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Flavius Josephus, 37 bis 100 n. Chr., berichtet über die "3 Sekten der Juden"

Pharisäer, Sadduzäer, Essener, Judas-Sadduk-Gruppe, in "Jüdische Altertümer"

"1. Quirinius [1] also, einer von den römischen Senatoren, der übrigens alle öffentlichen Ämter bereits bekleidet hatte und wegen seiner ehrenvollen Stellung großen Einfluss besaß, kam auf Geheiß des Caesars [2] mit wenigen Begleitern nach Syrien, teils um Gerichtssitzungen abzuhalten, teils um die Vermögensschätzung vorzunehmen. Zugleich mit ihm wurde Coponius [3], ein Mann ritterlichen Standes, zur Wahrnehmung der höchsten Gewalt in Judäa abgeschickt. [4] Bald fand sich nun Quirinius auch in Judäa ein, das mit Syrien verbunden war, um hier ebenfalls das Vermögen zu schätzen und die Güter des Archelaus [5] zu verkaufen.

 

Die Juden wollten zwar anfangs von der Schätzung nichts wissen, gaben jedoch allmählich auf Zureden des Hohepriesters Joazar, des Sohnes des Boethos, ihren Widerstand auf und ließen nach seiner Weisung die Schätzung ihres Vermögens ruhig geschehen.

 

Der Gaulaniter Judas [6] dagegen, der aus der Stadt Gamala gebürtig war, reizte in Gemeinschaft mit dem Pharisäer Sadduk das Volk durch die Vorstellung zum Aufruhr, die Schätzung bringe nichts anderes als offenbare Knechtschaft mit sich, und so forderten sie: das gesamte Volk auf, seine Freiheit zu schützen. Denn jetzt sei die beste Gelegenheit gegeben, sich Ruhe, Sicherheit und dazu auch noch Ruhm zu verschaffen.

 

Gott aber werde nur dann bereit sein, ihnen zu helfen, wenn sie ihre Entschlüsse tatkräftig ins Werk setzten und das besonders, je wichtiger diese ihre Entschlüsse seien und je unverdrossener sie dieselben ausführten. Derartige Reden wurden mit größtem Beifall aufgenommen und so dehnte sich das tollkühne Unternehmen bald ins Ungeheuerliche aus.

 

Kein Leid gab es, von dem infolge der Hetzarbeit jener beiden Männer unser Volk nicht heimgesucht worden wäre. Ein Krieg nach dem anderen brach aus, und es konnte nicht fehlen, dass die Juden unter den beständigen Angriffen schwer litten. Ihre wahren Freunde, die ihnen hätten beistehen können, hatten sie verloren; Räuber machten das Land unsicher und viele der edelsten Männer wurden ermordet, angeblich um der Freiheit willen, in Wahrheit aber nur aus Beutegier.

 

So kam es zu Aufständen und öffentlichem Blutvergießen, wobei bald die Bürger in der Sucht, keinen von der Gegenpartei am Leben zu lassen, sich gegenseitig mordeten, bald die Feinde niedergemacht wurden.

 

Um das Elend vollzumachen, entstand dann auch noch Hungersnot, die zu allen möglichen Freveln die Wege ebnet, sodass ganze Städte verwüstet wurden und endlich sogar der Tempel infolge des Aufruhrs in Flammen aufging. So wurde die Neuerungssucht und das Rütteln an den althergebrachten Einrichtungen den Übeltätern selbst zum Verderben.

 

Judas und Sadduk nämlich, die eine vierte Philosophenschule gegründet und bereits zahlreiche Anhänger um sich versammelt hatten, brachten nicht nur augenblicklich den Staat, in grenzenlose Verwirrung, sondern säten auch für die Zukunft durch Lehren, die bis dahin kein Mensch je gehört hatte, all das Unheil, das gar bald anfing Wurzel zu treiben. Ich will darüber mit einigen Worten mich verbreiten, besonders da die Jugend es war, die, durch jene Lehren fanatisiert, unserem Staate den Untergang bereitete.

