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Orientalische Geschichten wie aus „Tausendundeine Nacht". [1] 

Der Tod des „Jesus von Nazareth, der König der Juden". [2]

 

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Weder herrschte eine Sonnenfinsternis noch eine Finsternis, noch bebte die Erde, noch spalteten sich die Felsen. Auch die Leiber vieler Heiliger kamen nicht aus den Gräbern hervor, um nach Jerusalem zu gehen, wo sie von vielen Menschen gesehen wurden. [3] War die Wahrheit über den Tod des Rabbis [4] ein solch bitterer Trank, die Realität [5] wie so oft erschreckend, dass es einer Verklärung bedurfte, um den Prediger aus Galiläa [6] standesgemäß zu machen und den Fortbestand der kleinen jüdischen philosophischen Gruppe zu sichern?

 

Es hilft aber auch nicht, diese ergreifenden Geschichten neu zu interpretieren, indem man erzählt, dass mit dem letzten Atemzug des Rabbis, aus der Urkraft des Universums die Teilkraft des Christus als ein winziges Geistatom in alle Seelen der Menschen und der Toten floss und dass sie dadurch unter anderem befähigt wurden, die Seelen der Toten zu sehen. Das können wir so angeblich Gestärkten heute auch nicht, selbst Menschen mit einer aktivierten Seele nicht. 

 

Die Widersprüche in den vier Evangelien [7] und besonders in der Beschreibung vom Tod Jesu sind groß und deprimierend, besonders da über zwei Jahrtausende, zum Teil wider besseres Wissen, die Menschen mit diesen Geschichten geprägt wurden.

 

So weiß im Gegensatz zur frohen Kunde (Evangelium) des Matthäus das Markusevangelium nicht, dass die Grüfte der Heiligen sich öffneten, diese auferweckt wurden, aus ihren Gräbern hervorkamen, nach Jerusalem gingen und von vielen Menschen gesehen wurden. Auch von den großen, nicht zu übersehenden Ereignissen bei dem Tod Jesu, wie dem Erdbeben und der Spaltung der Felsen, wusste Markus nichts. [8]

 

Der Schreiber des Lukasevangeliums konnte die beim Tod Jesu sich öffnenden Gräber und die auferstandenen und nach Jerusalem gehenden Heiligen, die von vielen Juden gesehen wurden, auch nicht feststellen, trotzdem er allem „sorgfältig" [9] nachgegangen war. Die gespaltenen Felsen und das Erdbeben waren ebenfalls nicht zu ermitteln. Während bei Matthäus zwei Räuber erwähnt werden, die rechts und links von Jesus gekreuzigt wurden, erweitert Markus, indem er berichtet, dass beide Räuber ihn beschimpften. Lukas seine sorgfältigsten Nachforschungen ergaben, dass nur einer über den Messias [10] lästerte, der andere Rechtsbrecher diesen jedoch zurechtwies und meinte, Jesus hätte nichts Unrechtes getan, was Jesus mit dem Versprechen belohnte: „Amen, noch heute wirst du mit mir im Paradiese sein". Wobei das „heute" sicher etwas dehnbar war, denn erst am dritten Tage sollte er nach dem Lukasbericht auferstehen. 

 

Musste der Auferstandene doch erst noch zwei seiner Jünger auf den Weg nach Emmaus treffen und dem Simon erscheinen. Weitere Arbeit wartete in Jerusalem, wo die Jünger versammelt waren, als er ihnen erschien und verneinte, dass er ein Geist sei, da er doch Fleisch und Knochen hätte, wie sie es ja selbst sehen würden. Vom Schreiber zur fleischlichen Auferstehung vergewaltigt, musste er natürlich, um die Jünger gänzlich zu überzeugen, dann noch vor ihren Augen ein Stück gebratenen Fisch essen. Also im Fleische, so der Bericht, gingen sie nach Betanien „und während er sie segnete, wurde er zum Himmel emporgehoben", im Fleische, allen Naturgesetzen und esoterischem Wissen der Jahrtausende zum Trotz. Im Lukasbericht ruft Jesus auch nicht: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen", wie Matthäus und Markus berichten oder wie bei Johannes „es ist vollbracht", sondern „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist." [11]

 

Der Evangelist Johannes bietet uns eine ganz andere Story an. Jesus muss hier sein Kreuz selber tragen. Bei den anderen drei Evangelisten wird ein gewisser Simon gezwungen, das für Jesus zu tun. Zwei Verbrecher werden hier auch mit ihm gekreuzigt, doch von Beschimpfungen oder einer Diskussion weiß Johannes nichts. Keine Finsternis, kein Erdbeben, keine gespaltenen Felsen, keine Gräber die sich öffneten aus denen Heilige auferstanden, die nach Jerusalem gingen und von vielen Menschen gesehen wurden. Und Jesus sagte auch nicht, wie bei Matthäus und Markus, „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" oder wie bei Lukas „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist", sondern zu seiner Mutter „Frau, siehe, dein Sohn!" und zu einem Jünger: „Siehe, deine Mutter!", „mich dürstet" und „es ist vollbracht" waren nach Johannes seine letzten Worte. 

 

Bei den drei anderen Evangelien fehlten der Lieblingsjünger Jesu und seine Mutter unter dem Kreuz, denn es schauten nur einige Frauen von Weitem zu. Lukas erweitert seine frohe Kunde und lässt alle Bekannten Jesu in einiger Entfernung vom Kreuz zusehen. Johannes, inspiriert vom Tod des Gottessohnes Herakles [12], behauptet im Gegensatz zu den anderen drei Evangelisten, dass der Lieblingsjünger Jesu und seine Mutter unter dem Kreuz standen, denn auch beim Hinscheiden des Herakles waren die Mutter und der Lieblingsjünger Hyllos anwesend. Und wie soll es auch anders sein, bei beiden Gottessöhnen waren die letzten Worte gleich, nämlich: „Es ist vollbracht!" [13]

 

Die Schreiber der Evangelien haben sich von anderen umlaufenden Götter- und Leidensgeschichten inspirieren lassen und natürlich auch von dem was ihnen besonders geläufig war, den Schriften des Alten Testamentes. Psalm 22:2 ist wohl die Basis für den Ausruf Jesu am Kreuz gewesen: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? ..." Eine Sonnenfinsternis ereignete sich auch beim Tod des Romulus [14], Caesars [15], Augustus [16] u. a. und durfte bei dem neuen Gottessohn Jesus natürlich nicht fehlen.

