minerva79.de - Parapsychologie - Esoterik - mehr Realität

Christliche Evangelien, Briefe, Offenbarungen u. a.

Startseite   Himmel u. Erde   Nostradamus   Visionen u. Träume   Frühe Schriften   Gefiederte Welt   Meine Bilder

Leben und Glaube der Essener - F. Josephus, 37-100 n. Chr., berichtet.

 

 Pharisäer, Essener u. Sadduzäer, in der "Geschichte des Jüdischen Krieges".

 

"1. Des Archelaus [1] Gebiet ward nun in eine Provinz verwandelt und als Landpfleger ein Römer von ritterlichem Stande, Coponius [2], dorthin gesandt, dem der Caesar [3] Gewalt über Leben und Tod verlieh. Während seiner Amtsführung verleitete ein gewisser Galiläer Judas [4] seine Landsleute zum Abfall, indem er es für schmachvoll erklärte, wenn sie noch fernerhin Abgaben an die Römer entrichteten und außer Gott auch sterbliche Menschen als ihre Gebieter anerkannten. Er war der Begründer einer eigenen Sekte, die mit den anderen nichts gemein hat.

 

2. Es gibt nämlich bei den Juden drei Arten von philosophischen Schulen; die eine bilden die Pharisäer, die andere die Sadduzäer, die dritte, welche nach besonders strengen Regeln lebt, die sogenannten Essener [4a]. Die Letzteren sind ebenfalls geborene Juden, aber untereinander noch mehr als die anderen durch Liebe [5] verbunden. Die sinnlichen Freuden meiden sie wie die Sünde, und die Tugend erblicken sie in Enthaltsamkeit und Beherrschung der Leidenschaften.

 

Über die Ehe denken sie gering, dagegen nehmen sie fremde Kinder auf, solange dieselben noch in zartem Alter stehen und bildungsfähig sind, halten sie wie ihre Angehörigen und prägen ihnen ihre Sitten ein. Doch wollen sie damit die Ehe und die Erzielung von Nachkommenschaft durch dieselbe nicht gänzlich aufheben, sondern sich nur vor den Ausschweifungen der Weiber sichern, da sie glauben, dass keines derselben dem einen Gatten die Treue bewahre.

 

3. Den Reichtum verachten sie [6], und bewundernswert ist bei ihnen die Gemeinschaft der Güter [7], sodass man niemand unter ihnen findet, der mehr besäße als die anderen. Es besteht nämlich die Vorschrift, dass jeder, der der Sekte beitreten will, sein Vermögen der Gesamtheit abtreten muss, und so bemerkt man durchgehends weder niedrige Armut noch übermäßigen Reichtum, sondern alle verfügen wie Brüder über das aus dem Besitztum der einzelnen Ordensmitglieder gebildete Gesamtvermögen.

 

Öl halten sie für Schmutz, und wenn einer wider seinen Willen gesalbt worden ist, so wischt er seinen Körper ab. Denn eine raue Haut zu haben, gilt ihnen für ebenso ehrenvoll, als beständig in weißen Gewändern einherzugehen. Die Verwalter des gemeinsamen Vermögens werden durch Stimmenmehrheit gewählt, und jeder ohne Unterschied muss sich zu Dienstleistungen für die Gesamtheit bereitfinden lassen.

 

4. Sie haben keine eigene Stadt, sondern in jeder wohnen ihrer viele. Ordensangehörigen, die anderswoher kommen, steht alles, was sie bei ihren Genossen finden, wie ihr eigener Besitz zur Verfügung, und bei Leuten, die sie nie zuvor gesehen, treten sie ein, als wären es vertraute Freunde von ihnen. Deshalb nehmen sie auch auf die Reise durchweg nichts anderes mit als Waffen zum Schutze gegen die Räuber. In jeder Stadt ist ein Beamter eigens für die Fremden angestellt, um sie mit Kleidung und allen anderen Bedürfnissen zu versehen.

 

In ihrem Anzug und ihrer ganzen äußeren Erscheinung machen sie den Eindruck von Knaben, welche noch unter der Zuchtrute ihrer Lehrmeister stehen. Kleider und Schuhe wechseln sie nicht eher, als bis sie gänzlich zerfetzt oder durch langen Gebrauch verschlissen sind. Untereinander kaufen und verkaufen sie nichts, sondern ein jeder gibt von seinem Eigentum dem anderen, was dieser nötig hat, und empfängt umgekehrt von ihm das, was er selbst brauchen kann. Ja, sogar ohne alle Gegenleistung kann jeder von einem beliebigen Ordensgenossen das Nötige beanspruchen.

