minerva79.de - Parapsychologie - Esoterik - mehr Realität

Christliche Evangelien, Briefe, Offenbarungen u. a.

Startseite   Himmel & Erde   Nostradamus   Visionen & Träume   Frühe Schriften   Gefiederte Welt   Meine Bilder

 

Lic. Dr. Martin Brückner klärt auf! [2]

"Du sollst kein falsches Zeugnis ablegen wider deinen Nächsten." [1]

 

„Bewusste, vorsätzliche Lügen stellen in der Psychotherapie oft ein großes Problem dar. Léon Wurmser (1999) machte auf das Problem der institutionellen Verankerung der bewussten Lüge aufmerksam ... Er selbst habe kaum je in einer Institution gearbeitet, wo das Lügen nicht zu einem Hauptinstrument der Macht, der Administration, geworden sei und die Weigerung daran teilzunehmen als Schwäche oder gar als Verrat behandelt worden wäre ... dass kein Vertrauen in einer Gesellschaft möglich sei, in der Täuschung und Lügen geduldet, ja gepriesen werde und sich ein Abgrund des Misstrauens, ein paranoider Stil öffne, wenn das Ausmaß der Unwahrheit eine gewisse Schwelle überschreite.“ (Dr. Léon Wurmser, Psychater, Psychoanalytiker, Hochschullehrer; Zitat aus: www.wikipedia- .org/wiki//lüge)

 

‚Du sollst nicht falsches Zeugnis reden über deinen Nächsten’, so das christliche und biblische Gebot, also keine falschen Angaben und Aussagen machen, noch solche bestätigen, selbst wenn es ergreifende Geschichten sind, wie z. B. die über den jüdischen Prediger Jesus Christus. Das taten aber die Schreiber der frühen christlichen Schriften aus verschiedenen ganz menschlichen Beweggründen.

 

Das Christentum hat solche Legenden und andere Dinge freudig übernommen und zum Teil wider besseres Wissen bis in die heutige Zeit an ihre Gläubigen weiter gegeben. Die Wirkungen dieser Verirrungen sind im umfassenden Sinn noch gar nicht abzusehen. Ein Teil der Theologen und andere Forscher haben das erkannt und handelten mutig gemäß der alten Aussage: „Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen.“ (Bibel, Johannesevangelium 8:32)

 

Nur einige Ergebnisse ihrer Forschung:

 

„Wenn man einen Mysterieneingeweihten heute ins Leben zurückrufen könnte, so würde er uns bestätigen, dass er sich bei der Heilandsgestalt Jesu von der Geburt bis zur Himmelfahrt Szene für Szene an die beiden Heilande Dionysos und Herakles erinnert fühlte.“ [3]

 

„Man übertrug allerlei im Volksmunde lebendige Geschichten von diesem und jenen Wundertäter auf Jesus und stattete mit geläufigen Wundermotiven schon vorhandene evangelische Erzählungen aus.“ [4]

 

„... judenchristliche Erzähler machten Jesus zum Helden von bekannten Propheten- und Rabbinen-Legenden, heidenchristliche Novellisten gaben Geschichten von Göttern, Heilanden und Wundertätern umgeprägt auf den christlichen Heiland weiter.“ [5]

 

Doch die vorgenannten allzumenschlichen Täuschungen sollten nicht dazu führen ‚die Flinte ins Korn zu werfen’, da heute ausreichend gesichert ist, dass die ganzen Heilandslegenden und Göttergeschichten einen kleinen wahren Kern enthalten, der aus dem besteht, was die Menschen schon sehr lange ahnten und wussten, d. h., dass beim Ableben etwas übrig bleibt: Ein Energiekörper, ein geistiger Körper, der letztendlich die Essenz unserer Empfindungen, unseres Denkens und unserer Taten ist. Ein Naturgesetz, das für alle Menschen gleich ist, egal welcher Konfession oder Philosophie sie angehören.

 

Medien auf diesem Planeten übermitteln auch heute noch Botschaften aus den anderen Sphären und Astralwanderer berichten. Einen größeren Wahrheitskern enthalten z. B. die Werke von A. Monroe und Seth. Natürlich sind die Botschaften etwas verschieden, was von dem Bewusstseinsstand oder von der fixen Prägung der jeweilig gebenden Seele abhängig ist und möglicherweise von der Qualität des Mediums. Darum wäre es schön, wenn der Suchende nicht alles gleich auf die Goldwaage legt, vorsichtig mit Bindungen ist und der Freiheit zugeneigt bleibt.

 

Auszug / Zitat aus: [2]

 

Der sterbende und auferstehende Gottheiland in den orientalischen Religionen und ihr

Verhältnis zum Christentum, Lic. Dr. Martin Brückner, Berlin, Verlag J. C. B. Mohr,

Tübingen 1908, Religionsgeschichtliche Volksbücher, 1. Reihe, 16. Heft.

 

 [7] Phönizien [8] Klein Asien [9] Griechenland [10] Ägypten [11] Persien [12] Analogien

 

Babylonien

 

(S. 12>) „Wir beginnen mit der babylonischen Religion (3.000 v.Chr. -> *), weil diese den weitesten Einfluss auf andere Völker und namentlich auf die jüdische Religion gehabt hat. Wenn uns auch nur verhältnismäßig wenige Nachrichten über diese uralte Religion erhalten geblieben sind, so verraten diese doch deutlich das mehrfache Vorhandensein eines Glaubens an den Tod und die Wiederbelebung von Göttern.

 

Am deutlichsten tritt er bei dem Gotte Tammuz in die Erscheinung, dem auch als Hirt dargestellten jugendlichen Geliebten der babylonischen Muttergöttin Istar. Er ist der Sohn Eas, des Gottes der Wassertiefe, wie auch sein Name Tammuz besagt, der „echte Sohn der Wassertiefe“ bedeutet.

 

Ea bildet mit Anu, dem Gotte des Himmels und Bel, dem Gotte der Erde die oberste Götterdreiheit der (S. 13>) alten Babylonier, „die Götter dessen, was im Himmel und auf Erden und unter der Erde ist“. Daher ist Tammuz auch ein Gott der Unterwelt (jenseitige Welt, Reich der Toten)*, vor allem aber ein Gott der Frühlingsvegitation, die in der Sommerhitze stirbt.

 

Nach der Erzählung von der Höllenfahrt der Istar steigt diese Göttin in die Unterwelt hinab, in das Land, von dem niemand zurückkehrt, um das Wasser des Lebens für ihren toten Freund zu holen, wird aber dort von Ereshkigal (Herrin der Unterwelt)* festgehalten. Da aber auf Erden alles Leben zu ersterben droht, sendet Anu einen Boten hinab, auf dessen Geheiß Istar mit dem Wasser des Lebens besprengt und freigegeben wird.

 

Nach ihrer Rückkehr soll Tammuz mit reinem Wasser gewaschen, mit gutem Öl gesalbt und mit rotem Kleide bekleidet werden, und Flötenspiel erschallen. Das Gedicht scheint daher mit der Trauerfeier um den gestorbenen Gott und seiner Wiedererweckung zu schließen. – Auch im Adapa-Mythus verschwindet Tammuz, um in das Tor des Anu, d. h. des oberen Himmels, einzugehen.

 

Die Trauerfeier des Tammuz ist uralt, wie ihre Erwähnung im Adapa-Mythus und im Gilgamesch-Epos (2ooo v. Chr. *) zeigt. Im Letzteren lesen wir, dass Istar ihrem Buhlen (Geliebten)* Tammuz Jahr für Jahr weinen bestimmt habe. Diese jährlich wiederkehrende Trauerfeier des Gottes fand in dem nach ihm benannten Monat Tammuz statt, der in den Hochsommer viel. Sie muss sehr verbreitet gewesen sein und hatte auch bei den Juden Eingang gefunden. Nach c. 8,14 seines Buches wird dem Propheten Hesekiel von Gott im Gesicht gezeigt, wie die Weiber der Stadt Jerusalem am Nordtore des Tempels den Tammuz beweinen.

 

Also bis auf die Tore des offiziellen Heiligtums in Jerusalem hatte sich dieser heidnische Brauch ausbreiten dürfen! Wie festgewurzelt er war, zeigt die Tatsache, dass noch im Jahre 987 n. Chr. die Sabier im Monat Tammuz das Fest der weinenden Frauen (el-bukat) um den Gott Ta-uz gefeiert haben. Von einem Auferstehungsfeste des Tammuz ist nichts bekannt; es ist auch nicht wahrscheinlich, dass es ein solches gab. Ihm wurde nur eine elegische Totenfeier mit Klagegesang der Weiber und Flötenspiel gehalten.