 

So war mit einem einfachen medialen Wanderprediger aus dem multikulturellen Galiläa, der einen schmählichen Tod am Kreuz erlitt, den auch "zwölf Legionen Engel" [18]  nicht verhindern konnten, kein Staat zu machen. Es bedurfte der Aufwertung. Warum sollte der neue Gottessohn den anderen Gottessöhnen, Hermes [17], Asklepios [19], Dionysos [20] und Herakles [21], auch nachstehen?

 

Der Theologe Carl Schneider, 1900-1977, berichtet von einer Interpretatio Christiana, also von einer Übernahme, Umwandlung oder Umdeutung heidnischer Bräuche und Überlieferungen, welche in die Evangelien der Heiligen Schrift und somit in die christliche Lehre übernommen wurden:

 

„Wie Asklepios heilt Jesus mit seiner ausgestreckten oder aufgelegten Hand oder mit einem Finger, den er in das kranke Körperglied steckt, oder auch durch andere Berührung mit dem Kranken. Wie bei Asklepios sind Glaube und Heilung meist, doch nicht immer, aufeinander bezogen; gelegentlich wird auch ein Ungläubiger geheilt. Wie dort, wird hier von dem geheilten Dank gefordert. Ein von Asklepios geheilter Blinder sieht wie ein von Jesus geheilter zunächst nur Bäume 8). Geheilt werden von beiden: Gelähmte, Stumme, in der Ferne erkrankte, Lahme. Ihre Bahren tragen die Kranken bei beiden selbst davon. Beide machen keine sozialen Unterschiede, heilen Jung und Alt, Arm und Reich, Mann und Frau, Sklaven und Freie, Freunde und Feinde. Zu den Heilungen kommen Naturwunder. Asklepios der ihm verwandte Sarapis und Jesus stillen Stürme. Asklepios hat 6 Tote aufgeweckt, wobei die Einzelheiten dieselben sind wie bei den beiden Toten, die Jesus auferweckt: Viele Zeugen sind zugegen, Scheintod wird von Ungläubigen vermutet, den Erweckten wird Nahrung gegeben. So übernimmt Jesus auch die Titulatur des Asklepios: Er ist „Arzt“ schlechthin, „Herr“ über die Krankheitsmächte , „Heiland“. (Geistesgeschichte des antiken Christentums, 1954, Carl Schneider, Band 1, S. 55, 56 und Geistesgeschichte der christlichen Antike, Carl Schneider, 1970, S.34), (Plutarch regum et imperatorum apophthegmata Alex. 15, 180 d)

 

Doch schon im 2. Jahrhundert wies der Heilige, Philosoph und Theologe Justin der Märtyrer (um 100-165 n. Chr.) auf die enge Verwandtschaft zwischen dem Christentum und den älteren sogenannten heidnischen Religionen hin, indem er die christliche Kopie verteidigte:

 

„Wenn wir aber weiterhin behaupten, der Logos, welcher Gottes erste Hervorbringung ist, sei ohne Beiwohnung gezeugt worden, nämlich Jesus Christus, unser Lehrer, und er sei gekreuzigt worden, gestorben, wieder auferstanden und in den Himmel aufgestiegen, so bringen wir im Vergleich mit euren Zeussöhnen nichts Befremdliches vor ... Wenn wir aber sagen, er sei auf ganz eigene Weise entgegen der gewöhnlichen Abstammungsweise als Logos Gottes aus Gott geboren worden, so ist das, wie schon vorhin gesagt wurde, etwas, was wir mit euch gemeinsam haben, die ihr den Hermes den von Gott Kunde bringenden Logos nennt. Sollte man aber daran Anstoß nehmen, dass er gekreuzigt worden ist, so hat er auch das mit euren vorhin aufgezählten Zeussöhnen (Hermes, Asklepios, Dionysos, Herakles) gemeinsam, die auch gelitten haben; denn von diesen werden nicht gleiche, sondern verschiedene Todesarten erzählt, sodass er auch in der ihm eigentümlichen Todesart ihnen nicht nachsteht ... Wenn wir ferner behaupten, er sei von einer Jungfrau geboren worden, müsst ihr hierin eine Übereinstimmung mit Perseus zugeben. Sagen wir endlich, er habe Lahme, Gichtbrüchige und von Geburt an Sieche gesund gemacht und Tote erweckt, so wird das dem gleich gehalten werden können, was von Asklepios erzählt wird." (Justin der Märtyrer, Heiliger, Philosoph, Theologe und einer der frühesten Apologeten der christlichen Kirche, um 100 bis ca. 165 n. Chr., Apologie 1,20,21,22)

 

Trotz all des „frommen Betruges" [22] können Fragmente der Predigten Jesu aus den Evangelien authentisch sein, wenn auch ein Teil bereits im Judentum zu finden sind und in den älteren Religionen und Philosophien. Jesus legte die Messlatte ziemlich hoch. Seine Empfehlungen sind daher in der zweitausendjährigen Geschichte selten umgesetzt worden. Eine handfeste Jahwephilosophie [23] war da schon eher ein passender „Deckel für den Topf". Die christliche Kirchengeschichte belegt das.

 

Das kleine Land Israel, mit seinen sehr gläubigen Menschen, war zurzeit Jesu ein mit den Römern verbündeter Staat. Der Geschichtsschreiber Flavius Josephus (um 37/38-100 n. Chr.) berichtet von vier philosophischen Schulen (Religionen), den Pharisäern, Sadduzäern, Essenern und von der revolutionär-religiösen Gruppe des Galiläers Judas, jedoch nicht von einer jüdischen Sekte mit ihrem Anführer Jesus aus Nazareth in Galiläa.

