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Rezension zum Buch „Celsus’ Wahres Wort“ vom Jahr 178 n. Chr.

Wiederhergestellt, übersetzt u. untersucht von Dr. T. Keim.

Älteste Streitschrift ... gegen das Christentum.

 

 [1]  Einleitung und Moses   [2]  Die Christen nach Celsus   [3]  Jesus nach Celsus

[4]  Die Auferstehung u. ihre Widersprüche   [5]  Kriegsdienst für den Kaiser

[6]  Der Kern und etwas Realität

 

 [1]  Einleitung und Moses: Prophet, Gesetzgeber u. Führer des Volkes Israel

 

Celsus, ein platonischer Philosoph, schrieb circa 180 n. Chr., vermutlich in Alexandria/Ägypten, die älteste bekannte Streitschrift gegen das Christentum, die „WAHRE LEHRE“, scharfsinnig und schonungslos. Die Diskrepanz zwischen der platonischen und christlichen Philosophie war erheblich, so z. B. bei der christlichen leiblichen Auferstehung und bei den vielen Widersprüchen ihrer Geschichte in den vier Evangelien des Neuen Testamentes der Bibel und in anderen christlichen Schiften.

 

Vernichtet das Alte, damit das Neue erblühen kann! Die Umsetzung erfolgte spätestens nachdem das Christentum zur Staatsreligion erhoben wurde, als alle vorhandenen Exemplare der „Wahren Lehre“ auf Befehl des christlichen römischen Kaisers Konstantin d. Gr. vernichtet wurden. Ein Teil des Textes konnte jedoch aus überlieferten Zitaten rekonstruiert werden, besonders aus der Schrift des christlichen Kirchenvaters Origenes (185-254 n. Chr.), mit dem Titel „Contra Celsum“, „Gegen Celsus“. Der Schriftsteller und Kirchenkritiker Dr. K. H. Deschner kommentiert in seinem Werke „Abermals krähte der Hahn“, S. 141, 142:

 

„Das „Wahre Wort“ (Alethes Logos) des Celsus, die erste Kampfschrift gegen das Christentum, enthielt derart grundsätzliche Einwände, dass sich noch etwa siebzig Jahre nach ihrem Erscheinen Origenes, der bedeutendste Kopf der vorkonstantinischen Kirche, zu einer Erwiderung genötigt sah. Dabei gibt Origenes, im Grunde ehrlich, die christlichen Widersprüche häufig zu. Oft scheinen ihm die Argumente des Gegners selbst einzuleuchten, weshalb er alle Ausflüchte versucht. Einmal kann er auf einen Vorwurf auch gar nichts erwidern. Wichtiges Beweismaterial des Celsus aus der griechischen Mythologie, aus der antiken Philosophie und Religionsgeschichte wird von Origenes sogar unterschlagen, denn er hat, trotz seiner immer wiederholten gegenseitigen Versicherung, vieles und Wesentliches aus der Schrift seines Gegners gekürzt oder ganz ausgelassen, und keineswegs aus Nachlässigkeit oder Zeitmangel ... Das Buch ließ die Kirche verschwinden.“

 

Celsus trennt in seiner Schrift die Völker in zwei Gruppen: in die widerspenstigen und närrischen Juden und Christen und in die anderen weisen und gottvollen Völker. Die Juden sind nach ihm entlaufenden Ägypter, geflohene Sklaven, bedingt durch ihre Flucht nach Palästina, wogegen die Christen von den Juden abgefallen wären. Der biblische Moses war für ihn ein Betrüger, der einfache Schaf- und Ziegenhirten durch Zaubereien missionierte, sodass sie an einen Gott glaubten. Sie würden meinen von Gott bevorzugt zu werden, der alles wegen ihnen getan hätte und sie zu Herren der Welt machen würde. (S. 234)

 

Doch hätten sie nichts Besonderes vollbracht auf ihrem kleinen Territorium, währen nicht klüger als andere Völker. (Orig. 4,81. 5,41) Als Strafe für ihre "Prahlerei" nennt er die Zerstörung Jerusalems durch die Römer unter Titus im Jahre 70 n. Chr., bei der nach dem jüdischen Historiker Flavius Josephus (37 - 100 n. Chr.), ca. 1,1 Millionen Juden ums Leben kamen. (Orig. 4,73. 5,41)

 

Wie wir wissen, wiederholte sich Ähnliches 132-135 n. Chr., als unter dem vermeintlichen jüdischen Messias, Bar Kochba, dem „Sternensohn“, ein erneuter Aufstand durch die Römer niedergeschlagen wurde. Er selbst und ca. 580.000 Juden wurden getötet, 50 Städte und 985 Dörfer wurden zerstört und das furchtbare Ende von Jung und Alt, von Frauen, Männern und Kindern im Europa des zweiten Jahrtausends ist hinlänglich bekannt. Ihr Gott hatte "seine Hand nicht drüber gehalten". (S. 234)

 

Celsus, „kritisch und umfassend gebildet“, hatte gute Kenntnisse über das Christentum und Judentum, kannte das Alte Testament, die Evangelien des Neuen Testamentes der Bibel und diverse christliche Sekten seiner Zeit. So war ihm u. a. auch die Vernichtung der Völker im „Heiligen Land“ bekannt, über die in den jüdischen Schriften des Alten Testamentes berichtet wird. Das wird auf ihn, den platonischen Philosophen, sicher abstoßend gewirkt haben und seine etwas polemische Art, besonders im Hinblick auf die sogenannten „Betrüger“ Moses und Jesus, mitbegründen. (S. 234)

 

So wurden auf Anordnung des biblischen Jahwe, dem Gott der monotheistischen Religionen, Judentum, Christentum und Islam, immer wieder ganze Stämme und Völker ausgerottet und vertrieben. Alt und Jung, Frauen, Männer und Kinder, "keiner konnte entrinnen." (4. Mose 21:35) "... Wir weihten die ganze männliche Bevölkerung, die Frauen, die Kinder und die Greise der Vernichtung; keinen ließen wir überleben." (5. Mose 2:34), so der Grundsatz der Krieger Jahwes. Manchmal blieben auch die Frauen und kleinen Mädchen am Leben und wurden, neben dem Vieh und anderer Beute, als Gefangene mitgenommen - und alle Städte brannten, so die "Rache des Herrn ...". (4. Mose 31:3)

 