 

Ein glänzendes Auferstehungsfest mit prächtigen Umzügen wurde aber dem Gotte Marduk gefeiert, dem alten (S. 14>) Stadtgotte Babylons, der mit der Weltherrschaft der Babylonier auch die Herrschaft unter ihren Göttern erlangt hatte. Ursprünglich vielleicht auch ein Vegetationsgott, da sein Fest in den Frühling viel und ihm der Stier heilig war, ist er doch seit alters der lichte Gott der Frühlings- und Morgensonne.

 

Wie Tammuz war auch er ein Sohn des Ea, erlangte aber als Besieger des Chaosungetüms Tiamat weit höhere Bedeutung als dieser, galt als Weltschöpfer und Erlösergott, der als Retter in aller Not vom Vater gesendet wird. Er wird ein Heilgott in allen Krankheiten und Löser jeglichen Bannes genannt, ist der Barmherzige, der Tote lebendig zu machen liebt, der Herr aller Herren und König aller Könige.

 

Marduk stirbt im Winter und steigt im Frühjahr wieder auf. An bestimmten Tagen wird ihm die Totenklage gehalten, daher er auch bei nubatti, Herr der Totenklage, heißt. Die Alten kannten auch sein Grab, das Grab des Bel.

 

Wenn er im Frühjahr wieder auflebt, wird sein auch 2. Makkabäer 15,36 (Bibel, Altes Testament)* erwähntes Hauptfest, Zagmuk genannt, gefeiert, das auch zugleich sein Hochzeitfest war. Es war das Neujahrsfest der Babylonier und viel in den Anfang des Monats Nisan, der unserm März entspricht.

 

Diese Fest hängt vielleicht mit den römischen Saturnalien wie mit dem persischen Skakäenfest zusammen und ist jedenfalls vom großen Einfluss auf die Entstehung des jüdischen Purimfestes gewesen, von dessen Begründung das Buch Esther (Bibel, Altes Testament)* handelt. Die Namen Ester (Istar) und Mardochai (Marduk) sind allein schon für den babylonischen Ursprung des Inhalts der Erzählung beweisend.

 

Wie von Tammuz und Marduk ist auch von andern Göttern des babylonischen Pantheons ein Sterben und Auferstehen gelehrt worden. So steigt Nergal am 18. Tammuz in die Unterwelt und am 28. Kislev wieder herauf. Auch Istars Höllenfahrt selbst gehört ja in diesen Anschauungskreis.

 

Von andern Göttern kommen noch besonders Samas (= Sonne) und Sin (= Mond) in Betracht. Doch wissen wir von ihnen zu wenig Bestimmtes. Tammuz und Marduk aber haben durch ihren Kult die weiteste Bedeutung erlangt: jener durch die elegische Trauerfeier seines Todes, (S. 15>) dieser auch durch die glänzende Frühlingsfeier seiner Auferstehung.

 

[7Phönizien

  

(S. 15>) Mit dem babylonischen Tammuz identisch oder doch überaus häufig identifiziert ist der phönizische Adonas, dessen Kultus aber jedenfalls seine besondere Entwicklung und Bedeutung gehabt hat.

 

Der Hauptsitz des Adoniskults war Byblus (heute Libanon *) an der syrischen Küste, „das Jerusalem oder Mekka der Phönizier“. Hier befand sich das berühmte Heiligtum der phönizischen Aphrodite, der großen Baalat-Gebal, der Gemahlin des Adonis. Ein im Tempel aufgestellter hoher Obelisk war das heilige Bild der Göttin.

 

Ein anderes Heiligtum besaß diese noch im Libanon an der Quelle des nach Adonis benannten Flüsschens, dass bei Byblus ins Meer mündet und heute Nahr Ibrahim heißt. Hier, in der waldigen Bergschlucht, nach der Aussage von Renan und anderen Besuchern einer der schönsten Gegenden der Erde, war so recht der Ort, die elegische Trauerfeier um den Tod des jugendlichen Gottes zu begehen.

 

Wenn die rote Annemone, das Adonisröschen (von den Arabern noch heute die Blume des Naam, „des Lieblichen“, genannt) blühte, und wenn der Bergfluss sich durch die von der Schneeschmelze mitgeführte Erde rötlich färbte, sah man darin das vergossene Blut des durch tragisches Geschick getöteten Gottes und beging sein Fest, nach diesen Anzeichen wohl im Frühling, wenn wir auch darüber keine bestimmte Nachricht haben und anderwärts, wie in Athen, die Adonien in den Sommer fielen.

 

Nach der Sage aus einer Myrthe entsprungen oder von seiner in einen Baum verwandelten Mutter Myrrha geboren wurde Adonis als schöner Jüngling und Jäger der (S. 16>) Geliebte der Aphrodite (Astarte). Sein Name bedeutet Herr und ist eigentlich wie el oder Baal (beides auch Herr) und Melkart (König) ein Appellativname, der im Alten Testament in der Form Adon(i) als Anrede Gottes und auch sonst überaus häufig gebraucht wird.

 

Seinen Tod fand dieser Gott nach der Sage durch den eifersüchtigen Ares, der einen wilden Eber gegen ihn sandte oder sich selbst in einen solchen verwandelte. Was der Eber in der Sage zu bedeuten hat, ist noch nicht sicher aufgeklärt.

 

Wie bei Tammuz stand auch bei Adonis die Trauerfeier im Mittelpunkt des Festes, hat sich aber früher oder später, vielleicht erst durch die Verschmelzung mit dem ägyptischen Osiriskult, mit der Feier der Auferstehung des Gottes verbunden.

 

Der römische Schriftsteller Lucian schilder diese Feiern aus eigener Anschauung folgendermaßen: „Es gibt zu Byblus eine großes Heiligtum der Aphrodite, in dem sie auch dem Adonis geheime Feiern weihen, ein Kult, den ich kennengelernt habe. Sie sagen nämlich, dass sich die Geschichte mit dem Eber in ihrer Gegend zugetragen habe. Und zur Erinnerung an seine Leiden kasteien sie sich jedes Jahr und wehklagen und vollziehen die geheime Feier. Groß ist die Trauer, die sich rings in jener Gegend erhebt. Wenn sie sich aber genug geschlagen und geweint haben, bringen sie zuerst dem Adonis ein Totenopfer dar als einem Gestorbenen. Am folgenden Tage aber bezeichnen sie ihn als einen Lebenden und lassen ihn in die Luft aufsteigen“.

 

Im folgenden Kapitel berichtet der Verfasser den merkwürdigen Vorgang, dass in jedem Jahre aus Ägypten ein Haupt nach Byblus geschwommen komme, das, vom Winde getrieben, den Weg in 7 Tagen zurücklege; eine Erzählung, die vielleicht auf der Erscheinung beruht, dass eine Meeresströmung den Schlamm des Nils an die phönizische (libanesische) Küste führt.

 

Noch Kyrill von Alexandrien weiß, dass ägyptische Frauen von Alexandrien alljährlich in einem verpichten Kruge einen Brief den Weibern von Byblus schicken, der an einem bestimmten Tage in Byblus ankam und die Nachricht brachte, dass Adonis gefunden sei. „Wir fanden ihn, wir freuen uns“ lautet der Freudenruf, wenn der Entschwundene gefunden war.

 

In Alexandrien war das Adonisfest seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. bekannt. Hier ging der Totenklage (S. 17 >) die Hochzeitsfeier des Adonis mit der Aphrodite voraus, zu der beide Götterbilder in einem mit Gewinden, Kränzen und Körben mit reifen Früchten ausgeschmückten Gemache auf Bahren liegend ausgestellt wurden. Am folgenden Tage aber wurde der Tod des Gottes gefeiert, indem sein Bild unter lautem Wehklagen ans Meer getragen und in die Wogen geworfen wurde:

 

Kypris freue heute sich des Gatten; aber morgen werden durch den Frühtau alle Frauen ihn zum Meere tragen, wo die Woge an die Klippe brandet. Ihre Haare wird die Trauer lösen, das Gewand wird offen niederwallen, aus entblößter Brust die Klage tönen. – Aus Theokrit XV. Idyll. v. 131 ff.