 

2. Bei den Juden gab es schon seit langer Zeit drei philosophische Sekten, nämlich die der Essener [7], Sadduzäer und Pharisäer, und wiewohl ich bereits im zweiten Buche des Jüdischen Krieges mich darüber ausgesprochen habe, will ich doch die Mühe nicht scheuen, auf dieselben hier nochmals einzugehen.

 

3. Die Pharisäer leben enthaltsam und kennen keine Annehmlichkeiten. Was vernünftige Überlegung als gut erscheinen lässt, dem folgen sie und halten es überhaupt für ihre Pflicht, den Vorschriften der Vernunft nachzukommen. Die Alten ehren sie und maßen sich nicht an, den Anordnungen derselben zu widersprechen.

 

Wenn sie behaupten, alles geschehe nach einem bestimmten Schicksal, so wollen sie damit dem menschlichen Willen nicht das Vermögen absprechen, sich selbst zu bestimmen, sondern lehren, es habe Gott gefallen, die Macht des Schicksals und die menschliche Vernunft zusammenwirken zu lassen, sodass jeder es nach seinem Belieben mit dem Laster oder der Tugend halten könne.

 

Sie glauben auch, dass die Seelen unsterblich sind und dass dieselben, je nachdem der Mensch tugendhaft oder lasterhaft gewesen, unter der Erde Lohn oder Strafe erhalten, sodass die Lasterhaften in ewiger Kerkerhaft schmachten müssen, während die Tugendhaften die Macht erhalten, ins Leben zurückzukehren.

Infolge dieser Lehren besitzen sie beim Volke einen solchen Einfluss, dass sämtliche gottesdienstliche Verrichtungen, Gebete wie Opfer, nur nach ihrer Anleitung dargebracht werden. Ein so herrliches Zeugnis der Vollkommenheit gaben ihnen die Gemeinden, weil man glaubte, dass sie in Wort und Tat nur das Beste wollten.

 

4. Die Lehre der Sadduzäer lässt die Seele mit dem Körper zugrunde gehen und erkennt keine anderen Vor­schriften an als das Gesetz. Sogar gegen die Lehrer ihrer eigenen Schule im Wortstreit anzugehen, halten sie für rühmlich. Ihrer Anhänger sind nur wenige, doch ge­hören sie den besten Ständen an. Übrigens richten sie nichts Bedeutendes aus, und wenn sie einmal dazu genötigt sind, ein Amt zu bekleiden, so halten sie es mit den Pharisäern, weil das Volk sie sonst nicht dulden würde.

 

5. Die Essener dagegen lehren, man müsse alles dem Willen Gottes anheimgeben. Sie glauben an die Unsterblichkeit der Seele und halten den Lohn der Gerechtigkeit für das erstrebenswerteste Gut. Wenn sie Weihgeschenke in den Tempel schicken, bringen sie kein Opfer dar, weil sie heiligere Reinigungsmittel zu besitzen vorgeben. Aus diesem Grunde ist ihnen der Zutritt zum gemeinsamen Heiligtum nicht gestattet und sie verrichten demgemäß ihren Gottesdienst besonders.

 

Übrigens sind es Menschen von vortrefflichen Sitten und sie beschäftigen sich bloß mit Ackerbau. Ganz besonders bewunderungswürdig und lobenswert aber sind sie wegen einer bei den Griechen und den anderen Völkern völlig unbekannten, bei ihnen jedoch nicht etwa erst seit kurzer Zeit, sondern schon seit vielen Jahren herrschenden ausgleichenden Gerechtigkeit, infolge deren sie vollkommene Gütergemeinschaft haben und dem Reichen nicht mehr Genuss von seinen Gütern lassen wie dem Armen.

 

Nach dieser Lehre leben über viertausend Menschen. Sie heiraten ebenso wenig, als sie Knechte halten, da sie das Letztere für Unrecht, das Erstere aber für die Quelle alles Streites halten, und so leben sie voneinander abgesondert und dienen einer dem andern. Zu Verwaltern ihrer Einkünfte vom Feldertrag wählen sie tüchtige Männer aus priesterlichem Stande, die für Getreide und sonstige Nahrungsmittel zu sorgen haben. Sie leben übrigens alle auf eine und dieselbe Weise und kommen am nächsten denjenigen Dakern, welche Polisten heißen.

