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Herodes und die Kinder von Bethlehem – "Was ist Wahrheit?" [1]

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Seit fast 2000 Jahren wird dem jüdischen König Herodes dem Großen von den Christen ein Massenmord an Kindern in Bethlehem vorgeworfen, nämlich die Ermordung aller Knaben bis zum Alter von zwei Jahren, um den neugeboren „König der Juden“, Jesus von Nazareth, schon als Baby zu vernichten. Trotzdem diese Geschichte nur im Matthäusevangelium der Bibel steht, nicht im Markus-, Lukas- und Johannesevangelium und auch in keiner außerbiblischen Quelle erwähnt wird, hielten Christen bis in die heutige Zeit hartnäckig daran fest und prägten damit die Gläubigen.

 

Herodes der Große, geboren um 73 v. Chr. und verstorben um 4 v. Chr., wurde im Jahre 39 v. Chr. vom Triumvirat in Rom zum König von Jerusalem ernannt und im Jahre 30 v. Chr. von Octavian, den späteren Kaiser Augustus, als König bestätigt und regierte erfolgreich 32 Jahre.

 

Was war geschehen? Die Bibel berichtet, dass die schwangere Maria und ihr Mann Joseph sich auf dem Weg von Nazareth nach Bethlehem in Judäa machten, um an einer Volkszählung [2] teilzunehmen und das Jesus dort, „zur Zeit des Königs Herodes“, geboren wurde.  Unangenehm ist jedoch, dass die erste Provinzzählung in Judäa unter Publius Sulpicius Quirinius [3] erst im Jahre 6 n. Chr. stattfand, also 10 Jahre nach dem Tod des Herodes.

 

Ein Engel soll dann dem Josef im Traum erschienen sein und zur Flucht nach Ägypten geraten haben, weil Herodes „das Kindlein suchen würde, um es umzubringen.“ Matthäus erzählt weiter: „Herodes ... schickte aus und ließ alle Kinder in Bethlehem töten und in der ganzen Gegend, die zweijährig und darunter waren.“ [4] Fürchtete der alte, fast siebzigjährige Herrscher, von schwerer Krankheit gezeichnet, um seinen Thron, den ein Baby aus Bethlehem übernehmen könnte?

 

Ein solcher Massenmord an Kindern wäre vom Römischen Reich und seinem Repräsentanten Kaiser Augustus [5] nicht geduldet worden und hätte ernsthafte Folgen für Herodes gehabt, zumal er, Gaius Iulius Herodes, römischer Bürger war und ein von Rom eingesetzter Klientelkönig. Ein passendes Beispiel für mögliche Reaktionen Roms ist die Aktion des bekannten Pontius Pilatus, der in den Jahren 26 bis 36 n. Chr. Statthalter des römischen Kaisers Tiberius in Judäa und Samaria war und ein Blutbad unter Pilgern anrichtete, die sich mit einem samaritanischen Messiasanwärter am Berg Garizim versammeln wollten. Er nahm auch viele von ihnen gefangen und ließ „die Vornehmsten und Einflussreichsten hinrichten.“ Die Samariter beschwerten sich bei den Römern wegen des Gemetzels mit dem Argument, dass sie sich nicht gegen die Römer empören wollten, sondern das der Aufstand der Ungerechtigkeit des Pilatus galt. Pilatus musste nach Rom reisen, um sich vor Kaiser Tiberius wegen der von den Juden gegen ihn erhobenen Beschuldigungen zu verantworten. Marcellus übernahm sein Amt. [6] Fazit: Ein Mord an 144.000, 14.000, 20 oder 6 Kleinkindern, so die christliche Legendenproduktion aus den Jahrhunderten, hätte mit Sicherheit die Absetzung des Herodes zur Folge gehabt.

 

Erklärend ist auch, dass der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus (37/38 – ca. 100 n. Chr.) ausführlich und schonungslos über die Vorzüge und Gegensätzlichkeiten des Herodes berichtet, nicht jedoch über einen Kindermord in Bethlehem. Er erwähnt u. a. die Prachtbauten und die Freizügigkeit des Herodes, aber auch die Hinrichtung seiner zweiten Ehefrau Mariamne, die Ermordung des Hohepriesters Johannes Hyrkanos II. und des siebzehnjährigen, vom Volk verehrten, Hohepriesters Aristobulus, die Hinrichtung seiner Söhne von Mariamne, Alexander und Aristobulus, die Hinrichtung seines Sohnes Antipaters, geboren von seiner ersten Frau Doris, die Verbrennung junger Leute und Schriftgelehrter wegen der Zerstörung des goldenen Adlers und die wiederholten furchtbaren Folterungen. [7]

 

Die von Herodes befohlenen Hinrichtungen seiner Söhne sollen Kaiser Augustus zu dem Kommentar veranlasst haben: „Ich würde lieber Herodes Schwein sein, als sein Sohn." Er meinte damit die hingerichteten Söhne des Königs Herodes des Großen, Alexander, Aristobulus und Antipater.

