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Häretikern, Ketzern, Hexen und  Juden - diesen Märtyrern zum Gedenken!

 

Die "Hexenbulle" - "Summis desiderantes affectibus" [1]

 

(In unserem sehnlichsten Wunsche) von Papst Innozenz VIII.

 

Seit dem 4. Jahrhundert wurden Andersgläubige, Ketzer [2], Häretiker [3], Hexen [4] und Juden, verbal und sukzessive auch körperlich von der christlichen Kirche bekämpft. Auf vielen Konzilien wurden Beschlüsse gefasst, welche die permanente Drangsal dieser Gruppen noch verschärfte. Selbst wenn es sich „nur“ um eine neue diskriminierende [5] Bestimmung des Kirchenrechtes handelte, die z. B. für Juden eine spezielle Kennzeichnung [6] vorsah, welche aus dem Judenhut und dem Gelben Ring oder Judenkreis bestand, der außen sichtbar – meist vorn in Brusthöhe – auf der Kleidung getragen werden musste, so wurden doch weitreichende kausale Zusammenhänge wissentlich oder unwissentlich nicht beachtet.

 

Der Bazillus Intoleranz breitete sich in den christlichen Völkern immer mehr aus. Die Diskriminierung und Diskreditierung [7] religiös Andersdenkender wurde Teil der Kultur. Religiöse Unduldsamkeit verbunden mit der bekannten kirchlichen Frauenherabsetzung als Ursachen, suchten sich dann als Wirkungen, u. a. in der Bulle Summis desiderantes affectibus (1484) und in dem Buch Hexenhammer (1487) zweier Dominikanermönche, ihren Weg.

 

 Diese, Henricus Institoris, zu Deutsch Heinrich Kramer, Dr. der Theologie und Jakob Sprenger, Dekan der theologischen Fakultät, werden in der Bulle Summis desiderantes affectibus, der sogenannten „Hexenbulle“, von Papst Innozenz VIII. namentlich genannt, als die „geliebten Söhne“ betitelt und als "Inquisitoren" bestätigt.

 

Der „Hexenhammer“ ist vom für die Hexenverfolgung typischen Hass auf Frauen geprägt, die darin u. a. als „unvollkommene Tiere“ bezeichnet werden. Er enthält auch Verhaltensregeln, der geistlichen und weltlichen Richtern genaue Anweisungen gibt, wie sie einen Hexenprozess führen sollen, und gibt Direktiven für die Folter. Circa 3 Millionen Menschen soll der Prozess gemacht worden sein. Hunderttausende wurden gefoltert und lebendig verbrannt und nahmen so Schaden an ihren Seelen.

Ihre Mörder, Schreibtischtäter und andere Ausführende, waren natürlich auch vom jahweistischen Geist ihrer Heiligen Schrift, dem alten Testament, geprägt. Heißt es dort doch: „... Wahrsagerei und Zauberei sollt ihr nicht treiben.“ „Eine Hexe sollst du nicht am Leben lassen.“ (3. Mose 19:26, 2. Mose 22:17)

 Der Theologe Walter Nigg kommentiert solche Exzesse des Homo sapiens, dieses angeblich einsichtsfähigen und weisen Menschen, in seinem Werk „Das Buch der Ketzer“, 1949, S. 317, 307, Auszug:

„Überhall flammten die Scheiterhaufen auf, die zu lodern nicht mehr aufhören wollten. Alles wurde verbrannt, Frauen und Männer, Katholiken und Protestanten, Idioten und Gelehrte, vierjährige Kinder und achtzigjährige Greisinnen, alles wurde wahllos und ohne Unterschied auf den Scheiterhaufen befördert und zur Asche verwandelt ... Sie [die Hexenverbrennung] ist eine derart peinliche Belastung, dass sie die Kirchen beider Konfessionen grundsätzlich in Frage stellt."

 

Bulle Summis desiderantes affectibus [1] 

 

 "Innozenz Bischoff (Papst Innozenz VIII., 1484-1492) [8], ein Knecht der Knechte Gottes. Zu Künftigen, der Sache Gedächtnis. In dem wir mit der höchsten Begierde verlangen, wie es die Sorge unseres Hirtenamtes erfordert, dass der katholische Glaube zu unseren Zeiten überall vermehrt wird und blühen möge und alle ketzerische Bosheit von den Grenzen der Gläubigen weit hinweg getrieben wird, so erklären wir es gerne und auch von Neuem, wodurch unser gottseliges Verlangen die erwünschte Wirkung erlangen mag. Und nebenher, dass durch den Dienst unserer Arbeit, als auch durch die Reuthaue (Rodehacke) eines vorsichtigen Arbeiters, alle Irrtümer gänzlich ausgerottet werden und der Eifer und die Beachtung des Glaubens in die Herzen der Gläubigen um so stärker eingeprägt werden.

 

Wir haben neulich, nicht ohne große Betrübnis erfahren, dass es in einigen Teilen Oberdeutschlands, wie auch in den mainzischen-, kölnischen-, trierischen- und salzburgischen Erzbistümern, ebenso in den Städten, Ländern, Orten und Bistümern sehr viele Personen beiderlei Geschlechts gibt, die, ihre eigene Seligkeit vergessend, vom katholischen Glauben abfallend, mit den Teufeln, die sich als Männer oder Weiber mit ihnen vermischen, Missbrauch machen.

 

Dass sie mit ihren Bezauberungen, Liedern, Beschwerungen und anderen abscheulichen Aberglauben und zauberischer Übertretungen, Lastern und Verbrechen, die Geburten der Weiber, die Jungen der Tiere, die Früchte der Erde, die Weintrauben und die Baumfrüchte, wie auch die Menschen, die Frauen, die Tiere, das Vieh und andere unterschiedliche Arten Tiere, auch die Weinberge, Obstgärten, Wiesen, Weiden, Korn und andere Erdfrüchte, verderben, ersticken und vernichten.

 

Sie verursachen, belegen und peinigen selbst Menschen, Weiber, allerhand großes und kleines Vieh und Tiere mit grausamen innerlichen und äußerlichen Schmerzen und Plagen. Desgleichen auch die Menschen, dass sie nicht zeugen, die Frauen, dass sie nicht empfangen, dass die Männer ihren Weibern und die Weiber ihren Männern die ehelichen Pflichten nicht leisten können.

 

Sie verleugnen den Glauben, welchen sie bei Empfang der heiligen Taufe angenommen haben, mit eidbrüchigem Mund. Und sie begehen und vollbringen viele andere Leichtfertigkeiten, Sünden und Laster, durch Anstiftung des Feindes (Teufel, Nachtgeister) des menschlichen Geschlechts. Sie fürchten sich nicht wegen der Gefahr für ihre Seelen, wegen der Beleidigung der göttlichen Majestät und wegen vieler schädlicher Exempel und Ärgernisse. 