 

„Aber sie klagen nicht ohne Hoffnung, denn sie singen, dass der Verlorene wieder zurückkommen werde.“

 

Neben Byblus sind die phönizischen Kolonien Amathus und besonders Paphos an der Südküste der Insel Cypern die Hauptplätze der Adonisverehrung gewesen, in denen dieser Kult auch mit dem Osiriskult so große Ähnlichkeit hatte, dass er oft mit ihm verwechselt wurde. In den Königsgräbern von Mykene hat man goldene Modelle des Heiligtums von Paphos gefunden, die mindesten 1200 Jahre v. Chr. angefertigt worden sein müssen.

 

Die Bedeutung des Heiligtums kann man auch darauf erkennen, das der alte Kato dem Ptolemäus Auletes, der im Jahre 57 v. Chr. von seinem Volke aus Ägypten vertrieben wurde, die Verwaltung des paphischen Tempels als genügenden Ersatz an Geld und Würde angeboten hat. Noch heute salben sich die Frauen von Kuklia, dem alten Paphos, zu Ehren der Magd von Bethlehem, die für sie an die Stelle der alten Göttermutter getreten ist.

 

Von Cypern ist der Adoniskult auch zu den Griechen gekommen. Schon Sappho besingt ihn um 600 v. Chr., und Plato kennt die Adonisgärten. Das sind mit Erde gefüllte Töpfe oder Scherben, in die man leicht aufblühenden Samen tat. In der Sommerhitze schoss er schnell empor und verwelkte wieder: ein Sinnbild der im Frühling erstehenden und (S. 18 >) bald wieder dahinschwindenden Vegetation und ihres Gottes. Diese Scherben wurden dann, wie anderwärts das Bild des Gottes selbst, ins Wasser geworfen, ursprünglich wohl zur Erhaltung der im Wasser als männlichem Prinzip gegenüber der in der Erde als dem weiblichen Prinzip gedachten Naturkraft.

 

Im Spiegel griechischer Sage ist Adonis der liebliche Knabe, den Aphrodite in einer Kiste der Proserpina, der Göttin der Unterwelt, zu Aufbewahrung gibt. Da diese aber den schönen Knaben nicht wieder herausgeben will, schlichtet Zeus den Streit: 1/3 des Jahres soll er der oberen, 2/3 der unteren Welt angehören. 1/3 des Jahres weist auf die Dauer des Frühlings hin. Zuletzt aber kommt der schöne Jüngling auf der Jagd nach einem wilden Eber ums Leben, und Aphrodite klagt bitter um den Verlorenen. Die künstlerische Darstellung der trauernden Göttin mit ihrem toten Liebling in den Armen ist das ursprüngliche Vorbild der berühmten Pieta Michel Angelos geworden.

 

In Attika fiel das Fest des Adonis in den Hochsommer. Denn als Alcibiades im Sommer des Jahres 411 v. Chr. zu seiner berühmten Expetition nach Sizilien aufbrach, wurden gerade die Adonien in Athen gefeiert. Dass dieser Umstand für ein böses Ohmen angesehen wurde, ist ein Beweis dafür, dass hier diese Feier nur eine Trauerfeier um den Tod des Gottes war. Dasselbe gilt von der Adonisfeier in Antiochien, die grade stattfand, als der Kaiser Julian seinen ersten Einzug in diese Stadt halten wollte. Da halte die ganze Stadt wieder von den Klagen um den toten Gott. Nach Pausanias wurde Adonis auch von den Weibern in Argos beweint, wir wissen aber nicht, wann hier diese Feier stattfand.

 

Bei den Juden war der Adoniskult schon seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. bekannt, wie die Erwähnung der Adonisgärten Jesaja 17,10 f. beweist. Auch eine Reihe anderer Stellen hat man auf diese Bekanntschaft gedeutet, wie die Klage um den „Eingeborenen“ Amos 8,10, vgl. auch Jeremia 6,22; 22,18; 34,15; Sarcharja 12,10; Psalm 35,14; 1. König 13,11 nach LXX. Vor allem aber kommt noch Daniel 11,37 in Betracht, wo „die Lust der Weiber“ eine Gottheit bezeichnet, die nur auf Adonis oder Tammuz (S. 19 >) passt, der ja besondern von Weibern verehrt wurde und der Liebling einer Göttin war.

 

Dass auch die Jeremia 44,17-19 beschriebene Verehrung der Himmelskönigin auf eine jener Muttergottheiten, sie es Istar oder Belti-Aphrodite, zu beziehen ist, ist zweifellos. Aber nicht nur einzelne Stellen, sondern ganze Erzählungen, wie Isaaks Opferung, die Josephsgeschichte und vor allem die Jonasage hat man mit Tammuz-Adonis in Verbindung gebracht.

 

Dass der Aufenthalt Jonas im Bauch des Fisches auf dem ursprünglichen Aufenthalt eines Gottes in der Unterwelt entstanden sein kann, zeigt ja noch deutlich die Anwendung dieser Vorstellung auf den Aufenthalt Christi im Innern der Erde Matthäus 12,40. Die Beschreibung des Trauerfestes zu Ninive erinnert aber deutlich an die des Adonisfestes zu Antiochien; endlich scheint der wunderbare Strauch, der so schnell aufblüht und wieder verwelkt, mit den Adonisgärten in Zusammenhang zu stehen.

 

Besondere Beobachtung verdient noch die Erzählung des Kirchenvaters Hieronymus, nach welchem Bethlehem, der traditionelle Geburtsort Jesu, von einem Haine des Adonis (Tammuz) überschattet war, und dass an derselben Stelle, an der einst das Christkind weinte, der Liebste der Venus beweint worden sei. Es ist nicht wahrscheinlich, dass dieser Kultort in Bethlehem, wie der Kirchenvater wohl meint, erst in nachchristlicher Zeit entstanden sei.

 

Sollte nicht vielleicht das große Klagen Rahels, d. h. der Weiber von Bethlehem in Matthäus 2,18 älter sein als die Erzählung von Herodes Kindermord? Und könnte nicht auch der helle Stern, der die Weisen des Ostens nach Bethlehem führt, in Zusammenhang mit einer älteren Gottesverehrung daselbst gestanden haben? Auch in Antiochien spielte der Aufgang eines hellen Sternes, wohl des der Astarte heiligen Morgensterns, bei dem Adonisfest eine Rolle; er scheint den Beginn des Festes angezeigt zu haben.

 

In späterer Zeit erscheint Adonis öfter als das Korn, das in die Erde gelegt wird und erstirbt, eine Vorstellung, die bekanntlich auch der johanneische Christus auf sich selbst anwendet, Johannes 12,24. Aber diese Vorstellung sowohl wie seine spätere Verehrung als Sonnengott ist nicht ursprünglich. Er ist vielmehr als Jäger oder Hirt der Gott der (S. 20 >) Fluren und stellt mit seinem frühen Tode die vergängliche Seite des Naturlebens dar.

 

Vielleicht geht seine Verehrung ursprünglich auf die eines einzelnen Baumes zurück. Immerhin bleibt es bedeutsam, dass sich später mit der Trauerfeier seines Todes auch die Freudenfeier seiner Auferstehung verbunden hat. Wir vermögen den Grund hierfür nur in den Hoffnungen zu erblicken, die sich auch für seine gläubigen Verehrer an den Kultus ihres Glottes knüpften.

 

Wie Adonis und Tammuz, so entspricht der tyrische Melkart dem babylonischen Marduk. Von den Griechen wurde dieser Gott wie manche andere, mit Herakles, dem Sohne des Zeus und der Asteria, (Astarte) identifiziert, der sich nach der Sage in Tyrus selbst verbrannt und aus der Flamme in einer Wolke und mit Donnerschlag zum Himmel aufgestiegen sein soll. Zu dem Fest des Todes und der Auferstehung dieses Gottes, das im Monat Peiritios (Februar-März) gefeiert wurde, und das auch 2. Makkabäer 4, 18-20, dort als vierjähriges, Erwähnung findet, schickten die Karthager jedes Jahr nach Tyrus, ihrer Mutterstadt, besondere Gesandtschaften.

 

Selbst in Bades, dem heutigen Cadiz, an der atlantischen Küste Spaniens, hatte der tyrische Melkart-Herakles ein berühmtes Heiligtum, zu dem viele vornehme Römer wallfahrten, und in das auch Hannibal vor seinem berühmten Zuge über die Alpen gegangen ist. Kein Bild stand in seinem Tempel, nur ein ewiges Feuer wurde auf dem Altar unterhalten. Weiß gekleidete Priester mit geschorenen Köpfen und bloßen Füßen, zu ewiger Keuschheit verpflichtet, bedienten ihn dort. Mit der jährlichen Verbrennung seines Bildes verband sich die Vorstellung, dass der Gott selbst, von allen Schlacken gereinigt, zu neuem Leben in die Lüfte stieg.

