § 1 lautet: „Juden können nicht Mitglieder der Thüringischen evangelischen Kirche werden.“ Ein ähnliches antijüdisches Kirchengesetz wurde im Februar 1939 erlassen für die evangelisch-lutherische Kirche Mecklenburg, Anhalts und Sachsens.“

Wikipedia/Arierparagraf/Kirchen. Die evangelische Kirche im Dritten Reich, Handbuch des Kirchenkampfes, 1956, W. Niemöller, S. 379, zitiert in Abermals krähte der Hahn, 1996, S. 525, 526, K. H. Deschner.

033

Am 17.12.1941 veröffentlichten die nationalkirchlichen evangelischen Kirchenführer folgende Bekanntmachung über die kirchliche Stellung evangelischer Juden: „Die nationalsozialistische deutsche Führung hat mit zahlreichen Dokumenten unwiderruflich bewiesen, dass dieser Krieg in seinen weltweiten Ausmaßen von den Juden angezettelt worden ist. Sie hat deshalb im Inneren wie nach außen die zur Sicherung des deutschen Lebens notwendigen Entscheidungen und Maßnahmen gegen das Judentum getroffen. - Als Glieder der deutschen Volksgemeinschaft stehen die unterzeichnenden deutschen Evangelischen Landeskirchen und Kirchenleiter in der Front dieses historischen Abwehrkampfes, der u. a. die Reichspolizeiverordnung über die Kennzeichnung der Juden als der geborenen Welt- und Reichsfeinde notwendig gemacht hat, wie schon Dr. Martin Luther (!) nach bitteren Erfahrungen die Forderung erhob, schärfste Maßnahmen gegen die Juden zu ergreifen und sie aus deutschen Landen auszuweisen. - Von der Kreuzigung Christi bis zum heutigen Tage haben die Juden das Christentum bekämpft oder zur Erreichung ihrer eigennützigen Ziele missbraucht oder verfälscht. Durch die christliche Taufe wird an der rassischen Eigenart eines Juden, seiner Volkszugehörigkeit und seinem biologischen Sein nichts geändert. Eine deutsche Evangelische Kirche hat das religiöse Leben deutscher Volksgenossen zu pflegen und zu fördern. Rassejüdische Juden haben in ihr keinen Raum und kein Recht. - Die unterzeichneten deutschen Evangelischen Kirchen und Kirchenleiter haben deshalb jegliche Gemeinschaft mit Judenchristen aufgehoben. Sie sind entschlossen, keinerlei Einflüsse jüdischen Geistes auf das deutsche religiöse und kirchliche Leben zu dulden.“

Diese Bekanntmachung unterschrieben die Landesbischöfe bzw. Landeskirchenpräsidenten von Sachsen, Hessen, Mecklenburg, Schleswig-Holstein, Anhalt, Thüringen und der Vorsitzende der lutherischen Kirche von Lübeck.

Evangelische Kirche im Dritten Reich, 1948, S. 481, J. Beckmann, zitiert in Abermals krähte der Hahn, 1996, S. 526, K. H. Deschner.

<  03 Antijudaismus in Frankreich

034

„In Frankreich verbot die [katholische] Synode von Agde (506 n. Chr.) unter Androhung der Exkommunikation das Essen mit Juden.“ (Synode der katholischen Kirche von Agde in Südfrankreich am 10. Sept. 506)

Canon 40, vergl. auch Canon 12 u. 34, zit. in Abermals krähte der Hahn, K. H. Deschner, S. 515.

035

„Die 3. [katholische] Synode von Orléans (538 n. Chr.) untersagte ihnen [den Juden] in der zweiten Hälfte der Karwoche das Betreten der Straße.“

Canon 30, Canon 13 u. 28, Abermals krähte der Hahn, Deschner, S. 515.

036

„Die [katholische] Synode von Macon (581 n. Chr.) schärfte diese Erlasse erneut ein und verlangte von den Juden u. a., die Priester devot [unterwürfig] zu grüßen und vor ihnen aufzustehen.“

Canon 14f, vgl. auch Can. 2, 15, 16, 17, zit. in Abermals krähte der Hahn, K. H. Deschner, S. 515.

037

"Weitere antijüdische Bestimmungen erließen die [katholischen] Synoden von Vannes, 465 n. Chr. (can. 12), die 2. Synode von Orléans, 533 n. Chr. (can. 19), die Synode von Clermont, 535 n. Chr. (can. 6 u. 9), die 4. Synode von Orléans, 541 n. Chr. (can. 30f), die 5. Synode von Orléans, 548 n. Chr. [(can. 22), die Synoden von Paris, 614 n. Chr. (can. 15), von Reims, 624 n. Chr. [can. 11) und  von Chalons sur Saone, 650 n. Chr. (can. 9)."