 

Und  obwohl die geliebten Söhne Henricus Institoris (Heinrich Kramer) in die obengenannten Teile Oberdeutschlands, einschließlich der Erzbistümer, Städte, Länder, Bistümer und anderer Orte, wie auch Jakob Sprenger durch gewisse Striche des Rheinstromes, des Predigerordens und Professores Theologiae, zu Inquisitoren [9] des ketzerischen Unwesens durch apostolische Briefe bestellt worden sind, gibt es doch einige Geistliche und Gemeine derselben Länder, welche mehr verstehen wollen, als nötig wäre.

 

Das, weil in den Briefen ihrer Bestellung (Auftrag, Ernennung) solche Erzbistümer, Städte, Bistümer, Länder und andere obgenannte Orte, deren Personen und besagte Laster nicht namentlich und in Sonderheit genannt werden. Dass diese darum auch gar nicht darunter fallen würden und deswegen den genannten Inquisitoren in den obigen Erzbistümern, Städten, Bistümern, Ländern und Orten, die Ausübung eines solchen Amtes zwecks Inquisition nicht erlaubt sei und die Bestrafung, Inhaftnahme und Besserung solcher Personen wegen der genannten Verbrechen und Laster nicht zulässig sei. 

 

Sie schämen sich nicht, das halsstarrig zu bejahen, auch wenn in den Erzbistümern, Städten, Bistümern, Ländern und Orten solche Verbrechen und Laster ungestraft bleiben und nehmen so den Verlust solcher Seelen und ewige Seelen-Gefahr in Kauf.

 

Deshalb räumen wir jedes Hindernis, durch welche die Durchführung des Amtes der Inquisitoren auf irgendeine Weise verzögert werden könnte, aus dem Wege, damit nicht die Seuche des ketzerischen Unwesens und andere Verbrechen ihr Gift zum Verderben anderer Unschuldiger ausbreiten können. Ferner, weil wir mittels tauglicher Hilfsmittel vorsorgen wollen, was auch unserem Amt obliegt, da der Eifer des Glaubens uns förmlich hierzu antreibt.

 

Damit es nicht geschieht, dass die Erzbistümer, Städte, Bistümer, Länder und obgenannte Orte in Teilen Oberdeutschlands ohne das nötige Amt der Inquisition sind, ordnen wir aus apostolischer Hoheit an, dass den Inquisitoren die Ausführung ihres Amtes darin erlaubt ist und sie zu der Besserung, Inhaftnahme und Bestrafung solcher Personen, wegen der vorgenannten Verbrechen und Laster, zugelassen werden sollen, durchgehend und in allem eben so, als wenn in den vorgenannten Briefen, solche Erzbistümer, Städte, Bistümer, Länder und Orte, Personen und Verbrechen namentlich und in Sonderheit genannt wären, Kraft dieses unseres Briefes.

 

Und indem wir um mehr Sorgfalt willen vorgemeldete Briefe und Ernennungen auf solche Erzbistümer, Städte, Bistümer, Länder und Orte, Personen und Laster ausweiten, so erlauben wir den vorgesagten Inquisitoren, dass wenn sie den geliebten Sohn Johannes Gremper, einen Geistlichen des Konstanzer Bistums, Meister in den Künsten, ihrer dermaligen oder einen jeden anderen Notarium Publicum, zu sich gerufen haben, dass er von ihnen dann beauftrag wird, in den vorgenannten Erzbistümern, Städte, Bistümern, Ländern und Orten, gegen alle Personen, ungeachtet ihres Standes oder Vorzuges, das Amt der Inquisition zu vollziehen.

 

Wenn er die Personen, welche sie ihm gemeldet haben, schuldig befunden hat und nach ihrem Verbrechen züchtigt, in Haft nimmt, am Leib und Vermögen straft, so wird er nicht weniger in allen Pfarrkirchen solcher Länder das Wort Gottes dem gläubigen Volke, so oft, wie es nützlich ist und ihnen gut tut, vortragen und predigen. Auch alles, was in obigen Dingen nötig und nützlich sein wird, soll er frei und ungehindert tun und vollziehen, aus eben derselben Hoheit, von neuer völliger und freie Gewalt.

 

Und wir befehlen nicht weniger unserem ehrwürdigen Bruder dem Bischoff von Straßburg durch apostolische Briefe, dass er selbst, durch einen anderen oder durch etliche andere, das Vorgemeldete, wo, wann und so oft er es für nützlich erkennen wird oder auch wenn er vonseiten der Inquisitoren oder einem derselben aufgefordert wird, öffentlich bekannt zu geben. Er sollte nicht gestatten, dass sie oder die Umsetzung des Inhaltes der künftigen und der gegenwärtigen Briefe, durch irgendeine Gewalt beeinträchtigt oder auf sonst eine Weise behindert werden.

 

Alle diejenigen, die sie beeinträchtigen, verhindern, widersprechen und rebellieren werden, ungeachtet dessen was für Würden, Ämter, Ehren, Vorzüge, Adel, Hoheit oder Stand sie haben oder mit was für Privilegien der ("Peinliche") Befragung [10] sie versehen sein mögen, werden durch den Bann (Exkommunikation u. Reichsacht), die Aufhebung und Verbot und andere noch schrecklichere Urteile, Ahndung und Strafen, welche ihm belieben werden, mit Hinansetzung aller Appellationen, diszipliniert.

 

Und durch die von ihm durchzuführenden rechtlichen Prozesse mit entsprechenden Urteilen, so oft es nötig sein wird, wird unser Ansehen ein und abermal geschärft und wenn es nötig sein wird, mithilfe des weltlichen Armes. Das, ungeachtet aller und jeder vorigen und diesen zuwider seienden apostolischen Rechtsschlüssen und Verordnungen.

 

Oder wenn einigen insgemein oder in Sonderheit von dem Apostolischen Stuhl [11] bewilligt wurde, dass gegen sie kein Verbot, keine Aufhebung oder ein Bann ergehen könne, etwa durch Apostolische Briefe, [12] in welchen solches Nachgeben nicht völlig und ausdrücklich vermerkt ist, desgleichen alle oder besondere Indulgenzyen [13] (Nachsichtigkeiten) des genannten Stuhls, von was für Inhalt sie auch seien, wenn sie in diesem Brief nicht enthalten sind, wird die Wirkung dieser Gnade verhindert oder aufgeschoben, bis, entsprechend dem Inhalt unseres Briefes, für jede Einzelne eine besondere Meldung erfolgt.