Auffallend ist dabei die wiederholte Anordnung des alttestamentarischen Gottes zur Ausrottung vieler Stämme, denn: "Wenn der Herr, dein Gott, dich in das Land geführt hat, in das du jetzt hineinziehst, um es in Besitz zu nehmen, ... dann sollst du sie der Vernichtung weihen." (5. Mose 7:1-5)

 

Entsprechend war Moses, der "Prophet, Gesetzgeber und Führer des Volkes Israel", dann auch empört über die siegreichen zurückkehrenden Krieger, denn "er sagte zu ihnen: Warum habt ihr die Frauen am Leben gelassen? ... Nun bringt alle männlichen Kinder um und ebenso alle Frauen, die schon ... mit einem Mann geschlafen haben." (4. Mose 31:15-18)

 

Die Intoleranz und Grausamkeit des Gottes wurde für Celsus u. a. auch sichtbar durch die Weisung in 2. Mose 22:17: "Die Zauberinnen [auch „Hexen“] sollst du nicht am Leben lassen." Und: "Wenn ein Mann oder eine Frau Geister beschwören oder Zeichen deuten kann, so sollen sie des Todes sterben; man soll sie steinigen; ..." (3. Mose 20:27). Medien, also Personen die einen Kontakt zu anderen Welten bzw. zu den Seelen der Toten herstellten, Heiler, Hellseher und Geisterbeschwörer, wurden erbarmungslos getötet.

 

Und wehe den Sexsündern! Beischlaf mit der Verlobten eines anderen: Beide wurden gesteinigt. Auch die Beschuldigung der Ehefrau wegen vorehelichen Verkehrs zog ihre Steinigung nach sich und beim Ehebruch mit einer verheirateten Frau mussten beide sterben (5. Mose 22). Das gleiche Schicksal erlitten auch Homosexuelle: "Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben; ...". (3. Mose 20:13)

 

Ungehorsam gegen solche Weisungen und andere Gebote wurde nicht akzeptiert und zog die Rache des Gottes nach sich. Der Abtrünnige oder Zuwiderhandelnde wurde u. a. auch mit extrem vielen Flüchen belegt. Was an Scheußlichkeiten der Sünder auf seinem weiteren Lebensweg durch die vielen Verwünschungen Jahwes erleben würde, ist in der jüdischen Thora, d. h. in der Bibel, im 5. Mose 28:15-68, mit über 70 verschiedenen Schicksalsflüchen beschrieben. Dazu gehört auch das Essen der eigenen Kinder, während einer Belagerung durch die von Jahwe geschickten Feinde. Denn: "Wenn du nicht auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst, indem du nicht auf alle seine Gebote und Gesetze, auf die ich dich heute verpflichte, achtest und sie nicht hältst, werden alle diese Verfluchungen über dich kommen und dich erreichen: ..."

 

Celsus bezieht sich in seiner Schrift u. a. auch auf den Schöpfungsbericht der Bibel und meint: „Auch Mose hat eine Geschichte der Weltentstehung geschrieben ... schon darin verfehlt, dass nach ihm die Welt noch nicht 10.000 Jahre alt, sondern viel jünger sein soll ...“. „Auch das Übrige der Juden ist entlehnt. Die Beschneidung der Geschlechtsteile ist von den Ägyptern gekommen.“ (Origenes 1,22), (S. 9)

 

Sein Gegner, Kirchenvater Origenes, rückt die vorgenannte Mosesgeschichte mit ihren exzesshaften Ausschreitungen sophistisch ins rechte Licht: „Auch wir dürfen glauben, dass in der reinen und frommen Seele des Moses, der sich über alle gewordenen Dinge erhob und sich dem Schöpfer des Weltalls ganz hingab, ein göttlicher Geist gewohnt habe, der das Wesen und die Werke Gottes weit klarer als Plato und die Weisen unter den Griechen und Barbaren darlegte“. (Orig. 1,19)

 

[2]  Die Christen nach Celsus

 

Celsus bedauert, dass die Christen sich an die Lehre Jesu gehängt haben (Orig. 5, 35), das jüdische Gesetz verließen und sich einer anderen Lebensweise zugewendet hätten (Orig. 2, 1 ff.). Doch sie wären teilweise noch verbunden mit dem Judentum, jedoch sei der Gott des Alten Testamentes Anlass zu Streitgesprächen (Orig. 5,61). Dagegen würden die Mitglieder der großen Kirche an das Alte Testament und an das Gesetz des Moses glauben (Orig. 5,59). Die Parole der Christen, man könne nicht zwei Herren dienen, wäre mehr ein Spruch für den Aufruhr und für die Trennung von der Gemeinschaft der Menschen (Orig. 8,2). Tempel, Altäre und Bildsäulen würden die Christen nicht befürworten und sie „glaubten nicht an von Händen gemachten Götter“, aber schon Heraklit hätte Gleiches vertreten, ebenso die Perser, wie Herodot erzählte. (Orig. 1, 5. 7, 62), (S. 5.)

 

Er hielt das Christentum für nichts Ehrwürdiges oder Altes (Orig. 1, 4. 1, 26. 3, 19) und vergleicht es mit den Ägyptern, zu deren Religion "prächtige Weiheländer und Heine der Götter, großartige und schöne Tempelvorhallen und wunderbare Tempel und fromme geheimnisreiche Gottesdienste gehörten", doch im Innern würden "erschaut und angebetet ein Kater oder Affe oder Krokodil oder Bock oder Hund". (Orig. 3,17), (S. 36) und meint, dass die Christen "nicht einmal durch Lügen" ihre "Erdichtungen mit Wahrscheinlichkeit verdecken" konnten und das "manche Gläubige ... das Evangelium aus der ersten Schrift dreifach und vierfach und oftfach umgeformt und umgefälscht hätten, um gegen die Überführungen leugnen zu können". (Orig. 2, 27), (S. 23)

 

Er erwähnt auch christliche Verteidigungsschriften: „Und wenn ihr doch in Erfindung sinnloser Apologien, in denen ihr euch lächerlich betrogen habt, wahrhaftige Verteidiger zu liefern meinet, was hindert daran, auch andere, so viele deren nur auf dem Weg der Verurteilung recht elend geendet, für große und göttlich Boten zu halten? ...“ (Orig. 2, 44), (S. 27) und schlussfolgert: „Einfältig aber sind die, welche nichts anderes als die Böcke und Hunde bei den Ägyptern in die Erzählungen über Jesus einführen". (Orig. 3, 19), (S. 36)

