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Die äthiopische Petrusapokalypse  [ V ]

 

Über die Strafvollzugsanstalt oder das Zuchthaus der christlichen Kirche

 

Diese Horrorgeschichte berichtet von den Zuständen in der jenseitigen christlichen Hölle [1] und von dem „was sich am Jüngsten Tag erfüllen wird.“ Das wurde angeblich von Jesus Christus dem Apostel Petrus offenbart, als der Chef und seine Jünger sich auf dem Ölberg [2] versammelt hatten.

 

Die Forschung ist der Ansicht, dass diese Schrift aber erst um circa 135 n. Chr. in Ägypten verfasst wurde, also nicht zu Lebezeiten des Petrus. Es gibt einen griechischen und einen äthiopischen Text, die voneinander stark abweichen.

 

Der Text offenbart den geistigen Zustand der Kirche aus jener Zeit und „das religiöse Elend“, was ein „Ausdruck des wirklichen Elends“ ist. Eine solche religiöse apokalyptische [3] Abhandlung ist u. a. auch ein „Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks.“ [4]

 

So wurden in den ersten drei Jahrhunderten Christen wegen ihrer stark abweichenden Einstellungen und der monotheistischen [5] Lehre verfolgt und getötet. Sie weigerten sich, den römischen Göttern und den Kaisern zu opfern und beteiligten sich nicht an Kriegen. Zeitweise wurde die christliche Religion verboten und unter Strafe gestellt, ebenso ein Übertritt. Es mag daher sein, dass auch solche Leiden das Wunschdenken einiger christlicher Schriftsteller inspirierte und dann in die Apokalypsen eingeflossen ist, sozusagen als Erklärung und Trost oder als „Opium“ für das christliche „Volk“, zumal die Parusie, die Wiederkunft Christi zum Jüngsten Gericht, ausblieb.

 

In Anbetracht dieser abscheulichen Petrusapokalypse ist es für viele christliche Gläubige möglicherweise erleichternd, dass die Hölle, als jenseitiger Ort der furchtbaren Qualen für die Übeltäter, nicht ihre Erfindung ist, sondern das bereits die Sumerer im 5. Jahrtausend vor Christus eine ähnliche Einrichtung hatten. Dort mussten die Toten Dreck fressen, frieren, hungern und dürsten. [6]

 

In der alten monotheistischen Religion des Zoroastrismus in Persien, etwa ab 1800 v. Chr., wurden die bösen Seelen von Dämonen in die Hölle getrieben und dort bestraft. Ein dunkler, stinkender und überbevölkerter Ort. [7]

 

Auch in der Hölle der Ägypter mangelt es nicht nur an Brot und Wasser, sondern dämonische Geister schlagen Köpfe ab, reißen Herzen aus der Brust und lassen das Blut in Strömen fließen. [8]

 

Die Griechen hatten ihre Hölle tief im Erdinnern, Tartarus [9] genannt, weit unterhalb des Hades [10]. Er war durch einen Feuerfluss und sehr hohe Mauern abgesichert. Es war ein Ort ewiger Qual, der von furchterregenden Wesen bewohnt wurde. Keiner kam zurück.

 

Römer, Germanen, Hinduismus, Buddhismus, das Judentum und der Islam, sie alle haben ihre Hölle. Da wollte die christliche Kirche nicht nachstehen und ließ sich auch bei diesem Thema von vorhergehenden Religionen inspirieren.

 

Und es ist für Menschen des 21. Jahrhunderts sicher befremdend, dass die Petrusapokalypse sogar vier Jahrhunderte zum Kanon [11] der Kirche gehörte. Der christliche Theologe und Kirchenschriftsteller „Clemens von Alexandria“, (150 – 215 n. Chr.), der christliche Schriftsteller und Heilige Methodios von Olympos (starb ca. 312) und Kirchenvater Esusebius von Cäsarea (starb um 340 n. Chr.) erwähnen oder kommentieren sie. Und es dokumentiert das Bewusstsein der damaligen Kirche und den Wert des heutigen biblischen Kanons, wenn im Kanon Muratori, der in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts in Rom entstand, die Petrusapokalypse enthalten ist. Das führt zu dem Fazit: kleiner, wahrer Kern, riesiger, mythischer Hof! [12]

 

Doch der Geist dieser Schrift wirkte weiter bis ins Mittelalter, als die Kirche mit ihrem Ablasshandel [13] den Gläubigen gegen Bares u. a. auch Strafen im jenseitigen qualvollen Fegefeuer erließ und mit ihren gegensätzlichen Helfershelfern die himmlische Hölle auf Erden praktizierte und so Hunderttausende Menschen, Frauen, Kinder, Männer, Alte und Junge inhaftiert, folterte, verbrannte und ermordete. [14]

 

Letztendlich stehen die Praktiken der christlichen Hölle auch im krassen Gegensatz zu dem hohen Anspruch, der in den überlieferten angeblichen Christusworten zum Ausdruck kommt. Immer wieder ist dort die Tendenz zum Übermenschlichen zu spüren, oft eingeleitet mit den Worten: „Ich aber sage euch“, um so den jahweistischen Geist des Alten Testamentes in Licht zu verwandeln und mit Empfehlungen wie z. B. der Feindesliebe und der „Pflicht zur Vergebung“ den Menschen einen Kanon, eine Richtschnur zu geben. [15]

 

[ Λ ] Die äthiopische Petrusapokalypse [16]

 

1 Als Jesus Christus auf dem Ölberg saß, traten seine Jünger zu ihm. In der Einsamkeit haben wir ihn angebetet, ihn angefleht und gebeten: „Offenbare uns, welches die Zeichen sein werden, die uns zeigen, dass du wiederkommst und dass das Ende der Welt da ist. Dann können wir die Zeit verstehen und begreifen, in der du kommen wirst. Wir können dann auch die nach uns Kommenden unter­weisen. Wir predigen ihnen das Wort deines Evangeliums und setzen sie in deiner Kirche ein. Wenn sie die Botschaft hören, sollen sie sich bemühen zu erkennen, wann du wiederkommst.“

 

2 Unser Herr antwortete: „Gebt acht, dass man euch nicht verführt, dass ihr nicht zweifelt und fremden Göttern dient. Viele werden kommen in meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus. Glaubt ihnen nicht, und geht nicht zu ihnen hin.

 

3 In Wahrheit wird der Menschensohn kommen, ohne dass man es vorher weiß. Denn so wie der Blitz, der vom Osten bis zum Westen her sichtbar ist, so werde ich kommen auf den Wolken des Himmels mit einem großen Heer in meiner Herrlichkeit.

 

4 Mein Kreuz wird vor mir hergehen. Ich werde kommen in meiner Herrlichkeit und siebenmal heller leuchten als die Sonne. Ich werde kommen in meinem Licht mit allen meinen Heiligen und mit meinen Engeln. Das wird geschehen, wenn mein Vater mir eine Krone auf mein Haupt setzt, damit ich die Lebendigen und die Toten richte und jedem vergelte nach seinen Taten.