 

Es solle also gar keinem Menschen erlaubt sein, dieses Blatt unserer Verordnung, Ausdehnung, Bewilligung und Befehls zu übertreten oder derselben aus verwegener Kühnheit entgegen zu handeln. Wenn aber jemand es wagt, dem zuwider zu handeln, der soll wissen, dass er den Zorn des allmächtigen Gottes und seiner Heiligen Apostels Petri und Pauli auf sich laden werde.

 

Gegeben in Rom zu St. Peter, im Jahr der Menschwerdung des Herrn 1484, den 5. Dezember, im ersten Jahr unserer päpstlichen Regierung."

 

(Quelle: Hauber, E. D., Theologe, (1695–1765), Bibliotheca, acta et scripta magica, 3 Bände, 1738-1745, I.S.)

 

 

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Anmerkungen:

 

Bild: Hexenverbrennung, www.dharc.net

 

[2] Ketzer (Abtrünniger, Abweichler, Andersdenkender), abwertender Ausdruck in der Bedeutung von „Irrgläubiger“, „Irrlehrer“ für alle Arten von Häresie. 

 

[3] Häresie, griechisch Wahl, Auswahl, bezeichnet eine Lehre, die im Widerspruch zur Lehre der katholischen Kirche steht und die beansprucht, selbst die Wahrheit richtiger zu vermitteln. Der Gegenbegriff ist Orthodoxie (Rechtgläubigkeit). 

 

[4] Hexen: im Volksglauben wurden Hexe oder Hexer als zauberkundige Personen bezeichnet, die durch magische Kräfte anderen Menschen Schaden zufügen konnten. Dazu zählte die christliche Glaubensvorstellung, dass der Teufel und seine Untergebenen, wie z. B.  böse Dämonen, wirklich existierten. So ging man davon aus, dass sie über Macht in dieser Welt verfügten und dass sie in Beziehung zu Menschen standen. Hexen wurden daher im europäischen Mittelalter für Dienerinnen des Teufels gehalten, die von diesem angeblich Macht und bestimmte Fähigkeiten erhielten, wie z. B. Krankheiten zu verursachen, Unwetter hervorzurufen, Männer impotent und Frauen unfruchtbar zu machen, Missernten und Unfruchtbarkeit bei Tieren zu beschwören, den Tod zu bewirken und Tote wiederzubeleben, Geister zu beschwören und sich in Tiere zu verwandeln, bevorzugt in Wölfe und Katzen.

 

[5] Diskriminierung, Herabsetzung, Benachteiligung, Demütigung, Entehrung von Gruppen oder Individuen.

 

[6] 4. Laterankonzil im Jahre 1215 unter Innozenz III.: Die Juden wurden von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen, auch vom Handwerk und Gewerbe und bei größeren christlichen Festen durften sie nicht die Straßen betreten. Juden und Muslime wurden zum Tragen einer bestimmten Tracht (Judenhut, Gelber Fleck) gezwungen.

 

[7] Diskreditierung ist das gezielte Untergraben des in eine Person oder Sache gesetzte Vertrauen. Benutze Mittel: Lüge, Verleumdung, Gerüchte usw.

 

[8] Innozenz VIII. (1432-1492), Giovanni Battista Cibo, Papst von 1484 bis 1492. Er förderte die Inquisition und Hexenverfolgung durch die Bulle Summis desiderantes affectibus von 1484. Innozenz VIII. war der Vater von vielen Kindern und unterstützte sie besonders in materieller Hinsicht.

 

[9] Inquisition, von lat. inquirere: untersuchen. Mittelalterliche Gerichtsverfahren, auch unter Anwendung von Folter, die im Auftrag der katholischen Kirche durchgeführt wurden und besonders Häretiker, Ketzer und Hexen betrafen. Ein geistlicher Vorsitzender eines Inquisitionsgerichts wurde als Inquisitor bezeichnet. Über viele Jahrhunderte waren so Millionen von Toten zu beklagen.

 

[10] Die Peinliche Befragung wurde auch scharfe Frage oder Tortur genannt. Pein von Poena, lateinisch Bestrafen, Strafe, Rache. Erst bedeutete die peinliche Befragung die Hauptverhandlung des Angeklagten bei Inquisitionsprozessen, später verstand man darunter die Folter, um ein Geständnis zu bekommen. Eine Vorstufe nannte sich die Territion (Schreckung), eine Bedrohung des Beschuldigten mit Folter durch Vorzeigen der Folterwerkzeuge.

 

[11] Apostolischer Stuhl, der Heilige Stuhl, lateinisch Sancta Sedes, bezeichnet den Papst als Oberhaupt der katholischen Kirche allein oder zusammen mit der Kurie (Verwaltung). Der Heilige Stuhl ist eine nichtstaatliche souveräne Macht im Unterschied zum Staat Vatikanstadt. (552 Staatsbürger, 0,44 Quadratkilometer)

 

[12] Apostolische Briefe oder Apostolische Schreiben bezeichnen als Überbegriff die schriftlichen Bekanntmachungen eines Papstes, speziell solche, die nicht wie Dekrete (Beschluss), Apostolische Konstitution (Erlass zum Kirchenrecht) oder Päpstliche Bullen (päpstliche Urkunde) als Rechtsakte gekennzeichnet werden oder als Lehrschreiben in Form einer Enzyklika (Rundschreiben] veröffentlicht werden.

 

[13] Indulgenz: Nachsicht, Straferlass, theologisch Ablass der zeitlichen Sündenstrafen.

 

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Die Hexen - Stiefkinder des Christentums - Das Buch der Ketzer, W. Nigg [a]  [Λ]

 

... In diesem Kapitel der Ketzergeschichte [b] steigert sich die Düsternis zur undurchdringlichen Nacht, die dem Menschen Angst und Beben einflößt. Bei der Darstellung dieser Stiefkinder des Christentums meint man, vor Traurigkeit nie mehr fröhlich werden zu können. Noch heute legt sich ein qualvoller Albdruck auf die Seele des Menschen, wenn er sich die Hexenbrände zu vergegenwärtigen sucht ...

 

Eine erbauliche Abzweckung lässt sich bei dem Kapitel der Hexen [c] schlechthin nicht erreichen, und begreiflicherweise liebt es niemand, an diese Nachtseite der Christenheit erinnert zu werden. Sie ist eine derart peinliche Belastung, dass sie die Kirchen beider Konfessionen grundsätzlich in Frage stellt ...