 

Celsus bestätigt jedoch die große Gefahr, in der diese Gläubigen lebten: „Die Christen aber vollends tun und lehren in der Heimlichkeit das was beliebt und allerdings nicht ohne Grund halten sie es so, indem sie nämlich die ihnen drohende Todesstrafe, ... von sich abzuwehren suchen.“ (Orig. 1, 3), (S. 4)

 

Er versucht, die schon zu seiner Zeit große Zersplitterung der Christen zu erklären und schlussfolgert: „Aber diese innere Haltlosigkeit, welche sich auch in der bunten Zusammenwürfelung aller verachteten und verwahrlosten Elemente der Gesellschaft, der Sklaven, Weiber und Kinder, der Armen, Ungebildeten und Sünder dokumentiert, bringt es doch von selbst mit sich, dass sie selbst wieder, worauf sie von Anfang zielten, in zahllose Parteien auseinandergehen (Orig. 3, 10. 3, 12), welche sich in furchtbarer Weise hassen und beschimpfen (Orig. 5, 63) und dass sie in diesem Charakter der Selbstauflösung nur noch den Namen gemeinsam hätten, welchen preiszugeben sie allein sich noch schämen.“ (Orig. 3, 12), (S. 35)

 

[3 Jesus nach Celsus

 

Celsus lässt in seinem Buch einen Juden sagen, dass Jesus „seine Entstehung aus einer Jungfrau erdichtet hat. In Wahrheit würde er aus einem jüdischen Dorf stammen und von einem bäurisch, armen, um Lohn spinnenden Weibe, die von ihrem Gatten, einem Zimmermann ..., vertrieben wurde, nachdem sie als Ehebrecherin überführt worden war. Verstoßen und ehrlos umherirrend gebar sie dann in der Dunkelheit von einem gewissen Soldaten Panthera her Jesus". Wegen seiner Armut ging dieser später nach Ägypten, lernte dort die Magie, kam zurück und erklärte sich "deswegen öffentlich als Gott" (Orig. 1, 28, 32, 38), (S. 11-13). "Jesus hätte dann zehn oder elf verschriene Menschen an sich gefesselt, die schlimmsten Zöllner und Fischer, wanderte mit ihnen hier und dorthin, schmählich und kümmerlich Nahrung zusammenbringend." (Orig. 1, 62), (S. 15)

 

Und Celsus fügt dem noch hinzu: „Die alten Mythen, welche [den Zeussöhnen] Perseus, Amphion, Äakos, [und] Minos eine göttliche Erzeugung zuschrieben, haben wir auch nicht geglaubt ... Halten wir einmal alles für wahr, ... was deine [Jesus] Schüler schwindelhaft erzählt haben ... Aber ähnlich sind die Werke ... was die Zöglinge der Ägypter zu vollbringen wissen, welche inmitten der Märkte um wenige Obolen [Münzen] ihre ehrwürdigen Wissenschaften verkaufen, Dämonen von Menschen austreiben, Krankheiten wegblasen, Seelen von Heroen [Held, Halbgott] zum Erscheinen aufrufen, kostbare Malzeiten, Tische, Backwerke und Leckerbissen zeigen, die nicht existieren, Bilder von Tieren bewegen, als ob es Tiere wären, während sie in Wirklichkeit nicht sind, sondern lediglich bis zum Anschein, als solche aussehen“. (Orig. 1, 71), (S. 16, 17)

 

Schon ein Zeitgenosse des Celsus, der Heilige, Philosoph und Theologe Justin der Märtyrer (um 100-165 n. Chr.), hatte auf eine gewisse enge Verwandtschaft zwischen dem Christentum und den älteren sogenannten heidnischen Religionen hingewiesen, indem er die christliche Kopie, d. h., die göttliche Zeugung und die Geburt durch eine Jungfrau verteidigte:

 

„Wenn wir aber weiterhin behaupten, der Logos, welcher Gottes erste Hervorbringung ist, sei ohne Beiwohnung gezeugt worden, nämlich Jesus Christus, unser Lehrer, und er sei gekreuzigt worden, gestorben, wieder auferstanden und in den Himmel aufgestiegen, so bringen wir im Vergleich mit euren Zeussöhnen nichts Befremdliches vor ... Sollte man aber daran Anstoß nehmen, dass er gekreuzigt worden ist, so hat er auch das mit euren vorhin aufgezählten Zeussöhnen (Hermes, Asklepios, Dionysos, Herakles) gemeinsam, die auch gelitten haben; denn von diesen werden nicht gleiche, sondern verschiedene Todesarten erzählt, sodass er auch in der ihm eigentümlichen Todesart ihnen nicht nachsteht ... Wenn wir ferner behaupten, er sei von einer Jungfrau geboren worden, müsst ihr hierin eine Übereinstimmung mit Perseus zugeben. Sagen wir endlich, er habe Lahme, Gichtbrüchige und von Geburt an Sieche gesund gemacht und Tote erweckt, so wird das dem gleich gehalten werden können, was von Asklepios erzählt wird." (Justin der Märtyrer, Heiliger, Philosoph, Theologe und einer der frühesten Apologeten der christlichen Kirche, um 100 bis ca. 165 n. Chr., Apologie 1, 20, 21, 22)

 

Celsus bilanziert, dass Jesus als Krone seines berüchtigten Lebens (Orig. 7, 53), einen kläglichen Tod am Kreuz durch die Verurteilung seines Volks und durch den Verrat seiner eigenen Jünger erhalten hätte, die jedoch selber davon weit entfernt waren, mit ihm den Tod zu verachten (Orig. 2, 45), (S. 238). Und die Juden „haben ihn verspottet, ihm ein Purpurkleid umgelegt, eine Dornenkrone aufgesetzt, das Rohr in die Hand gegeben (Orig. 2, 34). Warum beweist er nicht, wenn auch nicht ehedem, so doch jetzt etwas Göttliches und rettet sich aus dieser Schande und richtet die, welche gegen ihn selbst und den Vater übermütig sind (Orig. 2, 35) ... Die Wahrheit ist: Nachdem er niemand überzeugt hat, solang er lebte, nicht einmal seine eigenen Schüler, ist er gestraft worden und hat Solches gelitten.“ (Orig. 2, 39), (S. 25, 26)