 

5. Auf eine eigentümliche Art verehren sie die Gottheit. Bevor nämlich die Sonne aufgeht, sprechen sie kein unheiliges Wort, sondern sie richten an das Gestirn gewisse altherkömmliche Gebete, als wollten sie seinen Aufgang erflehen. Hierauf werden sie von den Vorstehern zu dem Tagewerk entlassen, auf das ein jeder von ihnen sich versteht. Wenn sie sodann bis zur fünften Stunde fleißig gearbeitet haben, kommen sie wieder an einem bestimmten Ort zusammen, schürzen ein linnenes Tuch um und waschen sich den Leib in kaltem Wasser.

[ Λ ]

Nach dieser Reinigung begeben sie sich in ein besonderes Gebäude, das kein Angehöriger einer anderen Sekte betreten darf, und versammeln sich hier, gereinigt, als ginge es in ein' Heiligtum, im Speisesaal. Dort setzen sie sich in aller Ruhe nieder, und es legt alsdann der Bäcker ihnen der Reihe nach Brote vor während der Koch jedem eine Schüssel mit einem einzigen Gericht aufträgt. Ehe das Mahl beginnt, spricht der Priester ein Gebet, und vor dem Gebet darf niemand etwas verzehren. Nach dem Mahle betet er wiederum, sodass zu Anfang und zu Ende desselben Gott als der Spender der Nahrung geehrt wird.

 

Nachdem sie sodann ihre gleichsam heiligen Kleider abgelegt, begeben sie sich wieder an ihre Arbeit bis zur Abenddämmerung. Hierauf kehren sie zurück und speisen auf dieselbe Weise; sind zufällig Fremde da, so nehmen diese am Mahle teil. Weder Geschrei noch sonstiger Lärm entweiht je das Haus, sondern ein jeder lässt den anderen reden, wie ihn die Reihe trifft.

 

Auf diejenigen, die außerhalb des Hauses sich befinden, macht die in demselben herrschende Stille den Eindruck eines schauerlichen Geheimnisses; doch hat die Ruhe ihren Grund nur in der beständigen Nüchternheit der Ordensmitglieder, die Speise und Trank nicht weiter als bis zur Sättigung genießen.

 

6. Nichts tun die Essener ohne ausdrücklichen Befehl ihrer Vorsteher, und nur in zwei Dingen besitzen sie völlige Freiheit, in Hilfeleistung nämlich und in Ausübung der Barmherzigkeit. So ist es jedem verstattet, Unterstützungsbedürftigen beizuspringen, wenn sie dessen würdig sind, und den Darbenden Nahrung zu reichen. An Verwandte jedoch darf ohne Erlaubnis der Vorsteher nichts verschenkt werden.

 

Zorn äußern die Essener nur, wo er berechtigt ist; Gemütserregungen wissen sie zu bemeistern; Treu und Glauben halten sie hoch; den Frieden pflegen sie angelegentlich. Das gegebene Wort gilt bei ihnen mehr wie der Eid sie unterlassen das Schwören [8], weil sie es für schlimmer als den Meineid halten.

 

Wer ohne Anrufung der Gottheit keinen Glauben finde, der sei, sagen sie, schon im Voraus gerichtet. Mit Vorliebe widmen sie sich dem Studium von Schriften der Alten, besonders um zu ergründen, was für Leib und Seele heilsam ist. Aus diesen Schriften suchen sie Wurzeln zur Bannung von Krankheiten und die Eigenschaften der Steine kennenzulernen.

 

7. Wer in die Sekte aufgenommen sein will, erhält nicht sogleich Zutritt, sondern er muss zunächst außerhalb des Ordens ein Jahr lang derselben Lebensweise wie die Mitglieder sich unterziehen, nachdem man ihm vorher eine kleine Axt, das oben erwähnte Lendentuch und ein weißes Gewand gegeben hat. Hat er in diesem Zeitraum die Mäßigkeitsprobe bestanden, so tritt er der Genossenschaft um einen Schritt näher: Er nimmt an der reinigenden Wasserweihe teil, wird jedoch zu den gemeinsamen Mahlen noch nicht zugelassen.