 

Als Ausgangspunkt muss die Präliminarfrage ((lat. präliminar, „vorläufig“, „vorgängig“*) gestellt werden, wie es zu dieser Verfinsterung des christlichen Bewusstseins im Abendland kommen konnte. Es wird immer rätselhaft bleiben, wie eines der überwältigendsten Geschehnisse des Evangeliums (Dämonenaustreibung des Jesus*) [d] jene missverständlichen Folgen haben konnte, für die es in der Geschichte keine Parallele gibt ... S. 307

 

Das Unbegreiflichste ist jedoch, wie die Christenheit den lichtvollen Sieg ihres Herrn über die dunklen Mächte wiederum ins Gegenteil verkehrte, ohne dass es ihr zum Bewusstsein kam. Nur schaudernd kann man feststellen, wie die Macht der Finsternis in der Christenheit von Jahrhundert zu Jahrhundert, wie­der zunahm. [e]

 

Die Vorstellung vom Satan erfuhr eine immer größere Ausgestaltung, die zuletzt alles verdunkelte. Der Teufel [f] nahm schließlich solche Dimensionen an, dass er auf das ganze menschliche Leben seinen gespenstigen Schatten warf. Beständig sah sich der Christ von den Nachstellungen des Teufels bedroht, und immer unheimlicher wurde dessen Wirksamkeit ... S. 308

 

Bereits in der alten Kirche musste der Täufling in feierlicher Form dem Teufel abschwören ... Auch Luther (Reformator, 14-83-1546*) [g] mahnte in eindringlichen Worten, sich der kalten Bäder zu enthalten, weil der Teufel Wälder und Flüsse bewohne. Eine schreckliche Verteufelung der gotterschaffenen Natur nahm überhand, gegen die sich der Christ nur mit Weihwasser und Gebetsformeln schützen konnte oder die kirchlichen Exorzisten zu Hilfe rufen musste ...

 

Unabsehbare Folgen entstanden, als sich mit dieser Teufelsvorstellung die Auffassung verband, es gebe Menschen, die mit dem Satan sich in einem besondern Verhältnis befänden, als was die Hexen aufgefasst wurden. Auch dieser Begriff ist älter als das Christentum, taucht er doch schon im Alten Testament auf, wo das Weib zu Endor Macht über Totengeister (Seelen*) hatte und dem in auswegloser Situation befindlichen Saul den verstorbenen Samuel heraufbe­schwor ... [h]

 

Verhängnisvoll wirkte sich in der Geschichte erst die Anwendung aus, die von dem Hexenglauben im Spätmittelalter gemacht wurde. Von jenem Zeitpunkt an verstand man unter Hexerei vor allem eine Zaubertätigkeit, welche Fähigkeit der Teufel dem abgefallenen Christen verleihe. Die Zauberei konnte nur durch den Beistand des Teufels ausgeübt werden.

 

Deswegen wurde die Hexerei von kirchlicher Seite aus als eine neue Ketzerei bewertet, und zwar als die schrecklichste, die es je gegeben habe. Aus der postulierten Verwandtschaft von Hexerei und Ketzerei wurde für das kirchliche Denken zuletzt eine Identität. Durch die Vermengung von Hexerei und Ketzerei kam ein neues Element in die überlieferte Vorstellungswelt hinein, das sich gravierend auswirkte und den Hexenprozess zu einer Abart des Ketzerprozesses machte. S. 309

 

Die Ketzerei der Hexen bestand im offenkundigen Abfall von Gott und gleichzeitigen Übergang in das Lager des Teufels ... Am schlimmsten wirkte sich jedoch aus, als die Kirchenmänner es sich angelegen sein ließen, die im Volke umgehenden Vorstellungen von Hexen mit allem theologischen Scharfsinn zu begründen, und direkt katastrophale Folgen hatte es, als diese scholastischen Schriften durch die Bulle Innozenz VIII. von 1484 die kirchliche Sanktion erhielten. Die päpstliche Bulle legitimierte den Hexenglauben in der Kirche, der fortan mit der kirchlichen Autorität umgeben und zu einem Bestandteil der christlichen Glaubenswelt wurde.

 

Der viel genannte „Hexenhammer“ von Heinrich Institoris und Jakob Sprenger ist, genau besehen, lediglich ein aus­führlicher Kommentar zu der Bulle Innozenz VIII. ... Die neu erfundene Buchdruckerkunst kam den beiden Verfassern sehr gelegen, um ihre Kodifizierung des Hexenglaubens in Buchform herauszugeben, welches Werk im Laufe der Jahre gegen dreißig Auflagen erlebte. S. 310

 

Seine („Hexenhammer“*) zur Schau getragene Pseudo-Objektivität übte eine gefährliche Wirkung aus, indem dadurch ein Schein von Wissenschaftlichkeit erweckt wurde, die nun einmal in den Augen kritikloser Menschen eine sakrosankte Größe ist ...

 

Auffallend an diesem „unheilvollsten Buch der Weltliteratur“ ist seine Zuspitzung des Hexenwesens auf das weibliche Geschlecht. Nach dem „Hexenhammer“ können sowohl Männer wie Frauen der Hexerei huldigen, aber in der Praxis ist doch das weibliche Geschlecht unverhältnismäßig stärker an diesem Gewerbe beteiligt ... Die Frage, warum das weibliche Geschlecht mehr als das männliche der Hexerei verfallen sei, beantwortet der "Hexenhammer" mit einer Reihe von Gründen: „Weil es fleischlicher gesinnt ist als der Mann“, weil es bei seiner Erschaffung „aus einer Brustrippe, die gekrümmt und gleichsam dem Manne entgegengeneigt ist“, geformt wurde, weil es „nur ein unvollkommenes Tier ist“, während der Mann einem privilegierten Geschlechte angehört, aus deren Mitte Christus hervorgegangen ist ... S. 311

 

Die Verfasser betrachteten als Hauptursache der Vermehrung der Hexen „den kläglichen Zwist zwischen verheirateten und nicht verheirateten Frauen“ und fühlten sich gedrungen, von der „Boshaftigkeit des Weibes“ zu warnen, unter der die ganze Welt zu leiden habe ... Es war schwer, beinahe unmöglich, fortan nur ein Wort gegen den Hexenglauben zu sagen. Die leiseste Kritik war damit zum Voraus als verkappte Ketzerei verdächtig gemacht und die Ansicht des „Hexenhammers“ als unangreifbare Autorität sanktioniert ...