 

Er hebt aber hervor, dass die Essener „mehr als die anderen [Pharisäer, Sadduzäer] durch Liebe verbunden“ waren, dass sie „über die Ehe gering dachten“, „den Reichtum“ verachteten und findet „bei ihnen die Gemeinschaft der Güter bewundernswert“, musste doch jedes neue Mitglied „sein Vermögen der Gesamtheit abtreten“. „Das gegebene Wort galt bei ihnen mehr als der Eid und sie unterließen das Schwören.“ Es gab jedoch auch einen zweiten Zweig der Essener, der sich nur durch eine positivere Einstellung zur Ehe von der anderen Gruppe unterschied. Beide Richtungen waren überzeugt davon, „dass der Körper zwar der Verwesung anheimfalle und vergänglich sei, die Seele dagegen in Ewigkeit fortlebe und dass sie, aus dem feinsten Äther stammend, durch einen natürlichen Zauberreiz herabgezogen und in den Körper gleichwie in ein Gefängnis eingeschlossen werde. Sobald die Seele aber von den Banden des Fleisches befreit sei, entschwebe sie, wie aus langer Knechtschaft erlöst, in seliger Wonne zur Höhe."[24] Eine geistige Verwandtschaft mit der jüdischen Jesusgruppe ist unschwer zu erkennen. [25]

 

Die ganze Atmosphäre wurde noch durch Johannes den Täufer belebt, der nach seiner speziellen Fastenkur in der Wüste - nur Heuschrecken, Honig und Wasser - durchs Land wanderte, predigte, taufte und seine jüdischen Landsleute zur Umkehr aufrief. Jesus gehörte wohl auch zu den Neugetauften und soll eine Zeit lang bei Johannes verweilt haben. Vielleicht lag es ja nur am Essen, dass er dann seine eigene Gruppe bildete. Johannes seine Anhängerschaft muss erheblich gewesen sein, da Herodes Antipas, der Tetrarch von Galiläa und Peräa (4. v. Chr. – 39 n. Chr.) ihn hinrichten ließ, nur weil er einen Aufstand der Johannesjünger während seines Feldzuges gegen Aretas befürchtete, so der Bericht des Historikers Josephus. Die Bibel erzählt jedoch im Widerspruch zu dieser Darstellung, dass Johannes der Täufer von Herodes Antipas hingerichtet wurde, weil er dessen Heirat mit Herodias (8 v. Chr. - 39 n. Chr.), der Frau seines Bruders, kritisierte und  weil Herodes von dieser entsprechend beeinflusst wurde. [26]

 

Sein Vater, König Herodes der Große (37 - 4 v. Chr.), hatte während seiner 33jährigen Herrschaft das Land zu einem starken Konföderiertenstaat der Römer gemacht. Trotzdem gab es ständig Schwierigkeiten. Josephus beschreibt in seinem Buch „Jüdische Altertümer" den Zustand des Landes:

 

„So war Judäa eine wahre Räuberhöhle und wo sich nur immer eine Schar von Aufrührern zusammentat, wählten sie gleich Könige, die dem Staate sehr verderblich wurden. Denn während sie den Römern nur unbedeutenden Schaden zufügten, wüteten sie gegen ihre eigenen Landsleute weit und breit mit Mord und Totschlag." (17. Buch, 10. Kapitel, 8. Absatz) [26a]

 

Rom musste eingreifen und schickte z. B. den römischen Feldherrn Varus (6-4 v. Chr. Legat in Syrien). Der Aufstand wurde niedergeschlagen und circa 2000 Juden gekreuzigt [27]. Die Regierung war also äußerst empfindlich gegen jede Königsproklamation. Das und eine Kritik an der religiösen Macht des Landes konnten verheerenden Folgen haben. Sollte der Rabbi Jesus daher nach Art der Könige auf einem Eselsfohlen [28] in Jerusalem, unter Jubelrufen und Lobpreisungen seiner Jünger, die ihn als König priesen, eingezogen sein, so kam das, zusammen mit Kritik an den Pharisäern, einem Freitod gleich:

 

"Und sie führten es zu Jesus; und sie warfen ihre Kleider auf das Füllen [Fohlen]  und setzten Jesus darauf. Während er aber hinzog, breiteten sie ihre Kleider aus auf den Weg. Und als er schon nahte und bei dem Abhang des Ölberges war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit lauter Stimme freudig Gott zu loben über alle Wunderwerke, die sie gesehen hatten, indem sie sagten: "Gepriesen sei der König, der da kommt im Namen des Herrn!" Friede im Himmel und Herrlichkeit in der Höhe! Und etliche der Pharisäer aus der Volksmenge sprachen zu ihm: Lehrer, verweise es deinen Jüngern. Und er antwortete und sprach zu ihnen: Ich sage euch, wenn diese schweigen, so werden die Steine schreien." (Lukas 19:35-40)

 

Jesus war ein gesetzestreuer und revolutionärer Jude und seine Mission galt nach einer Matthäusaussage nur seinem Volk. Soll er doch gesagt haben: „... Geht nicht den Weg zu den Heiden und zieht in keine Stadt der Samariter, sondern geht hin zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel. Geht aber und predigt und sprecht: Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.“ und „... Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel“; tendierten doch auch die Emmausjünger in die gleiche Richtung: "Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde", so ihre enttäuschte Hoffnung, wenngleich die Evangeliumschriften an anderer Stelle Jesus sagen lassen: „Dieses Evangelium des Reiches wird gepredigt werden auf dem ganzen Erdkreis ...“ und „... machet alle Nationen zu Jüngern ...“. (Matthäus 10:5-7; 15:24, siehe auch Markus 13:10, 16:15, Lukas 24:21,47)

 

Gemäß der Überlieferung ist bei Jesus immer wieder die revolutionäre Tendenz zum Übermenschlichen zu spüren, oft eingeleitet mit den Worten „ich aber sage euch“, um so den jahweistischen Geist des Alten Testamentes in Licht zu verwandeln und mit Empfehlungen, wie z. B. „liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen. Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch misshandeln“, den Menschen einen Kanon, eine Richtschnur zu geben. (Lukas 6:27-31)

 

Doch wie gesagt, nach den Evangeliengeschichten attackierte er die Pharisäer und jüdischen Schriftgelehrten stark, nannte sie wiederholt "Otternbrut, Schlangen" und "Heuchler" und verglich sie mit „übertünchten Gräbern, die von außen zwar schön scheinen, inwendig aber voll Totengebeinen und aller Unreinigkeit sind“ und dass sie „die Menschen mit schwer zu tragenden Lasten“ beladen, dass sie selber aber diese „nicht mit einem ihrer Finger anrühren“ würden und stellte aufgrund ihrer Mordabsichten fest, dass sie "den Teufel zum Vater" hätten. (Matth. 23:33, Lukas 11:46, Johannes 31,39-45) [28a]