 

5 Und ihr, nehmt den Feigenbaum als Beispiel: Wenn seine Knospen hervorkommen und seine Zweige getrieben haben, dann kommt das Ende der Welt.“

 

6 Und ich, Petrus, antwortete ihm: „Erkläre mir, wie wir das mit dem Feigenbaum verstehen sollen. Woran sollen wir das Ende der Welt erkennen, denn der Feigenbaum sprießt doch alle Tage und bringt jedes Jahr seinen Eigentümern Früchte. Was bedeutet also das Beispiel des Feigenbaums? Wir wissen es nicht.“

 

7 Da fragte mich der Meister: „Erkennst du nicht, dass der Feigenbaum das Haus Israel ist? Ein Mann hatte in seinem Garten einen Feigenbaum gepflanzt. Der trug keine Feigen. Lange Jahre schaute der Mann vergeblich nach, ob er Früchte trug. Und da er sie nicht fand, sagte er zum Gärtner: Reiß diesen Feigenbaum aus, damit er unser Land nicht unfruchtbar sein lässt.

 

8 Der Gärtner sprach zu Gott: Wir, deine Diener, wollen zuerst das Land von Unkraut säubern, den Boden unter dem Baum ackern und ihn mit Wasser begießen. Wenn er dann nicht Frucht bringt, wollen wir seine Wurzeln aus dem Garten wegschaffen und einen anderen an seine Stelle pflanzen.

 

9 Hast du nicht begriffen, dass der Feigenbaum das Haus Israel ist? Wahrhaftig, ich sage dir, in den letzten Tagen, wenn seine Zweige getrieben haben, werden falsche Messiasse kommen. Sie werden die Hoffnung wecken mit den Worten: Ich bin der Christus, der in die Welt gekommen ist.

[ Λ ]

10 Und wenn die Menschen die Bosheit ihrer jeweiligen Werke erblickt haben, werden sie hinter ihnen hergehen und den ersten Christus verleugnen, ihn, den man gekreuzigt hat und dem unsere Väter Lobpreis sagten. Man wird sehr sündigen. Dieser Betrügerische aber ist nicht Christus. Und wenn sie ihn verschmähen, wird er sie mit dem Schwert töten und es wird viele Märtyrer geben.

 

11 Dann werden die Zweige des Feigenbaumes, d. h. des Hauses Israel, treiben. Mit eigener Hand wird er Märtyrer schaffen. Viele werden sterben und Opfer werden. Henoch und Elias werden geschickt werden, um die Menschen zu überzeugen, dass das der Verführer ist, der in die Welt kommen und Zeichen und Wunder tun muss, um zu verführen. Deshalb werden die, die durch seine Hand gestorben sind, Märtyrer sein und zu den guten und gerechten Märtyrern gezählt werden. Sie haben in ihrem Leben Gott gefallen.“

 

12 Mit seiner Rechten zeigte mir Jesus Christus die Seelen aller Menschen und auf seiner rechten Handfläche das Bild von dem, was sich am Jüngsten Tag erfüllen wird. Er zeigte mir, wie Gerechte und Sünder geteilt werden. Er ließ mich sehen, wie es denen ergehen wird, die rechten Herzens sind, und wie die Übeltäter für alle Ewigkeit ausgerottet werden.

 

13 Wir sahen, wie die Sünder in großer Betrübnis und Trauer weinten. Sie weinten so sehr, dass alle, die Gerechten, die Engel und auch er selbst, von ihrem Weinen angesteckt wurden.

 

14 Ich aber fragte ihn: „Herr, du hast ja selbst über die Sünder gesagt: Es wäre besser für sie, sie wären nicht geschaffen.“ Der Herr erwiderte: „O Petrus, warum sagst du, es wäre besser für sie, sie wären nicht geschaffen? Du streitest hier gegen Gott! Gottes Erbarmen ist groß. Auch du würdest dich der Lebewesen Gottes nicht mehr erbarmen, als er es tut. Denn Gott hat sie erschaffen und hat sie aus dem Nichtsein ins Dasein gebracht. Du warst ergriffen, als du gesehen hast, wie die Sünder am Ende der Tage klagen. Doch ich will dir ihre Taten zeigen, mit denen sie sich gegen den Höchsten versündigt haben.

 

15 Siehe jetzt, was sie in den letzten Tagen erleben werden, wenn der Tag Gottes kommt. Am Tag der Entscheidung des Gerichtes Gottes werden alle Menschenkinder vom Osten bis zum Westen vor meinem Vater versammelt werden, dem ewig Lebendigen.

 

16 Er wird der Hölle gebieten, sie möge ihre stählernen Riegel öffnen und alles zurückgeben, was in ihr ist. Und auch den wilden Tieren und Vögeln wird er gebieten, dass sie alles Menschenfleisch zurückzugeben, das sie gefressen haben. Denn Gott will, dass die Menschen wieder sichtbar werden.

 

17 Denn nichts geht für Gott zugrunde und nichts ist ihm unmöglich, da alles sein ist. Am Tage der Entscheidung, am Tage des Gerichtes, wenn alles beurteilt wird, ist alles wieder da. Denn Gott befiehlt es so mit seinem Wort, genauso wie er die Welt erschaffen hat und alles, was darin ist. Allem, was darin ist, hat er befohlen.

 

18 Auch am Ende der Zeit wird das so sein. Denn für Gott ist alles möglich. So sagt er auch in der Schrift: Menschensohn, weissage über die einzelnen Gebeine und sage zu den Knochen: Knochen zu den Knochen in Glieder, Muskeln, Nerven, Fleisch und Haut und Haare darauf. Und die Seele und den Geist soll der große Urael auf Befehl Gottes geben. Denn ihn hat Gott bestellt bei der Auferstehung der Toten am Tage des Gerichtes.

 

19 Sehet und bedenkt die Samenkörner, die man in die Erde sät. Wie etwas Trockenes, das seelenlos ist, sät man sie in die Erde. Und sie leben auf, werden fruchtbar, und die Erde gibt sie zurück, wie ein anvertrautes Pfand.

 

20 Wenn jemand ablebt, ist er das Samenkorn, das in die Erde gelegt wird. Dann wird er lebendig und dem Leben wiedergegeben. Wie viel mehr wird Gott die an ihn glauben und von ihm Erwählten, für die er die Erde gemacht hat, auferwecken am Tage der Entscheidung. Alles wird die Erde wiedergeben. Dann wird die Erde alles zurückgeben. Denn auch sie muss zusammen mit allen anderen gerichtet werden, aber auch der Himmel zusammen mit ihr.

[ Λ ]

21 Und es wird geschehen am Tage des Gerichtes werden auch die abgeurteilt, die vom Glauben an Gott abgefallen sind und die Sünde getan haben. Feuerfluten werden losgelassen. Dunkel und Finsternis werden eintreten, sodass die ganze Welt sie wie ein Kleid anzieht und durch sie verhüllt wird. Die Meere werden umgeformt und in glühende Kohlen verwandelt und alles, was auf der Erde ist, wird brennen. Das Meer wird zu Feuer werden. Ein bitteres, nie verlöschendes Feuer wird unter dem Himmel sein und es fließt zum Gericht des Zorns.

 

22 Durch die Feuerflammen werden die Sterne zerfließen und so sein, als wenn sie nie geschaffen worden wären. Da es kein Wasser gibt, werden die Festen des Himmels zerfallen und so werden, als wären sie ungeschaffen. Der Himmel wird zu Blitzen werden, und seine Blitze werden die Welt erschrecken.