 

Im Mittelalter kommt das Teufelsbündnis immer häufiger vor, eine Vorstellung, die sich auf das Wort aus dem Buch  Jesaja (Bibel*) stützte, nach welchem es Leute gebe, „die mit der Hölle einen Vertrag gemacht haben“." [i] S. 312

 

Nach dieser unheimlichen Vorstellung verkehren Mensch und Teufel dabei auf dem Fuß zweier gleichberechtigter Partner, ... Die beiden vertragschließenden Parteien übernehmen Pflichten und Rechte. Die Hexe schwört Christus ab, dem sie seit der Taufe angehört hatte, und verschreibt ihre unsterbliche Seele dem Satan, der als Entgelt dafür dem Menschen die Erlangung von allerlei verbotenen Dingen ermöglicht. Dieses Tun der Hexe aber ist Verrat und Lästerung des heiligen Gottes. Anstelle des christlichen Glaubens tritt nun der Teufelsglaube. Dieser blasphemische Teufelspakt macht das Vergehen der Hexen zum kriminellen Verbrechen schlimmster Art ...

 

Aus dem Teufelsbündnis folgt die Teufelsbuhlschaft. Die Hexe anerkennt den Teufel als ihren Herrn, und der mit ihm abgeschlossene Pakt wirkt sich im geschlechtlichen Umgang mit dem Satan aus, der nächtlicherweile auf schänd­liche Weise getrieben wird und der erst der ganzen Vorstellung den grausigsten Akzent verleiht. An der Möglichkeit dieses Geschlechtsverkehrs wurde nicht gezweifelt, zumal man in der fleischlichen Vermischung der Gottessöhne mit den Töchtern der Menschen, von der das erste Buch Moses berichtet, die biblische Belegstelle in der Hand zu haben glaubte. 12 ... [j]

 

Der buhlerische Umgang zwischen Teufel und Hexe kann zu Hause betrieben werden, und der „Hexenhammer“ weiß von Frauen zu berichten, die „sechs Jahre lang einen Incubus (Dämon, Teufel*) im Bett gehabt hatten, sogar an der Seite ihres schlafenden Mannes, und zwar „dreimal in der Woche, am Sonntag, Dienstag und Freitag oder andern noch heiligeren Zeiten“. In der Regel aber pflegten die Hexen zu diesem Zweck ihr Haus zu verlassen und legten zur Täuschung ihres Gatten mithilfe eines höllischen Blendwerkes einen Scheinleib ins Bett ... S. 313

 

Die Kirche machte zur Bekämpfung der Hexerei kurzerhand die Inquisition [k] mobil, die gegen die Hexen mit dem gleichen Vernichtungswillen vorging, wie gegenüber allen andern Ketzern, zumal die Hexerei als potenzierte Häresie (abweichende Lehre, Irrlehre*) betrachtet wurde. Papst Gregor IX. hat zuerst den Befehl ausgegeben, die Hexen neben den Ketzern zu verfolgen, und in der Gegend von Trier kam es zwischen 1230 und 1240 zum ersten Hexenprozess.

 

Die bestialischen Folterungen können durch keine literarische Schilderung auch nur annähernd wiedergegeben werden ... Bei der Folter sah man darauf, ob die Angeklagte weinen könne, weil Hexen „nach der Überlieferung glaubwürdiger Männer“ keine Tränen vergießen, obschon es zu der Eigenart der Weiber gehöre, „zu weinen, zu spinnen und zu betrügen“.

 

Dem Inquisitor ging es nicht nur darum, von der Hexe ein Geständnis zu erpressen, sondern von der Angeklagten noch die Namen möglichst vieler Mitschuldiger zu erhalten, die am nächtlichen Sabbat teilgenommen hätten. Manche Frauen haben unter diesen unbeschreiblichen Peinigungen in einem unzurechnungsfähigen Zustand ihre eigene Mutter oder Tochter als Mithexe angegeben, einzig aus dem Wunsche, die Tortur damit abzubrechen, ... Wie immer sich die auf die Folterbank gespannten Stiefkinder auch benommen haben, ob sie in namenloser Schmerzensqual verzweifelt aufschrien oder in heroischer Standhaftigkeit schwiegen, in beiden Fällen haben sich in diesen Folterkammern Tragödien abgespielt, die keine menschliche Feder zu schildern vermag, ... S. 315

 

Die in der Tortur (lat. Folter, Qual, Marter*) eingestandenen Verbrechen der Teufelsanbetung konnten nur durch den Tod gesühnt werden. Begnadigung gab es für diese Stiefkinder des Christentums prinzipiell keine. Die Hexe musste verbrannt werden. Also befahl es die Heilige Schrift, von der im Hexenprozess vor allem das Wort angeführt wurde: „Eine Zauberin sollst du nicht am Leben lassen.“ (2. Mose 22:17*) Diese eine Bibelstelle hat unzähligen Christen das Leben gekostet, und es ist schrecklich, welchen Missbrauch die Christenheit im Laufe der Jahrhunderte mit der Heiligen Schrift getrieben hat, ohne sich jeweils dadurch in ihrem Gewissen beunruhigt zu fühlen.

 

Die Hexenbrände breiteten sich zuerst in Frankreich aus, wurden daselbst aber zurückgedrängt, weil die Inquisition bald aus den Händen der Kleriker in diejenigen der weltlichen Richter überging. Die Seuche drang hierauf nach der Schweiz und Deutschland, wo die Brände aufs Heftigste wüteten, und überzogen Skandinavien, England, Spanien, Italien, Ungarn, kurz ganz Europa. Überall flammten die Scheiterhaufen auf, die zu lodern nicht mehr aufhören wollten. Alles wurde verbrannt, Frauen und Männer, Katholiken und Protestanten, Idioten und Gelehrte, vierjährige Kinder und achtzigjährige Greisinnen, alles wurde wahllos und ohne Unterschied auf den Scheiterhaufen befördert und zu Asche verwandelt.

 

Nach dem ausgehenden Mittelalter schwollen die Hexenverfolgungen wie ein reißender Strom an und erreichten im nachreformatorischen Jahrhundert ihren Höhepunkt. Es gab Dörfer, wo nach Abschluss der Hexenprozesse nur noch zwei Frauen übrigblieben. Durch die beinahe nicht zu löschenden Hexenbrände, deren Flammen immer neue Hexen hervorbrachten; sind im christlichen Abendland vorn vierzehnten bis zum achtzehnten Jahrhundert unzählbare Menschen ums Leben gekommen. An den unschuldigsten Ketzern, die eines imaginären Verbrechens angeklagt waren, hat die Christenheit ein Urteil vollstreckt, für welches es weder Rechtfertigung noch Entschuldigung gibt. S. 317

 

Im Hinblick auf die Stiefkinder des Christentums muss von der gesegneten Aufklärung [l] gesprochen werden, da endlich die Zeit anbrach, welche sich des arg geschändeten Menschenbildes annahm. Dieses Jahrhundert hat eine Seite des Evangeliums besser verstanden als Spätmittelalter, Reformation und Gegenreformation. Nicht von einem Tag auf den andern, aber in einem ununterbrochenen zähen Kampf wurde die Hexenvorstellung überwunden. Als Friedrich der Große [m] zuerst in Preußen die Anwendung der Folter verbot, hörten auch mit einem Schlag die Geständnisse der Hexen auf ...