 

Und „nicht von allem Bösen fürwahr hat er sich rein gezeigt (Orig. 2, 41), er ist nicht tadellos gewesen (Orig. 2, 42), (S. 25, 26). Ferner sind die, welche damals mit dem Lebenden zusammen waren und seine Stimme hörten und ihn als Lehrer gebrauchten, wie sie ihn gestraft und sterbend sahen, weder mitgestorben, noch für ihn gestorben, auch nicht überredet worden, Strafen zu verachten, im Gegenteil verleugneten sie sogar ihre Schülerschaft, jetzt ihr [ca. 170 n. Chr.], ihr sterbet mit ihm.“ (Orig. 2, 45), (S. 27)

 

[4]  Die Auferstehung und ihre Widersprüche

 

Für den platonischen Philosophen Celsus war eine leibliche Auferstehung, an die, nach seinem Werk aus der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts, Juden und Christen glaubten, unvorstellbar und nicht vereinbar mit den Naturgesetzen. Immer wieder weist er darauf hin, dass die Christen sehr viel ersonnen hätten, indem er z. B. sagt: „Was deine [Jesus] Schüler schwindelhaft erzählt haben.“ (Orig. 1, 71) (S. 17)

 

So sagt Celsus über die leibliche Auferstehung, wenn nach christlicher Auffassung die Toten mit ihrem ehemaligen Leib bei der Wiederkunft Christi aus den Gräbern hervorkommen, dann, wenn er als Richter für die Lebenden und Toten amtiert: „Übrigens möchte ich doch genauer fragen: Steht man mit Körper auf oder ohne Körper und mit welchem Körper, mit altem, mit neuem? Ohne Körper? ... Mit diesem Körper? Aber der ist schon vorher zergangen. Mit anderem Körper? Also wird ein neuer Mensch geboren, nicht jener alte wird repariert.“

 

Und: „Einfältig aber ist es von ihnen [den Christen] auch zu glauben, wenn Gott einmal wie ein Koch das Feuer herbeigebracht, werde das ganze übrige Geschlecht gebraten [alle Nichtchristen] werden; sie selber aber allein werden bleiben, nicht nur die Lebenden, sondern auch die längst einmal Gestorbenen, nachdem sie mit jenem ihrem leibhaftigen Fleisch von der Erde wieder aufgetaucht [leibliche Auferstehung], durchaus die Hoffnung von Würmern! Denn welcher ganz vernichtete Leib vermag zu seiner anfänglichen Natur zurückzukommen und gerade zu jenem ersten Bestand, aus welchen er aufgelöst worden? Da sie nichts zu erwarten haben, so nehmen sie zum unsinnigsten Rückzug ihre Zuflucht: Dass alles Gott möglich sei.“ (Orig. 2, 77. 3, 70), (S. 65, 66)

 

Tatsächlich war es Celsus möglich, bei den Auferstehungsgeschichten der vier Evangelien viele Widersprüche festzustellen, Verbesserungen und Verschlimmbesserungen mit dem Fazit, dass es sich, bis auf einen kleinen Kern, um religiöse Dichtung handelte:

 

So wird z. B. im  Markus- und Matthäusevangelium Jesus von Josef von Arimathäa allein in ein Grab gelegt und er wälzt bei beiden „einen Stein vor des Grabes Tür“. Bei dem Johannesevangelium dagegen gesellt sich noch Nikodemus hinzu, der dem Josef v. A. bei der Beerdigung hilft. Das Lukasevangelium erwähnt ebenfalls Josef v. A, aber nicht Nikodemus, jedoch wissen Lukas und Johannes nichts vom Verschließen des Grabes mittels eines großen Steines. (Mark. 15:43, 46, Matth. 27:57, 60, Joh. 19:38-42, Luk. 23:50-53)

 

Im Petrusevangelium geben zwar die Juden „seinen Leib dem Joseph“ v. A., der „ihn in sein eigenes Grab“ legt, dieses jedoch nicht mit einem Stein verschließt, denn hier „wälzten alle [Älteste, Schriftgelehrte, Soldaten], die dort waren, zusammen mit dem Hauptmann und den Soldaten einen großen Stein herbei und legten ihn vor den Eingang des Grabes.“ (Petrus. 23, 31, 32, 33)

 

Bei Matthäus und Markus schauen „Maria von Magdala und die andere Maria, die Mutter des Joses“ zu, wie Jesus in das Grab gelegt wird, bei Lukas sind es dann schon Maria von Magdala und Johanna und Maria, des Jakobus Mutter und die andern“, während Johannes und das Petrusevangelium die Frauen ganz weglassen. (Mark. 15:43-47, Matth. 27:57-61, Luk. 23:50-55, Joh. 19:38-42, Petrus. 21, 32)

 

Bei Matthäus stellt der römische Statthalter Pilatus auf Wunsch der jüdischen Hohenpriester und der Pharisäer „bis zum dritten Tag“ Wachen für das Grab Jesu zur Verfügung, damit „nicht seine [Jesu] Jünger kommen und ihn stehlen und zum Volk sagen: Er ist auferstanden von den Toten, ...“, so „die Hohenpriester mit den Pharisäern“. Im Petrusevangelium wird der Kreis der Wache haltenden wesentlich größer, da Pilatus den Hauptmann Petronius nebst Soldaten zur Verfügung stellt, denen sich als Verstärkung jüdische Älteste und Schriftgelehrte anschließen und „sie schlugen ein Zelt auf und hielten“ alle „drei Tage lang“ „Wache“ am Grab. Doch Markus, Lukas, Johannes und z. B. Epistula Apostolorum (Brief der Apostel) oder die Syrische Didaskalia bzw. die Didaskalia Apostolorum (Lehre der Apostel) wissen von den römischen Wachen, den Hohenpriestern und Pharisäern am Grabe nichts. (Matth. 27:64, 65, Petrus. 30, 31, Mark., Kap. 15, 16, Luk., Kap. 23, 24, Joh., Kap. 19, 20, Epis. Apost. 16-19, Syr. Didaskalia, Achelis u. Flemming, 1904, S. 106, 107)

 