Der römische Philosoph und Grammatiker Macrobius Ambrosius, um 400 n. Chr., fügte der Äußerung des Kaisers den Kommentar hinzu: „Als er hörte, dass unter den bis zweijährigen Knaben, die der Judenkönig in Syrien töten ließ, auch sein eigener Sohn war, sagte er: Ich würde lieber Herodes Schwein sein, als sein Sohn.[8] „Der zu recht sehr angesehene Historiker Bengton (Kaiser Augustus, 1981, 181) meint, Macrobius habe die Geschichte vom bethlehemitischen Kindermord aus der christlichen Tradition übernommen“. Der Macrobiuskommentar spiegelt die Unkenntnis der Historie wieder.

 

Der Schreiber des Matthäusevangeliums hatte sich von den umlaufenden Göttergeschichten inspirieren lassen, die ähnliche Schilderungen enthielten und quasi Jesus als den „Bruder“ des Herakles erscheinen lassen. Dr. Karl Heinz Deschner, Schriftsteller, Religions- und Kirchenkritiker berichtet in seinem Buch „Abermals krähte der Hahn“ von dieser engen Verwandtschaft:

 

„Bei der Geburtsgeschichte ergeben sich folgende Übereinstimmungen. Wie Amphitryon, der menschliche Vater des Herakles, mit der jungfräulichen Alkmene [Mutter des Herakles] in Mykenai [Mykene, Griechenland] wohnt, so wohnt Joseph, der menschliche Vater Jesu, mit der jungfräulichen Maria in Nazareth.“

 

Zeus, der oberste Gott des Olymp, kam zu Alkmene in Gestalt ihres Ehemannes und zeugte mit ihr Herakles. Als ihr Mann Amphitryon von seiner Reise zurückkehrte, wurde der Betrug erkannt. Er verzieh seiner Frau. Auch Joseph dachte an einen Betrug und wollte Maria heimlich verlassen. Doch ein Engel erklärte ihm, dass Maria durch göttliche Empfängnis vom heiligen Geist schwanger wurde und Joseph blieb bei ihr (Matthäus 1:20).

 

„Wie Amphitryon sich von Alkmene bis zur göttlichen Empfängnis fernhält, so hält sich Josef von Maria fern. Wie Amphitryon mit Alkmene von Mykenai [Mykene, Griechenland] nach Theben [Griechenland] wandert, so wandert Joseph mit Maria von Nazareth nach Bethlehem. Wie Herakles nicht am Wohnsitz des Vaters, in Mykenai [Mykene/Griechenland], geboren wird, sondern am Ziel der Wanderung nach Theben, so wird Jesus nicht am Wohnsitz des Joseph, in Nazareth, geboren.“

 

„Zur Jugendgeschichte seien folgende Parallelen angeführt. Wie Hera [Gattin von Zeus] von Zeus erfährt, dass der aus seinem Stamm Geborene König werde, worauf sie dem Kind nachstellt [um es zu töten. Sie schickte eine Riesenschlange zum 8 Monate alten Herakles], so hört Herodes von den Magiern, dass eben ein König geboren sei, worauf er dem Kind nachstellt [um Jesus zu töten]. Wie Herakles nun aus Angst von der Mutter ausgesetzt und wieder [von Athene der Halbschwester des Herakles] zurückgebracht wird, so wird Jesus aus Angst von den Eltern nach Ägypten geführt und wieder zurückgebracht ...“ (Abermals krähte der Hahn, S. 82, 83).

 

J. B. Bauer weist auf eine weitere mögliche Vorlage für die Geschichte des Kindermordes von Bethlehem hin, die durch den römischen Biografen und Kulturhistoriker Sueton (um 69 – 140 n. Chr.) überliefert ist, der von einem Wunderzeichen kurz vor der Geburt des römischen Kaisers Augustus (63 v. Chr. – 14 n. Chr.) berichtet:

 

„Als Parallele zur Erzählung zum Kindermord in Bethlehem, wie sie im Evangeliumprolog des Matthäus steht (2,1-18), gilt mit Recht das bei Sueton Aug. 94,3 erhaltene Exzerpt (Auszug) aus dem Hofhistoriografen Julius Marathus (der nur noch (in) Suet. Aug. 79 über die Gestalt des Kaisers zitiert wird: ... Dieser Text wird gewöhnlich so wiedergegeben: Julius Marathus berichtet: Wenige Monate vor Augustus’ Geburt sei an einem öffentlichen Ort in Rom ein Wunderzeichen geschehen, durch welches verkündet wurde, dass die Natur dem römischen Volk einen König gebären werde; der Senat habe darauf voller Schrecken beschlossen, kein in diesem Jahr geborenes Kind dürfe aufgezogen werden. Die Männer aber, deren Frauen schwanger waren, hätten dafür gesorgt, dass jener Senatsbeschluss nicht Gesetzeskraft erlangte, da jeder diese Weissagung auf sein Kind bezogen habe.“ [9]

 