 

Die meisten Darstellungen sehen im Hexenglauben lediglich einen abergläubischen Wahn. Dieser Auffassung huldigte vor allem das Zeitalter der Aufklärung, dem das große Verdienst zukommt, den unseligen Bann endgültig gebrochen zu haben ... S. 322

 

(Das Buch der Ketzer, Walter Nigg, 1949, Artemis Verlags-AG, Zürich. Auszug aus dem Kapitel: Stiefkinder des Christentums, Die Hexen, S. 307 – 322) H

 

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Anmerkungen zu: Die Hexen - Stiefkinder des Christentums - Das Buch der Ketzer - Walter Nigg.

 

* Einfügungen von minerva79.de

 

[a] Walter Nigg, 1903 – 1988, Schweizer reformierter Theologe. Er studierte Philosophie und Evangelische Theologie. Er war Pfarrer und Professor für Kirchengeschichte in Zürich und schrieb über 35 Bücher, in denen er Ketzer, Künstler, Denker und Heilige aus der Geschichte des Christentums beschrieb.

 

[b] Ketzer, griechisch: katharos, rein. Ursprüngliche die Anhänger des christlichen Katharismus, die Katharer (die Reinen), welche hauptsächlich in Südfrankreich und Oberitalien lebten. Papst Innozenz III. rief im Jahre 1208 gegen sie zum Kreuzzug auf, sodass sich 1209 in Lyon 10.000 katholische Kreuzritter aus Frankreich, Deutschland und Österreich sammelten. Die militärische Leitung des Kreuzzuges oblag vorerst den päpstlichen Legaten.

 

In der Folgezeit wurden dann die meisten Katharer, die grundsätzlich Waffengewalt ablehnten, ermordet. Allein in Béziers/Frankreich tötete man in einem Massaker die gesamte christliche Bevölkerung, etwa 20.000 Männer, Frauen und Kinder und äscherte die Stadt ein. In Carcassonne/Frankreich (1209) konnten die meisten christlichen Katharer in die Wälder fliehen. Von den Greisen, Kranken und Kindern, die nicht fliehen konnten, verbrannte und erhängte man 400. Die restlichen 100 trieb man nackt aus der Stadt. 1210 ergab sich dann die Stadt Minerve. Ca. 400 katharische Einwohner weigerten sich ihren Glauben zu wechseln und wurden deswegen verbrannt. Usw.

 

In Montségur/Frankreich wurden 1244 ca. 200 Überlebende verbrannt. Die italienischen Katharer, von der Inquisition verfolgt, flohen nach Sirmione am Gardasee. Auch dort wurden die meisten christlichen Gläubigen ermordet und 178 Überlebende im Jahre 1278 in der Arena von Verona/Italien verbrannt. - Aus dem Wort Katharer wurde später auch die abwertende Bezeichnung Ketzer für alle Abweichler von einem herrschenden Glauben abgeleitet.

 

[c] Eine Hexe ist im Volksglauben ein mit Zauberkraft ausgestatteter meist weiblicher Mensch, der durch magische Kräfte Heil- oder Unheil bringen kann und als Verbündeter von Dämonen oder dem Teufel galt.

 

[d] Die Dämonenaustreibung wird auch als Exorzismus (griech. beschwören) bezeichnet. Sie ist in vielen Religionen bekannt und ein Verfahren, um von Dämonen „Besessene“ zu befreien. Als Dämonen gelten geisterhafte übernatürliche Wesen, die den Willen anderer bestimmen können. Andere wider definieren die Seelen der Verstorbenen als Dämonen, die ebenfalls Menschen beeinflussen können. Man spricht hier von Umsessenen und Besessenen.

 

Nach den nachstehenden und ähnlichen Berichten in den anderen Evangelien hat Jesus Dämonen ausgetrieben.

 

„Und alsbald war in ihrer Synagoge ein Mensch, besessen von einem unreinen Geist; der schrie:

 

24 Was willst du von uns, Jesus von Nazareth? Du bist gekommen, uns zu vernichten. Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes! 25 Und Jesus bedrohte ihn und sprach: Verstumme und fahre aus von ihm! 26 Und der unreine Geist riss ihn und schrie laut und fuhr aus von ihm ... 32 Am Abend aber, als die Sonne untergegangen war, brachten sie zu ihm alle Kranken und Besessenen ... 34 Und er half vielen Kranken, die mit mancherlei Gebrechen beladen waren, und trieb viele böse Geister aus und ließ die Geister nicht reden; denn sie kannten ihn ... 39 Und er kam und predigte in ihren Synagogen in ganz Galiläa und trieb die bösen Geister aus.“  Markus 1:23-39

 

„Und er setzte zwölf ein, die er auch Apostel nannte, dass sie bei ihm sein sollten und dass er sie aussendete zu predigen 15 und dass sie Vollmacht hätten, die bösen Geister auszutreiben ... Die Schriftgelehrten aber, die von Jerusalem herabgekommen waren, sprachen: Er hat den Beelzebul, und: Er treibt die bösen Geister aus durch ihren Obersten.“  Markus 3:14-15, 22

 

Und als er aus dem Boot trat, lief ihm alsbald von den Gräbern her ein Mensch entgegen mit einem unreinen Geist, der hatte seine Wohnung in den Grabhöhlen ... Als er aber Jesus sah von ferne, lief er hinzu und fiel vor ihm nieder und schrie laut: Was willst du von mir, Jesus, du Sohn Gottes, des Allerhöchsten? Ich beschwöre dich bei Gott: Quäle mich nicht! Denn er hatte zu ihm gesagt: Fahre aus, du unreiner Geist, von dem Menschen! Und er fragte ihn: Wie heißt du? Und er sprach: Legion heiße ich; denn wir sind viele. 10 Und er bat Jesus sehr, dass er sie nicht aus der Gegend vertreibe. 11 Es war aber dort an den Bergen eine große Herde Säue auf der Weide. 12 Und die unreinen Geister baten ihn und sprachen: Lass uns in die Säue fahren! 13 Und er erlaubte es ihnen. Da fuhren die unreinen Geister aus und fuhren in die Säue, und die Herde stürmte den Abhang hinunter in den See, etwa zweitausend, und sie ersoffen im See.“ Markus 5:2-13