Sehr früh am Sonntagmorgen gehen bei Markus drei Frauen zum Grab Jesu: Maria von Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome. Matthäus nennt nur zwei Frauen: Maria v. Magdala und die andere Maria. Bei Lukas erhöht sich die Zahl der Frauen und er berichtet von „Maria von Magdala, Johanna und Maria, des Jakobus Mutter und die andern mit ihnen“. Epistula Apostolorum (Brief der Apostel) ist ganz sicher, dass es Sarah, Martha und Maria Magdalena waren. Johannes dagegen weiß nur von einer Frau, der Maria von Magdala, die „früh, als es noch finster war“, allein am Grab eintrifft. Das Petrusevangelium erzählt von „Maria Magdalena, die Jüngerin des Herrn“, die „mit sich ihre Freundinnen zum Grabe“ nahm. (Mark. 16:1, Matth. 28:1, Luk. 24:10, Epis. Apost. 16, Joh. 20:11)

 

Die Beweggründe sind bei den Frauen ganz verschieden, denn bei Markus, Lukas und Epistula Apostolorum möchten sie Jesus salben, trotzdem nach Johannes das vorher bei der Beerdigung schon Josef von Arimathäa und Nikodemus unter Verwendung von „wohlriechenden Ölen“ und „Myrrhe gemischt mit Aloe“ getan hatten, die ihn dann anschließend „in Leinentücher“ banden. Bei Matthäus kommen die Frauen nur, „um nach dem Grab zu sehen“, beim Petrusevangelium um zu „weinen und zu klagen“ und Geschenke „zu seinem Gedächtnis“ zu bringen: Für Maria von Magdalas Kommen wird bei Johannes kein Grund genannt. (Mark. 16:1, Luk. 24:1, Epis. Apost. 16, Joh. 19:39, 40, Matth. 28:1, Petrus. 52, 54, Joh., Kap. 20)

 

Nach Markus, Lukas, Johannes und Epistula Apostolorum stellen die Frauen fest, „dass der Stein weggewälzt war“, während nur bei Matthäus, verbunden mit einem Erdbeben, mit einer Gestalt „wie der Blitz“, und einem Gewand „weiß wie der Schnee“, „der Engel des Herrn vom Himmel herab“ kam, „und den Stein“, im Beisein der Frauen, beiseiteschob, auf den er sich dann setzte – vor dem Grab. (Mark. 16:3,4, Luk. 24:2, Joh. 20:1, Epis. Apost. 16, Matth. 28:2)

 

Das Petrusevangelium berichtet noch "präziser", denn es „erscholl eine laute Stimme aus dem Himmel“, der sich öffnete, „und zwei Männer in großem Lichtglanz von dort herniedersteigen“ und der Stein „geriet von selbst ins Rollen“ und die beiden „Jünglinge“ gingen in das Grab. Anschließend kamen die sehr großen „bis zum Himmel“ reichenden „Männer“ mit dem sichtbar geschwächten, aber gewachsenen Jesus wieder heraus, der jetzt die Himmel überragte. Vor lauter Wunderei folgte ihnen noch ein Kreuz, das auf die Frage aus dem Himmel: „Hast du den Entschlafenen gepredigt?“ mit „ja“ antwortet. Andere Evangelien und Berichte kennen ein solches nächtliches Ereignis nicht. (Petrus. 35-41)

 

Dann lassen Markus, Lukas und Epistula Apostolorum die Frauen in ein leeres Grab gehen. Bei dem ersten Erzähler treffen sie dort im Grab „einen Jüngling“, der „ein langes weißes Gewand an“ hat, beim zweiten „traten [im Grab] zu ihnen zwei Männer in glänzenden Kleidern“ und Epistula Apostolorum kennt nur das leere Grab und keinen Jüngling, doch statt dessen Jesus, der den Frauen erschien und sie bat: „Weinet nicht mehr? Ich bin’s den ihr suchet.“ Die Maria Magdala des Johannes sieht nur das offene Grab und läuft sofort zu Petrus und den Jüngern und klagt, dass sie nun nicht wissen, „wo sie ihn hingelegt haben“. Die Jünger und Petrus überzeugen sich davon, dass der Leichnam nicht mehr im Grab ist, und gehen dann „wieder heim“. Vorher beobachtet Petrus jedoch noch, dass die „Leinentücher“ noch im Grab liegen und das „Schweißtuch ... zusammengewickelt daneben“, wogegen im Hebräerevangelium Jesus sein „Leintuch dem Diener des Priesters gegeben hatte“. Bei Lukas war es lediglich Petrus allein der zum Grab ging, um nachzusehen, ohne die Jünger. (Mark. 16:5, 6, Matth. 24:2, Epis. Apost. 16, 17, Joh. 20:1, 2, 10, Hebräerev. nach Hieronymus, Luk. 24:12)

 

Markus und Matthäus kennen die Inspektion der Jünger in der Begräbnisstätte nicht, zumal es bei Markus heißt: „Und sie [die Frauen] sagten niemandem etwas“. Maria M. schaut bei Johannes dann doch noch weinend in das Grab „und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen.“ Diese sagen lediglich: „Frau was weinst du?“, mehr nicht. Sie wendet sich dann um und sieht hinter sich den Gärtner stehen, der sie fragt: „Frau, was weinst du? Wen suchst du?“ Sie fragt ihn, wo er den Leichnam hingelegt hätte. Der Gärtner nennt sie beim Vornamen „Maria“ und sie erkennt, dass es Jesus war, der jedoch eine Berührung verweigert und sagt: „Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater.“ Die Frauen bei Matthäus dürfen jedoch die Füße des Auferstandenen berühren und im Hebräerevangelium heißt es: „... und alsbald berührten sie [Petrus/Jünger] ihn [Jesus] und wurden gläubig“. (Mark. 16:8, Joh. 20, Matth. 28:9, Hebräerev. nach Hieronymus)

 

Die Matthäuswachen, welche sich bei dem Erscheinen der Engel tot stellen, laufen zu den Ältesten, die ihnen viel Geld geben, damit sie erzählen: „Seine Jünger sind in der Nacht gekommen und haben ihn gestohlen, während wir schliefen.“ Im Petrusevangelium dagegen war es Pilatus, der auf Wunsch der jüdischen Ältesten, „dem Hauptmann und den Soldaten befahl, nichts zu sagen“. Bestochen wurden sie hier nicht. (Matth. 28:11-15, Petrus. 43-49)

 