 

Immerhin gab es 613 Gebote, d. h. 248 Gebote und 365 Verbote, welche von jedem Juden zu jeder Zeit beachtet werden sollten. So musste z. B. eine Ehebrecherin nach dem mosaischen Gesetz gesteinigt werden (5. Mose 22). Gemäß der Erzählung im Johannesevangeliums 8:7,11 brachten die Pharisäer und Schriftgelehrten eine Ehebrecherin und sie fragten Jesus, unter Hinweis auf das Gesetz und um einen Anklagepunkt gegen ihn zu finden, was er dazu sagen würde. Seine souveräne und geniale Antwort: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie“ und zu der Frau: „... geh hin und sündige hinfort nicht mehr.“

 

Für die Pharisäer waren solche ketzerischen Neuerungen und diverse Hinweise auf ihr Fehlverhalten ein bitterer Trank, der zusammen mit der Königsproklamation oder deren Verdacht ausreichte, dass ihn die politischen Macht verhaftete. Nach den Fragmenten des Neuen Testamentes soll er dann beim Verhör auf die Frage: „Bist du der König der Juden?“ auch noch geantwortet haben: „Du sagst es.“ Das konnte als Hochverrat ausgelegt werden, als der Wille die Ordnung eines Staates zu zerstören bzw. als Versuch eines Staatsstreiches. Und so soll auch ein Schild an seinem Kreuz angebracht worden sein: „Der König der Juden“. (Lukas 23:3, Markus 15:26)

 

Seine Anhänger hatten große Angst, da ihnen ein gleiches Schicksal drohte. Sie flohen oder gingen in den Untergrund und die Verwandtschaft Jesu, wie auch ein Teil seiner Zuhörer, war von seinem Wirken sowieso nicht begeistert, denn sie nahmen an, dass er „von Sinnen“ sei. Sie konnten das in ihm brennende religiös-revolutionäre Feuer nicht nachvollziehen und es ist auch nicht auszuschließen, dass sich eine hohe inkarnierte Seele auf dieser „dunklen Erde“ (Goethe) etwas anders verhält und redet als der Durchschnittsmensch, weil möglicherweise zwischen dem hohen Licht, dem Körper und den Menschen eine gewisse Diskrepanz besteht. (Markus 3:21, Johannes 10:20)

 

So verschwand er wieder in der Ewigkeit. Das Leben ging weiter. Die schmähliche und barbarische Vorstellung war schnell vergessen. Geschichtsschreiber seiner Zeit nahmen keine Notiz [28b]. Da war ein Rebell, ein Hochverräter oder ein Pseudokönig hingerichtet worden. Nichts besonderes in der damaligen Zeit, ein eher unbedeutender Vorgang, doch sein Erbe sind lichte und hohe Werte, die er der Nachwelt hinterließ. 

 

All die „frommen Lügen", Fälschungen, Dichtungen, erfundene Reliquien und die christliche Historie, somit die Entstellung der Wahrheit, sind jedoch kein Grund die Aufklärung abzuschließen, deprimiert „die Flinte ins Korn zu werfen". Das Zeitalter der Aufklärung ist noch nicht beendet. Heroisch begannen im 18. Jahrhundert die Aufklärer ihr Werk im Kampf gegen Aufklärungs- und Wissenschaftsfeindlichkeit, gegen Fanatismus [29] und Fundamentalismus [30]. Die Vernunft wurde auf den ihr gebührenden Platz gestellt. „Écrasez l’infáme" (Zerschmettert die Niederträchtige): Dieser antiklerikale Schlachtruf Voltaires [31] gegen die religiöse Bevormundung hat auch heute noch Gültigkeit. Diese tapferen Männer legten das Fundament. Einige Theologen bemühten sich dann im 19. und 20. Jahrhundert „die Spreu vom Weizen zu trennen" und auch jetzt noch ringen wir um mehr Erkenntnis, dem Lichte der objektiven Wahrheit entgegen.

 

Im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts sind in der Wissenschaft von den verborgenen, außerhalb der normalen Wahrnehmbarkeit liegenden, übersinnlichen Erscheinungen große Fortschritte erzielt worden. Das oft über Jahrzehnte mühsame Ringen ließ die Forscher "neue" Naturgesetze erkennen. Durch ständige Wiederholungen von verschiedenen Aufklärern, die zum gleichen Ergebnis kamen, konnten die Resultate als wissenschaftlich bezeichnet werden.

 

Das Fazit ist, dass jeder Mensch einen sogenannten zweiten Körper (Seele, Energiekörper) hat, der des Nachts und nach dem Ableben den Körper verlässt. Dementsprechend ist auch gesichert, dass Jesus Christus auferstanden ist, in dem Sinn, dass seine Seele sich gemäß einem Naturgesetz von seinem Körper trennte, als er am Kreuz verschied, so wie das beim Ableben aller Menschen der Fall ist. Ferner, dass es sich bei den zu seiner Zeit wahrgenommenen "Dämonen" um die Seelen der verstorbenen Menschen handelte und dass die Anwendung der von ihm und anderen [32] der Menschheit hinterlassenen hohen Werte, bei der Entwicklung eines höheren Bewusstseins und einer stärkeren Durchlichtung der Seele helfen können.

 

Durch Medialität, die sich jeder erarbeiten kann, ist eine Verständigung zwischen dem Menschen und Seelen anderer Sphären möglich. Verinnerlichte hohe Werte bedeuten in den anderen Sphären mehr Freiheit. Meine Forschungsergebnisse, bezüglich der Existenz der Seele bzw. eines zweiten Körpers und deren nächtlichen Aktivität, wurden weitgehend durch Kollegen [33] bestätigt. In Achtung vor der Freiheit, der Wahrheit, der Realität, der Vernunft und einer freien und unabhängigen Forschung, kann ich diese Ergebnisse als wissenschaftlich und objektive Wahrheit bezeichnen.

 

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Anmerkungen:

 

Bild 1: Jesus Christus als Guter Hirte. Christliche Deckenmalerei in der Calixtus-Katakombe in Rom, ca. 250 n. Chr.