 

23 Die Geister der Leichname, die Totengeister, werden genauso wie die Sterne sein und auf Befehl Gottes zu Feuer werden. Und sobald die ganze Schöpfung sich auflöst, werden die Menschen im Osten nach Westen und die im Westen nach Osten fliehen. Die im Süden werden nach Norden und die im Norden nach Süden fliehen, aber überall wird sie der Zorn furchtbaren Feuers treffen. Das immerwährende Feuer wird sie jagen und in den Feuerstrom des Zorngerichtes treiben, der nicht erlischt, in dem Feuer glüht und dessen Wellen kochend auseinanderfallen. Deshalb entsteht viel Zähneknirschen der Menschkinder.

 

24 Und alle werden sehen, wie ich auf ewig glänzender Wolke komme. Die Engel Gottes werden bei mir sein und mit mir auf meinem herrlichen Thron zur Rechten meines himmlischen Vaters sitzen. Der wird eine Krone auf mein Haupt setzen. Sobald das die Völker sehen, werden sie weinen, jedes Volk für sich. Und mein Vater wird ihnen befehlen, in den Feuerbach zu gehen. Vor jedem Einzelnen werden seine Taten stehen, die er getan hat. Jedem wird nach seinem Tun vergolten werden.

 

25 Die Ausgesuchten, die das Gute getan haben, werden zu mir kommen. Keiner von ihnen wird den Tod erdulden müssen, aber auch nicht das verzehrende Feuer. Doch die Übeltäter, die Sünder und die Heuchlerischen werden in den Abgründen der Finsternis sein, die nicht vergeht. Und ihre Strafe ist das Feuer und Engel bringen ihre Sünden herbei. Sie bereiten ihnen einen Ort, wo sie für immer bestraft werden, je nach ihrer Versündigung.

 

26 Urael, Engel Gottes, bringt die Seelen derjenigen Sünder herbei, die in der Sintflut umgekommen sind, und auch die Geister, die sich in allen Götzen und Gussbildern, in Liebesamuletten und in Bildern aufhalten. Auch die Geister, die auf den Bergen und in Steinen am Weg hausen und die man Götter nannte. Zusammen mit den Gegenständen, in denen sie lebten, wird man sie in ewigem Feuer verbrennen. Wenn sie so samt ihrer Behausung vernichtet sind, wird man sie ewig strafen.

 

27 Dann werden Männer und Weiber an den Ort gehen, für den sie bestimmt sind. Die gegen den Weg der Gerechtigkeit gelästert haben, wird man an ihren Zungen aufhängen. Man bereitet ihnen ein nie verlöschendes Feuer. Ein anderer Strafort ist eine große mit brennendem Schlamm gefüllte Grube. Darin sind Menschen, welche die Gerechtigkeit verleugnet haben. Strafengel foltern sie und zünden das Feuer ihrer Strafe an.

 

28 Zwei Weiber sind an Nacken und Haaren aufgehängt und in die Grube wirft man sie. Sie hatten sich prächtige Frisuren gemacht, nicht weil das gut aussieht, sondern weil sie so Männer fangen und verderben wollten, indem sie Hurerei mit ihnen trieben. Die Männer, die sich mit ihnen zur Hurerei niedergelegt haben, werden an den Schenkeln aufgehängt in diesem brennenden Ort und sie sagen zueinander: Wir haben nicht gewusst, dass wir in die ewige Qual kommen müssten!

 

29 Die Mörder und ihre Mittäter werden ins Feuer geworfen, an einen Ort voller giftiger Tiere. Sie werden gequält und haben keine Ruhe und erleiden große Schmerzen. Das Gewürm in ihrem Leib ist so zahlreich wie eine finstere Wolke. Und der Engel Esrael bringt die Seelen der Getöteten heran. Diese können so die Qual ihrer Mörder sehen und sagen zu­einander: Gerechtigkeit und Recht ist das Gericht Gottes. Denn wir haben es zwar gehört, aber nicht geglaubt, dass wir an diesen ewigen Gerichtsort kommen würden.

 

30 Und bei diesen Flammen ist eine große und sehr tiefe Grube und es fließt alles von überall her hinein: Abgesondertes, Ekelhaftes und Ausgeschiedenes. Die Weiber stecken bis zum Nacken darin, und ihre Bestrafung ist sehr schmerzvoll. Das sind die, welche ihre Kinder ab­treiben und das Werk Gottes, das er geschaffen hat, zerstören. Gegenüber von ihnen ist ein anderer Ort. Dort sitzen ihre Kinder, aber beide lebendig und sie schreien zu Gott. Und Blitze gehen aus von diesen Kindern und durchbohren die Augen derer, die durch Hurerei ihren Untergang bewirkt haben.

  [ Λ ]

31 Andere Männer und Weiber stehen nackt oberhalb davon. Ihre Kinder stehen ihnen hier gegenüber an einem Ort des Entzückens. Und sie seufzen und schreien zu Gott wegen ihrer Eltern: Das sind die, welche uns vernachlässigt und verflucht und deine Gebote übertreten haben. Sie haben uns getötet und den Engel verflucht, der uns geschaffen hatte, und hängten uns auf. Sie enthielten uns das Licht vor, das du für alle bestimmt hast.

 

32 Und aus den Brüsten ihrer Mütter kommt die Milch heraus, gerinnt und stinkt. Daraus gehen fleischfressende Tiere hervor und sie gehen heraus, wenden sich und quälen sie und ihre Männer in Ewigkeit. Denn sie haben Gottes Gebot verlassen und ihre Kinder getötet. Ihre Kinder wird man dem Engel Temlakos geben. Die sie getötet haben, wird man dagegen ewig foltern, weil Gott es so will.

 

33 Der Engel des Zorns, Esrael, bringt Männer und Weiber herbei, die bis zur Hälfte ihres Körpers brennen, und wirft sie an einen Ort der Finsternis, in die Hölle. Ein Geist des Zorns züchtigt sie mit aller Qual. Und nie schlafendes Gewürm frisst ihre Eingeweide. Das sind die Verfolger und Verräter meiner Gerechten.

 

34 Andere zerkauen ihre Zungen, sie werden mit glühendem Eisen gequält, ihre Augen werden verbrannt. Das sind die Lästerer und Zweifler an meiner Gerechtigkeit. Anderen Männern und Weibern schneidet man die Lippen ab, denn ihre Taten bestanden aus lauter Betrug. Feuer geht in ihren Mund und in ihre Eingeweide. Das sind die, welche Märtyrer getötet haben, indem sie diese fälschlich anzeigten.

 

35 Und an einem nahe gelegenen Orte ist eine Stelle mit einem Stein wie eine Feuersäule und die Säule ist spitzer als Schwerter. Darauf werden Männer und Weiber in wertloses, schmutziges Zeug gekleidet, damit sie das Gericht unvergänglicher Qual erleiden, die nicht nachlässt. Das sind die, welche vertrauten auf ihren Reichtum und Witwen und das Weib mit Waisen verachtet haben, frech und Gott ins Angesicht.

 

36 An einem anderen Ort ist eine Grube aus lauter Ausscheidungen. Dort wirft man Männer und Weiber hinein, sodass sie bis zu den Knien darin stecken. Das sind die, welche leihen und Zins nehmen.

 

37 Andere Männer und Weiber stoßen sich selbst von einer Höhe hinunter, dann laufen sie wieder nach oben und Dämonen treiben sie an. Das sind die Götzendiener. Man stellt sie ganz oben an das Ende des Abhanges hin und dann werden sie hinabgestürzt. Und das tun sie fortwährend, in Ewigkeit werden sie gequält.