 

Nachdem er nämlich seine Standhaftigkeit dargetan hat, wird nun in zwei weiteren Jahren auch sein Charakter geprüft, und erst wenn er in dieser Beziehung gleichfalls würdig erscheint, wird er förmlich in den Orden aufgenommen. Bevor er indes bei dem gemeinsamen Mahl erscheinen darf, muss er den Ordensangehörigen einen furchtbaren Eid schwören, dass er die Gottheit ehren, seine Pflichten gegen die Menschen erfüllen, niemand aus eigenem Antrieb oder auf Befehl Schaden zufügen, stets die Ungerechten hassen und den Gerechten beistehen, sowie dass er Treue gegen jedermann und besonders gegen die Obrigkeit üben wolle, weil niemand Gewalt habe, ohne dass sie ihm von Gott verliehen sei.

 

Ferner muss er schwören, falls er selbst einmal zu befehlen habe, nie ob seiner Macht sich brüsten und weder in Kleidung noch in sonstigem Schmuck es seinen Untergebenen zuvortun zu wollen.

 

Des weiteren verpflichtet er sich, stets die Wahrheit zu lieben und die Lüge zuschanden zu machen, seine Hände von Diebstahl und seine Seele von dem Makel unrechten Gewinnes rein zuhalten, den Ordensbrüdern nichts zu verheimlichen, anderen dagegen keines ihrer Geheimnisse zu offenbaren, und sollte man ihn auch bis zum Tode martern; endlich, die Lehrsätze des Ordens niemand auf anderem Wege mitzuteilen, als er sie selbst kennengelernt, den Straßenraub zu verabscheuen, die Bücher der Sekte und die Namen der Engel geheim zu halten. Durch solche Eidschwüre versichern sich die Essener der neu Aufzunehmenden.

 

8. Wer schwerer Sünden überwiesen wird, den schließen sie aus dem Orden aus, und der also Ausgestoßene kommt oft auf die elendeste Weise um. Durch Eidschwüre und Ordensgebräuche gebunden, darf er nämlich von Nichtmitgliedern keine Nahrung annehmen und muss sich deshalb von Kräutern nähren, wodurch sein Körper abzehrt und endlich dem Hunger erliegt.

 

Sie haben daher schon manchen dieser Unglücklichen, der in den letzten Zügen lag, aus Mitleid wieder aufgenommen, indem sie die Qual, die ihn dem Tode nahe brachte, als hinreichende Sühne für seine Sünden ansahen.

 

9. Sehr gewissenhaft und gerecht verfahren sie bei gerichtlichen Entscheidungen. Recht sprechen sie nur dann, wenn mindestens hundert Mitglieder versammelt sind, und das Urteil dieses Gerichtes ist unabänderlich. Nächst Gott zollen sie die größte Verehrung dem Namen des Gesetzgebers1; wer ihn lästert, wird mit dem Tode bestraft.

 

Dem Alter und der Mehrheit Gehorsam zu erweisen, halten sie für ehrenvoll. Wenn daher zehn von ihnen beisammensitzen, redet wohl keiner gegen den Sinn der neun übrigen. Ferner hüten sie sich, vor anderen oder nach der rechten Seite hin auszuspeien. Peinlicher als alle übrigen Juden vermeiden sie es, am Sabbat sich mit Arbeit zu befassen, und demzufolge bereiten sie sich nicht nur die Speisen tags vorher, um am Sabbat kein Feuer anzünden zu müssen, sondern sie wagen am Ruhetage nicht einmal ein Gefäß von der Stelle zu rücken oder ihre Notdurft zu verrichten.

 

An anderen Tagen aber holen sie mit der einer Hacke ähnlichen kleinen Axt, die jedem neu Eintretenden verabfolgt wird, eine Grube von der Tiefe eines Fußes aus, verhüllen dieselbe mit ihrem Mantel, um den Lichtglanz Gottes nicht zu beleidigen, entleeren sich darein und scharren dann mit der ausgegrabenen Erde das Loch wieder zu; auch suchen sie zu dieser Verrichtung die abgelegensten Plätze aus. Und obwohl die Entleerung der Körperexkremente etwas Natürliches ist, ist es doch bei ihnen gebräuchlich, sich nachher zu waschen, als ob sie sich verunreinigt hätten.

  [ Λ ]

10. Nach der Dauer ihrer Zugehörigkeit zum Orden sind sie in vier Klassen geteilt, und zwar stehen die jüngeren Mitglieder den älteren so sehr nach, dass die Letzteren, wenn sie von jenen berührt worden sind, sich waschen, wie wenn ein Ausländer sie verunreinigt hätte. Sie leben sehr lange, und viele von ihnen werden - wie mir scheint, infolge der Einfachheit ihrer Lebensweise und der bei ihnen herrschenden Ordnung - über hundert Jahre alt.