Abermals krähte der Hahn, 1996, K. H. Deschner, S. 516.

038

Bischof Alduin von Limoges/Frankreich erpresste 1010 n. Chr. die Juden seines Bistums, indem er sie vor die Wahl stellte, zum katholischen Glauben zu wechseln und sich taufen zu lassen oder das Land zu wechseln.

Wikipedia/Geschichte der Juden in Frankreich, Erste Verfolgungen der Juden, 2015.

039

1171 n. Chr. wurden in Blois/Frankreich bis zu 40 Frauen und Männer angeklagt. Sie wurden beschuldigt, an einem Christenkind einen Ritualmord begangen zu haben. Das Blut hätten sie für ihr spezielles Brot (Mazzen) beim Passah, einem Fest zum Gedenken an den Auszug aus Ägypten, für magische Zwecke verwendet. Es war nur ein Gerücht, einen Beweis gab es nicht. Den Bürgern jüdischen Glaubens wurde Straffreiheit angeboten, wenn sie zum katholischen Glauben übertreten und sich taufen lassen würden. Sie weigerten sich und wurden alle in einem Holzhaus verbrannt.

Wikipedia/Ritualmordlegenden, Jüdische.INFO/Die-Mrtyrer-von-Blois-1171.htm

040

Philipp II., König von Frankreich, gab im März 1182 den Befehl alle Juden in den Synagogen zu verhaften und ihnen ihr Geld abzunehmen. Im April wurden sie, Frauen, Kinder und Männer, aus Frankreich ausgewiesen. Ihren privaten Besitz konnten sie noch verkaufen, doch Häuser und Grundstücke wurden entschädigungslos beschlagnahmt und sofort vom Staat verkauft. Aus den Synagogen wurden dann katholische Kirchen.

Wikipedia/Geschichte der Juden in Frankreich, Die Vertreibung, 2015.

041

Ludwig IX., König von Frankreich, geb. 1214, †1270, wies die Juden aus herrschaftlichem Gebiet aus und beschlagnahmte einen Teil ihrer Güter. 1268 erfolgte eine weitere Enteignung jüdischen Besitzes und der König ordnete an, dass die Juden Frankreichs in Zukunft die rouelle (französische Scheibe) tragen mussten, ein Aufnäher in Form eines Rades der auf der Brust und auf dem Rücken angebracht wurde. Das war u. a.  auf dem 4. Laterankonzil im Jahre 1215 von Papst Innozenz III. angeordnet worden.

Wikipedia/Geschichte der Juden in Frankreich, Unter Ludwig IX., 2015.

042

Infolge von Geldmangel in der Staatskasse raubte der französische König Philipp IV. (1285-1314) die Juden seines Landes aus. Sie wurden verbannt, ihre privaten Besitztümer, Häuser und Grundstücke versteigert. König Philipp IV. übernahm auch die Forderungen der jüdischen Kaufleute, d. h., Rückzahlungen und Zinsen für Darlehen mussten jetzt an ihn abgeführt werden. Mit nicht mehr als 12 Sous (Münze) in der Tasche und ihrer Kleidung mussten sie Frankreich verlassen.

Wikipedia/Geschichte der Juden in Frankreich. Das Exil 1306, 2015, Geschichte der Juden in Frankreich, 2002, Esther Benbassa.

043

Entsprechend den Bestimmungen von Papst Gregor X. im Jahr 1273 n. Chr. wurden im Januar 1278 toulouser Juden vor das Gericht der katholischen Inquisition gestellt. Sie hatten einen zum jüdischen Glauben gewechselten Christen auf ihrem Friedhof begraben. Dafür wurde der verantwortliche Rabbi Isaac Males auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Wikipedia/Geschichte der Juden in Frankreich. Verfolgung durch die Inquisition, 2015, Geschichte der Juden in Frankreich. 2002. Esther Benbassa.

044

Karl VI., König von Frankreich, verbannte 1394 n. Chr. die jüdischen Bürger aus seinen Domänen. Sie mussten ihren Besitz verkaufen und ihre Schulden begleichen. Bei den Juden verschuldete Christen wurden von ihrer Zahlungspflicht befreit. Der jeweilige jüdische Gemeindevorsteher musste seine Leute bis zur Grenze des Landes bringen.

Wikipedia/Geschichte der Juden in Frankreich.  Ausweisung 1394, 2015, Geschichte der Juden in Frankreich. 2002. Ester Benbassa.