 

38 Da gibt es Männer, die sich ihr Glied wegoperieren lassen, Frauen, die mit ihnen waren und Männer, die wie Frauen miteinander verkehrt und sich befleckt haben. 

 

39 Bei ihnen und unter ihnen legt der Engel Esrael einen Platz mit großem Feuer an. Das ist das Gericht über die goldenen und silbernen Götzen, alle anderen Götzen, Werke von Menschenhand, ferner über das, was aussah wie Katzen und Löwen, Kriechtiere und wilde Tiere. Und es ist das Gericht über Menschen, die Bilder davon gemacht hatten, Männer und Frauen in feurigen Ketten.

  [ Λ ]

40 Sie werden bestraft, weil sie angesichts der Götzenbilder in die Irre gegangen sind. So werden sie für immer gerichtet. Bei diesen sind andere Männer und Frauen, die in der Flamme des Gerichtes brennen. Ihre Qual ist für immer. Das sind die, welche Gottes Gebot verlassen haben und den Weg der Dämonen nachgefolgt sind.

 

41 Außerdem ist da noch ein anderer, sehr hoch gelegener Ort, von lodernden Flammen umgeben. Die Männer und Weiber, die sich verfehlen, sollen den Abhang hinunter in den Schrecken hineinrollen. Und während das Feuer fließt, das für sie vorbereitet ist, steigen sie hinauf und werden immer wieder hinuntergerollt. So werden sie gestraft in Ewigkeit. Das sind also die, welche Vater und Mutter nicht geehrt und sich von ihnen ferngehalten haben. Deshalb werden sie für immer bestraft.

 

42 Weiter lässt der Engel Esrael Kinder und Jungfrauen kommen, um ihnen die Bestraften zu zeigen. Sie werden aufgehängt, und fleischfressende Vögel hacken auf sie ein und bringen ihnen viele Verletzungen bei. Das sind die, die darauf vertraut haben, dass ihre Sünden sie glücklich machen würden. Sie haben ihren Eltern nicht gehorcht, sie sind der Lehre ihrer Väter nicht gefolgt und haben die Älteren nicht geehrt.

 

43 Bei ihnen sind Jungfrauen, die mit Finsternis bekleidet werden. Sie werden entsetzlich bestraft, indem ihre Körper auseinandergerissen werden. Das sind solche, die nicht bis zur Heirat jungfräulich geblieben sind. Darum werden diese jungen Frauen so sehr bestraft.

 

44 Andere Männer und Frauen müssen ohne Pause ihre Zunge zerkauen und werden dazu noch mit ewigem Feuer gequält. Das sind die Sklaven, die ihren Herren nicht gehorsam gewesen sind. Auch ihre Strafe ist für ewig.

 

45 In der Nähe dieses Folterortes stehen blinde und stumme Männer und Weiber, deren Gewänder weiß sind. Dann drängen sie sich eng aneinander und fallen auf die Kohlen, die ein nie verlöschendes Feuer speist. Das sind die, welche Almosen geben und dabei sagen: Wir sind gerecht vor Gott. Aber sie haben gar nicht die Gerechtigkeit gesucht.

 

46 Der Engel Gottes Esrael lässt sie aus diesem Kohlenfeuer her­ausgehen. Er hat für sie eine quälende Bestrafung vorgesehen. Dies ist also ihr Gericht: Ein Fluss aus Feuer fließt. Die Bestraften müssen zum Fluss hinuntersteigen. Dort stellt sich Urael auf. Er bringt Feuerräder herbei. Sie drehen sich sehr stark, und dadurch werden die Männer und Weiber an das Rad gepresst. Die in der Grube sind, brennen. Das sind nämlich die Zauberer und Zauberinnen. Solche Feuerräder gibt es in großer Zahl bei jeder Ahndung durch Feuer.

 

47 Darauf brachten die Engel meine Auserwählten und Gerechten. Sie sind vollkommen in aller Gerechtheit. Die Engel tragen sie auf ihren Händen, und die Gerechten sind bekleidet mit den Kleidern des ewigen Lebens. Die Gerechten werden die sehen, die sie gehasst haben. Denn deren Strafe wird für immer ihre Rache sein. Jeder wird nach seinen Taten Vergeltung bekommen.

 

48 Alle, die gefoltert werden, sagen einstimmig: Hab Erbarmen mit uns. Jetzt haben wir Gottes Gericht erkannt. Er hat es uns zuvor angekündigt, aber wir haben es nicht geglaubt!

 

49 Dann wird der Engel Tartaruchos kommen und er wird sie furchtbar züchtigen und zu ihnen sagen: Jetzt bekundet ihr Reue. Doch jetzt gibt es keine Zeit mehr für Reue. Denn nun ist von eurem Leben nichts mehr übrig. Und alle sagen: Gerecht ist das Gericht Gottes. Wir haben gehört und erkannt, dass sein Gericht gut ist. Denn wir werden so bestraft gemäß unseren Taten.

  [ Λ ]

50 Dann werde ich meinen Erwählten und Gerechten die Taufe und das Heil geben, um das sie mich gebeten haben, bei dem Gefilde: Akrosja (= Acherusia), das man nennt: Aneslasieja (= Elysium). Was die Gerechten dann bekommen, wird mit Blumen geschmückt sein. Ich werde hingehen und mich mit ihnen freuen. Ich lasse die Völker in mein ewiges Reich eintreten, das für alle Zeit sein wird. Ich und mein himmlischer Vater werden ihnen das geben, was nicht vergeht. Ich habe es ihnen verheißen.

 

51 Ich hab es, Petrus, zu dir geredet und dir verkündet. Geh daher in die Stadt des Westens, nach Rom, in den Weinberg, den ich dir schildern werde. Du bist auserwählt in der Hoffnung, die ich dir gegeben habe. Verbreite daher in der ganzen Welt meine Botschaft in Frieden. Die Menschen werden sich freuen, meine Worte werden Quell der Hoffnung und des Lebens werden, und jäh wird die Welt nicht mehr sein.“

 

52 Und es sprach zu mir mein Herr Jesus Christus, unser König: „Lasst uns auf den heiligen Berg gehen.“ Und Jesu Jünger kamen zu ihm und beteten. Und sieh, da waren zwei Männer, und wir konnten ihr Gesicht nicht ansehen, denn es ging von ihnen ein Licht aus, das mehr leuchtete als die Sonne. Auch ihre Gewänder waren glänzend und man kann es nicht beschreiben. Nichts in der Welt ist damit zu vergleichen.

 

53 Die Herrlichkeit war so groß, dass menschliche Sprache nicht die Schönheit ihrer Form beschreiben kann. Ihr Anblick war wunderbar und staunenswert. Ihre Ansicht war leuchtender als Kristall. Ihr Körper und ihr Haupt sind anzusehen wie eine Rose. Ihr Haupt ist herrlich. Seine Haare fielen auf die Schultern, duftend wie Narde, ein Flechtwerk von schönen Blumen. Wie der Regenbogen war sein Haar im Wasser. So war die Anmut seines Gesichtes, und geschmückt war er mit jeglichem Schmuck. Als wir diese plötzlich sahen, wunderten wir uns.