 

Dabei lässt das schrecklichste Ungemach sie kalt; denn Schmerzen überwinden sie durch Seelenstärke, und einen ruhmvollen Tod ziehen sie dem längsten Leben vor. Diese, ihre Gesinnung trat so recht im Kriege gegen die Römer zutage.

 

Auf die Folter wurden sie gespannt, ihre Glieder gereckt, verbrannt, zerbrochen; mit allen erdenklichen Marterwerkzeugen quälte man sie, um sie zur Lästerung des Gesetzgebers oder zum Genuss einer ihnen verbotenen Speise zu zwingen ­ aber weder das eine noch das andere vermochte man durchzusetzen. Kein bittendes Wort an ihre Peiniger kam über ihre Lippen; und ihre Augen blieben tränenleer. Lächelnd unter Schmerzen spotteten sie ihrer Henker, und freudig gaben sie ihre Seelen dahin in der sicheren Hoffnung, sie einst wieder zu erhalten.

 

11. Sie hegen nämlich den festen Glauben, dass der Körper zwar der Verwesung anheimfalle und vergänglich sei, die Seele dagegen in Ewigkeit fortlebe und dass sie, aus dem feinsten Äther stammend, durch einen natürlichen Zauberreiz herabgezogen und in den Körper gleichwie in ein Gefängnis eingeschlossen werde. Sobald die Seele aber von den Banden des Fleisches befreit sei, entschwebe sie, wie aus langer Knechtschaft erlöst, in seliger Wonne zur Höhe.

 

In Übereinstimmung mit den jüngeren Hellenen lehren sie, den Guten sei ein Leben jenseits des Ozean beschieden und ein Ort, den weder Regen noch Schnee noch Hitze belästige, sondern ein beständiger, vom Ozean her sanft wehender Zephyr [9] kühle; den Bösen dagegen weisen sie eine finstere kalte Höhle voll ewiger Qualen an.

 

Derselbe Gedanke findet sich, wie mir scheint, bei den Hellenen (Griechen), indem sie ihren Helden, die sie Heroen und Halbgötter nennen, die Inseln der Seligen zuweisen, den Seelen der Schlechten aber den Ort der Frevler im Hades [10], wo der Sage nach ein Sisyphos [11], Tantalos [12], Ixion [13] und Tityos [14] ihre Strafen erleiden.

 

Damit wollen sie zunächst die Unsterblichkeit der Seele feststellen, dann aber auch zur Tugend antreiben und vom Laster abschrecken, indem sie darauf rechnen, dass die Guten während ihres irdischen Lebens durch die Hoffnung auf Belohnung nach dem Tode noch besser, die Anschläge der Bösen dagegen durch Furcht zunichtewerden, da die Letzteren sich darauf gefasst machen müssen, selbst wenn bei Lebzeiten ihre Schlechtigkeit verborgen bleiben sollte, doch noch im Jenseits ewiger Strafe zu verfallen. Diese Lehre der Essener über die Seele ist das Zauberband, durch welches sie diejenigen, die einmal ihre Weisheit gekostet haben, dauernd an sich fesseln.

 

12. Es finden sich übrigens auch solche unter ihnen, die, nachdem sie sich von Jugend auf mit den heiligen Büchern, den Sprüchen der Propheten und mancherlei Reinigungen vertraut gemacht haben, die Zukunft vorherzuwissen behaupten. Und in der Tat ist es ein seltener Fall, wenn einmal ihre Weissagungen nicht in Erfüllung gehen.

 

13. Außerdem gibt es nun noch einen zweiten Zweig der Essener, der in Lebensart, Sitten und Gebräuchen mit dem anderen ganz übereinstimmt, in der Ansicht über die Ehe dagegen von ihm abweicht.

 

Sie glauben nämlich, dass die, welche nicht in die Ehe träten, den wichtigsten Lebenszweck, die Erzielung von Nachkommenschaft, außer Acht ließen, oder vielmehr, dass, wenn alle so dächten, das ganze Menschengeschlecht in kürzester Zeit aussterben müsse.