045

Unter Ludwig XIII., 1601, † 1643, König von Frankreich, kam es zu antisemitischen Unruhen in der Provence/Südfrankreich, sodass die dort lebende jüdische Bevölkerung nach Nordfrankreich umsiedelte. Der König erließ im April 1615 ein neues Gesetz, demzufolge Christen nicht mehr mit Juden reden und ihnen keinerlei Unterkunft gewähren durften. Bei Zuwiderhandlungen wurde den Christen als Strafe z. B. ihr Besitz beschlagnahmt, auch wurde die Todesstrafe angedroht. König Ludwig XIV., 1638, † 1715, der Sonnenkönig, vertrieb seine jüdischen Untertanen im Jahre 1683 von der französischen Insel Martinique/Karibik.

Wikipedia/Geschichte der Juden in Frankreich. Im 17. Jh., Geschichte der Juden in Frankreich. 2002. Esther Benbassa.

046

Im II. Weltkrieg kam es zwischen Deutschland und Frankreich am 22. Juni 1940 zu einem Waffenstillstand. Der französische Marschall Philippe Pétain rief das Vichy-Regime aus, das die Dritte Französische Republik ablöste. Die neue Regierungsgewalt umfasste de facto nur das südliche Frankreich, das von deutschen Truppen nicht besetzt war, ca. 40 % des Territoriums. Die Macht dieser neuen Regierung war stark eingeschränkt. Im März 1941 richtete das neue Regime ein „General-Kommissariat zu jüdischen Fragen“ ein, das antijüdische Propaganda ausübte und jüdisches Eigentum beschlagnahmte. Schon vorher war der Bewegungsspielraum jüdischer Bürger eingeschränkt worden. Das General-Kommissariat arbeitete mit den Deutschen zusammen, sodass es 1942 zu den ersten Judentransporten aus Frankreich nach Auschwitz kam. Letztendlich wurden ca. 75.000 Menschen mit jüdischem Glauben von Frankreich nach Deutschland deportiert und ermordet, Frauen, Kinder und Männer.

Wikipedia/Geschichte der Juden in Frankreich. Während des II. Weltkrieges, Geschichte der Juden in Frankreich. 2002. Esther Benbassa.

<  04 Antijudaismus in Spanien

047

Das 3. Konzil von Toledo/Spanien, 589 n. Chr., verbot den Juden die Sklavenhaltung, die aber Christen gestattet war. Die Juden mussten daher ihren Landbesitz verkaufen. Die Menschen mit jüdischen Glauben durften keine christlichen Frauen heiraten oder christliche Konkubinen haben. Die Kinder solcher Beziehungen mussten getauft werden.

Canon 14, Abermals krähte der Hahn. K. H. Deschner, S. 516, Wikipedia/Konzil von Toledo.

048

Das 6. Konzil von Toledo/Spanien tagte 638 n. Chr. und wurde vom König Chintila einberufen. Alle in Spanien lebenden Juden sollten getauft werden. Die christlichen Bischöfe stimmten dem König zu, dass Judentum im Reich völlig auszurotten und keine Nichtkatholiken zu dulden.

Canon 3, Abermals krähte der Hahn. K. H. Deschner, S. 517, Wikipedia/Konzil von Toledo.

049

Das 16. Konzil von Toledo/Spanien im Jahre 693 n. Chr. bestätigte ein Gesetz, demzufolge Juden eine Sondersteuer, die sogenannte Judensteuer zahlen mussten. Der Fernhandel und jeder Geschäftsabschluss mit Christen wurde ihnen untersagt.

Canon 3, Wikipedia, Konzil von Toledo.

050

Auf der Kirchenversammlung, dem 17. Konzil von Toledo im Jahre 694 n. Chr., wurden unmenschliche Maßnahmen gegen die jüdischen Gläubigen beschlossen. Sie wurden “wegen staatsfeindlicher Umtriebe und Beleidigung des Kreuzes Christi“ versklavt und beraubt, d. h., ihr Vermögen wurde beschlagnahmt. Die Kinder wurden ihnen vom siebten Jahr an weggenommen, um sie christlich zu erziehen u. später christlich zu verheiraten.

Canon 8, M. S. Bates, Glaubensfreiheit. Eine Untersuchung, 1947, S. 28 f., zitiert in Abermals krähte der Hahn, K. H. Deschner, S. 517. Wikipedia: Konzil von Toledo.

051

Unter dem Einfluss des stellvertretenden Bischofs und antisemitischen Hasspredigers Martinez kam es 1391 n. Chr. in Sevilla/Spanien zum Pogrom und danach in ganz Spanien. Sehr viele Judenviertel wurden geplündert und zerstört. Tausende Juden getötet, Zehntausende zur christlichen Taufe gezwungen und ca. 25.000 als Sklaven verkauft.

Abermals krähte der Hahn, K. H. Deschner, S. 517. Wikipedia:  Geschichte der Juden in Spanien.