 

Ähnlich wurde auch Sandan, der Baal von Tarsus (Türkei), der Geburtsstadt des Apostels Paulus, verehrt. Ein Bild zeigt ihn dargestellt in der Mitte des Altars, während ein Adler mit ausgebreiteten Schwingen nach der Spitze strebt. Bekanntlich ließ man aus dem Scheiterhaufen verstorbener Kaiser einen Adler aufsteigen, der die Apotheose (Vergötterung) derselben zur Darstellung bringen sollte.

 

Ähnliche Kultfeier fanden auch für den Ibraez von Kappadozien (Kappadokien/Türkei *) und andere Baale kleinasiatischer (S. 21 >) Völkerschaften statt, die aufgrund der auf den Monumenten erhaltenen Hieroglyphen teilweise als hittitisch (hethitisch *) erkannt sind. Die Hittiter (Hethiter *) sind nicht semitischer, sondern arischer Herkunft und scheinen in alter Zeit einmal das ganze Zentrum von Kleinasien (Anatolien, Türkei)* beherrscht zu haben.

 

Endlich möge hier noch der lydische Heros Tylon, der Sohn der Erde, kurz Erwähnung finden, der nach der Sage von einer Schlange tödlich verwundet, aber wieder auferweckt und zur göttlicher Würde erhoben wurde.

 

Leider ist uns ja von allen diesen Kulten nur allzuwenig bekannt geblieben. Nur von einem Gott der Phönizier (Libanon *) ist uns noch ein, wenn auch später Bericht über seinen Tod und seine Wiedererweckung erhalten: von Esmun von Sidon. Ein schöner Jüngling, der Sohn des phönizischen Sadykos, wird Esmun von der Göttin Astrono mit Liebe verfolgt, schlägt sich selbst in Verzweiflung das Zeugungsglied ab und stirbt an der Wunde. Aber er wird von der Göttin durch die lebenserzeugende Wärme ins Leben zurückgerufen und zum Gott gemacht.

 

Sein Kult ist in Phönizien und seinen Kolonien weit verbreitet gewesen; möglicherweise ist er auch mit dem kathagischen Gotte Jolaus identisch. Die Griechen haben ihn mit ihrem Heilgotte Asklepios identifiziert. Dass er selbst ursprünglich als ein solcher Heilgott galt, beweist, dass ihm die Schlange heilig war, das Tier der Weissagung und der heilenden Kräfte der Natur.

 

Auf einem in Algerien gefundenen altpunischen Stirnbande sind neben zwei Göttergestalten rechts und links Schlagen dargestellt, deren eine sich um einen mit einem Querbalken versehenen Stab ringelt. Wie eng der Begriff eines Gottheilandes mit dem einer Schlange verbunden war, zeigt wieder ihre symbolische Verwendung durch den johanneischen Christus Johannes 3,14.

 

Aber nicht nur symbolisch, sondern wirklich war bei den Juden bis zu Jerusalem ein solcher Schlangengott, Nehustan genannt, in ehernem Bilde aufgestellt und kultisch verehrt worden, wie im 2. Könige 18,4 zu lesen steht. Seine Verehrung sollte jedenfalls durch die Numeri 21, 4 – 9 berichtete Erzählung von der Aufrichtung der ehernen Schlange durch Mose in S. 22 > der Wüste gerechtfertigt werden.

 

Aber auch die Verehrung Jahwes selbst als eines Heilgottes ist neben seiner ursprünglichen Bedeutung als Gewittergott nicht ohne solche außerjüdischen Einflüsse erklärlich. Der Name Raphael (= Heilgott) als eines besonderen, von Gott gesandten „Heilandes“ begegnet uns zum ersten Male in dem Buche Tobit 5,4.

 

[8 Klein Asien

 

S. 22> Was den Adonis in Syrien, das ist Attis in Phrygien (westl. Anatolien/Türkei *). Aber der Attiskult hat durch seine zeitige Übertragung nach Rom noch eine ungleich höhere Bedeutung erlangt. Die Verehrung des Attis stand in Verbindung mit dem Kult der mater deum magna Idaea, der großen idäischen Göttermutter Kybele, oft kurzweg magna mater, die große Mutter genannt.

 

Durch wunderbare Geburt aus einer Jungfrau, Nana, hervorgegangen, ist Attis ein junger, schöner Hirt wie Adonis. Über seinen Tod bestehen zwei verschiedene Sagen. Nach der lydischen Form derselben ist er wie Adonis durch einen wilden Stier ums Leben gekommen; nach der phrygischen ist er, von der eifersüchtigen Kybele in Raserei versetzt, infolge von Selbstentmannung unter einem Fichtenbaum gestorben.

 

Die Lokalgeschichte von Pessinus (heute Ballihisar/Türkei *), wo das Hauptheiligtum der Kybele stand, lässt ihn in die immergrüne Fichte verwandelt werden. Die Fichte, unser gebräuchlichster Weihnachtsbaum, ist der heilige Baum des Attis.

 

Es war ein denkwürdiges Ereignis der Weltgeschichte, als infolge einer Weissagung der sibyllinischen Bücher, dass der fremde Eroberer Hannibal nicht eher den italienischen Boden verlassen würde, als bis der großen Göttin in Rom eine Kultstätte eingerichtet wäre, im Jahre 204 vor Christo der heilige Stein der Kybele aus Pessinus nach Ostia überführt, von dort feierlich nach Rom eingeholt und in dem Tempel der Siegesgöttin auf dem Palatin aufgestellt würde. Denn es bezeichnet den Anfang der allmählichen Eroberung des Occidents durch orientalische Religion und Kultur, einer Eroberung, die für den Gang der Weltgeschichte viel bedeutsamer war, als umgekehrt die Unterwerfung des Orients durch die römischen Legionen.

 

Allerdings bleib der phrygische Kult noch lang von der öffentlichen Ausübung ausgeschlossen und wurde erst im Jahre 54 n. Chr. durch S. 23> den Kaiser Klaudius unter die öffentlichen Religionen Roms und in den staatlichen Festkalender aufgenommen.

 

Das Fest des Attis wurde in Rom zur Zeit des Frühjahrsäquinoktiums (Tagundnachtgleiche)* glänzend gefeiert. Am 22. März wurde eine Fichte in dem heiligen Heine der Göttin gefällt, der Stamm mit weißen Binden und Veilchenkränzen umwunden, und in seiner Mitte das Bild eines jungen Mannes befestigt. Dieses wurde dann von besonderen Trägern, den Dendrphoren, in das Heiligtum gebracht. Am folgenden Tage fand das Fest des Tubilustriums, der Trompetenweihe, statt.

 

Der 24. März war der dies sanguinis, der Tag des Blutes, an dem unter wilden Zimbelschlag und schrillem Flötenspiel ekstatische Tänze um das Gottesbild stattfanden. Hier ritzten sich die Gallen, die eunuchischen Priester des Attis, mit Messer und scharfen Steinen blutig, wobei das Blut auf das Gottesbild gespritzt wurde. Von der wilden Raserei angesteckt weihten sich dabei auch wohl Begeisterte durch Selbstentmannung dem Dienste des Gottes.

 

Am 25. fand das Freudenfest der Hilarien statt. Die Auferstehung des Gottes wurde verkündet, und die laute Klage verwandelte sich plötzlich in die ausgelassenste Freude. Es fand eine Art Karneval statt, an dem eine gewisse Unstrafbarkeit herrschte. Der 26. war Ruhetag, und am 27. wurde unter feierlicher Prozession die Reinigung der Götterbilder und des heiligen Wagens in dem Flüsschen Almo vollzogen, das unweit Roms in den Tiber mündet.