 

Doch erproben sie die Bräute drei Jahre lang, und wenn sie nach dreimaliger Reinigung deren Fähigkeit, Kinder zu gebären, erkannt haben, nehmen sie dieselben zur Ehe. Während der Schwangerschaft enthalten sie sich des Beischlafes zum Beweise, dass sie nicht aus Wollust, sondern um Kinder zu erzielen geheiratet haben. Die Weiber baden im Hemd, wie die Männer in einer Schürze. Soviel von den Gebräuchen dieser Sekte.

 

14. Was nun die beiden zuerst genannten Sekten betrifft, so ist die der Pharisäer die älteste unter allen Dreien. Sie gelten für besonders kundige Erklärer des Gesetzes, machen alles von Gott und dem Schicksal abhängig und lehren, dass Recht- und Unrechttun zwar größtenteils den Menschen frei stehe, dass aber bei jeder Handlung auch eine Mitwirkung des Schicksals stattfinde. Die Seelen sind nach ihrer Ansicht alle unsterblich, aber nur die der Guten gehen nach dem Tode in einen anderen Leib über, während die der Bösen ewiger Strafe anheimfallen.

 

Die Sadduzäer hingegen, die zweite der obengenannten Sekten, leugnen das Schicksal völlig und behaupten, Gott habe mit dem Tun und Lassen der Menschen gar nichts zu schaffen; vielmehr seien gute wie böse Handlungen gänzlich dem freien Willen anheimgestellt, und nach eigenem Gutdünken trete ein jeder auf die eine oder andere Seite. Weiterhin leugnen sie auch die Fortdauer der Seele, sowie die Strafen und Belohnungen in der Unterwelt.

 

Während aber die Pharisäer sich eng aneinander anschließen und zum Wohle der Gesamtheit die Eintracht hochhalten, ist das Benehmen der Sadduzäer gegen ihresgleichen weit unfreundlicher, sodass sie mit ihren Gesinnungsgenossen so abstoßend wie mit Fremden verkehren. Das ist es, was ich über die philosophischen Schulen der Juden bemerken wollte." (Flavius Josephus, Geschichte des Jüdischen Krieges, 2. Buch, Kap. 8:1-14, Übersetzt von Dr. Heinrich Clements)  

 

Seitenanfang

 

Anmerkungen:

 

Bild: "Johannes der Täufer" von dem Kupferstecher Giulio Campagnola, (um 1482 - um 1516).

 

Der jüdische Historiker Flavius Josephus, 37-100 n. Chr. berichtet, neben dem Neuen Testament der Bibel, über Johannes den Täufer aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. Siehe „Jüdische Altertümer“, 18. Buch, 5. Kapitel, Absatz 2. Über Jesus Christus nicht:

 

„Manche Juden waren übrigens der Ansicht, der Untergang der Streitmacht des Herodes sei nur dem Zorne Gottes zuzuschreiben, der für die Tötung Johannes des Täufers die gerechte Strafe gefordert habe. Den Letzteren nämlich hatte Herodes hinrichten lassen, obwohl er ein edler Mann war, der die Juden anhielt, nach Vollkommenheit zu streben, indem er sie ermahnte, Gerechtigkeit gegeneinander und Frömmigkeit gegen Gott zu üben und so zur Taufe zu kommen ... Da nun infolge der wunderbaren Anziehungskraft solcher Reden eine gewaltige Menschenmenge zu Johannes strömte, fürchtete Herodes, das Ansehen des Mannes, dessen Rat allgemein befolgt zu werden schien, möchte das Volk zum Aufruhr treiben und hielt es daher für besser, ihn rechtzeitig aus dem Wege zu räumen ... Auf diesen Verdacht hin ließ also Herodes den Johannes in Ketten legen, nach der Festung Machaerus bringen, die ich oben erwähnte, und dort hinrichten.“

 

„Josephus Flavius, kurz nach Jesu Kreuzigung geboren, veröffentlichte um das Jahr 93 seine von der Weltschöpfung bis zu Nero führenden „Jüdischen Altertümer“, worin er alles festhielt, was nach seiner Meinung interessant war. Doch obwohl Josephus auch Johannes den Täufer, Herodes und Pilatus nennt und gerade aus dieser Zeit noch die geringsten Details des politischen und gesellschaftlichen Lebens berichtet, übergeht er Jesus völlig. Die Christen interpolierten (spätere unberechtigte Einschaltung in den Text eines Werkes) deshalb im 3. Jahrhundert das sogenannte Testimonium Flavianum 30, in dem der Jude „Josephus“ nicht nur Jesu Wunder bezeugt, sondern sogar seine Auferstehung und die Erfüllung des Weissagungsbeweises. Demnach wäre Josephus Christ gewesen. Aber Kirchenschriftsteller Origenes, dessen Josephus-Text den Einschub offenbar noch nicht enthielt – auch die Kirchenväter Justin, Tertullian und Cyprian berufen sich noch nicht darauf – erklärte wiederholt von Josephus, dass er nicht an Christus glaube 31. Die Stelle ist fast allgemein als Fälschung anerkannt. Selbst für einen katholischen Gelehrten besteht darüber „natürlich gar kein Zweifel“ 32. (Abermals krähte der Hahn, S. 22, Karlheinz Deschner).