 

Bild 2: Kreuz an der Ostsee, 1815, von Caspar David Friedrich, 1774-1840, deutscher Maler, Standort: Schloss Charlottenburg, Berlin  

 

[1] Tausendundeine Nacht, arabischen Sammlung von über 300 Erzählungen (z. B. Aladins Wunderlampe, Ali Baba und die 40 Räuber)

 

[2] Bibel, Neues Testament, Johannesevangelium 19:19

 

[3] Matthäusevangelium 27:31 b, 38, 45, 46, 51-53, 55-56: „Dann führten sie Jesus hinaus, um ihn zu kreuzigen. 32 Auf dem Weg trafen sie einen Mann aus Zyrene namens Simon; ihn zwangen sie, Jesus das Kreuz zu tragen ... 38 Zusammen mit ihm wurden zwei Räuber gekreuzigt, der eine rechts von ihm, der andere links ... 45 Von der sechsten bis zur neunten Stunde herrschte eine Finsternis im ganzen Land. 46 Um die neunte Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lema sabachtani?, das heißt: Mein Gott mein Gott, warum hast du mich verlassen? ... 50 Jesus aber schrie noch einmal laut auf. Dann hauchte er den Geist aus. 51 Da riss der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei. Die Erde bebte und die Felsen spalteten sich. 52 Die Gräber öffneten sich und die Leiber vieler Heiligen, die entschlafen waren, wurden auferweckt. 53 Nach der Auferstehung Jesu verließen sie ihre Gräber, kamen in die Heilige Stadt (Jerusalem) und erschienen vielen ... 55 Auch viele Frauen waren dort und sahen von Weitem zu; sie waren Jesus seit der Zeit in Galiläa nachgefolgt und hatten ihm gedient. 56 Zu ihnen gehörten Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus und des Josef, und die Mutter der Söhne des Zebedäus."

 

[4] Im Judentum Anrede für verehrte Lehrer und Gelehrte. (Matthäus- 26:25, 49, Markus- 9:5, 10:51, 11:21, 14:45, Johannes-Evangelium 1:38,49, 3:2, 4:31, 6:25, 20:16)

 

[5] Realität: Wirklichkeit, tatsächliche Lage, Gegebenheit

 

[6] Galiläa, nördlicher Teil von Israel.

 

[7] U. a. Matthäus-, Markus-, Lukas-, Johannes-Evangelium; Evangelium: griechisch: frohe Kunde, Heilsbotschaft.

 

[8] Markusevangelium 15:20 b, 21, 27, 32, 33-39, 40: „Dann führten sie Jesus hinaus, um ihn zu kreuzigen. 21 Einen Mann, der gerade vom Feld kam, Simon von Zyrene, den Vater des Alexander und des Rufus, zwangen sie, sein Kreuz zu tragen ... 27 Zusammen mit ihm kreuzigten sie zwei Räuber, den einen rechts von ihm, den andern links. [28] 32 Auch die beiden Männer, die mit ihm zusammen gekreuzigt wurden, beschimpften ihn ... 33 Als die sechste Stunde kam, brach über das ganze Land eine Finsternis herein. Sie dauerte bis zur neunten Stunde. 34 Und in der neunten Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: Eloi, Eloi, lema sabachtani?, das heißt übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Einige von denen, die dabeistanden und es hörten, sagten: Hört, er ruft nach Elija! 36 Einer lief hin, tauchte einen Schwamm in Essig, steckte ihn auf einen Stock und gab Jesus zu trinken. Dabei sagte er: Lasst uns doch sehen, ob Elija kommt und ihn herab nimmt. 37 Jesus aber schrie laut auf. Dann hauchte er den Geist aus. 38 Da riss der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei. 39 Als der Hauptmann, der Jesus gegenüberstand, ihn auf diese Weise sterben sah, sagte er: Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn ... 40 Auch einige Frauen sahen von Weitem zu, darunter Maria aus Magdala, Maria, die Mutter von Jakobus dem Kleinen und Joses, sowie Salome; 41 Sie waren Jesus schon in Galiläa nachgefolgt und hatten ihm gedient. Noch viele andere Frauen waren dabei, die mit ihm nach Jerusalem hinaufgezogen waren." 

 

[9] Lukasevangelium 1:1-4: „Schon viele haben es unternommen, einen Bericht über all das abzufassen, was sich unter uns ereignet und erfüllt hat. 2 Dabei hielten sie sich an die Überlieferungen derer, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren. 3 Nun habe auch ich mich entschlossen, allem von Grund auf sorgfältig nachzugehen, um es für dich, hochverehrter Theophilus, der Reihe nach aufzuschreiben. 4 So kannst du dich von der Zuverlässigkeit der Lehre überzeugen, in der du unterwiesen wurdest." 

 

[10] Messias [zu hebräisch maschiach: der Gesalbte], in der griechischen Version des Alten Testamentes der Bibel wird das Wort mit "christos" übersetzt, "christus" ist davon abgeleitet. Messias ist ein alttestamentlicher, kultisch-religiöser Hoheitstitel. Salbung war im alten Israel ein Rechtsakt der Bevollmächtigung und Amtseinsetzung, am bekanntesten im Zusammenhang mit dem König, der als göttlicher Erwählter auch als Gesalbter Gottes galt. Das Urchristentum sah in Jesus den Messias, sodass sich von da an mit dem Begriff Messias die Vorstellung vom göttlichen Heilbringer und Erlöser verband. Nach dem jüdischen Glauben steht die Ankunft des Messias noch bevor.