Auch der biblische Moses wurde in ähnlicher Weise verfolgt. Hatte doch, nach Josephus, ein ägyptischer Schriftgelehrter dem Pharao geweissagt, dass aus hebräischem Blute ein Knabe geboren werde, der, wenn er erwachsen sei, die Herrschaft der Ägypter vernichten, die Israeliten hingegen mächtig machen werde. Der Pharao befahl, alle israelitischen Knaben gleich nach der Geburt in den Fluss zu werfen und zu töten. Die eingesetzten ägyptischen Geburtshelferinnen sollten die Geburten überwachen. Drei Monate konnte Moses zu Hause versteckt werden, doch dann wurde er in ein Körbchen aus Papyrusbast gelegt und dem Fluss übergeben. Der Kleine schipperte dahin und wie das Schicksal so spielt, fand ihn die Tochter des Pharaos. Sie nahm ihn auf und versteckte den Knaben. [10]

 

Einige verwandte Motive weist auch die nachstehende Göttergeschichte auf. Nach einer Version des griechischen Schriftstellers Plutarch (45-125 n. Chr.) waren nach der römischen Mythologie Romulus und Remus 753 v. Chr. die Gründer der Stadt Rom und die Kinder des Kriegsgottes Mars und der irdischen Priesterin Rhea Silvia. Die göttliche Zeugung war für Rhea nicht freiwillig, denn sie wurde von Gott Mars vergewaltigt. Ihre Kinder, die beiden Knaben, wurden nach ihrer Geburt in einem Weidenkorb auf dem Tiber ausgesetzt, da sie von König Amulius verfolgt wurden. Das Körbchen strandete und eine vom Schreien der Kinder angelockte Wölfin brachte sie in ihre Höhle und säugte sie. Faustulus und seine Frau entdeckten sie, erbarmten sich, nahmen die Kinder auf und zogen sie groß.

 

Den Beweis dafür, dass der grausame Kindermord von Bethlehem trotz aller Aufklärung nun doch stattgefunden habe, sahen manche in einem archäologischen Fund des Jahres 1988 in der Stadt Aschkelon, die nördlich von Gaza-Stadt an der Mittelmeerküste liegt. Man fand in der Kanalisation eines Badehauses über hundert Kinderskelette. Viele Knochen von männlichen Neugeborenen und einige Überreste von weiblichen Babys, wie durch DNA-Analyse festgestellt wurde. Archäologen der Hawarduniversität (USA) konnten jedoch mit modernsten wissenschaftlichen Techniken feststellen, dass die Skelette aus dem 3. Jahrhundert nach Christus stammen. Man vermutet, dass das Badehaus auch als Bordell genutzt wurde.

 

Wieder einmal wurde in den frühen christlichen Schriften des Neuen Testamentes der Bibel eine Mär erzählt, vom Schreiber des Matthäusevangeliums sicher gut gemeint, frei nach dem Motto, ein bischen PR-Aktion kann nicht schaden. Die Konkurrenz war groß, Mitglieder mussten her, die Finanzen verbessert werden - hier mittels Aufwertung einer Königsgeburt. Doch unbeschadet der eindeutigen Forschungsergebnisse begehen mehrere christliche Gruppen immer noch Ende Dezember den „Tag der unschuldigen Kinder“. Wer ist schon Herodes?

 

Wie bereits erwähnt enthält das Neue Testament der Bibel leider neben dem Kindermord von Bethlehem noch etliche Dichtungen, sodass nur ein kleiner Wahrheitskern übrig bleibt. Diese Unart steigerte sich ständig, was auch Dr. phil. Friedrich Heer in seinem Buch „Gottes erste Liebe“ bestätigt:

 

„In diesem Kampf aller gegen alle ... scheinen alle Mittel erlaubt: Fälschungen, Verleumdungen, Mord, Totschlag, Aufruhr. Harnack macht auf das mit der Wende zum vierten Jahrhundert beginnende Zeitalter einer zunehmenden theologischen Verlogenheit aufmerksam: ...“

 

„Wie man [christliche Gruppen] sich dem Gegner gegenüber nicht zur Wahrhaftigkeit verpflichtet fühlte und somit das evangelische Gebot [falsches Zeugnis, Matth. 19:18] vergessen hatte, so begann man nun auch in der Theologie damit, den Aposteln und Christus Unwahrhaftigkeit aufzubürden ... Unter solchen Umständen kann man sich nicht wundern, dass Fälschungen an der Tagesordnung waren.

 

Freilich: Wir lesen schon im zweiten Jahrhundert von zahlreichen Fälschungen und Unterschiebungen ... aber was wollen diese ... Fälschungen gegenüber jenem Geist der Lüge bedeuten, welcher sich im vierten Jahrhundert schon mächtig in dem offiziellen [christlichen] Schrifttum regte ...