„Frau was weinst du?“ und nur das hatten, wie gesagt, zwei „Engel“ bei Johannes die Maria v. Magdala gefragt. Bei Markus und Matthäus sagt der eine „Jüngling/Engel“ den Frauen: „Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten“ und für die Jünger: „Und siehe, er wird vor euch hingehen nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen“. Lukas lässt seine zwei „Männer“ sagen: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“ Von einem Treffpunkt in Galiläa wissen Lukas und Johannes nichts, denn nach dem Johannesevangelium 20:17 soll Maria v. Magdala eine ganz andere Botschaft Jesu überbringen: „Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: „Ich fahre auf zu meinem Vater ..., zu meinem Gott ...“ Im Petrusevangelium ist Jesus bereits in der Nacht vor der Grabinspektion durch Maria Magdalena und ihre Freundinnen direkt in den Himmel aufgestiegen. Sagte doch der „Jüngling“ im Grab: „Er ist auferstanden und weggegangen und dorthin gegangen, von wo er gesandt worden ist.“ (Joh. 20:13, Mark. 16:6, 7, Matth. 28:6, 7, Luk. 24:5, 6, Petrus. 39, 40,5 6)

 

Jesus „erschien“ nach Markus „zuerst der Maria v. M.“ und „danach offenbarte er sich in anderer Gestalt“ zwei Jüngern, „als sie über Land gingen“ und zuletzt auch den elf Jüngern, als sie „zu Tisch saßen“. Bei Matthäus erscheint Jesus zwei Frauen, der „Maria von Magdala und der anderen Maria“, „und sie umfassten seine Füße und fielen vor ihm nieder“ und auf einem Berg in Galiläa, wohin bei Markus der Engel und bei Matthäus Jesus die Jünger gebeten hatte, „sahen“ diese ihn und erhielten ihre Missionsanweisungen. Von der Emmauserscheinung des Lukas wissen diese beiden Schreiber nichts. ( Mark. 16:5, 9, 12, 14, Matth. 28:9, 10, 16)

 

Denn Lukas kennt eine Erscheinung Jesu vor Frauen nicht, ließ aber zwei Jünger in das Dorf Emmaus gehen, zu denen sich eine dritte Person hinzugesellte, die sie jedoch nicht als Jesus identifizierten, selbst seine Predigt half da nichts. Erst als er das Brot nahm, dankte, und es ihnen gab, „wurden ihre Augen geöffnet und sie erkannten ihn“. Sie eilten zu den 11 Jüngern nach Jerusalem, um zu berichten: „Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und [auch] Simon [Petrus] erschienen.“ „Als sie aber davon redeten, trat er selbst, Jesus, mitten unter sie ...“. Auf die Befürchtung der Jünger, dass er ein Geist sei, sagte er: „Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe. Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und Füße ...“ und fragte sie: „Habt ihr hier etwas zu essen? Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor. Und er nahm's und aß vor ihnen“. Neben Lukas berichtet nur noch die Apostelgeschichte, dass Jesus selbst aß, und lässt Petrus sagen: „... die wir [Jünger] mit ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er auferstanden war von den Toten“. (Luk. 24:13-31, 36, 42, Apostelgeschichte 10:41)

 

Johannes berichtet von vier Erscheinungen, doch nur bei einer Frau, der Maria v. M. Dann bei den 11 Jüngern und er zeigt diesen als Legitimation seine durchbohrten Hände und seine verwundete Seite. Etwas später erschien er wieder den Jüngern und fordert dabei Thomas auf seine Wundmale anzufassen. Letztmalig „offenbarte“ sich Jesus nach dem Johannesevangelium am See Tiberias (See Genezareth), als die Jünger ohne Fang vom Fischen zurückkamen. Jesus stand am Ufer, aber die Jünger „wussten nicht das es Jesus war“. „Kinder habt ihr nichts zu essen?“ fragte der „von den Toten“ Auferstandene. Sein Lieblingsjünger erkannte ihn, doch niemand „wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war“. Die anderen Evangelien kennen diese Erscheinung am See Tiberias nicht, dafür weiß Johannes nichts von einem Treffen auf einem Berg in Galiläa und kennt auch nicht das Treffen des Auferstandenen mit den Emmausjüngern. (Joh. 20:14, 15, 19, 20, 27, 21:1, 4, 5, 12, 13)

 

Nach dem Evangelium Epistula Apostolorum ging der auferstandene Jesus zusammen mit den Frauen zu den Jüngern. Sie hielten ihn für einen Geist und zweifelten. Da forderte er Petrus auf: „... lege du ... deine Finger in das Nägelmal meiner Hände ... du, Thomas, lege deine Finger in den Lanzenstich meiner Seiten ... du Andreas, sieh nach, ob mein Fuß auf die Erde tritt und dabei Spur hat“, denn „Ein Gespenst, ein Dämon, haftet nicht auf der Erde.“  Die Überprüfung des Nägelmals durch Petrus und die Aktion des Andreas kennen die anderen Evangelien nicht. (Epistula Apostolorum 19)

 

Das Petrusevangelium kennt keine Erscheinung Jesu nach seinem Tode, zumal hier zwei Engel ihn aus dem Grab abgeholt haben und er sofort in den Himmel aufgefahren ist, es sei denn, dass nächtliche Erlebnis der Soldaten, des Hauptmanns und der jüdischen Ältesten am Grab wird als Erscheinung gerechnet, da diese ja den, zwar von Engeln gestützten, doch lebenden Jesus aus dem Grab herauskommen sahen. Nach dem nur fragmentarisch erhaltenen Hebräerevangelium erscheint Jesus im Widerspruch zu den anderen Evangelien zuerst „dem Diener des Priesters“ und übergibt ihm sein Leintuch aus dem Grab. Anschließend geht er zu Jakobus, dem er erscheint und zu dem er spricht: „Mein Bruder, iss dein Brot, weil des Menschen Sohn von den Entschlafenen auferstanden ist.“ Und etwas später zu Petrus und seinen „Genossen“: „Fasset, betastet mich und sehet, dass ich kein körperloser Dämon bin, und alsbald berührten sie ihn und wurden gläubig, da sie sein Fleisch und Blut angefasst hatten.“ Die Syrische Didaskalia weiß es wieder ganz anders, denn hier „erschien er der Maria v. M. und der Maria, der Tochter des Jakobus, und im Morgengrauen des Sonntags trat er bei Levi ein, und dann erschien er auch uns [den Jüngern]“. (Petrus. 35-40, Hebräerev. nach Hieronymus, Syr. Didaskalia, Achelis u. Flemming, 1904, K. 21, S. 107)