 

54 Und ich trat zu Gott Jesus Christus und fragte: „Mein Herr, wer ist das?“ Er antwortete: „Das sind Mose und Elia.“ Ich fragte: „Wo sind denn Abraham, Isaak, Jakob und die anderen gerechten Väter?“ Er zeigte uns einen großen geöffneten Garten. Er war voll schöner Bäume und gesegneter Früchte, voll von Duft und Wohlgerüchen. Der Duft war schön und reichte bis zu uns. Da fragte mich Jesus Christus, mein Herr und Gott: „Hast du die Scharen der Väter gesehen?“ Ich antwortete: „Ich freue mich, glaube und schließe mich ihnen an.“

 

55 Jesus sagte: „Alle, die man verfolgt, weil sie denselben gerechten Weg gehen wie ich, bekommen diese himmlische Heimat, so werden sie geehrt und verherrlicht werden.“ Und ich ward froh und glaubte, was geschrieben ist im Buche meines Herrn Jesus Christus.

 

56 Und ich sagte zu ihm: „Mein Herr, willst du, dass ich hier drei Hütten baue, eine für dich, eine für Mose und eine für Elia?“ Und er sagte zu mir im Zorn: „Der Satan führt Krieg gegen dich und er hat dein Denken verschleiert. Du wirst von den Gütern dieser Welt besiegt. Doch nimm mit Augen und Ohren zur Kenntnis: Es gibt nur eine Hütte. Mein Vater im Himmel hat mir und den Erwählten eine Hütte gebaut, die nicht von Menschenhand ist.“ Und wir sahen es voll Freude.

 

57 Und siehe, plötzlich ertönte eine Stimme vom Himmel: „Dies ist mein Sohn, den ich liebe und an dem ich Gefallen habe“. Eine große, sehr weiße Wolke schwebte über unseren Köpfen und nahm unseren Herrn und Mose und Elia fort. Da ergriffen mich Zittern und Entsetzen.

 

58 Als wir nach oben blickten, öffnete sich der Himmel. Wir sahen Menschen im Fleische und sie kamen und begrüßten unseren Herrn und Mose und Elias. Dann gingen sie in den zweiten Himmel zurück. So wurde das Wort der Schrift erfüllt: „Dieses Geschlecht sucht ihn und sucht das Antlitz des Gottes Jakobs.“ Und große Furcht und großes Entsetzen traten ein im Himmel.

 

59 Die Engel traten zusammen, damit das Wort der Schrift erfüllt würde, in der es heißt: „Öffnet die Tore, ihr Fürsten!“ Darauf wurde der Himmel wieder geschlossen, der geöffnet worden war. Und wir beteten, gingen vom Berg herab und priesen Gott, der die Namen der Gerechten im Himmel in das Buch des Lebens eingeschrieben hat. 

 

(In Anlehnung an S. Grébaut: La seconde venue du Christ et la résurrection des morts: Roc 1910, 198-214, 307-323, 435-439)

 

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Anmerkungen:

 

Bild: Die apokalyptischen Reiter, Gemälde von Wiktor M. Wasnezow, 1848-1926, russischer Maler, besonders für mythologische und historische Themen.

 

[1] „Hölle, in verschiedenen Religionen ein Ort oder Zustand, an dem die Seelen der Menschen nach dem Tod bestraft werden ... Bei den alten Germanen bezeichnete das Wort hel das unterirdische Totenreich, wohin die Seelen aller Sterblichen, der guten wie der bösen, nach dem Tod gelangten. Diese Auffassung ähnelt der hebräischen Auffassung des Scheol. Im frühen Judentum wie auch bei anderen semitischen Völkern wurde die Existenz im Scheol als schattenhafte Fortsetzung des irdischen Lebens angesehen. Durch den Satz des Propheten Jesaja, der König von Babylon solle „hinunter zu den Toten“, „in die tiefste Grube“ fahren (14, 15), entstand später die Vorstellung vom Scheol mit unterschiedlichen Abstufungen von Strafe.“ (MS-Encarta99)

 

Aus dem Spottlied auf den König von Babel: „Doch in die Unterwelt wirst du hinabgeworfen, in die äußerste Tiefe.“ (Jesaja 14:15, Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, 1980)

 

[2] Ölberg (Olivenberg) ist ein östlich von Jerusalem gelegenes Kalksteingebirge.

 

[3] Apokalypse: griechisch-lateinisch, Enthüllung, Offenbarung, religiöse Schrift über das Weltende, besonders die biblische Offenbarung des Johannes, Unheil, Grauen.

 

[4] Aus Marx/Engels-Werke, Band 1, 378ff.

 

[5] Monotheismus, griechisch, der Glaube an einen einzigen Gott. Monotheistische Religionen sind das Judentum, das Christentum und der Islam. Der Polytheismus dagegen kennt und verehrt viele Götter.

 

[6] Die sumerische Bezeichnung für das Totenreich ist Kurnugia, das „Land ohne Wiederkehr“:

„Zum Kurnugia, dem Land ohne Wiederkehr, wandte Istar ihren Sinn, ... nach dem finsteren Haus von Irkalla *, zum Haus, der es betritt, nicht wieder verlässt, auf den Weg, dessen Beschreiten ohne Rückkehr ist, zum Haus, wer es betritt, des Lichtes entbehrt, wo Staub ihr Hunger, ihre Speise Lehm ist, das Licht sie nicht sehen, sie in der Finsternis sitzen.“ (Aus „Istars Höllenfahrt“)

 

* Irkalla ist auch der Name der Göttin der Unterwelt Ereskigal und die Bezeichnung für ihren Wohnort. In der mesopotamischen Mythologie ist Irkalla ein sinnverwandtes Wort für die Unterwelt bzw. für das Totenreich. Der Gilgamesch-Epos (18. Jh. vor Christus) beschreibt Irkalla als Totenstadt und basiert auf Istars Höllenfahrt:

 

„(Kurnugia), Haus des Dunklen, Sitz der Irkalla, Haus, aus dem jene, die es betreten, nie mehr herauskommen können, das Haus, dessen Bewohner beraubt sind des Lichtes, dort, wo aus Staub ihre Nahrung und ihre Speise aus Lehm besteht. Mit einem Federkleid sind sie dort wie Vögel angetan, auch dürfen sie das Licht nicht schauen, denn sie sitzen im Finstern. Auf Tor und Riegel lagert der Staub. Über das Haus des Staubes ist Totenstille gegossen.“ (Gilgamesch-Epos 7. Tafel: 184-192)

 

Im Gilgameschepos erzählt Enkidu dem Gilgamesch einen Traum über die Unterwelt:

„Da liegen auf einem Haufen die Kronen. Es sitzen die Könige da, die vormals gekrönten Häupter, die seit ältester Zeit über das Land geherrscht ... Da sitzen die Hohe-, Beschwörungs- und Reinigungspriester, da sitzen die Gesalbten der Götter. Da sitzt Etana, da sitzt Schakkan, da sitzt die Königin der Unterwelt, Ereskigal und Beletseri, Buchhalterin der Unterwelt, liegt vor ihr auf den Knien.“ (Gilgameschepos 7. Tafel: 194-204)

 