052

1492 n. Chr. wurden durch die katholischen Könige Isabella und Ferdinand II. alle Juden aus Spanien vertrieben. Wer sich taufen ließ, wurde verschont. In etwa 90.000 Bürger mit jüdischem Glauben wurden heimatlos. Ein Teil floh nach Portugal, doch dort musste sie spätestens nach zwei Jahren zum christlichen Glauben übertreten oder das Land verlassen. Die das nicht konnten wurden versklavt, zwangsgetauft oder nach Afrika in die Plantagen der Portugiesen geschickt.

Wikipedia: Alhambra-Edikt. Abermals krähte der Hahn, 1996, K. H. Deschner, S. 517.

< 05 Antijudaismus in Deutschland

053

„Noch bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts warf man den Juden immer wieder Hostienschändung und Ritualmord vor und setzte ihre Verfolgung fort 1).“ Ihnen wurde unterstellt, aus religiösen Gründen Menschen, besonders christliche Kinder, zu töten, so wie es z. B. schon bei den Azteken (Mexico), bei der Verehrung der Göttin Kali (Indien) und im vorisraelitischen Kanaan Brauch war. Eine Hostienschändung (Hostie ist das Brot, welches beim kirchlichen Abendmahl verwendet wird, von dem die Katholische Kirche sagt, dass in dessen Masse Jesus Christus mit seinem Leib und seinem Blut real präsent sei.) wurde 1290 n. Chr. aus Paris gemeldet. Johannes von Tilrode schrieb in seinem Chronicon. Eine Judengemeinde habe eine Hostie mit Messern, Stiletten und Nägeln bearbeitet, sie jedoch nicht zerstören können. Erst beim Einsatz eines sehr großen Messers, ließ sich das Brot (Hostie) in drei Stücke teilen und es wäre Blut ausgeflossen. Man warf alles in kochendes Wasser, das sich in Blut und die Hostienstücke in ein Stück Fleisch verwandelte. Viele Augenzeugen wären Christen geworden. Diese Verleumdung wurde in Frankreich und im deutschsprachigen Raum in verschiedenen Versionen verbreitet, wobei sogar das Abbild des Gekreuzigten erschien, ein Engel oder das Jesuskind. 2)

1) Abermals krähte der Hahn, 1996, S. 523, K. H. Deschner. 2) Wiki-pedia/Hostienfrevel/Ritualmord.

054

Am 25. Dezember des Jahres 1235 n. Chr. kam es in der Fuldaer „Quadmühle“ zum Brand, bei dem fünf christliche Kinder starben. Die jüdische Gemeinde von Fulda wurde daraufhin beschuldigt, die Kinder für Rituale ermordet zu haben und man brachte sie durch Folter zu einem Geständnis. Demzufolge hätten sie das Blut in gewachste Säcke abgefüllt, um es als Heilmittel zu verwenden. Bereits nach drei Tagen, am 28. Dezember 1235, wurden 34 jüdische Frauen und Männer durch die zufällig anwesenden Kreuzfahrer hingerichtet.

Der Fuldaer Judenmord von 1235, Stürner, Wolfgang: Friedrich II., Der Kaiser 1220-1250, Darmstadt 2000, S. 321-323. Wikipedia/Ritualmord-legende.

055

In München wurden 1285 n. Chr. alle jüdischen Bürger ermordet, weil ein Gerücht umging, sie hätten ein christliches Kind getötet und sein Blut getrunken. Die Synagoge wurde angezündet und 180 Gläubige kamen in den Flammen um. Weitere Pogrome gegen die Juden in München, ausgeführt von den katholischen Bürgern, ereigneten sich in den Jahren 1345, 1349, 1413, 1442 und 1715 n. Chr.

Auch den Erfurter Juden wurde 1221 n. Chr. vorgeworfen, einen Christen ermordet zu haben, und dass sie dessen Blut getrunken hätten. Die Christen stürmten die Synagoge, und weil die Juden sich weigerten, den katholischen Glauben anzunehmen, wurde die Thorarolle zerstört, die Synagoge angezündet und die Juden erschlagen. 1349 n. Chr. wurden alle Juden Erfurts von den Katholiken ermordet und vertrieben mit der Begründung, sie hätten die städtischen Brunnen vergiftet und damit die Pest ausgelöst.

Wikipedia/Geschichte der Juden in München, Geschichte der Juden in Erfurt, Jüdische Gemeinde in Fulda.