 

Anderwärts wurde das Bild des Attis begraben. In der Nacht, wenn die Trauer ihren Höhepunkt erreicht hatte, wurde plötzlich ein Licht angezündet. Das Grab war geöffnet, der Gott auferstanden. Die Priester salbten die Lippen der Feiernden mit heiligem Öl, wobei er mit flüsternder Stimme die Worte sprach: „Getrost ihr Frommen, da der Gott gerettet ist, so wird auch euch aus Nöten Rettung werden!“

 

Hier haben wir einmal, was besonders wertvoll ist, in einer der uns leider so wenig erhaltenen festgeprägten liturgischen Spruchformeln den vollen Heilsglauben der Attisverehrer in der mystischen Gemeinschaft mit ihrem Gotte ausgesprochen. Dass es sich in ihr um Rettung aus dem Tode handelt, wird durch eine Erzählung des S. 24> Neuplatonikers Damaszius (ca. 458-533 n. Chr.) bestätigt, dem zu Hierapolis im Traume von der Göttin Kybele die Hilarien des Attis veranstaltet worden seien, „durch die uns ja,“ wie der Erzähler schließt, „die Rettung aus dem Hades zuteilgeworden ist.“

 

Mehr noch tritt die sittlichreligiöse Bedeutung des Attiskultes in den Mysterien zur Erscheinung, die mit und neben den öffentlichen Feiern für die Geweihten des Attis stattfanden. Da diese Riten geheim gehalten wurden, besitzen wir leider keine genaue Kenntnis davon. Jedenfalls gingen ihrem Vollzug lustrale Waschungen und asketische Enthaltung von gewissen Speisen und namentlich auch von geschlechtlichem Verkehr voraus zur Erlangung der für die Weihen geforderten ritualen Reinheit.

 

Die erste Stufe dieser Weihen selbst scheint in einer heiligen Mahlzeit bestanden zu haben. „Ich habe aus dem Tympanon gegessen. Ich habe aus dem Kymbalon getrunken; ich bin ein Myste des Attis geworden!“ So lautet ein diesbezüglicher Ausspruch. Handpauke und Zimbel waren bei den Attisfeiern gebräuchliche Instrumente. Die Mahlzeiten selbst bestanden nach den vorhandenen Nachrichten wahrscheinlich in Brot und Wein, sowie in dem sonst erbotenen Fisch, denselben Elementen, die auch bei den Speisungsgeschichten und der Abendmahlsfeier der Evangelien in Betracht kamen.

 

Ein weiterer Weiheakt bestand in dem Vollzuge von Taurobolien (Stieropfer) und Kriobolien (Widderopfer). Hierbei stieg die Myste in eine Grube, von leinenem Binden umhüllt wie ein Gestorbener. Über ihm befand sich ein Lattenverschlag, auf dem der heilige Stier oder Widder geopfert wurde. Das durch die Latten herabtriefende Blut wurde von den Mysten begierig getrunken und möglichst mit dem ganzen Körper in Verbindung gebracht.

 

So gewaschen in dem heiligen Blut des Stieres entstieg er dem symbolischen Grabe als ein Wiedergeborener zum ewigen Leben, und es wurden ihm als einem mit der Gottheit mystisch Vereinten göttliche Ehren bezeugt. Seine Wiedergeburt kam auch hin und wieder dadurch zu symbolischen Darstellung, dass er wie ein Neugeborener mit Milch getränkt wurde.

 

Die bedeutsamste Verbindung hat der Attiskult mit (S. 25>) dem Mithraskult erhalten. Als nämlich der Mithraskult nach Rom kam, da suchte und fand er Schutz im Schatten des öffentlich anerkannten und gepflegten Attiskults. Die beiden Religionen lebten im ganzen weiten Römischen Reiche in engster Verbindung miteinander.

 

In dieser Vereinigung ist der später in vielen Stücken dem christlichen Kult so ähnlich geworden, das, wie Augustin berichtet, ein Priester der Kybele behaupten konnte: et ipse Pileatus Christianus est d. h. auch der mit der Kappe (der bezeichnenden phrygischen Mütze des Attis) ist selbst ein Christ. Trug doch auch Attis, wie sein Oberpriester in Rom den Namen Papas, und wie der römische Papst, so nannte sich auch dieser den Vater der Väter (pater patrum).

 

Er trug die Tiara wie sein Nachfolger auf dem Stuhle Petri; ja dieser Stuhl selbst scheint nach den auf ihm befindlichen Emblemen aus der heidnischen Zeit zu stammen. Und an der Stelle, wo sich heute die Kuppel des Petersdomes wölbt, hat einst das Heiligtum des phrygischen Gottes gestanden, das damals, mit dem Mithraskult vereint, die höchste Kultstätte des heidnischen Römischen Reiches bedeutete. Der Attiskult ist, wie wir noch weiter sehen werden, von der christlichen Kirche weniger verdrängt als aufgesogen worden.

 

[9Griechenland

 

(S. 25 >) Aufs Engste verwandt mit dem phrygischen Attis scheint der thrakische (Thrakien: Landschaft auf dem östlichen Balkan, die heute zu Bulgarien, Griechenland u. der Türkei gehört) Dionysos zu sein. Das zeigt sich sowohl in ihrer beiderseitigen Identifizierung mit Sabazios, als auch in solchen Sagen wie der, dass Dionysos von der Göttin Kybele vom Wahnsinn geheilt worden sei.

 

Dionysos gilt als Sohn des Zeus und der Persephone. Schon in kindlichem Alter überträgt ihm Zeus die Herrschaft über die Welt. Aber Here stiftet die bösen Titanen, die Feinde des Zeus, wider ihn an. Er flieht in wechselnder Gestalt, (wie die Sonne durch die wechselnden Gestalten des Tier-Kreises), wird aber zuletzt, als er ein Stier ist, von ihnen ergriffen und zerrissen.

 

Nach der einen Sage verschlingen die Titanen seine Glieder, nur das Herz wird gerettet und von Zeus gegessen. Daraus entsteht der neue Dionysos. Zeus tötet die Titanen mit dem Blitzstrahl und aus ihren Leibern (S. 26 >) entstehen die Menschen, die nun halb die wilde Natur der Titanen und halb die göttliche des Dionysos an sich tragen und die Erlösung der göttlichen in der Vereinigung mit dem Gotte suchen und finden.

 

Nach einer anderen Gestalt der Sage werden die zerrissenen Glieder des Dionysos dem Apoll gebracht, vom ihm zusammengesetzt und in Delphi begraben, wo man auch das Grab des Dionysos zeigte. Bei Origenes (Origenes, Alexandria, ca.185-254 n. Chr., christlicher Kirchenschriftsteller, Lehrer und Theologe. *) dagegen findet sich die Erzählung von einer Wiederbelebung der zerrissenen Glieder nach ihrer Zusammensetzung. Die zweite Form der Sage ist vielleicht vom Osiriskult beeinflusst.

 

Die Verehrung des Gottes geschah bei den Thrakern nächtlicherweise in orgiastischen Umzügen, begleitet vom unsteten Fackelbrand und wilder Musik von Zimbeln und Flöten. Mit geschwungenen Thyrsosstäben (Thyrsos, Thyrsosstab oder Bacchusstab; Kennzeichen von Dionysos und seinen Begleitern *) jagten sie den Stier, in dem sie die Erscheinung ihres Gottes feierten, zerrissen ihn mit ihren Zähnen und verschlangen das rohe Fleisch. So glaubten sie mit dem Gotte vereint und dadurch der Erlösung von Todesschicksal teilhaftig zu werden. Der Enthusiasmus, die göttliche Besessenheit und Raserei, erscheint hier als Zweck und Höhepunkt des Kultes.

 

Gemildert und vertieft wurde dieser Kult von „Orpheus“ zu den Griechen übertragen und gewann hier in den orphischen Sekten mit ihren geheimen Lehren und Weihen, in denen „die Leiden“ des Dionysos nacherlebt wurden, die weiteste Verbreitung. Den seinen galt Dionysos besonders als der große „Befreier“, in dessen mystischer Gemeinschaft man die Erlösung von den Fesseln der Irdischen, der Leidenschaften und des Todes erlebte. Sein heiliges Gewächs war der Weinstock, wie in den eleusinischen Mysterien das Korn das Gewächs der Demeter.

 

Wie von Dionysos in Delphi, so zeigte man in Kreta von Zeus ein Grab. Auch der oben schon erwähnte Herakles und andere Heroen wären hier zu nennen, die als dem Tode entrissen und unter die Götter versetzt galten. So wurde dem Hyakinthos, der von Apoll beim Spiel mit Diskus getötet, aber wieder erweckt und zum Himmel entrückt war, jährlich im Sommer ein dreitägiges Fest, die Hyakinthien, gefeiert, an dem die Trauer um seinen Tod und die Freude über seine Auferweckung und Himmelfahrt (S. 27 >) zum Ausdruck kam.