Inannas Gang in die Unterwelt: Es wurden viele diesbezügliche Texte aus verschiedenen Zeiträumen der mesopotamischen Kultur gefunden. Inanna, eine der großen summerischen Göttinnen, versuchte ihr Reich auf die Unterwelt auszudehnen. Sie wurde nach ihrer Ankunft in der Unterwelt nach und nach entkleidet und verliert alle Herrschaftssymbole. Danach wird sie von der Unterweltkönigin Ereskigal getötet. (Propyläen Weltgeschichte, Band 1, S. 562)

 

[7] Zarathustra, ... persischer Prophet und Begründer des Parsismus ... Seine Lehre lässt sich in zwei grundlegenden Glaubensaussagen zusammenfassen: die monotheistische Verehrung des Ahura Mazda („Gott Weisheit“) und den ethischen Dualismus, in dem Wahrheit und Lüge, die einander gegenüberstehen, das gesamte Universum durchdringen. Diese Lehren wurden in den Gathas, einem Teil der heiligen Schrift des Parsismus, dem Avesta, überliefert.“ (MS-Encarta99)

 

Zoroastrismus / Hölle: „Wenn die guten Gedanken, Taten und Worte des Menschen die bösen übertreffen, nimmt an der Brücke der Auslese (Cinvatbrücke) eine schöne Jungfrau seine Seele in Empfang und führt sie darüber (vgl. Huris im Islam). Dort erwartet ihn Amescha Spenta, die Gute Gesinnung, und führt ihn in den Himmel. Andernfalls begegnet er einer Hexe als Personifizierung seines Gewissens und stürzt von der nun messerscharf schmalen Brücke in die von Angra Mainyu (= Ahriman) beherrschte Hölle (das entspricht altägyptischen Vorstellungen) ... Die Höllenstrafen entsprechen dabei der Schwere der Vergehen, denn das Ziel ist, den Menschen zu erziehen.“ (WIKIPEDIA, Totengericht und Jenseits)

 

Zur Lebenszeit von Zarathustra gibt es verschiedene Meinungen. Es werden verschiedene Zeitpunkte genannt, die in der Zeit von ca. 1800 bis 600 v. Chr. liegen.

 

[8] Ägyptische Hölle: Der Althistoriker Manfred Clauss beschreibt in seinem Buch - Das Alte Ägypten, Berlin 2001, S. 133 ff. - die Zustände in der ägyptischen Hölle:

 

„Drastisch werden die quälenden Dämonen beschrieben, die als Folterknechte und Henker ihr Werk verrichten. Im Spruch 17 des Totenbuches erfleht der Tote Rettung ‚vor jenem Gott, der das Gesicht eines Hundes hat und menschliche Augenbrauen, der von Schlachtopfern lebt, der Hüter jener Windung des Feuersees, der Leichen verschlingt und Herzen ausreißt, der Wunden zufügt, ohne gesehen zu werden …’ In einigen Szenen der Unterweltsbücher sind die Verdammten sogar an einen Marterpfahl gebunden Im Höllenbuch ist den Sündern in mehreren Szenen der Kopf buchstäblich vor die Füße gelegt. Auch das erwähnte Herausreißen der Herzen wird mit brutaler Deutlichkeit abgebildet. Zu dieser Art der Hölle gehört darüber hinaus das nicht verlöschende Feuer als ewige Strafe: Flammen sprühen aus Zunge und Augen der Peiniger, und immer wieder stoßen Schlangen, die das Jenseits in riesigen Massen zu bevölkern scheinen, ihren giftigen Gluthauch aus Im Zentrum aller Feuerstrafen steht der Feuersee. Statt aus Wasser besteht er aus Feuer, und entsprechend den blauen Wellen des Nil wird er mit roter Farbe gemalt. In diesem außerdem von Gestank erfüllten See werden die Bestraften hineingestoßen Neben dem Feuersee spielen Kochkessel eine wichtige Rolle bei der Vernichtung der Übeltäter Das Ziel derartiger Maßnahmen ist nicht - wie in späteren christlichen Vorstellungen - die immerwährende Strafe oder die Läuterung im Feuer, sondern die restlose Auslöschung der Existenz.“ [Manfred Clauss: Das Alte Ägypten. Berlin 2001. S. 133 ff.]

 

[9] Tartarus: Es war nach den Überlieferungen Zeus, nach der griechischen Mythologie der oberste Herrscher der olympischen Götter, der einen Ort für den Vollzug von Strafen in den Tiefen der Erde geschaffen hat. Er wurde Tartaros, lateinisch Tartarus genannt. Ein Ort ohne Wiederkehr. Tityos, Ixion, Oknos, die Danaiden, Sisyphos und Tantalos, der Sohn des Zeus waren zu ewigen Qualen im Tartaros verurteilt, aber z. B. auch Mörder, Menschen die Heiligtümer raubten und andere schwere Verbrechen begingen. An Tityos seiner immer nachwachsenden Leber fressen seither ständig zwei Geier. Oknos muss im Tartaros ewig ein Seil aus Binsen flechten, dessen Ende dauernd von einem Esel aufgefressen wird. Sisyphos rollt immer wieder einen Felsen einen Hang hinauf. Am Ende des Berges entgleitet ihm der Stein und rollt den Berg wieder runter. So muss er ohne Ende von vorne anfangen. Auch Tantalos wird furchtbar gequält, indem er ständig Hunger und Durst leiden muss, vor seinen Augen das unerreichbare klare Wasser und die herrlichsten Früchte. Und die Danaiden, Töchter des Königs Danaos von Libyen, müssen im Tartaros für ewig Wasser in ein durchlöchertes Fass schöpfen.

 

„Und weiter sah ich den Sisyphos in gewaltigen Schmerzen: wie er mit beiden Armen einen Felsblock, einen ungeheuren, fortschaffen wollte. Ja, und mit Händen und Füßen stemmend, stieß er den Block hinauf auf einen Hügel. Doch wenn er ihn über die Kuppe werfen wollte, so drehte ihn das Übergewicht zurück: Von Neuem rollte dann der Block, der schamlose, ins Feld hinunter. Er aber stieß ihn immer wieder zurück, sich anspannend, und es rann der Schweiß ihm von den Gliedern, und der Staub erhob sich über sein Haupt hinaus.“ (Homer: Odyssee 11. Gesang, 593–600, nach W. Schadewal)

 

„Auch den Tantalos sah ich, mit schweren Qualen belastet. Mitten im Teiche stand er, das Kinn von der Welle bespület, lechzte hinab vor Durst, und konnte zum Trinken nicht kommen. Denn so oft sich der Greis hinbückte, die Zunge zu kühlen; schwand das versiegende Wasser hinweg, und rings um die Füße zeigte sich schwarzer Sand, getrocknet vom feindlichen Dämon. Fruchtbare Bäume neigten um seine Scheitel die Zweige, voll balsamischer Birnen, Granaten und grüne Oliven oder voll süßer Feigen und rötlich gesprenkelter Äpfel. Aber sobald sich der Greis aufreckte, der Früchte zu pflücken; wirbelte plötzlich der Sturm sie empor zu den schattigen Wolken.“ (Aus der Odyssee (11. Gesang, 582–592), nach J. H. Voß)

 

[10] Hades, so nannten die Griechen ihren Gott des Totenreiches, den Herrscher der Unterwelt. Auch das Totenreich selbst wurde als Hades bezeichnet. Die Flüsse Acheron und Styx (die Verhasste) trennten die Unterwelt von der Oberwelt. Der Fährmann Charon setzte die Toten gegen Zahlung eines Obolus (kleine Münze) über den Fluss. Die zweite Abteilung war der tiefer gelegene Ort, Tartarus genannt, ein Ort ewiger Qualen, die griechische Hölle.