056

Im April 1298 kam es in Röttingen im Landkreis Würzburg unter dem fränkisch katholischen Edelmann Rindfleisch und seinen Anhängern zum Massenmord an Juden in und um Franken. Es gab in der Stadt Gerüchte über Hostienschändung durch die jüdischen Bürger. Ihnen wurde vorgeworfen, sich geweihte Hostien (lat. hostia, Opfer), dass beim Abendmahl verwendete Brot, welches den Leib Christi darstellen soll, besorgt zu haben, um es zu zerschneiden oder anders zu schänden, um so die Qualen Jesu Christi bei der Kreuzigung zu wiederholen. Zuerst verbrannten die katholischen Christen 21 Juden der Stadt Röttingen. Dann zog man weiter durchs Land und verübte in vielen Städten Massaker. Insgesamt wurden ca. 5.000 unschuldige Juden, Jüdinnen und ihre Kinder ermordet und ca. 140 ihrer Gemeinden ausgerottet.o

Abermals krähte der Hahn, 1996, K. H. Deschner, S. 518, Wikipedia: Antijudaismus im Mittelalter. Wikipedia: Hostienfrevel, Historiae Me-morabiles.

057

1336 bis 1338 n. Chr. zogen der katholische Edelmann, Arnold III. von Uissigheim,, begleitet von Bauern und Stadtbewohnern, von Röttingen im unterfränkischen Landkreis Würzburg aus, um Bürger mit jüdischem Glauben zu berauben, zu erschlagen und zu verbrennen. Sie nannten sich auch „Judenschläger“. Das erste Massaker richtete sich gegen die Judengemeinde am Ort, dann wurden die in Tauberbischofsheim, Mergentheim, Iphofen, Kitzingen, Lorch, Kaub und in anderen Orten vernichtet. Die Verfolgung dehnte sich auf Süddeutschland, Kärnten, Böhmen und Mähren aus. Bis zu 6.000 Juden wurden ermordet, ca. 60 jüdische Gemeinden. 1337 wurden unter Führung des elsässischen Gastwirtes Johann Zimberlin und des Adligen Umbehoven von Dorlisheim Judengemeinden im Elsass ausgerottet, u. a. in Rouffach, Ensisheim, Mülhausen und Ribeauvillé. Arnold III. und Zimberlin trugen auch den Namen König Armleder. Das Grab von Arnold III. befand sich mitten in der Kirche von Uissigheim. Er wurde bis ins 18. Jahrhundert als Wunderträger verehrt.

Wiki / Armledererhebung. Glossar-Franken-Wiki / Armlederverfolgung. www.---/geschichte der juden in deutschland/kapitel18.html

058

"1337 wurden im Verlauf eines Pogroms die jüdischen Bürger Deggendorfs komplett verbrannt. Ihnen wurde ebenfalls „Hostienfrevel“ vorgeworfen. Die Schulden der christlichen Deggendorfer bei den Juden verbrannten ebenfalls, nur das Vermögen blieb übrig. Noch bis 1968 fanden Prozessionen und Veranstaltungen in Deggendorf statt, die den damaligen Judenmord verherrlichten."

1337 wurde im Verlauf eines Pogroms die jüdische Gemeinde Deggendorfs (Bayern) von den katholischen Bürgern komplett verbrannt und getötet. Noch bis 1968 fanden Prozessionen und Veranstaltungen in Deggendorf statt, die den damaligen Judenmord verherrlichten. Ursache soll auch die hohe Verschuldung von Deggendorfer Bürgern bei den getöteten Juden gewesen sein. In den folgenden Tagen wurden in der Umgebung von Deggendorf weitere Massenmorde an jüdischen Bürgern begangen.

Abermals krähte der Hahn, 1996, S. 518, Deschner.





Wikipedia / Deggendorf. Wikipedia / Grabkirche (Deggendorf).

059

Infolge der großen Pest von 1347-1350 n. Chr. kam es in Braunschweig zur gewaltsamen Judenverfolgung, bei der ca. 100 von ihnen als vermeintliche Brunnenvergifter ermordet wurden. Das verbreitete Gerücht, Juden wären die Verursacher der Pest, löste in Europa Pogrome mit Tausenden jüdischen Todesopfern aus. Ab 1435 war auch die Judentracht vorgeschrieben, um sie von der übrigen Bevölkerung zu unterscheiden. 1437 wurden zwei Juden wegen vermeintlichen Ritualmordes verbrannt, 1510 alle jüdischen Bürger Braunschweigs wegen Hostienschändung verhaftet, man ließ sie jedoch wieder frei. 1546 wurden sie dann vertrieben.

Wikipedia/Geschichte der Juden in Braunschweig.

060

Im Jahre 1349 n. Chr. wurden in Straßburg ca. 2.000 Juden verbrannt. Es ging das Gerücht um, dass jüdische Bürger Brunnen vergiftet hätten und dass dadurch die Seuche, die Pest, ausgelöst worden wäre. Retten konnten sich nur Taufwillige, d. h. Juden, die zum katholischen Glauben übertraten. Die Mörder teilten den jüdischen Besitz unter sich auf.

Wikipedia/Judenpogrom in Straßburg 1349.

