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Evangelium Epistula Apostolorum  [v]

 

Ein dokumentierter Mangel an Wahrheit, Realität und Authentizität aus

dem 2. Jh. n. Chr.: "Die Christen verfemten die Fälschung des Gegners und

fälschten selbst ... Viele Fälschungen haben entscheidend auf die Entwicklung

der kirchlichen Dogmatik, die Kirchenpolitik, die Geschichte und Kunst 

eingewirkt ... Alle christlichen Fälscher, die zumeist Kleriker

waren, rechneten mit der Hilfe Gottes." [1]

 

Das Evangelium Epistel Apostolorum [1a], ein Rundschreiben der 11 Apostel an alle Christen, wird in das 2. Jahrhundert nach Christus datiert [2]. Nach einer kurzen Schilderung des Lebens Jesu kommt es zu einem Gespräch zwischen Jesus und seinen Jüngern. Die oder der Schreiber bezeugen ihre Anwesenheit, behaupten also, Augenzeugen des Geschehens gewesen zu sein. Demnach müsste das Ereignis angeblich am Anfang des 1. Jahrhunderts, d. h. zwischen Jesus seiner Auferstehung und Pfingsten stattgefunden haben. Es handelt sich also um eine Rückdatierung, um Ansehen und Verbreitung der Schrift zu erreichen.

 

Leider wurden bereits in den ersten drei Jahrhunderten viele christliche Schriften gefälscht, oft durch die Angabe eines falschen Verfassernamens, durch Veränderungen der Texte bei bereits bestehenden Schriften und durch Verfälschung der tatsächlichen Ereignisse. 

 

Das ist auch bei diesem Evangelium [3], bzw. dieser theologischen Streit- und Werbeschrift der Fall. Wird der hohe moralische Anspruch der christlichen Gruppe zugrunde gelegt, so kann man nur zu dem Fazit kommen, das es sich um einen „frommen Betrug“ [4], mehr um eine arglistige Täuschung [5] handelt, also um eine "heilige Lüge" zwecks Auferbauung, Glaubensstärkung und Abwehr der Häresie [6].

 

Epistula Apostolorum ist auch eine Kampfschrift gegen die beiden Häretiker und "Feinde unseres Herrn Jesus Christus" "Kerinth" (Kerinthos) [7] und "Simon Magus" oder diese sind nur eine Metapher, ein Bild für alle Ketzer zurzeit der Autoren. Ein Kerinth lehrte am Anfang des 2. Jh. n. Chr. und soll eine etwas andere Auffassung des Geschehens gehabt haben, wie z. B. die Meinung, dass der himmlische Christus bei der Taufe auf Jesus, den Sohn Josefs und Marias herabgestiegen sei und dieser habe ihn zur Verkündung und Wundertaten ermächtigt und vor der Passion wieder verlassen. 

 

Der Andere, Simon Magus [8], soll im 1. Jh. gelebt haben (ca. bis 65 n. Chr.) und galt als Ketzer [9] . Ein Simon wird auch im Neuen Testament, Apostelgeschichte 8:9-13, erwähnt. Vor solchen Lehrern sollten sich, nach dem Schreiben der 11 Apostel, die Christen "hüten, denn in ihnen sei Befleckung und Tod". Ihnen drohen am Ende Gericht und Verderben." (EpAp14,15,50,83,95)

 

Der wahre Geist der Autoren dieser Schrift wird u. a. auch sichtbar durch die Behauptung, Jesus Christus hätte ihnen einen Termin für seine Wiederkunft und des Gerichtes genannt. (EpAp27) Der Zeitpunkt wird in der koptischen [10] Version des Evangelium Epistula Apostolorum nach Ablauf einer Frist von 120 Jahren und in der ägyptischen Ausführung nach einer Zeit von 150 Jahren vorausgesagt, wobei die Auferstehung als zeitlicher Ausgangspunkt zu sehen ist. Die Ereignisse hätten also 150 bzw. 180 nach Chr. eintreten müssen, was jedoch nicht der Fall war. Nach dem Nichteintreten nach 120 Jahren soll eine Verlängerung um 30 Jahre vorgenommen worden sein, was auch nicht half. 

 

Diese "Schriftsteller" und ihre Gläubigen mussten jedoch die gleiche Enttäuschung erleiden wie die Urchristen vor ihnen auch, die alle in der Hoffnung auf eine baldige Wiederkunft lebten, was durch viele christliche Schriften, einschließlich der neutestamentlichen, bestätigt wird. Der Theologe und Kirchenhistoriker Dr. K. G. A. Harnack fast zusammen: "Sie haben sich in ihrer Erwartung getäuscht - das ist ohne Klausel einzuräumen". (Das Wesen des Christentums, 1903, S. 108 (zuletzt 2007)

 

Die Terminisierung der Wiederkunft und des Gerichtes um 150 bzw. 180 n. Chr. kann jedoch im Hinblick auf die Datierung der Entstehung von Epistula Apostolorum eine Hilfe sein, da es sich doch wohl für Gläubige bei der Enderwartung um ein Ereignis handelt, an dem sie noch während ihres Lebens teilnehmen möchten. Also, nicht ab in die "Kiste", sondern etwas Besseres, wie z. B. das Paradies, das himmlische Reich oder "einen neuen Himmel und eine neue Erde" (Bibel, Jesaja 65:17, Offenbarung 21:1). Die Entstehung würde dann mehr am Anfang des 2. Jh. liegen.

 

Die enthaltene Schilderung der Auferstehung stimmt fast mit den bekannten vier Evangelien des Neuen Testamentes überein. Erweitert, also verschlimmert wird da, wo es um den Beweis geht, dass Jesus nach seinem Tode aus Fleisch und Blut bestand. Es ist nicht nur der Jünger Thomas, wie im Evangelium des Johannes [11] berichtet, der mit seiner Hand Jesus berührt, um sich vom wirklichen fleischlichen Leib zu überzeugen, auch Petrus und Andreas werden, sozusagen als Verstärkung, mit eingebaut und kontrollieren. Petrus prüft die Wundmale an den Händen und Andreas, ob Jesus wirklich auf dem Boden steht oder wie ein Geist in der Luft schwebt. (EpAp19)

 

Im Petrusevangelium folgt das Kreuz dem Auferstandenen und kann sprechen [12]. In dieser frohen Botschaft geht es ihm voran (EpAp26) und er selbst wird bei seiner Wiederkunft „kommen, wie die Sonne, die erglänzt“ und wird „siebenmal mehr als sie in Herrlichkeit leuchten.“ Und natürlich wird auch hier der Gottessohn, im Widerspruch zu den Naturgesetzen, im „Schoße“ „der Heiligen Jungfrau Maria“ „vom Heiligen Geist verursacht“ bzw. gezeugt „und nicht durch Lust des Fleisches“ (EpAp6)

 

Aus Wasser wird Wein, Tote werden auferweckt, Lahme gehen und Reiche wie Arme, die nicht spuren, finden kein Erbarmen (EpAp46,89). Die Apostel werden im Fleische auferstehen (EpAp37), getreu dem Wunsch und der Meinung des Evangelisten Johannes, dass alle „die in den Gräbern sind, seine Stimme hören und hervorkommen werden ...“ (Neues Testament, Johannesevangelium 5:28,29)

 

Und Donner, Blitz und Erbeben traten ein, „die Himmel spalteten sich und eine lichte Wolke kam und nahm ihn fort“ (EpAp 96) und mit ihm die Wahrheit, Realität und Authentizität [13].

  

Epistula Apostolorum  [ Λ ]

 

1 Wir, Johannes, Thomas, Petrus, Andreas, Jakobus, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Nathanael, Judas der Zelot und Kephas, schreiben an die Kirchen im Osten, Westen, Norden und Süden. Wir haben alles genauso aufgeschrieben, wie es war, als wir ihn nach seiner Auferstehung von den Toten gehört haben, als wir ihn berühren konnten und er uns Großartiges, Erstaunliches und Wahres geoffenbart hat.

 

2 Das wissen wir: Unser Herr und Erlöser Jesus Christus ist Gott, Sohn Gottes, der gesandt worden ist von Gott, dem Herrscher der ganzen Welt, dem Schaffer und Schöpfer dessen, was mit jedem Namen benannt wird. Der über allen Herrschaften ist, als Herr der Herren und König der Könige, der Gewaltige der Gewaltigen, der Himmlische, der über Cherubim und Seraphim ist und zur Rechten des Thrones des Vaters sitzt.

 

3 Der durch sein Wort den Himmel zu werden gebot, die Erde und alles was auf ihr ist erbaute und dem Meer seine unüberschreitbaren Grenzen zuwies. Er verursachte, dass Tiefen und Quellen sprudeln und auf der Erde fließen Tag und Nacht.

 

4 Der die Sonne, den Mond und die Sterne am Himmel bewirkte und Licht und Finsternis trennte. Durch sein Wort hat er die Hölle geschaffen. In einem Augenblick kann er im Winter Regen oder Nebel, Reif und Hagel anordnen. Er schafft jeden einzelnen Tag zu seiner Zeit. Er erschüttert die Erde und macht sie wieder fest.

 

5 Der den Menschen nach seiner Gestalt und seinem Bilde geschaffen hat. Er, der durch die Patriarchen und Propheten in Bildern geredet hat und in Wahrheit durch den (Jesus Christus), den die Apostel verkündigt und die Jünger betastet haben.