                     

In diesem Jahrhundert hat keiner mehr irgendeiner schriftlichen [christlichen] Urkunde, einem Aktenstück oder Protokoll getraut. Die Briefe der Bischöfe dieser Zeit wimmeln von Anklagen und Fälschungen. Die Briefe verstorbener [Kirchen-]Väter wurden verfälscht, Fremdes wurde ihnen unterschoben.“ [11]

 

Wenn solche menschlichen Dichtungen, wie u. a. der Kindermord von Bethlehem, zur Wahrheit ernannt und über Jahrtausende ständig wiederholt werden, dann können sie auch Bestandteil der Seelen werden. Menge mal Zeit manifestiert sich, die Lüge kann zur Wahrheit werden. So ist es nicht verwunderlich, wenn selbst Botschaften von Seelen aus anderen Sphären realitätsfremde Schilderungen enthalten, menschliche Fantasien, Dichtungen, Dogmen und Lehren.

 

Doch das Wenige was wir haben, wie die Weiterexistenz nach dem Tode als Energiekörper, als Seele, ist seit vielen Jahrtausenden bekannt und durch die Forschung heute wissenschaftlich, ein Naturgesetzt das für alle Menschen gilt, unabhängig von ihrer Religion oder Sonstigem. Die Wiedereinverleibung der Seele in einen menschlichen Körper (Reinkarnation), was schon in der Nacht von vielen Menschen praktiziert wird, kann als empirisch, d. h. erfahrungswissenschaftlich, als aus der Erfahrung und Beobachtung erwachsen bzw. dem Experiment entnommen, bewertet werden. Hohe Empfindungen, Gedanken und Taten sind Lichtkräfte für Mensch und Seele – es ist Ewigkeit.

 

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Anmerkungen:

Bild: "Was ist Wahrheit?" Gemälde von N. Nikolajewitsch Ge, 1890, Thema: Pontius Pilatus und Jesus nach dem Johannesevangelium 18:38.

 

[Der Inhalt eckiger Klammern ist eine Hinzufügung von minerva79.de].

 

[1] Spricht Pilatus zu ihm: Was ist Wahrheit? Und als er das gesagt hatte, ging er wieder hinaus zu den Juden und spricht zu ihnen: Ich finde keine Schuld an ihm.“ (Bibel, Johannesevangelium 18:38)

a

[2] Lukasevangelium ohne Kindermord: „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. 2 Und diese Schätzung war die allererste und geschah zurzeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. 3 Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt. 4 Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, 5, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger. 6 Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. 7 Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. 8 Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. 9 Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie und sie fürchteten sich sehr. 10 Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird 11 denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. 12 Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. 13 Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: 14 Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens. 15 Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. 16 Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. 17 Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. 18 Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten. 19 Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. 20 Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war. 21 Und als acht Tage um waren und man das Kind beschneiden musste, gab man ihm den Namen Jesus, wie er genannt war von dem Engel, ehe er im Mutterleib empfangen war.“ (Bibel, Neues Testament, Lukasevangelium 2:1-21)

 

[3] Publius Sulpicius Quirinius (um 45 v. Chr., † 21 n. Chr.) römischer Senator und Statthalter von Syrien. Sein Amt als Statthalter in Syrien ist ab 6 n. Chr. belegt. Seit dieser Zeit gehörte auch Judäa zur Provinz Syrien.

 

[4] Matthäusevangelium mit Kindermord, 2:1-23

Als Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen:  Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten. Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte. Und sie sagten ihm: In Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten (Micha 5,1): „Und du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist keineswegs die kleinste unter den Städten in Juda; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.“ Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre und schickte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr's findet, so sagt mir's wieder, dass auch ich komme und es anbete. Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war. 10 Als sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut 11 und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe. 12 Und Gott befahl ihnen im Traum, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren und sie zogen auf einem andern Weg wieder in ihr Land. 13 Als sie aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir's sage, denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen. 14 Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich bei Nacht und entwich nach Ägypten. 15 und blieb dort bis nach dem Tod des Herodes, damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Hosea 11,1): „Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.“ 16 Als Herodes nun sah, dass er von den Weisen betrogen war, wurde er sehr zornig und schickte aus und ließ alle Kinder in Bethlehem töten und in der ganzen Gegend, die zweijährig und darunter waren, nach der Zeit, die er von den Weisen genau erkundet hatte. 17 Da wurde erfüllt, was gesagt ist durch den Propheten Jeremia, der da spricht (Jeremia 31,15): 18 „In Rama hat man ein Geschrei gehört, viel Weinen und Wehklagen; Rahel beweinte ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn es war aus mit ihnen.“ 19 Als aber Herodes gestorben war, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum in Ägypten 20 und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und zieh hin in das Land Israel. Sie sind gestorben, die dem Kindlein nach dem Leben getrachtet haben. 21 Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich und kam in das Land Israel. 22 Als er aber hörte, dass Archelaus in Judäa König war anstatt seines Vaters Herodes, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und im Traum empfing er Befehl von Gott und zog ins galiläische Land 23 und kam und wohnte in einer Stadt mit Namen Nazareth, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch die Propheten: Er soll Nazoräer heißen. (Bibel, Neues Testament, Matthäusevangelium 2:1-23)

 

[5] Augustus, Gaius Octavius, geb. 23. Sept. 63 v. Chr., † 19. Aug. 14 n. Chr., war der erste römische Kaiser von 31 v. Chr. bis 14 n. Chr.