 

Auf seinem Grabmal zu Amyklae bei Sparta ist dargestellt, wie er von Göttern in den Himmel getragen wird. Auch er stellt deutlich die Frühlingsvegetation dar, die im Sommer von den Strahlen der Sonnenscheibe (vgl. den Sonnengott Apollo mit dem runden Diskus) tödlich getroffen, aber wieder zu neuem Leben und Blühen erweckt wird.

 

[10Ägypten

 

(S. 27 >) Im alten Ägypten war es Osiris, dessen Tod und Auferweckung jährlich festlich begangen wurde. Ursprünglich war auch er ein Vegetationsgott, speziell der Korngott. Aber bei der ungeheuren Verbreitung seines Kultes wurden auf ihn die Attribute und Gewalten vieler anderer Götter übertragen, und er erlangte später als Serapis (zusammengesetzt aus dem ägyptischen Osiris-Apis oder aus dem babylonischen Osiris = Apsi) die Würde des höchsten Gottes überhaupt. Seinen Mythos hat uns Plutarch ausführlich berichtet, das Fehlende lässt sich aus den vielen erhaltenen ägyptischen Monumenten ergänzen.

 

Osiris ist der Sohn des Erdgottes Keb und der Himmelsgöttin Nut. Als der Sonnengott Ra die Untreue seines Weibes Nut erfuhr, gelobte er, dass sie an keinem Tage des Jahres ein Kind bekommen sollte. Aber Nut hatte einen anderen Freund, Thot, der ihr von dem Mondgotte im Spiel 1/72 jedes Jahres (die 5 Schalttage zu den 360 Tagen des Mondjahres) abgewann, an deren jedem sie einem Kinde das Leben schenkte: am ersten Osiris, am zweiten dem älteren Horus, am dritten Set, am vierten der Göttin Isis, am fünften der Göttin Nephthys. Als Osiris geboren wurde, erscholl eine mächtige Stimme, dass der Herr des Alls in die Welt gekommen sei.

 

Osiris regierte 28 Jahre als König, befreite die Ägypter von der Wildheit und lehrte sie den Kornbau, sowie die Obst- und Weinkultur. Dann verließ er das Land und zog umher, überall Sitte und Kultur verbreitend. Bei seiner Rückkehr schmiedete sein böser Bruder Set ein Komplott gegen ihn. Er machte einen kostbaren Kasten und versprach, ihn dem zu schenken, der genau hineinpassen würde. (S. 28 >)

 

Als sich Osiris ahnungslos hingelegt hatte, schlug er den Deckel zu und warf den Kasten in den Nil. Dieser schwamm nach Byblus, wo ihn der König fand und zu einer Säule in den Tempel der Belti-Aphrodite machte.

 

Verzweifel schor sich Isis das Haar, legte Trauerkleider an und suchte klagend ihren verschwundenen Bruder und Gatten. Als sie ihn gefunden und vom König zurückerhalten hatte, kehrte sie mit dem Kasten zum Nildelta zurück und verbarg ihn im Schilf. Hier fand ihn Set beim Vollmondscheine auf der Jagd, zerstückte den Leichnam und zerstreute die Teile überall im Lande umher. Klagend fuhr Isis den Strom auf und ab, die zerstreuten Teile ihres Gatten suchend. Nach Plutarch hat sie sie begraben, wo sie sie fand.

 

Nach ursprünglich ägyptischen Erzählungen aber hat sie sie gesammelt und über ihnen mit ihrer Schwester Nephthys eine Totenklage angestimmt. Da erbarmte sich Ra und sandte vom Himmel den schakalköpfigen Gott Anubis, der mit Hilfe von Thot und Horus die zerbrochenen Glieder des Osiris zusammensetzte, ihn in leinene Binden wickelte, und alle Riten beobachtete, die die Ägypter zur Bestattung ihrer Toten gebrauchen.

 

So gelang es Osiris wieder ins Leben zu erwecken; und seitdem regiert er in der anderen Welt als König und Richter der Toten. Vor seinem Richterstuhle müsse alle Toten erscheinen, ihr Bekenntnis ablegen, und empfangen dann den Lohn ihrer Tugend in ewigen Leben oder die Strafe ihrer Sünden in ewiger Vernichtung.

 

Die Beichte, die in dem alten „Totenbuche“ den Verstorbenen in den Mund gelegt wird, erinnert inhaltlich an das Gleichnis vom Weltgericht Matth. 25,31 ff. „Ich gab Brot den Hungrigen und bekleidete den Nackenden; ich fuhr in meinem eigenen Boot den über, der nicht durch das Wasser konnte; ich war ein Vater den Weisen und ein Gatte den Witwen, ein Beschützer vor dem Winde dem, der kalt war; ich bin einer der Gutes redet, Gutes spricht und erzählt; ich erwarb meine Einnahme in Gerechtigkeit.“

 

In der Auferweckung des Osiris sahen die Ägypter auch für sich und ihre Toten die Garantie eines Lebens, das Tod und Grab überdauert. Der Tote wird mit Osiris identifiziert und trägt seinen Namen. „So sicher als Osiris lebt, soll er auch leben, so sicher als Osiris nicht sterben kann, soll (S. 29 >) er auch nicht sterben; so sicher als Osiris nicht vernichtet wird, soll er auch nicht vernichtet werden.“

 

Diese Wiedererweckung vom Tode war gleich der des Osiris nicht geistlich, sondern leiblich gedacht: „Sie besitzen ihr Herz; sie besitzen ihre Stimme; sie besitzen ihren Mund, sie besitzen ihre Füße; sie besitzen alle ihre Glieder.“

 

Die Kultfeste für Osiris fanden im Herbste statt, vom 17.–20. Atyr, dem 13. –16. November. Es war die Zeit, wenn der Nil fiel und das Korn gesät wurde, worin nicht nur der alte Ägypter eine Zeremonie des Begrabens und der Trauer sah. „Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen und tragen ihnen Samen zur Aussaat; aber mit Freuden kommen sie und bringen ihre Garben“ Psalm 126,5 f. Das genau das ursprüngliche Motiv der Osirisfeiern.

 

Die Feste wurden verschieden, aber immer mit großem Pomp und feierlichen Prozessionen begangen und hatten überall eine doppelte dramatische Darstellung zum Inhalt: das klagende Suchen des toten Osiris und seine freudvolle Entdeckung und Wiedererweckung.

 

Bei einem Volke wie die alten Ägypter, bei dem der Glaube an das Jenseits eine so große Rolle spielte, musste natürlich der Gott, der dieses Leben nach dem Tode verbürgte, eine besondere Bedeutung gewinnen. So wurde Osiris aus einem Korngott zum Sonnengott und erlangte besonders als Serapis eine Stellung, die der des Attis fast ebenbürtig zu Seite stand. Das hohe Alter seines Glaubens, die organisierte Priesterschaft, die ehrwürdigen Riten und glänzenden Prozessionen verschafften diesem Kult den Eingang in die römische Welt und halfen mit zur Umgestaltung ihres alten Glaubens in einen neuen, dessen letzte Erbschaft dann das Christentum übernahm.“

 

[11] Persien
 
Kinder der Sonne

Ein Kommentar von minerva79.de

 

Mithras ist bereits im 14. Jh. vor Christus in Persien belegt und wahrscheinlich identisch mit dem altindischen Gott Mitra, was Vertrag und Freund bedeutet. Ab dem 7. Jh. v. Chr. wurde Mithra in Assyrien und im 6. Jh. v. Chr. in Babylon als Sonnengott verehrt.

 

Die Mithrasreligion breitete sich dann im 3. Jh. vor Christus bis nach Ägypten aus, gelangte zusammen mit der christlichen Philosophie nach Rom und fand viele Anhänger in der heutigen Türkei, in Griechenland, Spanien, Frankreich, Deutschland, England, Nordafrika, Palästina und Ägypten.

 

Mithras soll gemäß der Forschung einiges mit „seinem Bruder“ Jesus gemeinsam gehabt haben, hatte er doch auch am 25. Dezember Geburtstag, inkarnierte vom Himmel her und sogar die Hirten waren bei seiner Geburt gefordert: Brachten sie dem Mittler zwischen Gott und Menschen, dem Weltheiland und Erlöser doch Lämmer und Obst als Geschenke. Am Ende seiner Zeit fuhr er wieder zum Himmel hinauf und wurde vom Sonnengott auf seinen Thron gesetzt. Seine Anhänger glaubten natürlich auch an seine Wiederkunft, um dann die Toten zu erwecken und abzuurteilen. Wie sich doch die Bilder gleichen! [13]

 

Auch viele Grundzüge sollen der Mithrasreligion vom Christentum, besonders vom Katholizismus, entlehnt worden sein, so die Forschung: U. a. die Taufe, den Ritus der Kommunion, den Gebrauch von Weihwasser, die Ernennung des Sonntags und des 25. Dezember zu heiligen Tagen, so die Forschung.