 

6 Wir glauben, dass er, Gott Vater und der Sohn Gottes, das Mensch gewordene Wort ist, welches aus der heiligen Jungfrau Maria Fleisch wurde und vom Heiligen Geist in ihrem Schoße verursacht, aber nicht durch Lust des Fleisches, sondern durch den Willen Gottes erzeugt. Er wurde in Bethlehem in Windeln gewickelt und geoffenbart und er wurde großgezogen und wuchs heran. Das alles haben wir gesehen.

 

7 Nachstehendes hat unser Herr Jesus Christus getan: Als er von Joseph und seiner Mutter Maria in die Schule geschickt wurde, wo er das Schreiben lernen sollte, sagte sein Lehrer zu ihm: „Sag Alpha!“ Da antwortete Jesus: „Sag du mir zuerst, was Beta ist!“ Dies ist wahrhaftig und wirklich geschehen.

 

8 Darauf war eine Hochzeit in Kana von Galiläa. Jesus war mit seiner Mutter und seinen Geschwistern eingeladen und er verwandelte dort Wasser in Wein. Er weckte die Toten auf und machte die Lahmen gesund, dass sie wieder gehen konnten. Er heilte den Mann mit der verdorrten Hand. Die Frau, die schon zwölf Jahre am Blutfluss litt, berührte den Saum seines Gewandes und war sofort gesund.

 

9 Und als wir noch staunend über seine Wundertat nachdachten, fragte er: „Wer hat mich berührt?“ Wir antworteten: „O Herr, das Menschengedränge hat dich berührt.“ Daraufhin sagte er: „Ich habe gemerkt, dass eine Kraft von mir ausgegangen ist." Da stellte sich die Frau vor ihn hin und sagte: „Herr, ich habe dich berührt.“ Und er antwortete und sagte zu ihr: „Geh, dein Glaube hat dich gesund gemacht.“

[ Λ ]

10 Dann machte er die Tauben hörend und die Blinden sehend, trieb bei Besessenen die Dämonen aus und die Aussätzigen reinigte er.  Als der Dämon namens Legion, der einen Mann besetzt hatte, Jesus begegnete, schrie und sagte er: „Bevor der Tag unseres Verderbens herangekommen ist, bist du gekommen, um uns zu vertreiben.“ Jesus, der Herr, schalt ihn und sagte: „Geh aus diesem Manne heraus, ohne ihm irgendetwas zuzufügen!“ Und der Dämon fuhr in die Säue hinein und versenkte sie im Meer, sodass sie erstickten.

 

11 Darauf wandelte Jesus auf dem Meer und es wehte starker Wind. Jesus schrie den Wind an und die Wogen des Meeres beruhigten sich. Als wir Jünger eines Tages kein Geld mehr hatten, fehlte uns ein Denar für die Steuer, sodass wir ihn fragten: „Meister, was sollen wir dem Steuereinehmer sagen?“ Da antwortete Jesus: „Einer von euch werfe die Angel, die Reuse, in die Tiefe und ziehe einen Fisch heraus und er wird in ihm einen Denar finden. Den gebt den Steuereinnehmer für mich und für euch.“

 

12 Als wir darauf kein Brot außer fünf Broten und zwei Fischen hatten, sagte Jesus zu den Leuten, es waren etwa fünftausend Männer, dazu Kinder und Frauen, dass sie sich lagern sollten. Wir gaben ihnen allen Brotstücke zu essen. Sie aßen und wurden satt. Es blieb so viel davon übrig, dass wir zwölf Körbe füllen konnten. Da fragten wir den Herrn: „Welche Bewandtnis hat es mit den fünf Broten?“ Er antwortete: „Sie sind ein Zeichen unseres Glaubens und des großen Christentums. Denn diese fünf Brote stehen für den Glauben an den Vater, den Herrscher aller Welt, den Glauben an Jesus Christus, unseren Erlöser, den Glauben an den Heiligen Geist, den Parakleten (Helfer, Fürsprecher), den Glauben an die heilige Kirche und den Glauben an die Vergebung der Sünden.“

 

13 All dieses sagte und zeigte uns unser Herr und Erlöser. Wir reichen es an euch weiter, damit ihr Gewinn habt an der Gnade Gottes, an unserer Arbeit und an der Herrlichkeit, die uns geschenkt worden ist. Ihr sollt immer nach dem ewigen Leben streben. Seid standhaft und schwankt nicht in eurer Gewissheit und in allem, was ihr von Jesus Christus glaubt. Dann wird seine Barmherzigkeit euch begleiten und er wird für immer und allezeit euer Erlöser sein.

 

14 Kerinth und Simon Magus, die gekommen sind, um die Welt zu durchwandern, sind Gegner unseres Herrn Jesus Christus. Sie machen die vom Glauben abtrünnig, die an Jesus Christus, das wahre Wort und die Tat, glauben. Hütet euch vor ihnen, denn in ihnen ist Befleckung und Tod. Ihnen drohen am Ende Gericht und Verderben.

 

15 Deswegen haben wir nicht gezögert, euch dieses Zeugnis von unserem Herrn und Erlöser Jesus Christus zu schreiben. Wir waren Augenzeugen dessen, was er getan hat, aber er hat uns auch ermuntert.

 

16 Diesen, für den wir Zeugen sind, kennen wir als den, der zwischen zwei Räubern gekreuzigt wurde in den Tagen des Pontius Pilatus und des Fürsten Archelaus. Mit ihnen zusammen wurde er vom Holz des Kreuzes abgenommen und an dem Ort namens „Schädelstätte“ begraben. Dorthin gingen die drei Frauen Sarah, Martha und Maria Magdalena mit Salböl, das sie auf seinen Leichnam ausgießen wollten. Sie weinten und waren sehr traurig über das, was geschehen war. Sie näherten sich dem Grabe und blickten hinein. Der Stein war von der Graböffnung weggewälzt worden. Und sie öffneten die Tür und fanden nicht seinen Leichnam.

 

17 Wie sie aber trauerten und weinten, erschien ihnen der Herr und sprach zu ihnen: „Weinet nicht mehr? Ich bin’s den ihr suchet. Hört auf zu weinen! Ihr sucht doch mich! Eine von euch soll zu euren Brüdern gehen und ihnen sagen: Kommt, der Lehrer ist von den Toten auferstanden!“ Da kam Maria zu uns und sagte es uns. Wir aber sagten zu ihr: „Ach, lass uns doch in Ruhe! Wer gestorben und begraben ist, der kann nicht wieder leben.“ Wir glaubten ihr einfach nicht, dass unser Erlöser von den Toten auferstanden sein sollte. Darauf ging sie zu unserem Herrn zurück und klagte: „Keiner von deinen Jüngern hat mir deine Auferstehung geglaubt!“ Jesus erwiderte: „Dann soll eine andere von euch nochmals zu ihnen gehen und es ihnen noch einmal sagen.“ Daraufhin kam Sarah mit derselben Botschaft zu uns und wir beschuldigten sie der Lüge. Sie kehrte zum Herrn zurück und sprach zu ihm wie Maria.

 

18 Darauf sprach der Herr zu Maria und zu ihren Schwestern: : „Lasst uns zu ihnen gehen!“ Als der Herr zu uns kam, befanden wir uns im Inneren des Hauses, in tiefer Trauer. Wir zweifelten und glaubten nicht. Er rief uns heraus vor die Tür. Aber wir dachten es sei ein Geist und glaubten nicht, dass er es war. Aber er war es. Da sagte er zu uns: „Kommt und fürchtet euch nicht! Ich bin euer Lehrer. Ich bin euer Herr, den du, Petrus, ehe der Hahn krähte, dreimal verleugnet hast. Willst du mich etwa schon wieder verleugnen?“

 

19 Voller Zweifel, ob er es auch wirklich war, gingen wir zu ihm hinaus. Jesus fragte uns: „Weshalb zweifelt ihr und seid ungläubig? Ich habe euch doch selbst erläutert, dass ich leibhaftig leiden werde, dass ich sterben muss und auferstehen werde. Damit ihr erkennt, dass ich es wirklich bin, lege du, Petrus, deine Finger in das Nägelmal meiner Hände. Und du, Thomas, lege deine Finger in die Lanzenstiche meiner Seiten. Und du, Andreas, sieh nach, ob mein Fuß auf die Erde tritt und dabei eine Spur hat. Denn beim Propheten steht geschrieben: Ein Gespenst, ein Dämon, haftet nicht auf der Erde.“

 [ Λ ]

20 Also haben wir ihn berührt und konnten erkennen: Er ist wahrhaftig leiblich auferstanden. Wir fielen nieder auf unser Antlitz, bekannten unsere Sünden und baten um Verzeihung dafür, dass wir nicht geglaubt hatten. Da sagte der Herr, unser Erlöser: „Steht auf, ich will euch offenbaren, was auf Erden und oberhalb der sichtbaren Himmel ist und welches der Ort eurer zukünftigen Auferstehung im Himmelreich ist. Denn der Vater hat mir die Vollmacht gegeben, euch und alle, die an mich glauben, hinaufzuführen.“

 

21 Und was er offenbar hat, ist dies, wie er zu uns sprach: „Als ich vom Vater des Alls her kam, ging ich an den einzelnen Himmeln vorüber. Dabei zog ich die Weisheit des Vaters wie ein Gewand an und bekleidete mich so mit der mächtigen Kraft Gottes. Dann war ich in den einzelnen Himmeln. Ich schritt an den Engeln und Erzengeln vorbei. Ich hatte die gleiche Gestalt wie sie und war wie einer von ihnen.  Ich ging vorüber an den Klassen, Herrschaften und Fürsten, ausgestattet mit dem Maße der Weisheit des Vaters, der mich gesandt hat.