 

Ganz anders die frühen Schriften des Apostels Paulus, die nach der theologischen Forschung Jahrzehnte vor den Evangelien entstanden: Sie erwähnen keine Erscheinung Jesu vor den Frauen, jedoch „das er [Jesus angeblich] gesehen [wurde] von Kephas [Petrus] und den Zwölfen ... von 500 Brüdern auf einmal ... von Jakobus, danach von allen Aposteln“ und von ihm, wobei die Authentizität (Echtheit) der Ereignisse angezweifelt werden darf. Die Evangelien nach Markus und Matthäus kennen die so wichtige Erscheinung des auferstandenen Jesu vor Petrus nicht und im Lukasevangelium liest sie sich eher wie eine unglückliche nachträgliche Einfügung. (1. Korinther 15:5-8, Mark., Kap. 16, Matth., Kap. 28, Luk. 24:34)

 

Die Acta Apostolorum (Taten der Apostel), die Apostelgeschichte des Neuen Testamentes der Bibel, verlängert den Aufenthalt des Verstorbenen und leiblich Auferstandenen bis zu seiner Himmelfahrt extrem auf vierzig Tage, denn „ihnen [Apostel] zeigte er sich nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen ...“, während Markus, Lukas, Johannes und das Petrusevangelium beim Zeitpunkt der Himmelfahrt mehr zu den ersten Tagen nach seinem Ableben tendieren. Das Evangelium Pistis Sophia, griechisch Glaube/Weisheit, 200-300 n. Chr., behauptet sogar, dass Jesus noch 11 Jahre nach seiner Auferstehung auf Erden gewirkt habe, um die Jünger zu unterweisen.

 

Ganz anders das Matthäusevangelium; es lässt dieses große und wichtige Ereignis, die Himmelfahrt Christi, einfach weg. Nach der Apostelgeschichte, sagte Jesus zuletzt zu ihnen: „... ihr werdet meine Zeugen sein ... bis an die Enden der Erde. Und als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg. Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.“ (Apostel. 1:3, 8-11, 2:24, 13:37,  Mark. 16:9, 19, Luk. 24:1, 7, 50, 51, Joh. 20:17, Matth., Kap. 28,  Petrus. 19, 38-40)

 

Doch nach der Epistula Apostolorum hatten die Apostel die Himmelfahrt Jesu ganz anders in Erinnerung. Sagte Jesus doch zuletzt: „Siehe, nach drei Tagen und drei Stunden wird der, welcher mich gesandt hat, kommen, damit ich mit ihm gehe.“ Und wie er sprach, traten Donner und Blitz und Erdbeben ein, die Himmel öffneten sich einen Spaltbreit und eine lichte Wolke kam und nahm ihn fort. Und wir hörten die Stimme vieler Engel, wie sie sich freuten und priesen und sprachen: „Versammle uns, Priester, im Licht der Herrlichkeit!“ (Epistula Apostolorum, Brief der Apostel, 96)

 

[5]  Kriegsdienst für den Kaiser

 

"Es ist mir nicht erlaubt Soldat zu sein, denn ich bin Christ."

„Mihi non licet militare, quia Christianus sum.“

Maximilian, christl. Märtyrer, 295 n. Chr.

 

Celsus fordert Untertänigkeit und Beistand gegenüber dem Kaisertum, d. h., auch mit ihm in den Krieg zu ziehen. Er tadelt das Verhalten der Christen, die in ihren Anfängen keinen Kriegsdienst leisteten, was u. a. durch den griechischen Theologen und Kirchenschriftsteller Clemens von Alexandrien (150–215 n. Chr.) und Justin den Märtyrer (um 100-165 n. Chr.), Philosoph, Theologe und Verteidiger der christlichen Kirche, bestätigt wird:

 

Doch Celsus sagt: „Denn wenn dasselbe mit dir [dem Christen] alle tun würden, so wird nichts hindern, dass er [der Kaiser] seinerseits allein und einsam gelassen, die Dinge auf der Erde aber in die Herrschaft der gesetzlosesten und wildesten Barbaren gelangen und weder von deinem Gottesdienst noch von der wahrhaftigen Weisheit ein Ruf unter den Menschen übrig gelassen wird.“ (Orig. 8, 68), (S. 137)

 

„Denn auch vorher hat derselbe Gott [der Bibel] denen, die auf ihn achthatten, dieses [Beistand] sowohl als auch viel Größeres als dieses, wie ihr saget, versprochen (alttestamentliche Verheißungen) und ihr sehet, wie viel er genützt hat jenen [den Juden] sowohl als euch [den Christen]. Den einen ist, anstatt sie Herren der ganzen Welt wären [Israeliten/Juden], nicht irgendeine Erdscholle oder ein Herd übrig gelassen, von euch [Christen] aber irrt ‚der eine oder der andere’ zwar noch herum in Verborgenheit, aber er wird aufgesucht zur Strafe des Todes.“ (Orig. 8, 69), (S. 138)

 

„Aber für die Christen ziemt es sich, zu helfen dem König mit aller Gewalt, mit ihm die Arbeit zu teilen in gerechter Weise und für ihn zu kämpfen und mit ihm in’s Feld zu ziehen, wenn die Not drängt und das Heer mit ihm zu führen (Orig. 8, 73), das Vaterland zu regieren, wenn es ein muss und dieses zu tun wegen der Rettung von Gesetzen und Frömmigkeit.“ (Orig. 8, 75), (S. 139)

 

Anderer Meinung war der vorgenannte Christ Clemens v. Alexandrien (150-215 n. Chr.). Er sprach vom „Heer des Christus, das kein Blut vergießt": „Aber wenn die laut schmetternde Trompete durch ihren Schall Krieger zusammenruft und Krieg verkündigt, sollte da Christus, wenn er sein Friedenslied "bis an die Enden der Erde" erschallen lässt, nicht seine friedfertigen Krieger versammeln? In der Tat, o Mensch, hat er sein Heer, das kein Blut vergießt, mit seinem Blut und Wort versammelt und ihnen das Königreich der Himmel anvertraut." (Clemens von Alexandrien, 150-215 n. Chr., Theologe und Kirchenschriftsteller, Mahnrede an die Heiden, Protrepticus 116.)