 

[11] Lukasevangelium 1:1-4, 23:26, 32, 33, 46, 24:13-35, 39-49, 51: „Als sie Jesus hinausführten, ergriffen sie einen Mann aus Zyrene namens Simon, der gerade vom Feld kam. Ihm luden sie das Kreuz auf, damit er es hinter Jesus hertrage ... 32 Zusammen mit Jesus wurden auch zwei Verbrecher zur Hinrichtung geführt. 33 Sie kamen zur Schädelhöhe; dort kreuzigten sie ihn und die Verbrecher, den einen rechts von ihm, den anderen links ... 39 Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, verhöhnte ihn: Bist du denn nicht der Messias? Dann hilf dir selbst und auch uns! 40 Der andere aber wies ihn zurecht und sagte: Nicht einmal du fürchtest Gott? Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen. 41 Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten: dieser aber hat nichts Unrechtes getan. 42 Dann sagte er: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst. 43 Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein ... 44 Es war etwa um die sechste Stunde, als eine Finsternis über das ganze Land hereinbrach. Sie dauerte bis zur neunten Stunde. 45 Die Sonne verdunkelte sich. Der Vorhand im Tempel riss mitten entzwei, 46 und Jesus rief laut: Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist. Nach diesen Worten hauchte er den Geist aus. 47 Als der Hauptmann sah, was geschehen war, pries er Gott und sagte: Das war wirklich ein gerechter Mensch ... 49 Alle seine Bekannten aber standen in einiger Entfernung (vom Kreuz), auch die Frauen, die ihm seit der Zeit in Galiläa nachgefolgt waren und die alles mit ansahen." 

 

[12] Herakles (griechisch), römisch Herkules: Die Griechen verehrten Herakles als Gott und auch als sterblichen Helden, der für seine Stärke, seinen Mut und seine legendären Heldentaten bekannt war, aber auch einen göttlichen Helfer darstellte, der die Menschen von ihren Leiden befreit. Er war der Sohn des höchsten Gottes Zeus und der irdisch-fleischlichen Alkmene. Überall in Griechenland befanden sich seine Kultstätten und er wurde in Feiern und Festen verehrt. Als Beschützer und als Gott des Handels und Gewinns gelangte der Heraklesmythos auch nach Rom. Die Geschichten über ihn enthielten bereits eine Verfolgung als Königssohn, die Jungfrauengeburt, die Anwesenheit der Mutter und eines Jüngers bei seinem Ableben, die Rettung von Seelen aus dem Totenreich, die Auferstehung usw.

 

[13] Matthäusevangelium 27:55, Markusevangelium 15:40, Lukasevangelium 23:49

Johannesevangelium 19:17,18, 25-30: „Er trug sein Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelhöhe, die auf Hebräisch Golgotha heißt. 18 Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere, auf jeder Seite einen, in der Mitte Jesus ... 25 Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. 26 Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! 27 Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie den Jünger zu sich. 28 Danach, als Jesus wusste, dass nun alles vollbracht war, sagte er, damit sich die Schrift erfüllte: Mich dürstet. 29 Ein Gefäß mit Essig stand da. Sie steckten einen Schwamm mit Essig auf einen Ysopzweig und hielten ihn an seinen Mund. 30 Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und gab seinen Geist auf." 

 

[14] Romulus ist in der römischen Mythologie sagenhafter Gründer und erster König der Stadt Rom. Der Überlieferung zufolge wurde Romulus später von seinem Vater in den Himmel entrückt und als Kriegsgott Quirinus verehrt, nach dem der Quirinal, einer der sieben Hügel Roms, benannt wurde.

 

[15] Caesar, Gaius Julius (100-44 v. Chr.), war römischer Feldherr, Staatsmann und Schriftsteller, Konsul, Dictator perpetuus, auferstandener Gott und seit seiner Jugend flamen Dialis (Hohepriester des Jupiter). Er hatte als Pontifex Maximus die Entscheidungsgewalt über sämtliche religiöse Belange.

 

Gott Caesar: „Bereits im Jahre 49 v. Chr., nach dem Überschreiten des Rubicon, wurde Ceasar, von väterlicher Seite „mit den unsterblichen Göttern verwandt“ (Sueton, um 69-140 n. Chr., Caesar 6, 1), in den Städten Italiens als Gott empfangen.“ (Cic., Att. 8,16,1 „Die Städte aber legten bei ihm als Gott, ohne dies vorzutäuschen wie für den erkrankten Pompeius, Gelübde ab“.), (Kaiser u. Gott, 1999, S. 46, M. Clauss)

 

„Dem Schutzgott des Staatsgottes Julius, des Vaters des Vaterlandes, den der Senat und das römische Volk unter die Zahl der Götter rechnete.“ (Inschrift aus Aesernia, Kaiser u. Gott, 1999, S. 50, M. Clauss)

 

„Wenig später legte man fest, Caesar sollte den Titel „Befreier“ (Liberator) und seine „Göttin der Freiheit“ (Libertas) einen Tempel erhalten.“ (Cass. Dio 43, 44,1; der Tempel wurde nie errichtet) (Kaiser u. Gott, 1999, S. 49, M. Clauss)

 

Sueton, um 69-140 n. Chr.: „... dieser (Cäsar) habe „nicht nur übermäßige Ehren angenommen, ... sondern ließ es auch zu, dass ihm Ehrungen zuerkannt wurden, die das menschliche Maß übersteigen“. Und dann führt Sueton unter anderen Ehren auf: „Tempel, Altäre, Standbilder neben denen der Götter, einen Göttersitz, einen Eigenpriester.“ (Sueton, Caesar, 76, 1), (Kaiser u. Gott, 1999, S. 51, M. Clauss)

 

„Bei Cassius Dio ... Statt dessen deutet in seinem Bericht alles darauf hin, dass Caesar Gottheit war. Dieser wurden Tempel errichtet - bislang gab es lediglich Altäre -, Caesar wurde wie die Göttin Venus behandelt, da beider Götterbilder in der Prozession bei Pferderennen mitgeführt werden sollten. Wer sich gegen diese Regelung verging, sollte bei den Gottheiten Caesar und Jupiter verflucht werden ... Aus all dem lässt sich nur der Schluss ziehen, das Caesar Staatsgott war ...“ (Kaiser u. Gott, 1999, S. 52, M. Clauss)

 

„Cassius Dio spricht in diesem Zusammenhang davon, dass man Ceasar mit einem Kultnamen anredete, der lateinisch Jupiter Julius bedeutet hätte. Hier liegt offensichtlich ein Missverständnis vor; ... Nach der Inschrift aus Aesernia und nach Cicero hieß der Gott: „Staatsgott Julius“. (Cicero, Phil. 2, 43, 110), (Kaiser u. Gott, 1999, S. 52,53, M. Clauss)

 