 

22 Und die Erzengel, Michael, Gabriel, Raphael und Uriel folgten mir heimlich bis zum fünften Himmelsfirmament. Sie dachten, ich sei einer von ihnen. Das war nur möglich dank der Kraft, die mir der Vater gegeben hatte. Da ließ ich die Engel einen Jubelgesang anstimmen und zum Altar des Vaters gehen, dass sie bis zu meiner Rückkehr dem Vater in ihrem Werk dienten. Das konnte ich nur, weil mich Gottes Weisheit ihm ähnlich gemacht hatte. Denn ich bin alles in jedem geworden bei ihnen, um zuerst den Willen des Vaters, der mich gesandt hat, vollends zu erfüllen, damit den Menschen die Erlösung zuteilwird, um dann zum Vater zurückzukehren.“

 

23 „Wisst ihr, dass der Engel Gabriel zu Maria kam, um ihr die Botschaft zu bringen?“ Wir antworteten: „Ja, o Herr.“ Er antwortete und sprach zu uns: „Ihr erinnert euch doch auch sicher, dass ich neulich zu euch gesagt habe, ich sei den Engeln wie ein Engel geworden?“ Wir sprachen: „Ja, o Herr.“ Und er sprach zu uns: „Ich war es, welcher der Jungfrau Maria in Gestalt des Erzengels Gabriel erschien und mit ihr sprach. Ihr Herz nahm mich auf, sie glaubte und lachte. Ich ging in ihren Leib hinein und wurde Mensch. Da Engel als Boten dienen, nahm ich Engelsgestalt an und wurde dadurch ein Dienstbote meiner selbst. Dann ging ich zu meinem Vater zurück.

 

24 Wenn ihr dann meines Todes gedenkt, das ist das Passah, dann wird man einen von euch um meines Namens willen ins Gefängnis werfen. Er wird sehr betrübt und traurig sein, dass ihr das Passah begeht, während er im Gefängnis sitzt und nicht mit euch feiern kann. Er wird sehr unglücklich darüber sein. Dann werde ich meine Kraft in Gestalt eines Engels Gabriel schicken und die Türen des Gefängnisses werden sich öffnen.  Er wird herauskommen und zu euch kommen, um die Nachtwache mit euch zu verbringen und bei euch zu ruhen.

 

25 Wenn dann der Hahn kräht und ihr das Gedächtnis und die Agape (das Liebesmahl) beendet habt, wird man ihn wieder ins Gefängnis werfen. Das wird zum Zeugnis geschehen. So wird es sein, bis er freikommt und predigt, wie ich es euch befohlen habe.“ Wir fragten ihn: „O Herr, hast du nicht das Trinken des Passah vollendet? Obliegt es uns denn, es wiederum zu tun?“ Er antwortete: „Ja, bis dass ich komme vom Vater mit meinen Wunden.“

 

26 Wir sagten zu ihm: „O Herr, groß ist dies, was du uns sagst und offenbarst. In was für einer Kraft und Gestalt wirst du kommen?“ Und er sprach zu uns: „Wahrlich, ich sage euch, ich werde kommen, wie die Sonne, die erglänzt, so werde ich, indem ich siebenmal mehr als sie in Herrlichkeit leuchte, während ich auf dem Flügel der Wolke getragen werde in Glanz, und indem mein Kreuz vor mir einhergeht, auf die Erde kommen, dass ich richte die Lebendigen und die Toten.“

 

27 Wir fragten ihn: „O Herr, wie viele Jahre dauert es noch?“ Er sagte: „Wenn das hundertundfünfzigste Jahr vollendet ist, zwischen Pfingsten und dem Passahfest, wird die Ankunft meines Vaters sein.“ Wir fragten ihn: „Erst hast du zu uns gesagt ich werde kommen und jetzt sagst du, der wird kommen, der mich gesandt hat - wie ist es denn nun wirklich?“ Jesus antwortete: „Ich bin ganz in meinem Vater, und mein Vater ist in mir.“ Darauf fragten wir ihn: „Willst du uns wirklich verlassen, bis du wiederkommst? Wo sollen wir denn einen Lehrer hernehmen?“

 

28 Jesus entgegnete: „Habt ihr es noch nicht begriffen? Wie ich bis jetzt hier war, so war ich auch dort bei dem, der mich gesandt hat.“ Wir fragten: „Herr, ist es denn möglich, dass du zur selben Zeit hier und dort bist?“ Jesus antwortete: „Ganz bin ich im Vater und der Vater in mir nach seinem Bilde und nach seiner Gestalt und nach seiner Kraft und nach seiner Vollkommenheit und nach seinem Lichte, und ich bin sein vollkommenes Wort.“

 

29 „Ich bin vor ihm ein Wesen geworden. Ein Modell von mir ist der reine Gedanke. Am achten Tag, dem Herrentag, bin ich sein vollkommenes Wort geworden. Das ist die Abschluss der Zahl. Ihr werdet mich sehen, wenn ich zu meinem Vater im Himmel gehe. Ich gebe euch ein neues Gebot: Ihr sollt euch lieben und gehorchet einander und lasst beständig Frieden unter euch herrschen. Liebt eure Feinde und was ihr nicht wollt, dass euch andere tun, das fügt auch keinem anderen zu.“

 [ Λ ]

30 „Verkündet dies und erläutert es denjenigen, die an mich glauben. Predigt das Himmelreich meines Vaters. Und wie mir mein Vater die Erlaubnis gab, so gebe ich sie euch, dass ihr dem himmlischen Vater seine Kinder bringt.  Ihr sollt ankündigen, sie sollen glauben. Ihr sollt sie dem Himmel zuführen.“ Wir sagten: „O Herr, du kannst das tun, was du gesagt hast, doch wie sollen wir das schaffen?“ Er antwortete: „Amen, ich sage euch, verkündigt und unterweist, was ich euch sage. Ich werde mit euch sein, denn ich bin gerne mit euch, damit ihr meine Miterben im Himmelreich werdet, das dem gehört, der mich geschickt hat. Amen, ich sage euch, ihr werdet meine Geschwister und Gefährten sein, denn mein Vater liebt euch und alle die, die ihr zum Glauben an mich bringen werdet.“

 

31 „Amen, ich sage euch, so groß ist die Freude, die mein Vater für euch bereithält, dass selbst Engel und Himmelsherrscher sie zu schauen und zu betrachten begehrten und noch immer begehren, doch es wird ihnen nicht erlaubt sein, meinen Vater in all seiner Majestät zu sehen.“ Wir sagten ihm: „Herr, erkläre uns, wie das, von dem du sprichst, sein wird!“ Er antwortete: „Ihr werdet ein Licht sehen, das kräftiger ist als hervorgerufenes Licht. Es ist auch vollkommener als alles Vollkommene, das ihr kennt. Dieses Licht ist der Vater, und er ist vollwertig. Der Sohn wird durch dieses Licht vollendet gemacht werden. Das geschieht durch seinen Tod und seine Auferstehung und die Vollendung durch die Auferstehung übertrifft die durch den Tod. Ich bin nichts anderes als die rechte Hand des Vaters.“

 

32 „Wir sagten zu ihm: „ O Herr, du hast uns in jeder Hinsicht erlöst und lebendig gemacht. So sind deine Worte, darauf lässt du uns hoffen.“ Jesus sagte: „Habt Vertrauen und seid stark.  Amen, ich sage euch, eure himmlische Ruhe wird so sein, dass ihr nicht essen und nicht trinken müsst, nicht sorgen und nicht trauern könnt, weder irdische Gewänder anlegen noch vergehen könnt. Und ihr werdet mit dem, was in der Schöpfung unter euch steht, keine Gemeinschaft haben, sondern zur dauerhaften Schöpfung meines Vaters gehören. Wie ich immer im Vater bin, so werdet auch ihr in mir sein.“

 

33 Wir fragten ihn: „Welche Form werden wir dann haben, die von Engeln oder die von irdischen Menschen?“ Er antwortete: „Ich habe eure irdische Körper wie ein Kleid angezogen. Darin bin ich geboren, hingerichtet, begraben und auferstanden. So hat es mein Vater im Himmel veranlasst, damit erfüllt würde, was der Prophet David über mich, meinen Tod und meine Auferstehung prophezeit hat:

 

34 ‚Herr, wie zahlreich sind meine Bedränger, so viele stehen gegen mich auf. Viele gibt es die von mir sagen: Er findet keine Hilfe bei Gott. Du aber, Herr, bist ein Schild für mich, du bist meine Ehre und richtest mich auf. Ich habe laut zum Herrn gerufen; da erhörte er mich von seinem heiligen Berg. Ich lege mich nieder und schlafe ein, ich wache wieder auf, denn der Herr beschützt mich. Viele Tausende von Kriegern fürchte ich nicht, wenn sie mich ringsum belagern. Herr, erhebe dich, mein Gott, bring mir Hilfe! Denn all meinen Feinden hast du den Kiefer zerschmettert, hast den Frevlern die Zähne zerbrochen. Beim Herrn findet man Hilfe. Auf dein Volk komme dein Segen!’  (Psalm 3:1-8)

 

35 „Denn alles was die Propheten verkündet haben, ist durch mich erfüllt. Denn ich war in ihnen, habe durch sie geredet. Und darum wird das, was ich selbst gesagt habe, wirklich geschehen, damit der, der mich geschickt hat, bejubelt wird von euch und von allen, die an mich glauben.“

 

36 Als Jesus dieses zu uns gesagt hatte, sagten wir zu ihm: „Herr, du hast uns in allem deine Barmherzigkeit erwiesen, uns erlöst und uns alles geoffenbart. Noch eines möchten wir dich fragen, wenn du es erlaubst.“ Jesus antwortete: „Ich weiß, dass ihr aufpasst und euch von Herzen nach meinen Worten sehnt. So fragt, was ihr wissen möchtet. Ich will es euch gerne sagen.