 

[6] „Unterdessen hatten auch die Samariter sich empört, aufgereizt von einem Menschen, der sich aus Lügen nichts machte und dem zu Erlangung der Volksgunst jedes Mittel recht war ... Pilatus ... [Seine] Streitmacht griff die Aufrührer an, hieb eine Anzahl von ihnen nieder, schlug den Rest in Flucht und nahm noch viele gefangen, von welch letzteren Pilatus die Vornehmsten und Einflussreichsten hinrichten ließ. 2. Als dieser Aufstand niedergeworfen war, schickte der Hohe Rat der Samariter Abgeordnete an Vitellius, gewesenen Konsul und nunmehrigen Statthalter von Syrien, um den Pilatus wegen des an den Ihrigen verübten Gemetzels anklagen zu lassen. Sie hätten sich, ließen sie geltend machen, nicht deshalb in Tirathaba versammelt, um sich gegen die Römer zu empören, sondern nur, um sich vor des Pilatus Ungerechtigkeiten zu schützen. Darauf schickte Vitellius den ihm befreundeten Marcellus zur Verwaltung des Landpflegeramtes nach Judäa und befahl dem Pilatus, sich nach Rom zu begeben, um sich vor dem Cäsar wegen der von den Juden gegen ihn erhobenen Beschuldigungen zu verantworten. [36 n. Chr.] Nach zehnjähriger Amtsführung in Judäa reiste daher Pilatus nach Rom, um des Vitellius Anweisung, der er nicht zu widersprechen wagte, nachzukommen. Ehe er indes in Rom anlangte, war Tiberius schon gestorben.“ (Jüdische Altertümer von Flavius Josephus, 37 oder 38 – ca. 100 n. Chr., 18. Buch, 4. Kapitel)

 

[7] Geschichte des jüdischen Krieges: 1. Buch. Von den Prachtbauten und der Freigebigkeit des Herodes. Seine persönlichen Vorzüge. Von Flavius Josephus (* 37 oder 38 bis 100 n. Chr.), römisch-jüdischer Historiker des 1. Jahrhunderts:

 

 

 Kapitel 21. Umfangreiche Bautätigkeit im ganzen Land.

 

„Als er diese großartigen Bauwerke vollendet hatte, bewies er auch einer Anzahl auswärtiger Städte seine fürstliche Freigebigkeit. So versah er Tripolis, Damaskus und Ptolemais mit Ringschulen, Byblus mit einer Stadtmauer, Berytus und Tyrus mit Säulengängen, Hallen, Tempeln und Märkten, Sidon und Damaskus mit Theatern, die Seestadt Laodikea mit einer Wasserleitung, Askalon mit prachtvollen Bädern und Brunnen und außerdem noch mit Säulenhallen von staunenswerter Größe und Arbeit. Anderen Städten schenkte er Haine und Wiesen, und viele erhielten sogar Ländereien von ihm, als ob sie zu seinem Reiche gehörten ... Weiterhin spendete er Getreide allen die in Not waren; den Rodiern gab er oft und bei verschiedenen Anlässen Geld zur Ausrüstung ihrer Flotte; den abgebrannten Tempel des Pythischen Apollo baute er auf eigene Kosten und schöner wieder auf. Wozu soll ich die Schenkungen erwähnen, die er den Lykiern und den Samiern zukommen ließ, oder die Freigebigkeit, mit der er in ganz Ionien so manche Not linderte?  Sind nicht Athen und Lakedaemon, Nikopolis und die mysische Stadt Pergamos voll von Weihgeschenken des Herodes? Und hat er nicht die wegen ihres Schmutzes gemiedene Hauptstraße von Antiochia in Syrien in der Länge von zwanzig Stadien mit geglätteten Mamor gepflastert und zum Schutz vor dem Regen mit einem ebenso langen Säulengang geschmückt? ... Doch ich würde wohl nicht zu Ende kommen, wollte ich auch noch alle die Schulden und Abgaben herzählen, die er nachlies; als Beispiel erwähne ich nur die Städte Phasaelis und Balsanea sowie eine Reihe von Städten an der Grenze zu Cilicien, denen er durch Herabminderung ihrer jährlichen Abgaben Erleichterung verschaffte ...

 

Kapitel 22. Vom Tode der Hohepriester Aristobulus und Hyrkanus. Hinrichtung der Mariamne.