061

1348 brach die Pest in vielen Teilen Europas aus. Es kam 1349 n. Chr. zu Massenmorden durch Katholiken an Bürgern jüdischen Glaubens in ca. 350 deutschen Gemeinden. Man gab den Juden die Schuld an der todbringenden Pest und tötete sie fast alle, „meist durch Verbrennung bei lebendigem Leib.“ „Sehr viele hätten durch die [christliche] Taufe dem Tod entgehen können, sie zogen aber fast stets das Martyrium vor.“ Berichte aus der damaligen Zeit informieren vom Freitod ganzer Judengemeinden, bevor sie verbrannt werden konnten. Ein Jahr später lebten nur noch wenige Juden in Mitteleuropa.

Wikipedia/Antijudaismus. H. G. Adler, Die Juden in Deutschland, von der Aufklärung bis zum Nationalsozialismus, 1960, 25 f, zit. in Abermals krähte der Hahn, 1996, K. H. Deschner, S. 518.

062

1349 n. Chr. kam es in Köln zu einem Massenmord, zu der sogenannten „Judenschlacht“. Christliche Bürger drangen in das Judenviertel ein und ermordeten die meisten Bewohner. 1424 wurden die Juden „auf alle Ewigkeit“ aus der Stadt verbannt. Zwischen 1424 und dem Ende des 18. Jahrhunderts durfte sich kein Jude in der Stadt aufhalten.

Wikipedia / Köln

063

1349 n. Chr. wurden die jüdischen Bürger in Nürnberg verleumdet, sie hätten die Brunnen der Stadt vergiftet und würden die Pest verbreiten. 562 von ihnen wurden daraufhin lebendig verbrannt. Die Übrigen enteignet und vertrieben. Später siedelten sich wieder Juden in Nürnberg an, die jedoch 1499 erneut fortgejagt wurden, für in etwa 350 Jahre. Wer jedoch über ausreichend finanzielle Mittel verfügte und bereit war ein hohes Schutzgeld zu zahlen, der erhielt vom Markgrafen von Ansbach und vom Dompropst von Bamberg die Erlaubnis, sich in Fürth/Bayern anzusiedeln.

Wikipedia/Juden in Nürnberg.

064

1241 n. Chr. kam es zur sogenannten „Frankfurter Judenschlacht“. Es war u. a. zum Streit über die jüdisch-christliche Ehe und die Zwangstaufe gekommen. Dabei wurden etwa 180 Juden durch die Christen getötet, die aber selbst nur wenige Tote zu beklagen hatten. 24 jüdische Bürger unterwarfen sich der Zwangstaufe und konnten dadurch ihr Leben retten. Die Synagoge wurde zerstört, die Schriften zerrissen und überall breitete sich Feuer aus. König Konrad IV. verzieh 1246 urkundlich den Frankfurtern und verzichtete auf Schadensersatz.

1349 wurden alle jüdischen Bürger Frankfurts erschlagen oder in ihren Häusern verbrannt, weil sie angeblich die Brunnen vergiftet und dadurch die Pest ausgelöst hatten.

1462 wurden die frankfurter Juden in ein außerhalb der Stadt gelegenes Ghetto verlegt. Die Tore blieben nachts und an Sonn- und Feiertagen geschlossen. 400 Jahre war diese sogenannte Judengasse der einzig geduldete Wohnort für sie.

1614 kam es zu einer judenfeindlichen Revolte, zum „Fettmilch-Aufstand“ und zur Plünderung der Judengasse, deren jüdischen Einwohner alle aus dem Ghetto vertrieben wurden. „Doch bestand dort für sie noch Ende des 18. Jahrhunderts ein Grußzwang. Sobald ein Christ einem Juden auf der Straße zurief: „Mach Mores, Jud!“ hatte dieser den Hut zu ziehen.“ 1)

Wikipedia/Frankfurter Judengasse, Wikipedia/Fettmilchaufstand, juedisches-frankfurt.de. 1) H. G. Adler, Die Juden in Deutschland, von der Aufklärung bis zum Nationalsozialismus, 1960, S. 32, zit. in Abermals krähte der Hahn, 1996, S. 519.

065

1477 n. Chr. wurde den Juden von Passau die Marterung von Hostien (das Brot des christlichen Abendmals) vorgeworfen. Die Beschuldigten wurden gefoltert und hingerichtet. Wer zum katholischen Glauben übertrat, und sich taufen ließ, wurde verschont. Die restlichen Juden wurden vertrieben, die Synagoge und das Judenviertel niedergerissen.