 

37 „Ich sage euch: Wie mich mein Vater von den Toten auferweckt hat, so werdet auch ihr im Fleisch auferstehen und er wird euch hinaufsteigen lassen über alle Himmel zu dem Ort, über den ich euch schon früher etwas gesagt habe. Diesen Ort hat der, der mich gesandt hat, für euch bereitgestellt. Ich habe alle Barmherzigkeit vollendet. Ich bin nicht geboren und doch von einer Frau geboren. Ich habe keinen Körper und habe doch einen irdischen Leib angezogen. Ich bin aufgewachsen wie ihr, die ihr in irdischen Körpern geboren seid.“

 

38 „Denn deswegen bin ich gekommen: In der zweiten Geburt werdet ihr leibhaftig von den Toten auferstehen , in einem Körper, der nicht verwesen wird, zusammen mit allen, die ersehnen und an den glauben, der mich gesandt hat. Denn so erbittet es mein Vater, dass ich euch und allen, die ich liebe, die Aussicht auf das Reich schenke.“ Wir sagten zu ihm: „Das ist ja etwas ganz Hervorragendes, was du uns da sagst und uns erhoffen lässt.“ Jesus fragte: „Glaubt ihr, dass alles, was ich euch erzähle, geschehen wird?“ Wir erwiderten: „Ja, Herr.“

 

39 „Da sagte Jesus zu ihnen: „Amen, ich sage euch, ich habe alle Erlaubnis von meinem Vater empfangen, um Menschen aus der Dunkelheit ins Licht zurückzuführen, aus der Vergänglichkeit in die Unvergänglichkeit, aus der Irreführung in die Gerechtheit und aus dem Tod ins Leben, damit die Gefangenen von ihren Banden befreit werden und damit das, was für Menschen unmöglich ist, vom Vater her möglich wird. Ich bin die Hoffnung der Hoffnungslosen, der Helfer der Schutzlosen, der Schatz der Armen, der Arzt der Kranken, die Auferstehung der Toten.“

 [ Λ ]

40 Nachdem er dies zu uns gesagt hatte, sprachen wir zu ihm: „O Herr, steht es wirklich dem Körper bevor, mit der Seele und dem Geist zusammen gerichtet zu werden und wird die eine Hälfte davon im Himmelreich ruhen und die andere ewiglich gestraft werden?“ Und er sprach zu uns: „Wie lange noch fragt und forscht ihr?“

 

41 Und wir sprachen wiederum zu ihm: „O Herr, es ist aber nötig, weil du uns befohlen hast, dass wir predigen, verkünden und lehren, damit wir, indem wir genau von dir hören, gute Verkündiger werden und sie lehren, dass sie an dich glauben.“

 

42 Der Herr erklärte uns: „Die leibliche Auferstehung umfasst auch Seele und Geist.“ Wir fragten: „Kann denn der Leib lebendig werden, wenn er aufgelöst und verstreut ist? Wir fragen nicht im Unglauben, sondern glauben wirklich, dass geschehen wird, was du sagst.“ Daraufhin wurde Jesus wütend und fuhr uns an: „Ihr Kleingläubigen! Wie lange wollt ihr noch fragen? Fragt nur, was ihr wissen wollt, ich werde es euch sagen. Doch haltet meine Gebote und tut ohne Zögern und vorbehaltlos, was ich euch sage. Seid neutral, wendet euer Antlitz nicht von jemandem ab, damit ich nicht mein Antlitz von euch abwende. Dient auf dem Weg, der beengt, gerade und schmal ist. Dann wird  mein Vater sich über euch freuen.“

 

43 Wir sagten zum Herrn: „Herr, wir schämen uns auch, dass wir soviel fragen.“ Er beruhigte uns: „Ich weiß ja, dass ihr voll Glauben und aus ganzem Herzen fragt. Deswegen freue ich mich über euch. Amen, ich sage euch, ich freue mich, dass ihr mich sorgfältig befragt und genauso freut sich mein Vater, der in mir ist. Dass ihr so vorbehaltlos ergründet, macht mir Freude und gewährt euch das Leben.“ Als er dies zu uns gesagt hatte, wurden wir froh, weil er uns so sanft geantwortet hatte.

 

44 Wir sagten zu ihm: „Herr, in allen Fragen hast du dich gnädig gezeigt und schenkst uns das Leben. Du hast uns  alles beantwortet, was wir dich gefragt haben.“ Da fragte er uns: „Was ist denn hinfällig, der irdische Leib oder der Heilige Geist?“ Wir sprachen: „Der irdische Leib!“ Jesus antwortete uns: „Was hinfällig ist, wird auferstehen, was verloren ist, wird gefunden, was krank und schwach ist, wird gesund werden, damit dadurch mein Vater verherrlicht wird. Wie er an mir gehandelt hat, so werde ich an euch handeln und an allen, die an mich glauben.“

 

45 Wahrlich ich sage euch: „Das Fleisch wird mit der Seele lebendig auferstehen, damit sie bekennen und gerichtet werden mit dem Werk, was sie getan haben, es sei Gutes oder Böses. Dann sollen die ausgesucht und sichtbar werden, welche geglaubt und getan haben das Gebot meines Vaters, der mich gesandt hat. Darauf wird das gerechte Gericht stattfinden.

 

46 Denn so will es mein Vater. Er sprach zu mir: ‚Mein Sohn, am Tage des Gerichts sollst du dich vor dem Reichen nicht scheuen und des Armen nicht erbarmen, sondern übergib einen jeden gemäß seiner Sünde ewiger Bestrafung.'  Denjenigen aber, die mich geliebt haben und mich lieben und welche mein Gebot getan haben, werde ich Ruhe im Leben verleihen im Reiche meines himmlischen Vaters. Sie werden sehen, welche Vollmacht er mir verliehen hat. Ich kann tun, was ich will, und ich gebe denen, denen ich geben will und denen ich Hoffnung erweckt habe.

 

47 Und deswegen bin ich hinabgestiegen und habe geredet zu Abraham und Isaak und Jakob, euren Vätern, den Propheten und habe ihnen eine Botschaft gebracht, damit sie aus dem Ruheort unten hinaufgehen in den Ruheort oben. Ich habe ihnen meine rechte Hand gereicht, damit sie lebendig werden, Vergebung erlangen und ihnen alle Bosheit verziehen wird. Wer aber an mich glaubt und mein Gebot nicht tut, hat, obwohl er an meinen Namen glaubt, keinen Verdienst davon. Vergeblich ist er einen Lauf gelaufen. Sein Ende ist für das Verderben und für die Strafe großen Schmerzens, denn er hat gesündigt gegen mein Gebot.

 

48 Euch aber habe ich gegeben, dass ihr Kinder des Lichtes in Gott seid und rein seid von aller Bosheit und aller Macht der Fürsten. Und denjenigen, die durch euch an mich glauben, will ich ebenso tun, so, wie ich es euch gesagt und verheißen habe, dass sie aus dem Gefängnis freikommen und aus den Fesseln und Gewalten und dem schrecklichen Feuer.“

 

49 Und wir sprachen zu ihm: „O Herr, in jeder Hinsicht hast du uns erfreut und uns Ruhe gegeben. Denn in Treue und Zuverlässigkeit hast du unseren Vätern und den Propheten und ebenso uns und jedem verkündigt.“ Und er sprach zu uns: „Wahrlich, ich sage euch: euch und alle die glauben und auch die, welche noch glauben werden an den, der mich gesandt hat, werde ich aufsteigen lassen in die Himmel, an den Ort, welchen der Vater zubereitet hat den Auserwählten. Er wird die Ruhe geben, die er verheißen hat, und das ewige Leben.