 

[11] Kanon: Maßstab, Richtschnur, Regel, Norm, - der Bibelkanon bezeichnet diverse Evangelien und Briefe, welche von der christlichen Kirche kanonisiert wurden und daher für die Religionsausübung gültig sind.  

 

„Die Offenbarung des Petrus gehörte zunächst zum Kanon der römischen Kirche, wurde aber in der dritten Synode von Karthago 397 daraus ausgenommen.“ (Wikipedia, Petrusapokalypse, Jaques le Goff: Die Geburt des Fegefeuers. Stuttgart 1984 S.50f.)  

 

Der Kanon des Neuen Testamentes:

Apokalypse des Johannes, 81-90 n. Chr.; Apostelgeschichte, 65-71 n. Chr.; Epheserbrief, 60 n. Chr.;

Galaterbrief, 56 n. Chr.; Hebräerbrief, 56 n. Chr.; Johannesbrief 1., 55 n. Chr.; Johannesbrief 2., 50 n. Chr.; Johannesbrief 3., 50 n. Chr.; Judasbrief, 75 n. Chr.; Johannesevangelium, 100 n. Chr.; Jakobusbrief, 55 n. Chr.; Kolosserbrief, 60 n. Chr.; Korintherbrief 1., 55 n. Chr.; Korintherbrief 2., 56 n. Chr.; Lukasevangelium, 70 n. Chr.; Matthäusevangelium, 71 n. Chr.; Markusevangelium, 70 n. Chr.; Petrusbrief 1., 55 n. Chr.; Petrusbrief 2., 75 n. Chr.; Philemonbrief, 61 n. Chr.; Philipperbrief, 58 n. Chr.; Römerbrief, 56 n. Chr.; Thessalonicherbrief 1., 50 n. Chr.; Thessalonicherbrief 2., 50 n. Chr.; Timotheusbrief 1., 75 n. Chr.; Timotheusbrief 2., 75 n. Chr.; Titusbrief, 80 n. Chr.;

 

Einige der frühchristliche Schriften, die nicht im Kanon enthalten sind:  

Agrapha, 1. bis 5. Jahrhundert; Ägypterevangelium, 140 n. Chr.; Akten des Paulus, 150 n. Chr.; Akten des Petrus, 150 n. Chr.; Anonymes Evangelienfragment aus den Acta Pauli, 90 n. Chr.; Apokalypse des Paulus, 150 n. Chr.; Die griechische Petrusapokalypse, 150 n. Chr.; Barnabasbrief, 60 n. Chr.; Brief an die Laodizener, 150 n. Chr.; Brief an Rheginus, 150 n. Chr.; Diognetbrief, 160 n. Chr.; Das Buch Elchesai, ca. 110 n. Chr.; Didache, 60/65 n. Chr.; Das Hochzeitslied aus den Acta Thomae, <- 200 n. Chr.; Dritter Brief an die Korinther, 150 n. Chr.; Das Tanzlied in den Acta Iohannis , <- 200 n. Chr., Ebionitenevangelium, 140 n. Chr.; Epistula Apostolorum, 150 n. Chr.; Evangelium des Philippus, 150 n. Chr.; Evangelium nach Maria, 160 n. Chr.; Evangelium nach Petrus, 75 n. Chr.; Evangelium Veritatis, 150 n. Chr.; Freer Logion, 75 n. Chr.; Fajjum-Fragment, 60/65 n. Chr.; Fragment Joh, 7:53-8:11, <- 70 n. Chr.; Geheimes Markusevangelium, 130 n. Chr.; Hebräerevangelium, 140 n. Chr.; Der Hirt des Hermas, 120 n. Chr.; Ignatius von Antiochien, 7 Briefe, 117 n. Chr.; Interpretation der Gnosis, 150 n. Chr.; Kerygma Petri, 140 n. Chr.; Klemensbrief 1., 75 n. Chr.; Klemensbrief 2., 75 n. Chr.; Kindheitsevangelium des Thomas, 16o n. Chr.; Koptisches Fragment Straßburg, 75 n. Chr.; Logienquelle (Q), 60/65 n. Chr.; Markionitische Prologe zu Paulus, 18o n. Chr.; Nazaräerevangelium, 140 n. Chr.; Oden Salomos, 140 n. Chr.; Papias-Fragmente, 150n. Chr.; Papyrus 11710 Berlin, 75 n. Chr.; Passah-Homilie, 160 n. Chr.; Papyrus Cair[o]ensis, 90-n. Chr.; Papyrus Egerton 2, 75 n. Chr.; Papyrus Hamburgensis, 300 n. Chr.; Papyrus Oxyrhynchos 840, 60/65 n. Chr.; Papyrus Oxyrhynchos 1224, 60/65 n. Chr.; Zwei Briefe an die Philipper, 130 n. Chr.; Protevangelium des Jakobus, 160 n. Chr.; Quadratus-Fragment, ca. 100 n. Chr.; Sekundärer Markusschluss, 75 n. Chr.; Evangelienharmonie, 180 n. Chr.; Testimonium Veritatis, 150 n. Chr.; Thomasevangelium, 70-80 n. Chr.; Unbekanntes Berliner Evangelium, 130 n. Chr.; Zwei alte Christus-Hymnen, <- 200 n. Chr.;

 

[12] Eusebius von Cäsarea, Kirchengeschichte 6. Buch, 14. Kapitel; Method. symp. 2,6; Sozomenos, Kirchengeschichte 7,19.

 

[13] Ablasshandel: Gegen eine Leistung guter Werke oder eine Geldzahlung wurden dem Sünder von der Kirche eine Bußzeit in diesem Leben oder eine Strafe im Fegefeuer erlassen. Auf mittelalterlichen Darstellungen wird das Fegefeuer oft als eine von Feuern aufgeheizte Höhle dargestellt, ähnlich der Hölle. Wer wollte schon an solch einem Ort leben?

 

Die Ablasspraxis begann bereits im 5. Jahrhundert, wenn es auch im 9. Jahrhundert einige Kirchensynoden gab, die es als gegensätzlich empfanden, Sündenvergebung durch Geld zu erkaufen. Im Laufe der Zeit wurden jedoch den Gläubigen die Schrecken des Fegefeuers für sich und ihre verstorbenen Angehörigen immer mehr dramatisch dargestellt, sodass sich für die Kirche eine erhebliche Einnahmequelle ergab.

 

Im 15. Jahrhundert wurden Ablassbriefe („Nachlass von auferlegten Strafen, die von dem Sünder nach seiner Umkehr noch zu verbüßen sind.“) * auch gedruckt. Diese Briefe wurden im Namen eines vom Papst beauftragten Bischofs oder Kardinals ausgestellt. Eine Ablassbulle wurde vom Papst selber verfasst.

 

Ablassbriefe wurde in ganz Europa wie Wertpapiere gehandelt. Es kam zu Werbesprüchen wie: „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt.“ (Johann Tetzel, 1465-1519, Dominikanermönch)

 

Der Theologe und Reformator Martin Luther (1483-1546) kritisierte den Ablasshandel sehr, besonders die Finanzierung des Petersdoms durch solche Briefe.