 

6. Außer diesen drei Schulen nun gründete jener Galiläer Judas eine vierte, deren Anhänger in allen anderen Stücken mit den Pharisäern übereinstimmen, dabei aber mit großer Zähigkeit an der Freiheit hängen und Gott allein als ihren Herrn und König anerkennen. Sie unterziehen sich auch jeder möglichen Todesart und machen sich selbst nichts aus dem Morde ihrer Verwandten und Freunde, wenn sie nur keinen Menschen als Herrn anzuerkennen brauchen.

 

Da ihre Hartnäckigkeit indes allgemein durch Augenschein bekannt ist, glaube ich von weiteren Bemerkungen über sie absehen zu können. Ich brauche ja nicht zu fürchten, dass meine Worte keinen Glauben finden; viel eher müsste ich besorgen, dass mir nicht genug Worte zu Gebote stehen, um solchen Heldenmut und solche Standhaftigkeit zu schildern.

 

Diese Tollkühnheit war es, die das Volk in Aufruhr brachte, als der Landpfleger Gessius Florus [8] durch den Missbrauch seiner Amtsgewalt dasselbe so zur Verzweiflung trieb, dass es von den Römern abfiel. So viel von den Philosophenschulen der Juden.“ (Jüdische Altertümer v. Flavius Josephus. 18. Buch, 1. Kapitel, 1 – 6, Übersetzt von Dr. Heinrich Clementz)  

 

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Anmerkungen:

 

Bild: © Ehemalige jüdische Festung Masada, 28. march 2013, Own work, Godot13, Andrew Shiva.

 

Im Jahr 73/74 n. Chr. wurde die jüdische Festung Masada von der 10. römischen Legion mit knapp 4000 Soldaten unter dem Befehlshaber Flavius Silva belagert. Flavius Josephus, der jüdische Historiker aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., berichtet darüber in seinem Werk „Geschichte des jüdischen Krieges“, 7, 252-406. Die mehrere Monate andauernde Belagerung erforderte einen außergewöhnlichen Aufwand. Als die römischen Soldaten die Festung stürmten, hatten sich 960 Männer, Frauen und Kinder selbst getötet.

 

[1] Publius Sulpicius Quirinius (45 v.-21 n. Chr.), römischer Senator u. Statthalter von Syrien.

 

[2] Augustus, dt. "Der Erhabene", Pontifex Maximus, Pater patriae (dt. "Imperator Caesar, Sohn des Vergöttlichten") Kaiser von 27 v.–14 n. Chr., geb. 63 v. Chr., gestorben 14 n. Chr. Der Nachfolger von Augustus war Tiberius, römischer Kaiser von 14 - 37 n. Chr.

 

[3] Coponius, Präfekt Roms in Judäa von 6-8 n. Chr. nach der Absetzung von Herodes Archelaus.

 

[4] Im Jahr 6 nach Christus.

 

[5] Herodes Archelaos, lat. Archelaus, geb. 23 v. Chr., gest. 18 n. Chr., jüdischer Fürst von Judäa, Samaria u. Idumäa, wurde von Rom abgesetzt. Archelaus lebte von 6 – 18 n. Chr.  in der Verbannung in Gallien (Frankreich). - Der biblische Herodes war jedoch Herodes Antipas. Geb. 20 v., gest. 39 n. Chr. Er war Sohn Herodes des Großen und übernahm nach dessen Tod im Jahre 4. v. Chr. die Herrschaft über Galiläa u. Päräa, 4 v. Chr. – 39 n. Chr. Die Hinrichtung Johannes des Täufers u. die Kreuzigung von Jesus Christus vielen in seine Regierungszeit. Pontius Pilatus, der Statthalter von Judäa, hatte Jesus zu ihm geschickt (Lukas 23:7-15), so der Bericht im Neuen Testament. Herodes Antipas wurde von Rom 39 n. Chr. nach Gallien (Frankreich) verbannt.