Wikipedia/Hostienfrevel

066

1492 n. Chr. wurde Juden in Mecklenburg Hostienschändung vorgeworfen, d. h., sie hätten das Brot, was beim kirchlichen Abendmahl verwendet wird, geschändet, da nach katholischer Auffassung eine Realpräsenz gegeben ist, dass also in der Masse von Brot und Wein Christus mit seinem Leib und seinem Blut real gegenwärtig ist. 27 Juden wurden im Sternberger Hostienprozess zum Tode verurteilt und lebendig verbrannt. Alle anderen Juden mussten Mecklenburg verlassen. Ihr Vermögen wurde beschlagnahmt und sämtliche christlichen Schulden bei den Juden für ungültig erklärt.

Wikipedia/Hostienfrevel

067

1510 n. Chr. wurden in der Mark Brandenburg und Berlin ca. 100 Juden wegen Hostienschändung und Kindermord angeklagt. 38 von ihnen wurden auf dem Neuen Markt in Berlin lebendig verbrannt, zwei weitere enthauptet. Die Überlebenden wurden mit ihren Familien aus der Mark Brandenburg vertrieben.

Wikipedia/Hostienfrevel

068

1519 n. Chr. wurden die Juden aus Regensburg vertrieben. Zwei Frauen verloren dabei ihr Leben. Das jüdische Viertel mit Synagoge und Schule wurde abgerissen, Pfänder beschlagnahmt, der Friedhof geschändet und bis zu 4.200 Grabsteine zerstört oder in Hauswände der katholischen Bürger eingemauert. Als Ursachen nennt der Historiker Peter Herde den „Judenhass, den die Geistlichkeit durch religiöse und wirtschaftliche Argumente verstärkte“ und „dass sich die Steuerkraft der Juden infolge ihrer Verarmung sehr vermindert hatte, und wohl auch die Hoffnung, mit Hilfe ihrer mobilen und immobilen Habe die katastrophale Finanzlage der Stadt zu verbessern.“ 1)

1) Peter Herde, Regensburg (Ortschaftsartikel), in: Germania Judaica (GJ) Band III, 2. Teilband, hg. von Arye Maimon, Mordechai Breuer u. a., Tübingen 1995, S. 1178–1229, hier 1202. Wikipe-dia/Judentum in Regensburg.

069

„Brüder in Christo! Auf, auf, sammelt euch, rüstet euch mit Mut und Kraft gegen den Feind unseres Glaubens, es ist Zeit, das Geschlecht der Christusmörder zu unterdrücken, damit sie nicht Herrscher werden über euch und unsere Nachkommen, denn stolz erhebt die Judenrotte ihre Häupter ... nieder mit ihnen, ehe sie unsere Priester kreuzigen, unsere Heiligtümer schänden und unsere Tempel zerstören, noch haben wir Macht über ihnen ... darum lasst uns jetzt ihr sich selbst gefälltes Urteil an ihnen vorstrecken ... Auf, wer getauft ist, es gilt der heiligen Sache ... Nun auf zur Rache! Unser Kampfgeschrei sei Hepp, Hepp, Hepp!!! Aller Juden Tod und Verderben, ihr müsst fliehen oder sterben!“

„So heißt es 1819 in einer Proklamation im katholischen Würzburg. Von hier aus verbreiten sich in Deutschland Judenpogrome, ...“

Gottes erste Liebe, 1967, Friedrich Heer, S. 331. Brüder in Christo? Würzburg 1819: E. Sterling, a. a. O., Deutscher Antisemitismus im frühen 19. Jahrhundert: E. Sterling; E. v. Schenk.

 

070

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 kam es in Deutschland zur „Kristallnacht“, in der „191 Synagogen in Brand gesteckt und weitere 76 demoliert wurden“ 1), ebenso jüdische Geschäfte, Wohnungen und Friedhöfe. In der Zeit vom 7. bis 13. Nov. 1938 wurden viele Juden ermordet oder nahmen sich das Leben. Ab dem 10. November deportierte man ca. 30.000 von ihnen in Konzentrationslager. 2)

1) Abermals krähte der Hahn, 1996, S. 528, K. H. Deschner. 2) Wikipedia/ Kristallnacht.

071

"Jahrhundertelang hatten die Kirchenväter gegen die Juden geschrieben. Die meisten Päpste setzten diese Tendenz fort.“ 1) Als Folge wurden die Juden über 1600 Jahre in christlichen Ländern, diskriminiert, diskreditiert, vertrieben, gefoltert und ermordet. In Deutschland kam es dann während des Dritten Reiches (1933-1945) zur großen Katastrophe, zum Holocaust, d. h. zum Völkermord an deutschen Bürgern mit jüdischen Glauben und an Juden in ganz Europa. Millionen von ihnen, Frauen, Kinder und Männer, wurden getötet.

1) Das Frühchristentum als anti-semitische Bewegung, S. 16, C. Schneider, 1940.