 

[1] Herodes Archelaos, lat. Archelaus, geb. 23 v. Chr., gest. 18 n. Chr., jüdischer Fürst von Judäa, Samaria u. Idumäa, wurde von Rom abgesetzt. Archelaus lebte von 6 – 18 n. Chr.  in der Verbannung in Gallien (Frankreich). - Der biblische Herodes war jedoch Herodes Antipas. Geb. 20 v., gest. 39 n. Chr. Er war Sohn Herodes des Großen und übernahm nach dessen Tod im Jahre 4. v. Chr. die Herrschaft über Galiläa u. Päräa, 4 v. Chr. – 39 n. Chr. Die Hinrichtung Johannes des Täufers u. die Kreuzigung von Jesus Christus vielen in seine Regierungszeit. Pontius Pilatus, der Statthalter von Judäa, hatte Jesus zu ihm geschickt (Lukas 23:7-15), so der Bericht im Neuen Testament. Herodes Antipas wurde von Rom 39 n. Chr. nach Gallien (Frankreich) verbannt.

 

[2] Coponius, Präfekt Roms in Judäa von 6-8 n. Chr. nach der Absetzung von Herodes Archelaus.  

 

[3] Augustus, dt. "Der Erhabene", Pontifex Maximus, Pater patriae (dt. "Imperator Caesar, Sohn des Vergöttlichten") Kaiser von 27 v.–14 n. Chr., geb. 63 v. Chr., gestorben 14 n. Chr. Der Nachfolger von Augustus war Tiberius, römischer Kaiser von 14 - 37 n. Chr. 

 

[4] Judas der Galiläer aus Gemala in der Gaulanitis, dem Golangebiet, jüdischer Widerstandkämpfer gegen die römische Oberherrschaft zur Zeit Jesu (7-4 v. - 30-33 n. Chr.). Siehe auch im Neuen Testament, Apostelgeschichte 5:37. Danach stand Judas der Galiläer auf in den Tagen der Volkszählung und brachte eine Menge Volk hinter sich zum Aufruhr; und der ist auch umgekommen und alle, die ihm folgten, wurden zerstreut.“

 

[4a] Essener: Philo(n) von Alexandrien, um 20 v.-50 n. Chr., jüdisch-griechischer Philosoph, berichtet in seinem Werk „Quod omnis probus liber sit“ von 4000 Essäern (Essener), die zusammen mit den Juden im „palästinensischen Syrien“ wohnten. Sie lebten in Dörfern und mieden die Städte, „wegen der Ruchlosigkeit die den Bewohnern der Städte zur Gewohnheit wurde“ und „weil der Umgang mit Ruchlosen die Seelen einheilbar infiziert, wie eine Krankheit die durch todbringende Luft hervorgerufen wird.“

 

Sie würden auch „mit Absicht weder Geld noch Land besitzen“, hätten keine Schiffe und Sklaven und „man kann bei ihnen niemanden finden, der Pfeile, Speere, Dolche, Helme, Brustpanzer oder Schilde herstellt sowie überhaupt keinen Waffenschmied, Kriegsmaschinenbauer oder sonst jemanden der Dinge anfertigt, die im Krieg gebraucht werden.“

 

Und Philo(n) berichtet weiter: „Den Großhandel, Krämerei und Reederbetrieb kennen sie nicht einmal im Traum, da sie alles verabscheuen, was Anlass zur Habsucht geben kann.“  

 

Essener: Philo(n) von Alexandrien, um 20 v. Chr. bis 50 n. Chr., jüdisch-griechischer Philosoph, über die Essener (Pro Judaeis defensio: Praepar. evang. VIII 11,1-18) „... Sie werden Essener genannt. Ich glaube, sie sind angesichts ihrer Frömmigkeit dieser Bezeichnung würdig. Sie bewohnen viele Städte Judäas, aber auch große, viel bewohnte Dörfer ...