„In Nola errichtete man eine Ehreninschrift, für einen M(arcus Salvius Venestus, der durch die Wohltat des Gottes Ceasar Stadtrat geworden war.“ (CIL 1271 = D 6343, vgl. ferner CIL 6, 14211) Folgerichtig pries Antonius in seiner Leichenrede Ceasar „als einen in den Himmel versetzten Gott. (App., civ. 2, 146, Caes. 84,2; Plut., Caes. 67,8), (Kaiser u. Gott, 1999, M. Clauss)

 

„Antonius erinnerte den Senat daran, dass man Ceasar zu Lebzeiten zum Gott gemacht habe, (App., civ. 2, 144) ... Ein gewisser Amtius errichtet dem Gott Ceasar unter großem Andrang der Bevölkerung auf dem Forum einen Altar und opferte dort. (Cic., Att., 14,5; App. civ. 3,2,3; Cass. Dio 44, 51,1;), (Kaiser u. Gott, 1999, S. 53, M. Clauss)

 

[16] Augustus, Gaius Octavius (63 v. Chr.-14 n. Chr.), bis zur Übernahme des Titels Augustus (lat. "der Erhabene") auch Octavian(us), erster römischer Kaiser (27 v. Chr.-14 n. Chr.). Augustus wurde als Gott verehrt. Die Inschrift von Priene aus dem Jahre 9 v. Chr. erklärt, dass die Welt ohne die Geburt des Augustus untergegangen wäre und 'propagiert die Kaiserideologie publikumswirksam' mit den Worten: "... da für die Welt der Geburtstag des Gottes (sc. Augustus) den Anfang der durch ihn veranlassten Evangelien darstellte." (Einleitung in das Neue Testament, M. Ebner, S. 118) Er kam als von Gott gesandter Retter, Erlöser bzw. Heiland und eine neue Zeitrechnung sollte mit ihm beginnen, ein neues Zeitalter, das alles Vorangegangene in den Schatten stellt. In der Inschrift von Halikarnass wird er als „Heiland des ganzen Menschengeschlechts, dessen Vorsehung die Gebete aller nicht nur erfüllte, sondern übertraf" beschrieben (Abermals krähte der Hahn, 1996, Deschner, S. 99). Vergil: „Dies ist der Mann, dies ist er, der längst von den Vätern verheißene, Caesar Augustus, Sohn Gottes und Bringer der Goldenen Endzeit." (Vergil, 70-19 v. Chr. Aeneis 6, 791 f.)

 

Kindermord und Wunderzeichen, Jesus und Augustus: „Als Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? ... Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem, ... 12 Und Gott befahl ihnen (den Weisen) im Traum, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren; ... 13 Als Herodes nun sah, dass er von den Weisen betrogen war, wurde er sehr zornig und schickte aus und ließ alle Kinder in Bethlehem töten und in der ganzen Gegend, die zweijährig und darunter waren, ...“  (Matthäus 2:1,2,12,13)

 

„Als Parallele zur Erzählung zum Kindermord in Bethlehem, wie sie im Evangeliumprolog des Matthäus steht (2,1-18), gilt mit Recht das bei Sueton Aug. 94,3 erhaltene Exzerpt (Auszug) aus dem Hofhistoriografen Julius Marathus (der nur noch (in) Suet. Aug. 79 über die Gestalt des Kaisers zitiert wird): ... Dieser Text wird gewöhnlich so wiedergegeben: Julius Marathus berichtet: Wenige Monate vor Augustus’ Geburt sei an einem öffentlichen Ort in Rom ein Wunderzeichen geschehen, durch welches verkündet wurde, dass die Natur dem römischen Volk einen König gebären werde; der Senat habe darauf voller Schrecken beschlossen, kein in diesem Jahr geborenes Kind dürfe aufgezogen werden. Die Männer aber, deren Frauen schwanger waren, hätten dafür gesorgt, dass jener Senatsbeschluss nicht Gesetzeskraft erlangte, da jeder diese Weissagung auf sein Kind bezogen habe.“ (Das Prodigium bei Sueton, Augustus 94,3, J. B. Bauer, Hermes 102 Bd., H 1 (1974), Miszellen, S. 124); (Sueton, um 69-140 n. Chr., römischer Biograf u. Kulturhistoriker)

 

Augustus - Römischer Kaiser, Gott, Heiland und Pontifex maximus: Der lebenden Gottheit Augustus war eine Apotheose (Vergöttlichung) vorausgesagt worden. (Vergil, 70-19 v. Chr., Georgica 1, 24-25; vgl. 40-42 u. 503) Nach seinem Tod gab es Leute, die ihn hatten in den Himmel aufsteigen sehen.“ (Cassius Dio, um 163-229 n. Chr., 56, 46, 2) (Kaiser u. Gott, M. Clauss, 1999, S. 74)

 

„Augustus hat einen Bericht über seine Taten geschrieben, die „Res gestae divi Augusti“ (Die Taten des Augustus), die sich auf Inschriften in Galatien/Türkei erhalten haben. In der lateinischen Fassung beginnt das Dokument folgendermaßen: „Nachstehend die Abschrift des ... Berichtes von den Taten des göttlichen Augustus, durch welche er den Erdkreis der Herrschaft des römischen Volkes unterwarf.“ (Kaiser Augustus, Friedrich Wittinghoff/P. Pilhofer, Übersetzung von Ekkehard Weber, a. a. O., S. 11)

 

"Die Stadt Myra war mit bei den ersten, die sich ins Zeug legten, um Augustus zu ehren, wie die folgende Inschrift zeigt: Den Gott Augustus, Sohn des Gottes Caesar, Herrscher über Land und Meer, den Wohltäter und Heiland der ganzen Welt (ehrt) das Volk von Myra.“ (Documents Illustrating the Reigns of Augustus & Tiberius, Oxford 21955, Nr. 72) ((Kaiser Augustus, Friedrich Wittinghoff/P. Pilhofer)

 

„Am 6. März 12 v. Chr. war Augustus zum Oberpriester (Pontifex maximus) gewählt worden ... Inschrift: „Dieser Tempel ist den Heroen geweiht, damit, weil sie den Namen des Augustus tragen, er jenen glücklich erhalten bleiben möge, und er sich seiner Nachkommenschaft freuen möge wie ein Vater für die Herrschaft. Denn wenn dich Caesar (Augustus), die Zeit als Gott fordern wird und du den Sitz im Himmel erstreben wirst, durch den du die Welt regieren wirst, mögen es diese (Heroen) sein, die durch dein Schicksal über dieses Land befehlen und uns durch ihre glücklichen Gelübde regieren." (CIL 10, 3757 = D 137), (Kaiser u. Gott, M. Clauss, 1999, S. 67, 70)