 

[e] Der Historiker W. E. H. Lecky, 1838-1903, berichtet: „In jedem Gefängnis standen Kruzifix und Folter Seite an Seite, und in allen Ländern war die Abschaffung der Folter schließlich auf Bewegungen zurückzuführen, die auf den Widerstand der Kirche stießen, und auf Männer, die die Kirche verfluchte ... Fast ganz Europa war viele Jahrhunderte hindurch mit dem Blut getränkt, das auf direkten Antrieb oder jedenfalls mit voller Zustimmung der geistlichen Behörden vergossen war … Ziehen wir all dies in Betracht, so ist es sicherlich keine Übertreibung zu sagen, dass die Kirche den Menschen ein größeres Maß unverdienten Leids zugefügt hat als irgendeine andere Religion, zu der Menschen sich jemals bekannten“. (History of the Rise and Influence of the Spirit of Rationalism in Europe, 2 Bd., 1865, I. 330; II. 32, 38. Zitat bei Deschner, Abermals krähte der Hahn,  Kap. 61, S. 546)

 

„Alle Klagen der katholischen Kirche aber galten nur der Verletzung katholischer Interessen. Niemals wandten sich die deutschen Bischöfe gegen die vielen Tausende von Justizmorden an ihren Gegnern, gegen die Verfolgung von Liberalen, Demokraten und Kommunisten, die sie ja gerade wünschten. Niemals protestierten diese Bischöfe gegen Hitlers Überfall auf Österreich, die Tschechoslowakei, Polen, Dänemark, Norwegen, Belgien, Holland, Frankreich oder gar die Sowjetunion, einen Krieg, den sie doch heiß begrüßten. Niemals protestierten sie gegen die grauenhaften Judenpogrome, gegen die Zerstörung von mehr als zweihundert Synagogen, gegen die Demütigung, Verschleppung und Vergasung der Juden, die ihre eigene Kirche ja eineinhalb Jahrtausende lang immer wieder verfolgt und getötet hatte. Niemals protestierten sie gegen das System des Nationalsozialismus als solches. Vielmehr erklärten hohe Geistliche wie Kardinal Faulhaber von München, Kardinal Schulte von Köln, Bischof Matthias Ehrenfried von Würzburg u. a. (im Jahre 1935) ihre volle Bereitschaft zur Mitarbeit am Nazismus und bedauerten ihre Ausschaltung.“ (Abermals krähte der Hahn, Karlheinz Deschner, Kap. 67, S. 615)

 

[f] Der Teufel, griechisch. diábolos, „Verwirrer“, „Verleumder“, „Faktenverdreher“, ist bei den monotheistischen Religionen, dem Judentum, Christentum und dem Islam der höchste Geist des Bösen und mit seinen zahlreichen gegensätzlichen Geistern der Widersacher Gottes. Die Bedeutung in den einzelnen Religionen ist etwas unterschiedlich. Im Judentum wurde bei der Übersetzung des hebräischen Textes von Hiob, Kap. 1 und Sacharja, Kap. 3 ins Griechische, das Wort ha-satan (der Satan) zum Diabolos „Teufel“ in der Septuaginta-Übersetzung. Satan ist in den hebräischen Schriften bzw. dem Alten Testament der Bibel mehr die Bezeichnung eines Anklägers am göttlichen Gerichtshof. Satan, hebräisch, „Ankläger“, „Gegner“, bezeichnet ursprünglich auch mehr einen Kundschafter Gottes, der Nachrichten von der Erde mitbrachte.

 

[g] „Es ist ein überaus gerechtes Gesetz, dass die Zauberinnen getötet werden, denn sie richten viel Schaden an, was bisweilen ignoriert wird, sie können nämlich Milch, Butter und alles aus einem Haus stehlen … Sie können ein Kind verzaubern … Auch können sie geheimnisvolle Krankheiten im menschlichen Knie erzeugen, dass der Körper verzehrt wird … Schaden fügen sie nämlich an Körpern und Seelen zu, sie verabreichen Tränke und Beschwörungen, um Hass hervorzurufen, Liebe, Unwetter, alle Verwüstungen im Haus, auf dem Acker, über eine Entfernung von einer Meile und mehr machen sie mit ihren Zauberpfeilen Hinkende, dass niemand heilen kann … Die Zauberinnen sollen getötet werden, weil sie Diebe sind, Ehebrecher, Räuber, Mörder … Sie schaden mannigfaltig. Also sollen sie getötet werden, nicht allein weil sie schaden, sondern auch, weil sie Umgang mit dem Satan haben.“ M. Luther: Predigt vom 6. Mai 1526, WA 16, 551f.)

 

[h] Saul bei den Totenbeschwörern in Endor - Da sprach Saul zu seinen Getreuen: Sucht mir eine Frau, die Tote beschwören kann, dass ich zu ihr gehe und sie befrage. Seine Männer sprachen zu ihm: Siehe, in En-Dor ist eine Frau, die kann Tote beschwören. Und Saul machte sich unkenntlich und zog andere Kleider an und ging hin und zwei Männer mit ihm und sie kamen bei Nacht zu der Frau. Und Saul sprach: Wahrsage mir, weil du Geister beschwören kannst, und hole mir herauf, wen ich dir nenne. Die Frau sprach zu ihm: Siehe, du weißt doch selbst, was Saul getan hat, wie er die Geisterbeschwörer und Zeichendeuter ausgerottet hat im Lande; warum willst du mir denn eine Falle stellen, dass ich getötet werde? 10 Saul aber schwor ihr bei dem HERRN und sprach: So wahr der HERR lebt: Es soll dich in dieser Sache keine Schuld treffen. 11 Da sprach die Frau: Wen soll ich dir denn heraufholen? Er sprach: Hol mir Samuel herauf! 12 Als nun die Frau merkte, dass es um Samuel ging, schrie sie laut und sprach zu Saul: Warum hast du mich betrogen? Du bist Saul. 13 Und der König sprach zu ihr: Fürchte dich nicht! Was siehst du? Die Frau sprach zu Saul: Ich sehe einen Geist heraufsteigen aus der Erde. 14 Er sprach: Wie ist er gestaltet? Sie sprach: Es kommt ein alter Mann herauf und ist bekleidet mit einem Priesterrock. Da erkannte Saul, dass es Samuel war, und neigte sich mit seinem Antlitz zur Erde und fiel nieder. 15 Samuel aber sprach zu Saul: Warum hast du meine Ruhe gestört, dass du mich heraufsteigen lässt? Saul sprach: Ich bin in großer Bedrängnis, die Philister kämpfen gegen mich, und Gott ist von mir gewichen und antwortet mir nicht, weder durch Propheten noch durch Träume; darum hab ich dich rufen lassen, dass du mir kundtust, was ich tun soll. 16 Samuel sprach: Warum willst du mich befragen, da doch der HERR von dir gewichen und dein Feind geworden ist? 17 Der HERR hat dir getan, wie er durch mich geredet hat, und hat das Königtum aus deiner Hand gerissen und David, deinem Nächsten, gegeben. 18 Weil du der Stimme des HERRN nicht gehorcht und seinen grimmigen Zorn nicht an Amalek vollstreckt hast, darum hat der HERR dir das jetzt getan. 19 Dazu wird der HERR mit dir auch Israel in die Hände der Philister geben. Morgen wirst du mit deinen Söhnen bei mir sein. Auch wird der HERR das Heer Israels in die Hände der Philister geben. 20 Da stürzte Saul zur Erde, so lang er war, und geriet in große Furcht über die Worte Samuels.“ (1. Samuel 28:7-20, Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers in der revidierten Fassung von 1984.)