<  06 Antijudaismus in Europa

072

In der Nähe eines jüdischen Hauses in Lincoln/England wurde im Jahr 1255 n. Chr. ein Junge tot aufgefunden. Der Jude wurde daraufhin gefoltert und gestand, dass man ihn beauftragt hätte, einen Ritualmord zu begehen. Er wurde durch die Straßen Londons geschleift und letztlich aufgehängt. Heinrich III. nutzte das Gerücht für einen Schauprozess und ließ bis zu 97 weitere Bürger jüdischen Glaubens hängen.

Wikipedia/RitualmordlegendeH

 

073

In England wurde 1264 n. Chr. den jüdischen Bürgern ein Ritualmord vorgeworfen, d. h. die Tötung eines Menschen als rituelle bzw. gottesdienstliche Handlung. Kinder werden dabei als Menschenopfer bevorzugt. Es kam zu einem Pogrom, zur Hetze und Ausschreitungen gegen die jüdische Minderheit. Viele Gemeinden von ihnen wurden vertrieben. 1290 n. Chr. wies der englische König Eduard I. dann alle Juden aus seinem Reich.

Wikipedia/Antijudaismus im Mittelalter.

074

Im Herzogtum Österreich wurden am 23. Mai 1420 alle Juden gefangen genommen. Die armen von ihnen wurden etwa einen Monat später des Landes verwiesen. Man trieb sie mit Schiffen die Donau hinunter, jedoch die reichen österreichischen Bürger jüdischen Glaubens blieben im Gefängnis. Es soll Folterungen und Misshandlungen gegeben haben, um die Juden zur Annahme des katholischen Glaubens zu überreden und um in den Besitz ihrer möglicherweise versteckten Wertgegenstände zu kommen. Für Kinder ab 12 Jahren wurde die Zwangstaufe angeordnet. Ein Dekret von Herzog Albrecht vom 12. März 1421 verurteilte die gefangenen Juden zum Tode. Als Gründe wurden ein ehemaliger Hostienfrevel in Enns/Österreich und ihre allgemeine „Bosheit“ angegeben. 92 jüdische Männer und 120 Frauen wurden daraufhin ermordet.

Wikipedia/Hostienfrevel/Wiener Gesera.

075

1453 n. Chr. kam es in Breslau unter dem Franziskaner Johannes Capistrano zur Judenverfolgung. Er wurde 1960 von der katholischen Kirche heilig gesprochen. Den Juden wurde Hostienschändung vorgeworfen. Angeblich hätten sie sich Hostien, dass Brot des christlichen Abendmahls, angeeignet und ausgepeitscht. Unter Folter gestanden sie natürlich, sodass 41 von etwa 300 Juden auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Der Rest wurde ausgewiesen und wie üblich ihr Vermögen eingezogen. 1455 wurde von König Ladislaus Postumus ein Gesetz erlassen, das zukünftig keine Juden mehr in Breslau duldete.

Wikipedia/Juden in Breslau, Wikipedia/Johannes Capistrano.

076

1497 n. Chr. heiratete König Manuel I. von Portugal Isabella v. Aragón u. Kastilien, die Tochter der spanischen „Katholischen Könige“ Isabella I. und Ferdinand II., die 1492 bereits alle Juden aus Spanien vertrieben hatten. Etwa 60.000 von ihnen waren nach Portugal geflohen. 1496, sozusagen als Hochzeitgeschenk, mussten nun auch die Juden aus Portugal ausgewiesen werden. Manuel I. machte kurzer Hand die gesamte jüdische Bevölkerung zu Katholiken, indem er sie zwangstaufen ließ. Zur Osterzeit des Jahres 1506, als der König sich wegen der Pest außerhalb Lissabons aufhielt, kam es zu einem antijüdischen Pogrom gegen diese „Neue Christen“, zum sogenannten Massaker von Lissabon. Circa 2000 von ihnen wurden ermordet.

Wikipedia/Manuel I., Portugal

Wikipedia /Marranen.

077

Die polnischen Könige „ermutigten die Juden sogar zur Einwanderung und zwar gegen den Widerstand der Geistlichkeit.“ 1) Doch im Jahre 1648 n. Chr. kam es unter dem Kosaken Bogdan Chmelnyzkyj zum Aufstand gegen die polnisch-litauische Herrschaft. Sie plünderten in einem Teil des polnisch-litauischen Reiches, „wobei es unter Beteiligung der dortigen christlichen Bevölkerung“, zur Verfolgung der Juden kam. Bis zu 100.000 Bürger jüdischen Glaubens wurden getötet. 2)

1) Abermals krähte der Hahn, 1996, S. 519, K. H. Deschner. 2) Wikipedia/ Geschichte der Juden in Polen/ Chmelnyzkyj-Aufstand.

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