 

Bis Mitte des 4. Jahrhunderts erreichte die Mithrasreligion ihren höchsten Stand, wurden doch fast 40 Tempel allein in Deutschland gefunden.

 

Toleranz, Pluralität und freier Wille hin oder her, die Konkurrenz musste weg und so verboten die nun katholischen Kaiser diese Philosophie. Christen verfolgten anschließend die Mithrasanhänger, töteten ihre Priester und zerstörten ihre Tempel, auf deren Trümmer manchmal eine neue christliche Kirche erbaut wurde.

 

Geblieben ist von der Mithrasphilosophie nur ein diffuses Licht, dass möglicherweise aus einer Antifone ihrer Gegner vom 21. Dezember (Wintersonnenwende) scheint und vielleicht eine Adaption aus dem Mithraskult ist, deren Geist leider von ihren Zerstörern nicht „erfasst“ werden konnte.

 

„O aufgehende Sonne, - Glanz des ewigen Lichtes – und Sonne der Gerechtigkeit, - komm und erleuchte die, - die im Dunkel sitzen – und im Schatten des Todes.“ [14]

 

 

[11] Persien von Dr. Brückner

 

„Der persische Mithraskult ist zuletzt von allen orientalischen Religionen nach Rom gekommen. Er hat aber am schnellsten seinen Siegeszug durch das ganze Reich bis an den Rhein und an die Donau gehalten. Als Mithra durch die von Pompejus besiegten kilikischen Piraten der (S. 30 >) römischen Welt bekannt wurde, da war er der lichte Sonnengott „schön wie Apoll und siegreich wie Ares“.

 

Aber seine Verbindung mit der Göttin der Fruchtbarkeit Anahita, seine Verehrung in Höhlen und unterirdischen Krypten und besonders auch seine Rolle als Stiertöter scheinen seine Gestalt des eines ursprünglichen Vegetationsgottes zu nähern. Nach dem Avesta ist Mithra einmal selbst der Stier gewesen, der geschlachtet wird; und Gelehrte wie J. M. Robertson beziehen die Erzählung des Pausanias von dem Gotte, der in einem Steinbild auf die Bahre gelegt und begraben, dann aber als auferstanden gefeiert wird, auf Mithra.

 

Wie es sich auch damit verhalten mag, so gehört doch Mithra seiner Natur nach unstreitig in die Reihe der besprochenen Gottheiten. Auf einem Relief ist seine Himmelfahrt in dem Momente dargestellt, in dem ihn der Sonnengott in seinen Wagen einsteigen lässt. Doch scheint bei ihm, wie bei dem babylonischen Marduk, in der Periode, in der wir ihn kennen lernen, sein Sterben und Unterliegen durch seine siegreiche Sonnennatur fast gänzlich überwunden zu sein.

 

Dafür ist aber gerade der Mithrakult der Kristallisationspunkt aller möglichen semitischen und kleinasiatischen Lehren, Riten und Kulte geworden, und hat auch die Um- und Ausgestaltung der heidnischen, jüdischen und christlichen Religionen so bedeutsam eingewirkt, dass er bei allen Fragen, die das Verhältnis dieser Religionen zueinander betreffen, in Betracht gezogen werden muss.

 

Der Geburtstag des Mithra ist der 25. Dezember, der Tag der Wintersonnenwende. Die Sage lässt ihn aus einem Felsen entsprungen oder in einer Höhle geboren sein. Auch die Geburt Christi hat nach einer sehr alten Überlieferung nicht in einem Stall, sondern in einer Höhle stattgefunden.

 

Beide Mal sind auch Hirten die ersten Anbeter des Wunderkindes. Und wie Mithra der Felsgeborene heißt, so wird auch Christus als der Fels bezeichnet, 1. Kor. 10. Die Bezeichnung „Fels“ (Kephas=Petrus) erhielt dann Simon, der Hauptapostel Christi, dem auch der Hahn und die Schlüssel, beides Symbole des Sonnengottes, als Attribute zugeteilt wurden.

 

Die Haupttat des Mithra ist die Tötung des Stieres, eines mythischen Urwesens, aus dessen Blute alle Fruchtbarkeit der Erde entstanden sein soll. Infolge dieser Tat galt Mithra als Schöpfer des Alls. Und da sich dieses Stieropfer am Ende der Zeiten wiederholen soll, um die Neuschöpfung der Welt herbeizuführen, so ist Mithra auch als der Welterlöser gedacht, durch den seine Neuschöpfung und die Auferstehung der Toten geschehen soll.

 

In seiner Stellung zu den Göttern nimmt Mithra eine Mittelstellung ein. Er ist der „Mittler“ zwischen Ahura-Mazda und den Menschen und sein siegreicher Helfer gegen dessen Feind Angra-Mainjus. Wenn man von der Vorstellung einer militia (Kriegsdienst, Militärdienst, Miliz *) Christi schon im neuen Testament, und besonders bei Paulus geredet hat, so berührt sich dieselbe aufs Engste mit der Anschauung, die die Mithraverehrer, von ihrer Stellung zu Mithra hatten.

 

Auch unter dessen Geweihten gab es einen Grad, in dem sie den Namen militis, Soldaten, trugen. Auch die Christen hatten ja im Gefolge ihres Herrn nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit den Mächten der Finsternis, den bösen Geistern unter dem Himmel, Epheser 6,10 ff.

 

Besonders wichtig ist es, dass Mithra auch die Rolle des persischen Messias Saoshyant übernommen hatten, der am Ende der Zeiten, von einer jungfräulichen Mutter geboren, aus dem Fernen Osten kommen und die Welt von der Vergänglichkeit und dem Tode freimachen soll. Er soll Astvaterta, fleischgewordene Gottheit, heißen. Er wird Angra-Mainja, den Geist der Bosheit, endgültig überwinden und in überschwänglicher Herrlichkeit herrschen über eine erneute Welt.

 

So ist Mitra der Weltschöpfer, Mittler und Erlöser. Als solcher steht er schon in der iranischen Religion den Seelen beim Überschreiten der furchtbaren Brücke Cinvat bei und hat nach Julian die Seelen der erlösten in die andere Welt zu führen. Dort ist er auch wieder der Richter, vor dessen Richterstuhle alle Verstorbenen erscheinen müssen. Die Vorstellungen sind untereinander ebenso wenig ausgeglichen, wie in der neutestamentlichen Christologie.

 

Endlich ist noch die Verbindung des Mithrakultes mit der Astrologie zu erwähnen. Diese kommt schon darin zum (S. 32 >) Ausdruck, dass Mithra von den sieben Amesha-Spenta umgeben ist, die ursprünglich die sieben Planeten bedeuten und als die sieben Erzengel ins Judentum gekommen sind. Sie zeigt sich aber noch mehr darin, dass auch die zwölf Götter des Zodiakalkreises zu einem Hofstaat gehören. Sie treten in den Mithräen ebenso ständig in seiner Umgebung auf wie die „Zwölfe“ der Evangelien in der Begleitung Jesu.

 

Der Kultus des Mithra fand in Höhlen, Kellern und Krypten statt. Im Hintergrunde befand sich das Relief des Stiertöters, in der Mitte brannte das heilige Feuer. Die Geweihten zerfielen in sieben Grade und nannten sich untereinander Brüder, wie die Christen. Ihr Oberhaupt hieß pater patrum, Vater der Väter, wie im Attiskult. Er durfte auch, wie bei den Christen, nur einmal heiraten. Auch heilige Jungfrauen und Enthaltsame, die das Gelübde der Keuschheit abgelegt hatten, gab es im Mithrakult.

 

Die Weihen, die wir leider nicht genauer kennen, nennt Tertullian Sakramente. Sie haben nicht nur rituale, sondern ethische Bedeutung und bestanden in Waschungen, heiligen Mahlzeiten und in einer Stirnsalbung, die Tertullian mit der Konfirmation der Christen vergleicht.

 

Aber weder die Theologie noch der Kultus waren dasjenige, was der Religion des Mithra ihre überragende Bedeutung verlieh, sondern der Dualismus und die Ethik. Der Dualismus bestand hier nicht in dem Gegensatz von Geist und Materie, Seele und Leib, sondern er war der aus dem Verhältnis von Licht und Finsternis geborene Gegensatz von Gut und Böse. Wahrheit und Lüge. Nicht Gott und Welt standen sich hier gegenüber, sondern der gute Gott Ahura-Maza dem bösen Gott Angra-Mainju.