 

Keiner wagt es, überhaupt etwas zu besitzen, kein Haus, keinen Sklaven, kein Land, keine Herden, nichts anderes, was der Beschaffung oder Ausstattung von Reichtum gleich käme. Sie legen vielmehr alles geschlossen in die Mitte [ihrer Gemeinschaft] und haben den gemeinsamen Ertrag von allem. Sie wohnen an demselben Ort, sie leben in Freundschaftsbünden und halten gemeinsame Mahlzeiten und führen ihre Leben, indem sie alles für Gemeinnütziges einsetzen ...

 

Jeder nimmt den Lohn für so verschiedene Tätigkeiten und übergibt sie dem einen Schatzmeister, der von ihnen gewählt wurde. Nach dem Empfang kauft jener sofort das Notwendige und sorgt für reichlich Nahrung und die anderen Dinge, die für das tägliche Leben notwendig sind. Sie leben miteinander an einem Ort, sind Tischgenossen und miteinander zufrieden, lieben die Genügsamkeit, fliehen das aufwendige Leben wie eine Krankheit an Seele und Leib ...

 

Was nun allein oder am meisten die Gemeinschaft dabei war zu gefährden, haben sie höchst scharfsinnig in der Ehe gesehen. Deshalb haben sie sie vermieden, um unterschiedslos Enthaltsamkeit zu üben. Keiner der Essener hat eine Frau, weil die Frau selbstsüchtig, sehr eifersüchtig und feige ist und die guten Sitten des Mannes zu umgarnen und mit bedrängenden Zaubereien zu verleiten versucht ...“ (Übersetzung: R. Hoppe)

 

[5] Liebe bei den Urchristen: „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebt, auf dass, gleichwie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebt. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“ (Neues Testament, Johannesevangelium 13:34) 

 

[6] Reichtum bei den Urchristen: „Jesus aber sprach zu seinen Jüngern: Wahrlich, ich sage euch: Schwerlich wird ein Reicher in das Reich der Himmel eingehen. Wiederum aber sage ich euch: Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr eingehe, als ein Reicher in das Reich Gottes.“ (Neues Testament, Matthäus 19:23,24)

 

[7] Gütergemeinschaft der Urchristen: Die Menge derer aber, die gläubig geworden, war ein Herz und eine Seele; und auch nicht einer sagte, dass etwas von seiner Habe sein eigen wäre, sondern es war ihnen alles gemein ... Denn es war auch keiner dürftig unter ihnen, denn so viele Besitzer von Äckern und Häusern waren, verkauften sie und brachten den Preis des Verkauften und legten ihn nieder zu den Füßen der Apostel; es wurde aber einem jeden ausgeteilt, so wie einer irgend Bedürfnis hatte. (Neues Testament, Apostelgeschichte 4)

 

Alle aber, welche glaubten, waren beisammen und hatten alles gemein; und sie verkauften die Güter und die Habe und verteilten sie an alle, je nachdem einer irgend Bedürfnis hatte.“ (Neues Testament, Apostelgeschichte 2) 

 

„Ein gewisser Mann aber, mit Namen Ananias, mit Sophiera, seinem Weibe, verkaufte ein Gut und schaffte von dem Kaufpreis beiseite, wovon auch das Weib wusste; und er brachte einen gewissen Teil und legte ihn nieder zu den Füßen der Apostel. Petrus aber sprach: Ananias, warum hat der Satan dein Herz erfüllt, dass du den Heiligen Geist belogen und von dem Kaufpreis des Feldes beiseitegeschafft hast? Blieb es nicht dein, wenn es so blieb, und war es nicht, nachdem es verkauft war, in deiner Gewalt? Was ist es, dass du dir diese Tat in deinem Herzen vorgenommen hast? Nicht Menschen hast du belogen, sondern Gott. Als aber Ananias diese Worte hörte, fiel er hin und verschied

 

Es geschah aber nach Verlauf von etwa drei Stunden, dass sein Weib hereinkam, ohne zu wissen, was geschehen war. Petrus aber antwortete ihr: Sage mir, ob ihr für so viel das Feld hingegeben habt? Sie aber sprach: Ja, für so viel. Petrus aber sprach zu ihr: Was ist es, dass ihr übereingekommen seid, den Geist des Herrn zu versuchen? Siehe, die Füße derer, welche deinen Mann begraben haben, sind an der Tür, und sie werden dich hinaustragen. Sie fiel aber alsbald zu seinen Füßen nieder und verschied." (Neues Testament, Apostelgeschichte 5)