 [ Λ ]

50 Diejenigen aber, die gegen mein Gebot gesündigt haben, anders lehren, abziehen und hinzufügen und für ihre eigene Ehre wirken, indem sie abtrünnig machen diejenigen, welche recht an mich glauben, werde ich dem Verderben übergeben.“ Und wir sprachen zu ihm: „O Herr, wird denn eine andere Lehre existieren?“ Und er sprach zu uns: „Wie die Guten und Schönes Vollbringenden werden auch die Bösen offenbar. Und dann wird eintreten ein gerechtes Gericht. Nach ihrem Werk, gemäß dem, wie sie gehandelt haben, wird sie dem Verderben übergeben.“

 

51 Und wir sprachen zu ihm: „Selig sind wir, die wir dich sehen und hören, wie du zu uns redest und weil unsere Augen die großen Wunder gesehen haben, die du getan hast!“ Und er antwortete und sprach zu uns: „Aber vielmehr selig werden die sein, welche mich nicht sehen und doch an mich glauben, denn sie werden Kinder des Reiches genannt und werden Vollkommene in dem Vollkommenen sein. Diesen wird ewiges Leben sein im Reiche meines Vaters.“ Wir fragten ihn: „O Herr, wie wird es möglich sein, zu glauben, dass du uns verlassen wirst, wie du sagst: Es kommt Zeit und Stunde, da ich zu meinem Vater hinaufgehe?“

 

52 Er antwortete uns: „Gehet und predigt den zwölf Stämmen Israels und den Heiden und dem ganzen Lande Israels von Osten bis nach Westen, von Norden bis nach Süden. Viele werden an mich, den Sohn Gottes, glauben.“ Und wir sprachen zu ihm: „O Herr, wer wird uns glauben und wer wird auf uns hören und wie sollen wir lehren wie du und Kräfte, Zeichen und Wunder wirken?“ Jesus entgegnete: „Geht und predigt die Barmherzigkeit meines Vaters. Was mein Vater durch mich getan hat, werde ich auch durch euch tun. Ich bin mit euch und ich werde euch meinen Frieden, meinen Geist und meine Kraft geben, sodass sie glauben. Auch ihnen wird diese Kraft gegeben werden, damit sie sie den Heiden geben können.“

 

53 Und siehe, ihr werdet einen Mann treffen, dessen Name Saulus ist, d. i. verdolmetscht Paulus. Er ist Jude, beschnitten nach der Vorschrift des Gesetzes und er wird meine Stimme vom Himmel her hören mit Schrecken, Furcht und Zittern. Und seine Augen werden erblinden und durch eure Hand mit Speichel bekreuzt werden.

 

54 Tut für ihn alles, was ich für euch getan habe. Und dieser Mann, sobald seine Augen aufgetan werden, wird Gott, meinen himmlischen Vater, preisen. Und er wird stark werden unter den Völkern und wird predigen und lehren und viele werden erfreut werden, wenn sie hören und werden gerettet werden. Darauf wird man ihn hassen und in die Hand seines Feindes ausliefern. Er wird vor sterblichen Königen den Glauben bekennen und mich, zum Ausgleich dafür, dass er mich verfolgt hatte, ohne Wenn und Aber bekennen. Er wird die Botschaft verkündigen und lehren. Selbst ein Auserwählter und ein uneinnehmbares Bollwerk wird er unter meinen Auserwählten sein. Der letzte der Letzten wird den Heiden die Botschaft verkünden und vollständig den Willen meines Vaters erfüllen.

 

55 Ihr habt aus den Schriften erfahren, dass eure Väter, die Propheten, über mich geredet haben und das sich ihre Prophezeiungen in mir wirklich erfüllt haben. In gleicher Weise sollt auch ihr den Heidenvölkern zu Wegweisern werden. Und gebt ihnen jedes Wort weiter, welches ich zu euch geredet habe und das ihr über mich geschrieben habt. Sagt ihnen, dass ich das Wort des Vaters bin und der Vater in mir ist und gebt es auch an jenen Mann weiter.  Lehret und erinnert ihn, was in den Schriften über mich gesagt und erfüllt worden ist und dann wird er den Heiden zum Heil sein.“

 

56 Und wir sprachen zu ihm: „O Meister, haben wir mit den Heidenvölkern zusammen eine gemeinsame Hoffnung auf das Erbe?“ Er antwortete: „Sind die Finger der Hand gleich oder die Ähren auf dem Felde oder geben die fruchttragenden Bäume gleiche Frucht? Bringen sie nicht je nach ihrer Natur Frucht?“ Und wir sprachen zu ihm: „O Herr, redest du wieder im Gleichnis zu uns?“ Und er sprach zu uns: Seid nicht betrübt! Wahrlich ich sage euch, meine Brüder seid ihr, Genossen im Himmelreich bei meinem Vater, denn so hat es ihm gefallen. Wahrlich, ich sage euch, auch denjenigen, die ihr lehrt und die an mich glauben, werde ich diese Hoffnung geben.“

 

57 Und wir sprachen wiederum zu ihm: „Wann, Herr, werden wir diesem Mann begegnen? Wann wirst du zu deinem Vater und zu unserem Gott und Herrn gehen?“ Er antwortete: „Dieser Mann wird aus dem Lande Kilikien (Türkei) her nach Damaskus in Syrien kommen, weil er die Kirche zerstören will, die ihr errichten werdet. Ich werde durch euch zu ihm reden, sodass er bald zum Glauben kommen wird. In diesem Glauben wird er stark sein, damit sich das Prophetenwort erfüllt:

 

58 Aus dem Land Syrien will ich beginnen ein neues Jerusalem zu berufen. Sion werde ich mir unterwerfen und gefangen nehmen. Die Unfruchtbare, die bisher keine Kinder hatte, wird kinderreich werden. Die Tochter meines Vaters wird man sie nennen. Sie wird meine Braut sein. Denn so war es der Wunsch Gottes, der mich gesandt hat. Diesen Mann werde ich verwandeln, sodass er seinen bösen Plan, nach Damaskus zu gehen, nicht erfüllt. Mein Vater wird durch ihn verherrlicht werden. Denn nachdem ich fortgegangen bin und bei meinem Vater weile, werde ich vom Himmel her mit ihm reden und es wird alles geschehen, wie ich es euch über ihn vorhergesagt habe.“

 

59 Und wir sagten zu Jesus: „O Herr, so Bedeutsames hast du zu uns geredet und uns verkündigt und hast uns nie ausgesprochenes Großes offenbart. In jeder Hinsicht hast du uns beruhigt und hast dich uns gnädig erwiesen. Denn nach deiner Auferstehung offenbartest du uns dies alles, damit wir wirklich gerettet würden. Du sagtest uns aber nur, dass Zeichen und Wunder am Himmel und auf Erden geschehen würden, ehe das Ende der Welt einträte. Dass wir es also erkennen, lehre uns!“

 [ Λ ]

60 Und er sprach zu uns: „Euch werde ich lehren und zwar nicht nur, was an euch geschehen wird, sondern auch an denjenigen, die ihr lehren werdet und die glauben werden. Es gibt solche, die hören und an mich glauben werden. In jenen Jahren und in jenen Tagen wird dies geschehen.“ Und wir sprachen wiederum zu ihm: „O Herr, was ist denn das, was geschehen wird?“ „Dann werden alle die glauben und alle die nicht glauben, eine Trompete am Himmel hören und große Sterne sehen, die so hell sind, dass man sie sogar am Tage sehen kann.

 

61 Man wird einen Drachen vom Himmel herabfallen sehen, der bis zur Erde reicht. Sterne fallen wie Feuer herunter, dazu große Hagelkörner aus Feuer. Sonne und Mond kämpfen miteinander. Immer wieder erschrecken Donnerschläge und Blitze die Menschen. Donner krachen, die Erde bebt, Städte stürzen ein und die Menschen sterben unter den Ruinen. Die Erde verdorrt zusehends, weil kein Regen fällt. Eine verheerende Seuche wütet. Viele sterben so schnell, dass man sie kaum bestatten kann.

 

62 Die im Bett der Eltern schlafenden Kinder werden den Eltern entrissen und hinausgetragen. Die Eltern werden sich nicht um ihre Kinder kümmern und die Kinder nicht um ihre Eltern. Keiner wird einen Gedanken an seinen Nächsten verschwenden. Die im Stich Gelassenen werden sich erheben und triumphierend auf die blicken, von denen sie im Stich gelassen wurden. Ein allgemeiner Umsturz wird alles erfassen.  Alles ist Hass, Bedrängnis und Eifersucht und dem einen wird man nehmen, dem anderen schenken und schlimmer wie dies wird sein, was nach diesem kommt. Beklagt die, welche seinem Gebot nicht gehorcht haben!

 

63 Dann wird mein Vater wegen der Bosheit der Menschen in Zorn geraten, denn zahlreich sind ihre Versündigungen. Die Gräuel ihrer bösen Taten lasten auf ihnen, denn sie haben ihr Leben in Korruptheit geführt.“ Und wir sprachen zu ihm: „Was, Herr, was wird denen zuteil, die auf dich hoffen?“ Er antwortete: „Das müsst ihr längst wissen! Wahrlich ich sage euch: Der Prophet David hat über mich gesprochen und über die, die zu mir gehören. Und auch über die, die an mich glauben werden.