 

Sein äußeres Glück indes verleidete ihm das Schicksal durch häusliche Widerwärtigkeiten, und zwar ward eben das Weib, das er so innig liebte, die Ursache seines Unglückes. Nachdem er nämlich zur Regierung gelangt war, hatte er die Gattin, die er als Privatmann geheiratet hatte, eine Jerusalemerin mit Namen Doris, entlassen und Mariamne, die Tochter von Aristobulus Sohn Alexander, geehelicht. ... Zunächst verwies er um der Söhne Mariamnes willen seinen Sohn Antipater, den er von Doris erhalten hatte, aus der Stadt und erlaubte ihm das Betreten derselben nur an Festtagen. Sodann räumte er den Großvater seiner Gattin, Hyrkanus, ..., aus dem Wege, weil er ihn im Verdacht einer Verschwörung hatte... ... warf sie [Mariamne] ihm [Herodes] unverhohlen vor, was er gegen ihren Großvater Hyrkanus und ihren Bruder Aristobulus verbrochen hatte. Denn auch den letzteren [Aristobulus] hatte er trotz seiner Jugend nicht geschont, sondern, nachdem er ihn mit 17 Jahren zum Hohepriester ernannt, gleich nach seinem Amtsantritt getötet. Als nämlich Aristobulus an einem Feste in der heiligen Gewandung zum Altare trat, weinte das versammelte Volk1 (1 Fußnote: aus Begeisterung für seine edle Erscheinung, vgl. JA XV 2,6,) und das war der Grund, weshalb der Jungen Mann noch in der Nacht nach Jericho geschickt und dort von einigen dazubestellten Galliern beim Baden in einem Teiche ertränkt wurde.

 

Kapitel 24. Neue Ränke am Hofe des Herodes.

 

1. Die Brüder aber ließen von ihrer Zwietracht nicht ab, und als sie sich trennten, war ihr Argwohn gegeneinander schlimmer denn zuvor. Alexander und Aristobulus [von Mariamne] fühlten sich dadurch gekränkt, dass dem Antipater [von Doris] sein Altersvorrang nunmehr förmlich bestätigt worden war; dieser hingegen missgönnte seinen Brüdern selbst das noch, dass sie die Nächsten nach ihm sein sollten.

 

Kapitel 26. Eurykles verleumdet die Söhne der Marianne. ... Herodes ließ darauf den Festungskommandanten ebenfalls foltern ...

 

Kapitel 27. Verurteilung und Hinrichtung der Söhne Mariamnes.

 

Herodes vermochte sich nun nicht mehr zu halten, ließ die beiden Söhne fesseln und voneinander trennen und schickte eiligst den Obersten Volumnius ... mit einem schriftlichen Bericht zum Caesar. [Der empfahl einen zu bildenden Gerichtshof mit der Untersuchung zu beauftragen. Der Gerichtshof war in Berytus  = Beirut). Anklage wegen einem Mordplan, Schmähungen, Spottreden, Kränkungen u. sonst. Vergehen von Herodes persönlich. Volumnius  war der erste der sich für eine härtere Strafe entschied, und nach ihm verurteilten auch alle übrigen Beisitzer des Gerichtes die Prinzen zum Tode, die einen aus Liebesdienerei, die anderen aus Hass gegen Herodes. ... 6. In einer Volksversammlung erhob hierauf Herodes Anklage gegen Teron und die Offiziere und hetzte das Volk dergestalt gegen sie auf, dass sie sogleich mit samt dem Babier von der Menge durch Steinwürfe und Stockschläge getötet wurden. Seine Söhne aber sandte er nach der unweit Caesareas gelegenen Stadt Sebaste (Samaria) und gab Befehl, sie daselbst zu erdrosseln, was unverzüglich geschah ... Ein solch trauriges Ende nahmen Alexander und Aristobulus.

 

Kapitel 28. Antipater wird verhasst. Übersicht über die Familie des Herodes.

 

1. Antipater war nun freilich unbestrittener Thronfolger, aber fast unerträglich lastete auf ihm der Hass des Volkes; denn allseitig ward es bekannt, dass er der eigentliche Urheber aller gegen seine Brüder gerichteten Verleumdungen war. 4. ... Bald nachher erkrankte auch Pheroras, und benahm Herodes sich versöhnlicher, reiste zu seinem Bruder und pflegte ihn sorgsam. Pheroras aber überstand die Krankheit nicht, sondern starb nach wenigen Tagen, und obwohl Herodes ihn bis an sein Ende geliebt hatte, munkelte man doch, er habe auch ihn, und zwar mit Gift, ums Leben gebracht ... Einer der Mörder Alexanders und seines Bruders Aristobulus hatte somit sein Ende gefunden.

 

Kapitel 30. Antipaters Anschläge gegen Herodes entdeckt.