  

[6] Judas der Galiläer aus Gemala in der Gaulanitis, dem Golangebiet, jüdischer Widerstandkämpfer gegen die römische Oberherrschaft zur Zeit Jesu (7-4 v. - 30-33 n. Chr.). Siehe auch im Neuen Testament, Apostelgeschichte 5:37. Danach stand Judas der Galiläer auf in den Tagen der Volkszählung und brachte eine Menge Volk hinter sich zum Aufruhr; und der ist auch umgekommen und alle, die ihm folgten, wurden zerstreut.“  

 

[7] Essener: Philo(n) von Alexandrien, um 20 v.-50 n. Chr., jüdisch-griechischer Philosoph, berichtet in seinem Werk „Quod omnis probus liber sit“ von 4000 Essäern (Essener), die zusammen mit den Juden im „palästinensischen Syrien“ wohnten. Sie lebten in Dörfern und mieden die Städte, „wegen der Ruchlosigkeit die den Bewohnern der Städte zur Gewohnheit wurde“ und „weil der Umgang mit Ruchlosen die Seelen einheilbar infiziert, wie eine Krankheit die durch todbringende Luft hervorgerufen wird.“

Sie würden auch „mit Absicht weder Geld noch Land besitzen“, hätten keine Schiffe und Sklaven und „man kann bei ihnen niemanden finden, der Pfeile, Speere, Dolche, Helme, Brustpanzer oder Schilde herstellt sowie überhaupt keinen Waffenschmied, Kriegsmaschinenbauer oder sonst jemanden der Dinge anfertigt, die im Krieg gebraucht werden.“

 

Und Philo(n) berichtet weiter: „Den Großhandel, Krämerei und Reederbetrieb kennen sie nicht einmal im Traum, da sie alles verabscheuen, was Anlass zur Habsucht geben kann.“

 

Essener: Philo(n) von Alexandrien, um 20 v. Chr. bis 50 n. Chr., jüdisch-griechischer Philosoph, über die Essener (Pro Judaeis defensio: Praepar. evang. VIII 11,1-18) „... Sie werden Essener genannt. Ich glaube, sie sind angesichts ihrer Frömmigkeit dieser Bezeichnung würdig. Sie bewohnen viele Städte Judäas, aber auch große, viel bewohnte Dörfer ... Keiner wagt es, überhaupt etwas zu besitzen, kein Haus, keinen Sklaven, kein Land, keine Herden, nichts anderes, was der Beschaffung oder Ausstattung von Reichtum gleich käme.

 

Sie legen vielmehr alles geschlossen in die Mitte [ihrer Gemeinschaft] und haben den gemeinsamen Ertrag von allem. Sie wohnen an demselben Ort, sie leben in Freundschaftsbünden und halten gemeinsame Mahlzeiten und führen ihre Leben, indem sie alles für Gemeinnütziges einsetzen ... Jeder nimmt den Lohn für so verschiedene Tätigkeiten und übergibt sie dem einen Schatzmeister, der von ihnen gewählt wurde. Nach dem Empfang kauft jener sofort das Notwendige und sorgt für reichlich Nahrung und die anderen Dinge, die für das tägliche Leben notwendig sind.

 

Sie leben miteinander an einem Ort, sind Tischgenossen und miteinander zufrieden, lieben die Genügsamkeit, fliehen das aufwendige Leben wie eine Krankheit an Seele und Leib ... Was nun allein oder am meisten die Gemeinschaft dabei war zu gefährden, haben sie höchst scharfsinnig in der Ehe gesehen. Deshalb haben sie sie vermieden, um unterschiedslos Enthaltsamkeit zu üben. Keiner der Essener hat eine Frau, weil die Frau selbstsüchtig, sehr eifersüchtig und feige ist und die guten Sitten des Mannes zu umgarnen und mit bedrängenden Zaubereien zu verleiten versucht ...“ (Übersetzung: R. Hoppe)

 

[8] Gessius Florus war letzte Prokurator in Judäa. Seine Amtszeit 64–66 n. Chr. endete mit dem Ausbruch des ersten jüdischen Aufstandes gegen Rom. (Tacitus, Historien 5,10,1) „In seiner Grausamkeit kannte er kein Mitleid, in seiner Ruchlosigkeit keine Scham, und nie hat er so die Wahrheit in Lüge verkehrt oder schlauere Mittel ersonnen, um verbrecherische Absichten zu erreichen.“ (Flavius Josephus, Jüdischer Krieg 2. Buch, 14. Kap., 2)

 

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