 

64 Es werden aber in der Welt Betrüger und Feinde der Gerechtigkeit sein und sie wird treffen die Prophezeiung Davids, der sagte: ‚Sie eilen schnell zum Blutvergießen, ihre Zunge ist Betrug und Schlangengift ist auf ihren Lippen. Und ich sehe dich, wie du mit einem Dieb zusammensitz und mit einem Hurer gemeinsame Sache machst. Du sitzt herum und schmähst deine Geschwister, du stellst ihnen eine Falle. Hast du vielleicht geglaubt, ich sei so wie du?’ Und nun sehet, wie der Prophet Gottes über alles geredet hat, damit erfüllt werde alles, was zuvor gesagt worden ist.“

 

65 Und wiederum sprachen wir zu ihm: „O Herr, werden dann nicht die Heiden sagen: Wo ist ihr Gott?“ Er antwortete: „Daran werden die Auserwählten offenbar werden, dass sie, nachdem sie durch eine solche Not bedrängt worden sind, die Welt in Frieden verlassen.“ Wir fragten weiter: „Wenn sie die Welt verlassen, bedeutet das den Untergang für alle, die sie verfolgt haben?“ Und er sprach zu uns: „Nein, sondern, wenn sie Qual leiden, wird ihnen solches Leiden zu einer Prüfung werden, ob sie Glauben haben, an mein Wort denken und mein Gebot tun. Diese müssen nicht lange warten, sondern werden bald auferstehen. So soll Gott, der mich gesandt hat, verherrlicht werden und ich mit ihm.

 

66 Dieses sage ich zu euch. Ihr aber sagt es Israel und den Heiden, damit sie hören. Auch sie sollen gerettet werden und an mich glauben und dadurch der Not und der Pest entgehen. Und wer der Not des Todes entgangen ist, einen solchen wird man nehmen und ihn im Gefängnis verwahren unter Peinigung wie der eines Diebes.“

 

67 Und wir sprachen zu ihm: „O Herr, werden die Glaubenden das gleiche Geschick erleiden wie die Ungläubigen? Wirst du die dem Untergang entkommenen ebenso bestrafen?“ Und er sprach zu uns: „An meinen Namen glaubend, haben sie das Werk der Sünder getan, wie Ungläubige haben sie gehandelt.“ Wir fragten: „O Herr, haben diejenigen, die dem Untergang entgangen sind, denn kein ewiges Leben?“ Er sagte: „Wer mit seinem Tun meinen Vater verherrlicht hat, der wird im Haus meines Vaters wohnen.“

 

68 Wir baten ihn: „O Herr, lehre uns, was nach diesem geschehen wird!“ Jesus sagte: „In jenen Jahren und Tagen wird Krieg über Krieg sein und in allen vier Himmelsrichtungen wird die Welt erschüttert werden. Alle Menschen werden sich gegenseitig bekriegen. Und darauf wird eine Wolkenbewegung eintreten. Finsternis und Dürre sind die Folge. Das wieder führt zur Verfolgung derer, die an mich glauben und der Auserwählten.

 

69 Darauf werden Uneinigkeit, Streit und Bosheit unter den Menschen sein. Manche unter ihnen glauben an mich. Die anderen folgen dem Bösen und vertreten eitle Lehren. Den Letzteren wird man nachlaufen und sich all ihrer Macht unterwerfen, ihrem Reichtum, ihrer Verworfenheit, ihrer Trunksucht und ihren Bestechungsgeschenken. Man wird sie nur nach ihrem gesellschaftlichen Ansehen beurteilen.

 [ Λ ]

70 Diejenigen aber, welche das Antlitz Gottes schauen, welche sich nicht durch das Ansehen der sündigen Reichen blenden lassen und sich nicht scheuen vor den Menschen, die sie verführen, sondern sie tadeln, diese werden beim Vater gekrönt sein, wie auch die, welche ihre Nächsten tadeln, gerettet werden. Dieser ist ein Sohn der Weisheit und des Glaubens. Wenn er aber nicht ein Sohn der Weisheit geworden ist, so wird er hassen und verfolgen und sich nicht zuwenden seinem Bruder und wird ihn verachten und ihn abweisen.

71 Doch es gibt Menschen, die nach der Wirklichkeit Gottes und aus lebendigem, erfahrenem Glauben heraus leben. Sie haben die Weisheit erkannt. Und sie haben Leiden erduldet.  Ein Leben in freiwilliger Armut ist ihr Ziel. Sie durchstehen Hass und Beleidigung. Sie werden gepeinigt und verfolgt. Andere lassen ihren Hochmut an ihnen aus. Sie leben in Hunger und Durst und haben vieles ertragen. Dafür werden sie im Himmel glücklich sein und für immer mit mir leben. Wehe denen, die sie hassen und hochmütig verachten. Ihr Ende ist das Verderben.“

 

72 Wir fragten: „Wird es so sein, dass du fortgehst, um wiederzukehren und Gericht über die Menschen zu halten?“ Und wir fragten weiter: „O Herr, wird dieses Gericht für Übeltäter und für Gerechte gleichermaßen gerecht sein? Wird man an jenem Tag nicht zu dir sagen: Dir war nichts daran gelegen, ob etwas gerecht oder ungerecht, Licht oder Finsternis, böse oder gut war.“

 

73 Er antwortete: „Adam hatte die Vollmacht bekommen, sich zwischen den zwei Möglichkeiten zu entscheiden. Er erkor das Licht, streckte die Hand danach aus und ergriff es. Die Finsternis wies er zurück und warf sie von sich. So haben alle Menschen die Gelegenheit, an das Licht zu glauben, das Leben ist und das der Vater ist, der mich gesandt hat. Und wer mich annimmt und die Taten des Lichts tut, der wird in ihnen leben. Wenn er jedoch nach außen hin behauptet, dass er zum Licht gehört, in Wahrheit aber Werke der Dunkelheit tut, dann wird er nichts zu seiner Verteidigung sagen können und er wird auch sein Angesicht nicht erheben können, um mich, den Sohn Gottes, anzusehen.

 

74 Denn ich werde ihm sagen: Als du gesucht hast, hast du gefunden. Als du erbeten hast, hast du bekommen. Warum kritisierst du mich also, warum verstehst du uns nicht? Weshalb hast du dich von mir und von meinem Reich entfernt und mich verleugnet? Ihr könnt also sehen, dass jeder die Chance hat, zu leben oder zu sterben. Und doch wird jeder, der mein Gebot tut, ein Kind des Lichtes und meines Vaters sein.  Und wegen denen, die meine Gebote behüten und tun, bin ich vom Himmel herabgekommen. Ich bin das Wort und bin Mensch geworden und habe gelitten und gelehrt. Es gibt Menschen, die gerettet werden und solche, die für immer verloren sind. Letztere werden an Körper und Geist mit Feuer bestraft."

 

75 Und wir sprachen zu ihm: „O Herr, wir sind wahrlich betrübt ihretwegen.“ Und er sprach zu uns: „Ihr tut gut daran, denn die Gerechten sorgen sich um die Sünder und beten und flehen zu Gott. Wir sprachen zu ihm: „O Herr, fleht dich niemand an?“ Und er sprach zu uns: „Ja, ich werde hören die Bitte der Gerechten für die Übeltäter.“ Und wir sprachen zu ihm: „O Herr, dies alles hast du uns gelehrt, hast uns belebt und dich uns gnädig erwiesen. Und wir werden es denen verkünden, die dafür geeignet sind. Werden wir dafür bei dir belohnt werden?“

 

76 Und er sprach zu uns: „Geht und predigt die Botschaft und werdet gute Diener und Verwalter!“ Und wir sprachen zu ihm: „O Herr, wenn wir die Botschaft verkünden, dann bist doch in Wirklichkeit du derjenige, der das tut. Herr, du bist doch unser Vater.“ Er sprach: „Sind alle Väter und Diener, auch Lehrer?“ Wir sprachen: „O Herr, hast du nicht gesagt: Nennt niemanden auf Erden euren Vater oder Meister, denn einer ist euer Vater und Lehrer: der in den Himmeln! Jetzt sagst du uns, dass wir wie du vielen Kindern Väter werden sollen und auch Lehrer und Diener.“  Und er antwortete uns: „Ihr habt recht gesagt. Wahrlich, ich sage euch: alle, die auf euch gehört und an mich geglaubt haben, werden erhalten das Licht des Siegels, das in meiner Hand ist und durch mich werdet ihr werden Väter und Lehrer.“

 

77 Und wir sprachen zu ihm: „Herr, wie ist es denkbar, dass jeder von uns diese drei Aufgaben (Vater, Lehrer, Verwalter) erfüllen kann?“ Er antwortete: „Als Väter werdet ihr benannt werden, weil ihr voll Liebe und Barmherzigkeit ihnen alles über das Himmelreich geoffenbart habt. Verwalter werdet ihr sein, weil sie durch meine Hand von euch die Taufe des Lebens und die Vergebung der Sünde empfangen werden. Und Lehrer werdet ihr genannt werden, weil ihr ihnen in Menge mein Wort überliefert habt. Ihr habt sie zurechtgewiesen und sie haben sich gebessert, als ihr sie zur Verantwortung gezogen habt.