 

Der Handel mit solchen Freibriefen gehört der Vergangenheit an, doch die Höllenlehre steigt immer wieder aus dem dunklen Abgrund der menschlichen Fantasie herauf, wenn z. B. Papst Benedikt XVI. in seinem Buch über Jesus meint, dass die Hölle existiert und ewig sei für Menschen, welche ihre Augen vor seiner Liebe verschließen. **

 

* Duden: Deutsches Universalwörterbuch. Bibliografisches Institut (Dudenverlag). Mannheim (6. Aufl. 2007) ** Benedikt XVI., Jesus von Nazareth. Von der Taufe im Jordan bis zur Verklärung; Herderverlag, 2007, S. 128

 

[14] "Inquisition (lateinisch inquisitio: gerichtliche Untersuchung), Bezeichnung für die seit dem Mittelalter von kirchlichen Institutionen zur Verfolgung, Anklage und Verurteilung von so genannten Ketzern oder Häretikern eingerichteten Behörden sowie für die Verfolgung der Ketzer und Häretiker selbst. Die Inquisition wurde meist mit staatlicher Hilfe betrieben." (MS-Encarta99)

 

[15] Das Vaterunser: "Und erlass uns unsere Schulden, wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben ... Denn, wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, dann wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben."  (Matthäusevangelium 6:12,14,15, Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, 1980)

 

"Und wenn ihr beten wollt und ihr habt einem anderen etwas vorzuwerfen, dann vergebt ihm, damit auch euer Vater im Himmel euch eure Verfehlungen vergibt." (Markusevangelium 11:25, Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, 1980)

 

"Und wenn er sich siebenmal am Tag gegen dich versündigt und siebenmal wieder zu dir kommt und sagt: Ich will mich ändern, so sollst du ihm vergeben." (Lukasevangelium 17:4, Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, 1980)

 

"Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist." (Matthäusevangelium 5:43-48, Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, 1980)  

 

[16] Petrusapokalypse: „Im Winter 1886/1887 wurde in einem Mönchsgrab im oberägyptischen Akhmim eine Pergamentrolle von dem französischen Archäologen Urbain Bouriant gefunden, deren Autor unbekannt ist (Papyrus Cairensis 10759). Die Pergamentrolle stammte aus dem 8. oder 9. Jahrhundert n. Chr. und enthielt Teile der griechischen Petrusapokalypse, des griechischen Henoch und des Evangeliums nach Petrus.“ (Wikipedia, Petrusevangelium)

 

Aus TRE, Theologische Realenzyklopädie, T. I, S. 352, Gerhard Krause, G. Müller:

„6.12.3. Die Petrusapokalypse (Chr. Maurer: NTApo4 II, 468ff; Vielbauer 507ff) gehört zu den wenigen apokryphen Schriften, die mancherorts zeitweilig als kanonisch galten. Der Kanon Muratori erwähnt sie, (Z.71ff), jedoch mit dem Zusatz, dass manche den Text nicht verlesen wissen wollen; außerdem ist sie zusammen mit dem Barnabasbrief, dem Hirten des Hermas und den Paulusakten in das Verzeichnis des Codex Claromontanus aufgenommen. Die früheste Bezeugung findet sich bei Clemens von Alexandrien, somit ist ihre Entstehung auf das 2. Jahrhundert anzusetzen, „wenn die Deutung des Feigenbaumgleichnisses (Äth 2) auf die Christenverfolgung des Bar Kochbar zutreffen sollte, ... so wäre der Terminus a quo 135 n. Chr.“ (Vielhauer, 508).

 

Doch das bleibt ungewiss. Obgleich nachgewiesen ist, dass die Schrift in einigen Gegenden noch im 4. und 5. Jahrhundert kirchliches Ansehen genossen hat, war von ihrem Inhalt, von wenigen Zitaten abgesehen, bis zur Veröffentlichung eines in Akhmim zusammen mit einem Bruchstück des Petrusevangeliums (s. o. Abschn. 6.6) gefundenen griechischen Fragments nichts bekannt.

 

1910 wurde eine mehr oder weniger vollständige äthiopische Fassung veröffentlicht, weiterhin existieren noch zwei kleine griechische Fragmente, eines in Oxford und eines in Wien. Stellen, an denen beide Fassungen parallel gehen, stimmen inhaltlich überein, aber die äthiopische Fassung ist etwa dreimal so lang wie die in Akhmim  gefundene, und der Stoff wird in unterschiedlicher Reihenfolge gebracht:

 

Im äthiopischen Text geht die Beschreibung der Hölle und die Strafen der Sünder der des Paradieses der Seligen voraus, im Text von Akhmim ist die Reihenfolge umgekehrt, die Höllenschilderung ist im Äthiopischen eine Weissagung Jesu, aber im Akhmim ein Erlebnisbericht des Petrus (Vgl. Vielhauer 508ff, Maurer 469ff).

 

Die äthiopische Fassung nähert sich in dieser Beziehung mehr den Gesprächen des Auferstandenen (s. o. Abschn. 6.9), die von Akhmim der üblichen Form der apokalyptischen Visionen. Ein weiteres Problem stellt die Identifizierung der beiden Seligen in der Paradiesdarstellung als Mose und Elia dar (äth. Version 16; vgl. Markus 9,4 par.); im Akhmim-Text sind sie anonym.

 

Nach Vielhauer (511) ist hier „die Akhmim-Fassung traditionsgeschichtlich primär“. Beide Fassungen enthalten daher sekundäre Züge. Eine zusätzliche Schwierigkeit bietet das Verhältnis des Akhmim-Textes zum Petrusevangelium, das dort mit der Petrusapokalypse zusammen gefunden wurde: nach Zahn und James (vgl. Maurer 470f) entspricht die äthiopische Version der ursprünglichen Petrusapokalypse, während der Akhmim-Text zum Petrusevangelium gehört. Das bleibt jedoch eine Vermutung, ebenso wie die Alternative von Maurer.

 

„Das Interesse der PetrApk liegt ganz auf der Schilderung des Jenseits, der Hölle und des Himmels ... Es ist eine andere Welt als die der synoptischen oder der Johannesapokalypse (Vielhauer, 512). Das vorherrschende Motiv ist nicht Neugier, sondern seelsorgerliches Interesse: „Die Jenseitsschilderung motiviert den Moralismus“ (ebd.). Die Bedeutung des Buches liegt vor allem auf religionsgeschichtlichem Gebiet (Maurer, 471); viele Vorstellungen spiegeln sich in orphisch-pythagoräischem Gedankengut wider oder können durch das Medium der jüdischen Apokalyptik auf orientalischen Ursprung zurückgeführt werden. Diese Anschauungen werden hier mit der christlich-jüdischen Eschatologie verflochten und so späteren Generationen überliefert.

 

Der Einfluss der Petrusapokalypse erstreckt sich auf dem Weg über die Paulusapokalypse bis hin zu Dantes Divina Commedia. Es sind zwei weitere Petrusapokalypsen bekannt, eine arabische Fassung (A. Mingana Woodbrooke Studies 3,2, Cambridge 1931) und eine koptische Fassung (Nag Hammadi) Codex VII, 3, su. u. S. 355f). Keine von beiden steht in Verbindung mit dem hier behandelten Werk.“ (TRE, Theologische Realenzyklopädie, Teil I, S. 352, Gerhard Krause, Gerhard Müller)

 

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