 

Und der christliche Märtyrer Justin (100-165 n. Chr.), sprach über den praktizierten Glauben der Frühchristen: „Obwohl wir uns so gut auf Krieg, Mord und alles Böse verstanden hatten, haben wir alle auf der weiten Erde unsere Kriegswaffen umgetauscht, die Schwerter in Flugscharen, die Lanzen in Ackergeräte, und züchten Gottesfurcht, Gerechtigkeit, Menschenfreundlichkeit, Glaube und Hoffnung, welche vom Vater selbst durch den Gekreuzigten gegeben ist." (Justin der Märtyrer, 100-165 n. Chr., Philosoph, Theologe, Verteidiger der christlichen Kirche, Dialog mit dem Juden Tryphon, 110.)

 

[6]  Der Kern und etwas Realität

 

Der Platoniker Celsus war sich bewusst, dass Jesus auferstanden war, denn nach seiner Anschauung trennt sich beim Ableben die Seele oder der Energiekörper vom Leib, um in die anderen Sphären zu gehen und später wieder zu inkarnieren, was auch durch die heutige Jenseitsforschung bestätigt wird. Jesus seine Seele ist demzufolge auch in das Baby der Maria inkarniert bzw. hatte sich einverleibt. Ein Naturgesetz, das für alle Menschen gilt. So war es wohl immer schon. Und was spielt das schon für eine Rolle, wie die Mutter Maria zu dem Kind gekommen ist, ob sie arm war und ob Jesus wegen Armut als Gastarbeiter nach Ägypten ging und aus seiner eigenen Armut keinen Hehl machte? Denn er soll gesagt haben: „Aber der Menschensohn [Jesus] hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.“ (Matth. 8:20)

 

Natürlich war mit einem armen medialen Wanderprediger aus dem multikulturellen Galiläa, der einen schmählichen Tod am Kreuz erlitt, den auch "zwölf Legionen Engel" nicht verhindern konnten, kein Staat zu machen. Es bedurfte der Aufwertung. Warum sollte der neue Gottessohn den anderen Gottessöhnen, Hermes, Asklepios, Dionysos und Herakles, auch nachstehen? (Matth. 26:51-53)

 

Doch trotz all des „frommen Betruges" können Fragmente der Predigten Jesu aus den Evangelien authentisch sein, wenn auch ein Teil, in veränderter Form, bereits im Judentum zu finden ist und in den älteren Religionen und Philosophien. Jesus legte die Messlatte ziemlich hoch. Seine Empfehlungen sind daher in der zweitausendjährigen Geschichte selten umgesetzt worden. Eine handfeste Jahwephilosophie, aus dem Alten Testament der Bibel, war da schon eher ein passender „Deckel für den Topf". Die christliche Kirchengeschichte belegt das.

 

Doch der Kern des Evangeliums enthält hohe Empfehlungen, Werte, deren Umsetzung die Seele durchlichten und den späteren Aufenthalt in einer höheren Sphäre möglich machen, so die heutige Forschung. Die Liebe sollte bei den frühen Christen das Licht sein, was sie fortan durchs Leben führte. So verkauften sie, auch wegen der großen Armut vieler Gläubiger, ihr Eigentum, schlossen sich zu einer Gütergemeinschaft zusammen und teilten alles, wie das schon die Essener praktizierten.

 

Gemäß der Überlieferung ist bei Jesus immer wieder die revolutionäre Tendenz zum Übermenschlichen zu spüren, oft eingeleitet mit den Worten „ich aber sage euch“, um so den jahweistischen Geist des Alten Testamentes in Licht zu verwandeln und mit Empfehlungen, wie z. B. „liebt eure Feinde, tut denen Gutes die euch hassen. Segnet die, die euch verfluchen. Betet für die, die euch misshandeln“, den Menschen einen Kanon, eine Richtschnur zu geben. (Lukas 6:27-31)

 

Nach den Evangeliengeschichten attackierte er die Pharisäer und jüdischen Schriftgelehrten stark, nannte sie wiederholt "Otternbrut, Schlangen" und "Heuchler" und verglich sie mit „übertünchten Gräbern, die von außen zwar schön scheinen, inwendig aber voll Totengebeinen und aller Unreinigkeit sind“ und dass sie „die Menschen mit schwer zu tragenden Lasten“ beladen, dass sie selber aber diese „nicht mit einem ihrer Finger anrühren“ würden und stellte aufgrund ihrer Mordabsichten fest, dass sie "den Teufel zum Vater" hätten. (Matth. 23:33, Lukas 11:46, Johannes 31, 39-45)

 

Immerhin gab es 613 Gebote, d. h. 248 Gebote und 365 Verbote, welche von jedem Juden zu jeder Zeit beachtet werden sollten. So musste z. B. eine Ehebrecherin nach dem mosaischen Gesetz gesteinigt werden (5. Mose 22). Gemäß der Erzählung im Johannesevangeliums 8:7, 11 brachten die Pharisäer und Schriftgelehrten eine Ehebrecherin und sie fragten Jesus, unter Hinweis auf das Gesetz und um einen Anklagepunkt gegen ihn zu finden, was er dazu sagen würde. Seine freie und geistesmächtige Antwort: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie“ und zu der Frau: „... geh hin und sündige hinfort nicht mehr.“

 

Für die Pharisäer waren solche ketzerischen Neuerungen und diverse Hinweise auf ihr Fehlverhalten ein „bitterer Trank“, der zusammen mit der Königsproklamation oder deren Verdacht ausreichte, dass ihn die politische Macht verhaftete. Nach den Fragmenten des Neuen Testamentes soll er dann beim Verhör auf die Frage: „Bist du der König der Juden?“ auch noch geantwortet haben: „Du sagst es.“ Das konnte als Hochverrat ausgelegt werden, als der Wille die Ordnung eines Staates zu zerstören bzw. als Versuch eines Staatsstreiches. Und so soll auch ein Schild an seinem Kreuz angebracht worden sein: „Der König der Juden“ (Lukas 23:3, Markus 15:26), die Authentizität (Echtheit) der Zitate vorausgesetzt.

 

Jesus wollte dem überwiegend armen Volk, seinen Landsleuten, „des Lichtes Himmelsfackel leihen“. Doch sie konnten es nicht fassen, sie strahlte ihnen nicht. Sie löschten die „Fackel“, indem Jesus am Kreuz elendig sterben musste („Das Lied von der Glocke", Schiller). - M. f. G. www.minerva79.de

 

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