78 Und obwohl sie begütert waren, habt ihr euch nicht erschrocken und ihr habt nicht auf die Person geschaut. Vielmehr habt ihr die Gebote meines Vaters gehalten und in die Tat umgesetzt. Mein himmlischer Vater wird es euch wieder vergelten. Denen, die ihr belehrt habt, wird Gott die Missetaten vergeben. Er wird ihnen das ewige Leben spenden und ihnen am Reich der Himmel Anteil geben.“ Wir sagten: „Selbst wenn wir zehntausend Zungen zum Reden hätten, wir würden dir doch nicht genügend Dank sagen können.“ Jesus entgegnete: „Tut nur, was ich euch sage. Tut es so, wie ich es selbst auch euch getan habe.“

 

79 „Und seid wie die klugen Mädchen. Sie haben gewacht und sind nicht eingeschlafen. Sie sind mit ihren Leuchten dem Herrn, dem Bräutigam, entgegengegangen und mit ihm eingekehrt in den Hochzeitssaal. Die törichten Mädchen dagegen konnten nicht wach bleiben, sondern sind eingeschlafen.“ Wir fragten ihn: „Herr, wer sind die Klugen und wer die Törichten?“ Jesus antwortete: „Die klugen Mädchen sind die fünf, die der Prophet Kinder Gottes nennt. Hört ihre Namen.“

 [ Λ ]

80 Wir aber waren sehr bekümmert über die anderen, die ausgeschlossen worden waren. Jesus sagte zu uns: „Die fünf klugen Mädchen sind Glaube, Liebe, Freude, Friede und Hoffnung. Wer glaubt und diese hat, wird allen anderen ein Vorbild sein, die an mich und an den, der mich gesandt hat, glauben. Ich bin der Herr und der Bräutigam. Mich haben die Mädchen empfangen, sie sind mit mir in den Hochzeitssaal gegangen, haben sich mit dem Bräutigam zu Tisch begeben und haben viel Freude gehabt.

 

81 Die fünf törichten Mädchen jedoch haben geschlafen. Als sie nach dem Aufwachen und an die Tür des Hochzeitssaales pochten, fanden sie die Türen verschlossen. Da waren sie traurig, weil die Türen verschlossen waren.“ Wir fragten ihn: „ O Herr, warum öffnen die klugen Schwestern, die im Hochzeitshaus sind, den törichten nicht? Warum sind sie nicht traurig ihretwegen? Warum haben sie den Bräutigam nicht gebeten, ihnen zu aufzuschließen?“ Er antwortete: „Doch, sie sind schon traurig und bedrückt ihretwegen und sie haben den Bräutigam bedrängt, doch sie konnten für sie nichts erlangen.“

 

82 Wir fragten: „O Herr, wann werden die törichten Mädchen dank der Fürsprache der klugen Mädchen in den Hochzeitssaal hineingehen können?“ Jesus antwortete: „Wer ausgeschlossen ist, der ist ausgeschlossen.“ Wir sagten: „Wir haben verstanden. Wer sind die dummen Mädchen?“ Jesus antwortete: „Hört ihre Namen: Erkenntnis, Einsicht, Gehorsam, Geduld und Barmherzigkeit. Unter denen, die geglaubt und mich bekannt haben, waren sie es, die eingeschlafen sind, also meine Gebote nicht befolgt haben.

 

83 Und indem die, welche geschlafen haben, mein Gebot nicht tun, werden sie außerhalb des Reiches und der Hürde des Schafhirten stehen. Und wer außerhalb der Hürde stehen geblieben ist, den werden die Wölfe fressen. Und obwohl er hört, wird er gerichtet werden und zum Tode verurteilt. Auch muss er viel leiden und wird böse gepeinigt und gequält mit Martern und er wird keine Ruhe haben. Er wird zerstückelt und lange und schmerzvoll bestraft und kann doch nicht schnell sterben.“

 

84 Und wir sprachen zu ihm: „O Herr, schön hast du uns alles offenbart.“ Und er sprach: „Versteht und begreift diese Worte!“ Und wir sprachen: „O Herr, diese Fünf sind es, durch die sie die Aussicht haben, in dein Reich einzugehen. Und fünf sind es, die ausgeschlossen sind, wodurch sie außerhalb deines Reiches sein werden. Jedoch die, welche gewacht haben und mit dem Herrn, dem Bräutigam, hineingegangen sind, werden sich nicht freuen wegen derer, die geschlafen haben.“

 

85 Und er sprach: „Sie werden sich freuen, dass sie hineingegangen sind mit dem Herrn und werden betrübt sein, wegen der anderen, die eingeschlafen waren, denn sie sind doch ihre Schwestern. Zusammen sind sie zehn Töchter Gottes. Wir sagten: „O Herr, deiner Größe entspricht es, dass du ihren Schwestern Gnade gewährst.“ Und er sprach: „Das ist nicht eure Sache, sondern dessen, der mich gesandt hat und ich bin eins mit ihm.“

 

86 Ihr aber geht und verkündet meine Worte aufrichtig und schön. Fürchtet niemanden und lasst euch von keinem blenden, besonders nicht von den Reichen, die mein Gebot nicht tun, sondern in ihrem Reichtum schwelgen.“ Wir fragten ihn: „Meinst du nur die Reichen?“ Er antwortete: „Ich meine auch die anderen, sobald sie ein wenig zum Leben haben. Auch jener, der nicht reich ist, kann einen Beitrag an die Armen und Bedürftigen nicht verweigern.

 

87 Hat aber einer gegen seinen Nächsten so sehr gefehlt, dass er unter der Last, die er zu tragen hat, zusammenbricht, dann soll dieser ihn zurechtweisen, weil er gegen ihn gehandelt hat. Wenn der Sünder sich daraufhin bessert, erhält er das ewige Leben. Aber auch der, der ihn ermahnt hat, wird zum Lohn das ewige Leben empfangen.

 

88 Wenn ein Bedürftiger seinen Wohltäter sündigen sieht und ihn nicht ermahnt, weil er ihm gefallen will, wird ihn die ganze Zucht des Gerichts treffen. Denn wenn ein Blinder einen Blinden führt, werden beide in eine Grube fallen. Und wenn einer wegen der Geschenke, die er erhalten hat, befangen ist und den Schenkenden begünstigt, wird er genauso bestraft wie der, der aufgrund seiner Geschenke durch die Voreingenommenheit des anderen begünstigt wurde.

 

89 Dann gilt, was der Prophet gesagt hat: ‚Wehe denen, die den Sünder bevorzugen und ihn um seiner Person willen wegen eines Bestechungsgeschenkes gerechtsprechen. Ihr Gott ist der Bauch.’ Ihr werdet sehen, dass sie nach diesem Maßstab gerichtet werden. Amen, ich sage euch: Am Ende der Welt werde ich den Reichen nicht schonen, noch mit dem Armen Mitleid haben.

[ Λ ]

90 Wenn du mit deinen Augen gesehen hast, wie einer fehlt, so züchtige ihn, du allein unter vier Augen. Wenn er auf dich hört, so hast du ihn gewonnen. Wenn er aber nicht auf dich hört, so nimm einen anderen oder einen Dritten hinzu und weise ihn zurecht. Wenn er aber auch dann nicht auf dich hört, so soll er dir wie ein Heide und Zöllner sein.

 

91 Wenn du etwas nur vom Hörensagen kennst, was deinen Bruder oder deine Schwester belastet, so schenk dem Gerede keinen Glauben. Verleumde nicht und höre keine Verleumdungen an. Denn die Schrift sagt: Höre nicht zu, wenn es gegen deinen Bruder geht. Nur wenn du es gesehen hast, tadele ihn, weise ihn zurecht und bekehre ihn.“

 

92 Wir wandten ein: „Herr, du hast uns über alle Fragen unterrichtet und uns ermahnt. Aber entsteht dann un­ter den Gläubigen, die an die Bekanntmachung deines Namens glauben, nicht leicht Zwietracht, Streit, Eifersucht, Verwirrung, Hass und Not? Denn du hast doch gesagt, sie sollen einander unvoreingenommen zurechtweisen. Wenn aber einer zurechtweist, dann kann man ihn leicht hassen und dann kommt es zur Sünde!“ Der Herr sagte: „Warum wird nun das Gericht stattfinden? Damit man den Weizen in die Scheune bringt und seine Spreu ins Feuer werfe.

 

93 Wer Böses verachtet und nicht teilnimmt, wer die ermahnt, die mein Gebot nicht tun, der wird gehasst, verfolgt, verachtet und verspottet werden. Man wir absichtlich Falsches über ihn ausstreuen und sich gegen alle verschwören, die mich lieben. Obwohl das Ermahnen doch nur dazu dient, dass sie gerettet werden, wird einer, der tadelt, zurechtweist und ermahnt, trotzdem gehasst, an den Rand gedrängt und verachtet werden.

 

94 Man wird sich abwenden von dem, der einem Gutes will. Doch wer so leiden muss, den wird der Vater als Märtyrer ansehen, weil er sich nicht aus niederen Beweggründen und in falscher Tatenlust eingemischt hat, sondern um der Gerechtigkeit willen.“ Wir fragten ihn: „O Herr, wird das auch unter uns geschehen?“ Er antwortete: „Habt keine Angst vor dem, was nur wenige betreffen wird.“ Wir fragten ihn: „Was wird das sein?“

 

95 Jesus antwortete: „Es wird eine fremde Lehre geben, und dadurch wird ein Durcheinander entstehen. Menschen, die nur auf ihren eigene Ehre bedacht sind, werden eine nichtsnutzige Lehre verkünden. Das wird ein tödliches Ärgernis der Unzucht sein. Leute werden als Lehrer auftreten und diejenigen, die an mich glauben, von meinem Gebot abhalten wollen, sodass sie das ewige Leben verlieren. Wehe denen, die mein Wort und mein Gebot verfälschen. Wehe denen, die auf sie hören und sich von der Lehre des Lebens und vom Gebot, das zum Leben führt, entfernen. Sie werden gemeinsam für immer bestraft werden."