 

[i] „Ihr (Priester, Propheten in Jerusalem) sprecht: Wir haben mit dem Tod einen Bund geschlossen und mit dem Totenreich einen Vertrag gemacht. Wenn die brausende Flut daherfährt, wird sie uns nicht treffen; denn wir haben Lüge zu unsrer Zuflucht und Trug zu unserm Schutz gemacht.“ Jesaja 28:15 „... dass hinfalle euer Bund mit dem Tode und euer Vertrag mit dem Totenreich nicht bestehen bleibe ...“ Jesaja 28:18

 

[j] „Als aber die Menschen sich zu mehren begannen auf Erden und ihnen Töchter geboren wurden, da sahen die Gottessöhne, wie schön die Töchter der Menschen waren, und nahmen sich zu Frauen, welche sie wollten.“ 1. Mose 6:1-2

 

[k] Inquisition, lateinisch inquisitio, gerichtliche Untersuchung. Kirchliche Institution zur Verfolgung, Anklage und Verurteilung von Häretiker (jemand, der von der offiziellen Lehre abweicht) und Ketzern (Abweichler, Andersdenkender).

 

„All die bluttriefenden Henker, welche im Mittelalter (ca. 6. -15. Jahrhundert) aufs Grausamte gegen die Ketzer gewütet haben, konnten sich auf die angesehene Autorität Augustins (354-430 n. Chr., Kirchenvater, Kirchenlehrer) berufen – und sie haben es auch getan.“ (Das Buch der Ketzer, Walter Nigg, 1949, S. 122)

 

Eine andere christliche Gruppe, die Donatisten, welche sich von der Katholischen Kirche abgewandt hatten, bezeichnete Augustinus als „Unkraut“ und „Tiere“. Er befürwortete härtere Strafen, energisches polizeiliches Durchgreifen und Verbot des Zugangs zu Gerichten und proklamierte: „Zwingt sie einzutreten“ (compelle intrare), Lukas 14:23, lateinische Vulgataübersetzung.

 

„Über mehr als fünf Jahrhunderte, von der Etablierung der Inquisition durch Papst Innozenz IV. Anno 1252 bis in die Zeit der Aufklärung haben die Hüter des allein seligmachenden Christenglaubens eine grausige Blutspur gezogen ... Nicht allein die katholische Kirche war schließlich infiziert. Die Reformer, allen voran Martin Luther und Calvin, gebärdeten sich vermeintlichen Ketzern und Hexen gegenüber zum Teil schlimmer als die päpstlichen Inquisitoren ... doch die katholische Kirche muss mit dem Makel leben, die Inquisition verursacht und über lange Zeit vorangetrieben zu haben. Die Brutalität der Inquisition ist in vielen europäischen Archiven gut dokumentiert: Die Angeklagten hatten keinerlei Rechte, der Ankläger amtierte zugleich als Richter, Kinder mussten ihre Eltern, Frauen ihre Männer, Männer ihre Frauen denunzieren. Folter war nicht nur erlaubt, sondern geboten.“ (Spiegel 23/1998, Inquisition – Folter im Namen Gottes, Gottes willige Vollstrecker, 1. 6. 1998)

 

Millionen Menschen wurden verfolgt, angeklagt, gefoltert, verurteil und ermordet. „Während der Häretiker, je nach Windrichtung, erstickte oder langsam verbrannte, sangen die versammelten Katholiken das Lied „Großer Gott wir loben dich“. Die Verbrennung sollte eine Auferstehung am Jüngsten Tag verhindern ... Das Vermögen der Hingerichteten hat die Kirche konfisziert und die enterbten Nachkommen noch für drei Generationen für ehrlos erklärt. Die Kirche, ... exkommuniziert die weltliche Behörde sofort, wenn sie ihn (den Häretiker) nicht tötete.“ (Abermals krähte der Hahn, Deschner, S. 548)

 

[l] Wahlspruch der Aufklärung - sapere aude, „wage es, weise zu sein“ (nach Horaz); - „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

 

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“ Immanuel Kant: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? (1784)

 

Die Aufklärung oder auch das Zeitalter der Aufklärung ist ein geistesgeschichtlicher Zeitabschnitt des 18. Jahrhunderts in Europa, in dem die Vernunft dominierte, was zu starken philosophischen, sozialen und politischen Veränderungen führte.

 

Im Mittelpunkt stand die Abkehr von einer mystisch-spekulativen Überlieferung, die durch den Glauben an die menschliche Vernunft ersetzt wurde. Die alten Bräuche, staatliche und kirchliche Einrichtungen und Normen, wurden gewollt hinterfragt, um sie im Sinne der Vernunft zu überprüfen. Die Naturwissenschaft, also Wissenschaften die durch Empirie (Erfahrung, Beobachtung, Experiment) zu Erkenntnissen kamen, dominierten, während das Studium der Bibel und der Schriften des Aristoteles (384-322 v. Chr., griechischer Philosoph), die bis dahin maßgeblich waren, an Bedeutung verloren.

 

[m] Friedrich II., 1712-1786, später auch Friedrich der Große genannt. Er schaffte die Folter ab und gewährte völlige Glaubensfreiheit. „Jeder soll nach seiner Fasson selig werden.“ Friedrich II., d. Gr.

 

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