 

1. Bald aber ereilte auch den eigentlichen Urheber des Frevels, Antipater, seine Strafe, und zwar gab der Tod des Pheroras dazu den Anlass ... ließ nun der König (Herodes) eine Anzahl Sklavinnen und mehrere freie Dienerinnen der Folter unterwerfen ... 4 ... zunächst entlud sich infolgedessen sein Zorn über Antipaters Mutter Doris. Ihr nahm er (Herodes) allen Schmuck im Werte von vielen Talenten, den er ihr früher geschenkt hatte, wieder ab und verstieß sie zum zweiten Mal ... Der leiseste Verdacht versetzte ihn schon in Aufregung, und er ließ eine Menge Unschuldiger zur Folter schleppen, um nur ja keinen Schuldigen zu übergehen. ... 5.Der Samariter Antipater: Auf der Folter sagte dieser aus, sein Herr [Sohn des Herodes Antipater] habe durch einen seiner Freunde, ..., ein tödliches Gift zur Ermordung des Königs aus Ägypten kommen lassen ... es dem Pheroras eingehändigt, der von Antipater beauftragt worden sei, Herodes damit umzubringen ... Denn auch die Hohepriestertochter Mariamne ward überführt, um die Verschwörung gewusst zu haben; ihre eignen Brüder hätten es auf der Folter ausgesagt. Für die Freveltat der Mutter aber ließ der König den Sohn büßen, indem er den zum Nachfolger Antipaters bestimmten Herodes aus dem Testamente strich.

 

Kapitel 33. Zerstörung des goldenen Adlers. Antipater wird hingerichtet. Des Herodes letzte Anordnung und Tod.

 

1. Des Königs Krankheit aber verschlimmerte sich mehr und mehr, wozu besonders Kummer und Alter das Ihrige beitrugen. Er war nämlich fast siebzig Jahre alt, und das Unglück, dass er mit seinen Kindern gehabt, hatte sein Gemüt derart verdüstert ... 4. Der König, der nur ungern nachgab, lies nun die, welche sich an den Seilen herabgelassen hatten, samt jenen Schriftgelehrten lebendig verbrennen, während er die anderen Verhafteten dem Henker zur Hinrichtung überantwortete. 5. ... und nun gab er selbst alle Hoffnung, zu genesen, auf und ließ den Soldaten, Mann für Mann fünfzig Drachmen, den Offizieren und seinen Freunden aber noch weit größere Geldgeschenke verabreichen. 6. Als er [Herodes] auf der Rückreise nach Jericho kam, ergriff ihn die schwarze Galle und als wollte er dem Tode selbst noch drohen, verfiel er auf eine ruchlose Handlung. Er ließ nämlich die angesehensten Männer von ganz Judäa aus den einzelnen Ortschaften zusammenkommen und sie in dem sogenannten Hippodrom [Rennbahn] einschließen ... „Ich weiß, dass die Juden meinen Tod wie ein Freudenfest feiern werden ...“ Herodes: ... lasset ihr die eingesperrten Männer durch Soldaten umzingeln und schleunigst niedermachen, damit ganz Judäa und jede einzelne Familie wider Willen meinen Tod beweine. 7. ... Im Palast erhob sich nun ein gewaltiges Klagegeschrei, wie wenn der König schon gestorben wäre. Kaum hatte Antipater dasselbe vernommen, als er wieder Mut fasste und voller Freude seine Wächter bestürmte, ihn gegen ein Geldgeschenk seiner Fesseln zu entledigen und entwischen zu lassen. Der Wachkommandant jedoch, weit entfernt, dies zuzugeben, lief vielmehr zum Könige und machte ihm von dem Bestechungsversuch Meldung. ... Herodes schickte sogleich einige Trabanten ab, um Antipater hinzurichten 8 Fünf Tage nach der Hinrichtung seines Sohnes [Antipater] starb auch Herodes1. (1 = 4 v. Chr.) ... Bevor nun das Heer seinen Tod erfuhr, begab sich Salome [Schwester des Herodes]) mit ihrem Gatten hinaus und ließ die Gefangenen frei, die der König umzubringen befohlen hatte, indem sie vorgab, er habe sich anders besonnen und sende sie jetzt alle wieder in ihre Heimat zurück. Im Testament wurde Archelaus zum neuen König ernannt.“ [Inhalt der eckigen Klammern sind Hinzufügungen von minerva79.de].

 

[8] Macrobii Saturnalia. Liber II.

 

[9] Das Prodigium bei Sueton, Augustus 94,3, J. B. Bauer, Hermes 102 Bd., H 1 (1974), Miszellen, S. 124; (Sueton, um 69-140 n. Chr., römischer Biograf u. Kulturhistoriker.)

 

[10] Jüdische Altertümer, 2. Buch, Kapitel 9, v. Flavius Josephus (37/38 – ca. 100 n. Chr.)