 

[8] Schwören bei den Urchristen: Wiederum habt ihr gehört, dass zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht fälschlich schwören, du sollst aber dem Herrn deine Eide erfüllen. Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht; weder bei dem Himmel, denn er ist Gottes Thron; noch bei der Erde, denn sie ist seiner Füße Schemel; noch bei Jerusalem, denn sie ist des großen Königs Stadt; noch sollst du bei deinem Haupte schwören, denn du vermagst nicht, ein Haar weiß oder schwarz zu machen. Es sei aber eure Rede:  Ja, Ja: Nein, Nein: Was aber mehr ist als dieses, ist aus dem Bösen!“ (Neues Testament, Matthäus 5:33-37)

 

[9] Zephir, in der griechischen Mythologie der Gott des Westwindes.

 

[10] Hades, in der griechischen Mythologie Gott des Totenreiches und Herrscher der Unterwelt, die ebenfalls Hades genannt wurde. Der Hades (lat. Orcus) hatte zwei Abteilungen, Erebos (Dunkelheit), wohin die Seelen von Hermes (Sohn des Zeus, Botschafter der Götter) gebracht wurden und den Tartaros (lat. Tatarus). Dieser tiefste Ort war von eisernen Mauern umgeben. Zusätzlich bewachte Kerberos (lat. Cerberus, dt. Zerberus - "Dämon der Grube"), ein dreiköpfiger Hund, diesen Ort. Es gab keine Rückkehr. Zwei Flüsse, Styx und Acheron (Verhasste) trennten den Hades von der Welt der Lebenden. Der alte Fährmann Charon brachte die Seelen der Verstorbenen für ein kleines Fährgeld (Obolos), das den Toten in den Mund gelegt wurde, über den Fluss Styx.

 

[11] Sisyphos war nach griechischen Mythologie König von Korinth. Er wurde von Gott Zeus bestraft, denn er verbannte ihn nach seinem Tod in den Tartarus, den tiefsten u. qualvollsten Ort in der Unterwelt. Dort musste Sisyphos ständig einen Felsbrocken einen Berg hinaufzuwälzen. Fast oben angekommen rollte der Brocken wieder hinunter, sodass er ständig von Neuem beginnen musste.

 

[12] Tantalus, in der griechischen Mythologie König von Lydia und Sohn des Zeus. Weil er die Götter testen wollte und zu diesem Zweck seinen Sohn Pelops getötet hatte, dachten sie sich für ihn eine furchtbare Strafe aus. Er sollte im Tartarus, den tiefsten u. qualvollsten Ort in der Unterwelt, an einen Baum aufgehängt werden und für immer Hunger und Durst leiden. Den Teich unter sich konnte er nicht erreichen, um zu trinken, denn wenn er sich niederbeugte, senkte sich der Wasserspiegel. Die Früchte im Baum konnte er auch nicht essen, denn sobald er nach ihnen griff, blies der Wind die Zweige fort.

 

[13] Ixion, König der Lapither, war nach der griechischen Mythologie der erste Mensch der einen Verwandten umbrachte und zwar seinen Schwiegervater, damit er ihm die versprochenen Brautgeschenke nicht geben musste. Gott Zeus erbarmte sich seiner und reinigte ihn, doch Ixion versuchte nun Hera, Zeus seine Frau zu verführen. Als Abwehrmaßnahme schuf Zeus eine Wolke (Nephele) nach dem Ebenbild seiner Frau und Ixion zeugte damit die Kentauren. Das sind Wesen, die zwar einen menschlichen Oberkörper haben, aber den Unterkörper und die Beine eines Pferdes. Sie waren sehr gewalttätig. Ixion wurde letztendlich im Tartaros (Strafort der Unterwelt)  an ein feuriges Rad gebunden, das sich ständig drehte.

 

[14] Tityos ist nach der griechischen Mythologie ein Riese von der Insel Euböa. Bei einem Vergewaltigungsversuch der schönen Leto wurde er von Pfeilen tödlich getroffen. Zur Strafe wurde Tityos in den Tartaros (Strafort der Unterwelt) geschickt, wo immer zwei Geier an seiner ständig nachwachsenden Leber und seinem Herzen fressen.

 

Seitenanfang