 

96 Und nachdem er dies gesagt und das Gespräch mit uns beendigt hatte, sprach er wiederum zu uns: „Siehe, nach drei Tagen und drei Stunden wird der, welcher mich gesandt hat, kommen, damit ich mit ihm gehe.“ Und wie er sprach, trat Donner und Blitz und Erdbeben ein, die Himmel öffnete sich einen Spaltbreit und eine lichte Wolke kam und nahm ihn fort. Und wir hörten die Stimme vieler Engel, wie sie sich freuten und priesen und sprachen: „Versammle uns, Priester, im Licht der Herrlichkeit!“ Und als er sich dem Firmament des Himmels genähert hatte, hörten wir ihn sagen: „Gehet hin in Frieden!“

 

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Anmerkungen:

 

Bild: Internet: cluster vision mach2, (unbekannt), Christus auf dem weißen Pferd.

 

Der Reiter auf dem weißen Pferd

"Und ich sah den Himmel aufgetan; und siehe, ein weißes Pferd. Und der darauf saß, hieß: Treu und Wahrhaftig, und er richtet und kämpft mit Gerechtigkeit. 12 Und seine Augen sind wie eine Feuerflamme, und auf seinem Haupt sind viele Kronen; und er trug einen Namen geschrieben, den niemand kannte als er selbst. 13 Und er war angetan mit einem Gewand, das mit Blut getränkt war, und sein Name ist: Das Wort Gottes. 14 Und ihm folgte das Heer des Himmels auf weißen Pferden, angetan mit weißem, reinem Leinen. 15 Und aus seinem Munde ging ein scharfes Schwert, dass er damit die Völker schlage; und er wird sie regieren mit eisernem Stabe; und er tritt die Kelter, voll vom Wein des grimmigen Zornes Gottes, des Allmächtigen, 16 und trägt einen Namen geschrieben auf seinem Gewand und auf seiner Hüfte: König aller Könige und Herr aller Herren." (Bibel, Neues Testament, Offenbarung des Johannes, Kapitel 19, Vers 11-16)

 

[1] W. Speyer, Religiöse Pseudepigrafie und literarische Fälschung im Altertum, in: Pseudepigrafie, 1977, Norbert Brox, katholischer Theologe

 

[1a] Epistel, die, griechisch, Apostelbrief  

 

[2] "Das Epistula Apostolorum und die Vierevangeliumsammlung: Das EpAp ist ein Brief der im Dialog zwischen dem Auferstandenen und den elf Jüngern Offenbarungswissen verbreitet. Für eine Datierung fehlen eindeutige Hinweise. Wenn trotzdem das 2. Jh. allgemein angenommen wird, so sind dafür v. a. das Milieu und der Umgang mit den kanonischen (Matthäus, Markus, Lukas, Johannes) Evangelien als Hinweise verwendet worden. V. a. wegen des Hinweises auf die Parusie: „Wenn das Hundertstel und das Zwanzigstel vollendet sein wird ... wird stattfinden die Ankunft des Vaters“ (EpAp 17(28), Kopt. Überl., Müller), vermutet Hornschuh die Abfassung im ersten Fünftel des zweiten Jahrhunderts (Hornschuh, Studien 117f). Doch er weist auf die Problematik dieser Rechnung hin und datiert schließlich vorsichtiger auf die erste Hälfte des 2. Jh. Hengel rechnet die Angegebene Stelle vom Todespassah ab und kommt auf eine „Entstehungszeit zwischen 130 und 150“ (Hengel, Frage, 60) ... Das EpAp betont v. a. die fleischliche Auferstehung und wehr einer doketestischen Christologie." (Wissenschaftliche Untersuchung zum Neuen Testament, Band 120, Von Theo K. Heckel, S. 308-309)

 

[3] Evangelium, griechisch-lateinisch, gute Botschaft, frohe Kunde

 

[4] Frommer Betrug, Pia fraus, lateinisch, bezeichnet eine Täuschung oder Verheimlichung der Wahrheit in vermeintlich guter Absicht, namentlich Volkstäuschung für religiöse Zwecke.

 

[5] Arglistige Täuschung. Eine arglistige Täuschung ist in der Regel dann gegeben, wenn der Täuschende weiß und will, dass der Getäuschte durch die Vorspielung falscher Tatsachen zu Maßnahmen veranlasst wird, die er bei Durchschau der Täuschung nicht umgesetzt hätte. 

 

[6] Häresie, griechisch Wahl, Auswahl, bezeichnet eine Lehre, die im Widerspruch zur Lehre der katholischen Kirche steht und die beansprucht, selbst die Wahrheit richtiger zu vermitteln. Der Gegenbegriff ist Orthodoxie (Rechtgläubigkeit). 

 

[7] Kerinth: Biografisches Kirchenlexikon, Band III (1992) Spalten 1387-1388 Autor: Wilhelm Pratscher: KERINTH wirkte Anfang des 2. Jahrhunderts in Kleinasien. Charakteristisch für seine Lehre ist die Trennung zwischen oberstem Gott und dem Weltschöpfer sowie eine doketische Christologie: der himmlische Christus sei bei der Taufe auf Jesus, den Sohn Josefs und Marias herabgestiegen, habe ihn zur Verkündigung des unbekannten Vaters und zu Wundertaten ermächtigt und vor der Passion wieder verlassen (Iren. adv. haer. I, 26, 1; vgl. III, 11, 1.7; 16,5 f.; legendarisch ist die Notiz des Kampfes des Apostels Joh. gegen K., III, 3,4; 11,1; vgl. Hier. vir. inl. 9). Nach Hipp. ref. VII, 33,1; X, 21 wurde K. in Ägypten ausgebildet, ansonsten wiederholt Hipp. die von Iren. genannten zwei Charakteristika (VII, 33; 34; 35;X, 21), ebenso wie spätere Autoren, die zum Teil stark ausschmücken (Epiph. pan. XXVIII; LI u. a.). Unhistorisch ist sicher die Auffassung, K. sei Chiliast (Gaius von Rom bei Eus. HE III, 28,2 u. a.) oder Judaist gewesen (Epiph. pan. XXVIII, 2 ff. u. a.), bzw. er habe die ApkJoh (Gaius bei Eus. HE III, 28,2) oder die kanon. joh. Lit. überhaupt verfaßt (Aloger bei Epiph. pan. LI,3). Eine gewisse Nähe hat. K. zu den Gegnern des 1. Joh. Gegen K. tritt Epist. Apost. 1 f. u. ö. auf; K. ist möglicherweise der Adressat der Epist. Jac. Apocr. (NHC I,2).  

 

[8] Simon Magus (auch Simon der Magier, Simon von Samarien oder Simon von Gitta; † 65, Rom) gilt als erster Häretiker der Kirche. Das Wenige, das über ihn bekannt ist, stammt aus christlichen Quellen, meist Polemiken gegen Gnostiker. Demzufolge war er ein Samaritaner, der von seinen Anhängern als "die große Kraft Gottes" oder Gott in menschlicher Gestalt (theios aner) verehrt wurde. Von ihm abgeleitet ist der Begriff Simonie für Ämterkauf. (Wikipedia Enzyklopädie) 

 

Apostelgeschichte 8:9-13, Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, 1980: 9 „Ein Mann namens Simon wohnte schon länger in der Stadt; er trieb Zauberei und verwirrte das Volk von Samarien, da er sich als etwas Großes ausgab. 10 Alle hörten auf ihn, Jung und Alt, und sie sagten: Das ist die Kraft Gottes, die man die Große nennt. 11 Und sie schlossen sich ihm an, weil er sie lange Zeit mit seinen Zauberkünsten betörte. 12 Als sie jedoch dem Philippus Glauben schenkten, der das Evangelium vom Reich Gottes und vom Namen Jesu Christi verkündete, ließen sie sich taufen, Männer und Frauen. 13 Auch Simon wurde gläubig, ließ sich taufen und schloss sich dem Philippus an; und als er die großen Zeichen und Wunder sah, geriet er außer sich vor Staunen.“

[9] Ketzer (Abtrünniger, Abweichler, Andersdenkender), abwertender Ausdruck in der Bedeutung von „Irrgläubiger“, „Irrlehrer“ für alle Arten von Häresie. 

 

[10] Koptisch, zur christlichen Kirche Ägyptens, zu den Kopten gehörend; Kopten, griechisch, ursprünglich Ägypter

 

[11] Neues Testament, Evangelium des Johannes, 20:24-29

 

[12] Und während sie erzählten, was sie gesehen hatten, sehen sie wiederum drei Männer aus dem Grabe herauskommen und die zwaei den einen stützen und ein Kreuz ihnen folgen und das Haupt der zwei bis zum Himmel reichen, dasjenige, des von ihren an der Hand geführten aber die Himmel überragen. Und sie hörten eine Stimme aus den Himmeln rufen: »Du hast den Entschlafenen gepredigt«, und es wurde vom Kreuze her die Antwort laut: Ja.“ (Petrusevangelium)

 

[13] Authentizität (griechisch, echt) bedeutet Echtheit im Sinne von „als Original befunden“.

  

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