„2 ...Einer von den Schriftkundigen (denn diese waren in der Vorhersagung der Zukunft bewandert) weissagten dem König, es werde um jene Zeit aus hebräischem Blute ein Knabe geboren werden, der, wenn er erwachsen sei, die Herrschaft der Ägypter vernichten, die Israeliten hingegen mächtig machen werde. An Tugend werde er besonders hervorragen, und sein Andenken werde ein rumvolles sein. Durch diesen Spruch wurde der König erschreckt und befahl, alle israelitischen Knaben gleich nach der Geburt in Fluss zu werfen und zu töten. Die ägyptischen Geburtshelferinnen sollten genau erforschen, wann die hebräischen Weiber niederkommen würden, und die Geburt sorgsam überwachen. Und nur ägyptische Geburtshelferinnen sollten bei Hebräerinnen Dienste tun, weil nur von diesen eine strenge Befolgung des Gebotes zu erwarten war. Diejenigen aber, die dieses Gebot überträten und ihre neugeborenen Kinder zu verbergen wagten, sollten mit ihrer ganzen Familie den Tod erleiden. Den Hebräern erschien das Gebot grausam, nicht nur, weil sie ihre Kinder verlieren und noch selbst Henkersdienste an ihnen verrichten sollten, sondern auch, weil sie daran dachten, dass nach der Tötung ihrer Kinder auch sie selbst nicht lange mehr leben würden, da sie von Unglück und Trübsal würden niedergebeugt werden, und das so ihr Geschlecht von Grund aus vernichtet werden würde. Sie waren also in einer trostlosen Lage. Aber gegen Gottes Ratschluss kann man nicht ankämpfen, wenn man auch tausend Listen dagegen ersinnt. Denn der Knabe, vor dem jener Schriftkundige gewarnt hatte, wurde den Nachstellungen des Königs zum Trotz heimlich erzogen, und alles, was er von ihm vorhergesagt hatte, bewahrheitete sich. Der Hergang war folgender. 4 ... Denn sie [Amaram u. seine Frau Joachebed] waren nicht nur wegen dem Knaben [Moses] besorgt, sondern auch wegen der Größe des ihm bevorstehenden Glückes. Einen Beweis für die Wahrheit der Prophezeiung bot aber schon die Niederkunft der Frau, denn diese erfolgte leicht und ohne heftige Geburtswehen und blieb auch den Spähern verborgen. Drei Monate lang zogen sie den Knaben heimlich zu Hause auf ... Als sie dieses beschlossen, verfertigten sie ein Körbchen aus Papyrusbast, einer Wiege ähnlich und so groß, dass es den Knaben bequem aufnehmen konnte. Dann dichteten sie dasselbe gehörig mit Harz, (denn dieses lässt Wasser nicht eindringen), legten den Knaben hinein. Setzten ihm im Fluss aus und befahlen ihn der Obhut Gottes. Das Körbchen schwamm leicht auf dem Wasser, und Mariamme, die Schwester des Knaben, ging auf Geheiß der Mutter am Ufer entlang, um zu beobachten, wohin das Körbchen getrieben würde. Und jetzt bewies Gott, dass menschliche Klugheit nichts vermag, sondern dass er alles nach seinem Willen zum Besten wenden kann, und das diejenigen, die zu ihrer Sicherheit anderen Verderben bereiten wollen, auch bei größter Beharrlichkeit nicht zum Ziele gelangen, dass hingegen diejenigen, die nach Gottes geheimen Ratschluss verloren zu sein scheinen, wider Erwarten gerettet und mitten aus der Drangsal zum Glücke geleitet werden können. So wird auch aus dem Schicksal dieses Knaben Gottes Allmacht kund und offenbar. 5. Der König hatte eine Tochter ... [Die Königstochter Thermuthis fand den Jungen, der von den Ammen keine Milch trinken wollte, da kam Mariamme scheinbar ganz unabsichtlich vorbei und klärte die Königstochter auf: Sie erklärte, dass der Knabe nur von einer hebräischen Amme Nahrung nehmen würde.] 6. Darauf gab sie ihm, weil er im Fluss ausgesetzt worden war, hiervon den Namen, denn die Ägypter nennen Wasser „Mo“, „yes“ aber diejenigen, die man dem Wasser entreißt. 7 ... Jener Schriftkundige aber, der aus seiner Geburt den Untergang der ägyptischen Herrschaft geweissagt hatte, hatte kaum den Vorgang bemerkt, als er hinzueilte, um den Knaben zu töten, indem er voll Schrecken ausrief: „Das ist der Knabe, o König durch dessen Tötung wir unsere Sicherheit nach Gottes Verkündung erlangen werden. Denn ein Zeichen für die Wahrheit der Prophezeiung ist es, dass er deine Königswürde verspottet und deine Krone mit Füßen tritt. Lass ihn daher töten und befreie so die Ägypter von der Furcht vor ihm, den Hebräern aber nimm die Hoffnung, die sie auf ihn setzen.“ Thermuthis aber kam ihm zuvor und verbarg den Knaben ...“ (Jüdische Altertümer, 2. Buch, Kapitel 9, v. Flavius Josephus (37/38 – ca. 100 n. Chr.), [Inhalt der eckigen Klammern sind Hinzufügungen von minerva79.de].

 

[11] Harnack über den Geist der Lüge, der Fälschungen im 4. - 6. Jahrhundert der Kirche. Professor, Dr. Adolf von Harnack, 1851-1930, protestantischer Theologe, Kirchenhistoriker, Wissenschaftsorganisator in Preußen, Lehrbuch der Dogmengeschichte, 5. Auflage 1931, II, 63f., zitiert in Gottes erste Liebe, von Dr. phil. Friedrich Heer, 1916-1983, Kulturhistoriker, Schriftsteller, Publizist, 1967, S. 65.

 

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