 

Der Kampf zwischen beiden Mächten, der zugleich im Himmel und auf Erden geführt wird, bildet das Drama der Weltgeschichte, das mit dem Siege des Guten endigen wird. Dieser Dualismus ist auch die treibende Kraft der Ethik gewesen, der ihr zugleich ein praktisches Ziel bot. Diese Ethik war nach Julian in bestimmte „Gebote“ gefasst, die wir leider nicht mehr kennen. Doch forderte sie vor allem die Wahrheit und war eine Ethik der Gesinnung: reine Gedanken, reine Worte, reine Taten! Den ethischen Dualismus hatte der Parsismus (S. 33 >)  mit dem Christentum gemein. Darum ist er sowohl sein bester Vorläufer und Wegbereiter wie sein letzter und gefährlichster Gegner gewesen.

 

Überblicken wir noch einmal die lange Reihe der besprochenen Kulte, so tritt uns aus ihrer bunten Mannigfaltigkeit doch eine große Einheitlichkeit und Zusammengehörigkeit entgegen, die vielleicht auf einen gemeinsamen Ursprung zurückweist, jedenfalls aber in ihrer gegenseitigen Vermischung zum Ausdruck kommt und es uns, wie schon den Zeitgenossen, oft unmöglich macht, das überkommene Material von Anschauungen und Riten reichlich nach seiner ursprünglichen Zugehörigkeit zu bestimmen ...

 

Im Mittelpunkt vieler und gerade der bedeutendsten dieser Kulte stand die Gestalt eines Erlösergottes, die nicht, wie der höchste Gott, „der Alte der Tage“, in ewiger Ruhe über den Sternen waltet, sondern der durch Geburt, Leiden und Sterben mit dem Menschenlose verflochten war, und der nun, siegreich vom Tode erstanden, auch seinen Verehrern Rettung vom Tode und ewiges Leben im Jenseits verbürgte.

 

In der mystischen Vereinigung mit der Gottheit durch heilige Riten, Taufen und Mahlzeiten, glaubte man der Erlösung durch sie teilhaftig zu werden. Und die Vereinigung mit der Gottheit schloss auch die Geweihten in Mysterienvereinen und Brüderschaften zusammen und bildete eine neue Gemeinschaft unter den Menschen, die religiöse Gemeinde.

 

[12Vorhandene Analogien (Übereinstimmungen)

 

Weist somit das Neue Testament für die Erklärung des Glaubens an den Tod und die Auferstehung Jesu selbst auf die Religionsgeschichte, so bieten sich hier nun in der Tat aus den besprochenen orientalischen Religionen die überraschendsten Analogien dar, die wir kurz in folgenden Sätzen zusammenstellen können:

 

1) Wie im Christentum, so stand auch in manchen orientalischen Religionen der Glaube an den Tod und die Auferstehung eines Erlösergottes, der dem höchsten Gott (zuweilen als dessen Sohn) untergeordnet war, im Mittelpunkte der Verehrung und des Kultes.

 

2) Wie im Christentum der Tod und die Auferstehung Christi in die Zeit des Passahfestes, so fiel in manchen orientalischen Religionen die Feier des Todes und der Auferstehung des Gottes in die Zeit des Frühlingsanfangs.

 

3) Wie im Christentum, so wurde auch in einigen jener heidnischen Religionen die Feier der Auferstehung der Gottheit am dritten Tage oder drei Tage nach ihrem Tode gefeiert.

 

4) Diese Parallele geht, worauf schon Pleiderer als auf eine sehr beachtenswerte Tatsache hingewiesen hat, so weit, dass sich auch das in den Evangelien vorhandene Schwanken zwischen dem dritten Tage und dem vierten (nach drei Tagen) wiederholt, indem die Auferstehung des Osiris am dritten, die des Attis am vierten Tage nach seinem Tode begangen wurde.

 

5) Hier wie dort hatten ferner Tod und Auferstehung der Gottheit Heilsbedeutung für die Gläubigen, indem diese dadurch Rettung vom Tode und Wiedergeburt zu ewigen Leben erlangten.

 

6) Diese Heilsbedeutung von Tod und Auferstehung der Gottheit wurde beiderseits durch den Glauben und mystische Vereinigung des Gläubigen und dem Gotte verwirklicht.

 

7) Die mystische Vereinigung mit dem Gotte kam bei Christen und Heiden durch heilige Riten, Taufen und Mahlzeiten zum Vollzuge und Ausdruck.

 

Die Bedeutung dieser Analogien wird dadurch verstärkt (S. 37 >), dass jene heidnischen Kulte gerade auch an den Städten blühten, die als Zentrum für die erste Entstehung und Ausbreitung christlicher Gemeinden in Betracht kommen, wie Antiochien, Alexandrien, Rom ...“

 

(Auszüge/Zitate aus: Der sterbende und auferstehende Gottheiland in den orientalischen Religionen und ihr Verhältnis zum Christentum, von Lic. Dr. Martin Brückner, Berlin, Tübingen 1908, Verlag J. C. B. Mohr, [Paul Siebeck] in Religionsgeschichtliche Volksbücher, 1. Reihe, 16. Heft)

 

Seitenanfang

 

Anmerkungen:

* Einfügung von minerva79.de

 

Bild: "Eva und die Schlange" von William Blake, 1757-1827, war ein englischer Dichter, Naturmystiker, Maler und der Erfinder der Reliefradierung.

 

Die LÜGE der Schlange: Die Fabel bzw. Dichtung im Alten Testament der Bibel erzählt im 1. Mose, Kapitel 3 vom sogenannten Sündenfall.

 

Adam und Eva lebten zunächst im Garten Eden (Paradies). Dort überredet sie die Schlange, entgegen dem Verbot des Gottes Jahwe, vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen.

 

Nach der Auslegung soll das Essen der verbotenen Frucht eine Abkehr von Gottes Geboten bedeuten und ist in der jüdischen als auch in der christlichen Religion Ungehorsam gegenüber Gott, ein Sündenfall.

 

Gott Jahwe (JHWH), der Gott Israels und der Christen im Alten Testamentes der Bibel, stellte sie zur Rede. Adam schiebt die Schuld auf Eva und diese auf die Schlange. Sie wurden aus dem Garten Eden vertrieben. Eva musste in Zukunft Kinder unter Schmerzen gebären. Adam musste mühsam und hart auf dem Acker arbeiten. Jahwe stellte dann vor den Eingang des Paradieses zwei seiner mit „flammendem und blitzendem“ Schwert bewaffneten Cherubim, damit sie den Weg zum Baum des Lebens bewachten und versperrten.

 

[1] Bibel, Altes Testament, 2. Mose 20:16

 

[3] Raschke, Hermann, Theologe., Das Christusmysterium, 1954; Aus der Werkstatt des Markusevangelisten, in: die Pforte, Heft 109/110, 1961, zitiert bei K. Deschner, Abermals krähte der Hahn, 1996 S. 81.

 

[4] Bousset, J. F. W., Theologe, Kyrios Christos - Geschichte des Christusglaubens von den Anfängen des Christentums bis Irenaeus, 2. Auflage, 1921, 60, zitiert bei K. Deschner, Abermals krähte der Hahn, 1996 S. 72.

 

[5] Dibelius, F. M., Theologe, Formgeschichte des Evangeliums, 2. Auflage, 1933, 97 f, siehe auch: Botschaft und Geschichte I., Gesammelte Aufsätze 1933,  312, 330. zitiert bei K. Deschner, Abermals krähte der Hahn, 1996 S. 72.

 

[13] Cumont, F.: Die orientalischen Religionen im Heidentum, 1910; Die Mysterien des Mythras, 3. A., 1923, 116ff; A. Schütze: Mithras-Mysterien und Urchristentum, 1937, 34ff, 36 f, 102; Staerk, W.: Soter II., 1938, 272; K. Deschner: Abermals krähte der Hahn, 1987, 11. Kapitel., zitiert bei K. Deschner, Abermals krähte der Hahn, 1996, Kap. 11.

 

[14] O Antifonen, 21. Dezember, Liturgie, zitiert nach K. Deschner, Abermals krähte der Hahn, 1996, S. 90.

 

Seitenanfang

© minerva79.de - 04/2014 - zuletzt aktualisiert: 11.01.2017