 

„Wie bei Caesar griffen die Städte Italiens rasch die Botschaft aus der Hauptstadt – Octavian/Augustus und Livia sind Gottheiten – auf, die Liste der betreffenden Städte im Westen des Reiches ist umfangreich. Hinzu kommen weiterhin die Städte der Provinz Asia, in denen zu Lebzeiten des Augustus Priester dieser Gottheit bezeugt sind ... Hinzuweisen ist hier ferner auf das Edikt des Statthalters von Asien aus dem Jahre 9 v. Chr., der vorschlug, das neue Jahr in Zukunft mit dem Geburtstag des Augustus am 23. September beginnen zu lassen, und wie selbstverständlich davon ausging, dass jede größere Stadt der Provinz ein Kaiserheiligtum besaß, wo seine Entscheidung verkündet und aufgeschrieben werden konnte ... treten Münzen, die den Staatsgott Augustus sitzend auf einem Thron zeigen, in den Händen ein Szepter sowie eine Victoria auf einem Globus haltend. Das Überraschende ist nicht die Darstellung des strahlenbekränzten und nackten Gottes, sondern die Umschrift „dem Gott Augustus“ (Kaiser u. Gott, 1999, S. 70,71,73, M. Clauss).

 

„Bei der Einweihung Caesareas * stand Herodes (d. Gr., 37-4 v. Chr.) auf dem Zenit seines Wirkens.  Er war nicht nur der alle Herrscher des hellenistischen Ostens übertreffende Euerget im traditionellen Sinn – als Bauherr, Förderer und Retter griechischer Kultur. Er hielt auch alle Rekorde auf dem Feld des sich entwickelnden Kults für die domus Augusta. Herodes hatte die ersten Spiele zu Ehren des siegreichen C. Caesar gestiftet, die erste Stadt gegründet, den neuen princeps Augustus ehrte, und dort, in Sebaste, einen der größten uns bekannten Tempel errichtete. Caesarea stellte als Hafenstadt wiederum eine technische Meisterleistung dar und wurde optisch von einem Augustustempel, dem unseres Wissens größten zu Augustus’ Lebzeiten und dem zweitgrößten, den wir überhaupt kennen, beherrscht. In Caesarea hat Herodes, unter der Fassade eines Roma-und-Augustus-Kults, sehr wahrscheinlich einen der ersten Kulte für Zeus Augustus und Hera-Livia etabliert.“ (Der Kaiserkult in Judäa ..., M. Bernett, S. 126) *Caesarea Maritima, war eine bedeutende Stadt Palästinas, erbaut von Herodes d. Gr., zwischen 22 und 10 v. Chr., zu Ehren des römischen Kaisers Augustus.

 

[17] Hermes, lateinisch Iuppiter (Jupiter), ist in der griechischen Mythologie Botschafter der Götter für die sterblichen Menschen, Sohn von Zeus, dem obersten und mächtigsten Gott und Maia, eine der sieben Plejaden (jungfräuliche Nymphen), Tochter des Titan Atlas und Pleione. Insofern ist Hermes quasi ein Vorläufer von Jesus Christus, der gemäß den Evangelien der Bibel darauf hinwies, direkter Gesandter Gottes zu sein. (Matthäus 10:40, Markus 9:37, Lukas 9:48, Johannes 3:17)

 

Nach der Überlieferung wurde Hermes oberhalb Pheneos (Peloponnes/Griechenland) auf dem Kyllene-Gebirge gezeugt und dort auch in einer Höhle geboren. Auf dem Gipfel des Berges soll in der Antike ein Hermestempel gestanden haben.

 

Hermes sein Name bedeutet Steinhaufen bzw. „der vom Steinhaufen“. Er war auch Schutzgott für diverse Gruppen, wie z. B. für Reisende, Händler, Hirten, Diebe und führte außerdem Seelen der Verstorbenen in den Hades, in das Totenreich bzw. in die anderen Sphären. Zu seinen Ehren wurden Tempel, Altäre und Haine gebaut, Feste gefeiert, eine Quelle benannt und es gab öffentliche Kulte bzw. Hermesverehrung.

 

Seine Herkunft und Eigenschaften wurden auch auf den Gott Mercurius (Merkur) der römischen Religion übertragen und so wurde Merkur u. a. auch zum „Götterboten“, Gott der Diebe und Händler. Die Mutter des Mercurius hieß natürlich, wie bei Hermes auch, Maia.

 

[18] Matthäusevangelium 26:51-53: 51"Und siehe, einer von denen, die mit Jesu waren, streckte die Hand aus, zog sein Schwert und schlug den Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm das Ohr ab. 52 Da spricht Jesus zu ihm: Stecke dein Schwert wieder an seinen Ort; denn alle, die das Schwert nehmen, werden durchs Schwert umkommen. 53 Oder meinst du, dass ich nicht jetzt meinen Vater bitten könne, und er mir mehr als zwölf Legionen Engel stellen werde?" 

 

[19] Asklepios ist in der griechischen Mythologie, also in den überlieferten Götter-, Helden- und Dämonensagen des Volkes, Gott der Heilkunst. Er war ein Sohn des Gottes Apollon und der schönen sterblichen Koronis aus Thessalien/Griechenland, ähnlich wie bei Jesus Christus, denn: „Der Heilige Geist wird über dich [Maria) kommen und Kraft des Höchsten wird dich (Maria) überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird [Jesus], Sohn Gottes genannt werden.“ (Lukasevangelium 1:35)

 

Koronis liebte jedoch den König Ischys, mit dem sie sich trotz ihrer Schwangerschaft verband. Der betrogene Apollon beklagte sich bei seiner Schwester Artemis, die daraufhin Koronis tötete. Als diese schon auf aufgebahrt auf dem Scheiterhaufen lag, wurde der kleine Gott Asklepios im letzten Moment aus dem Leichnam seiner Mutter herausgeschnitten. Das Kind brachte man zu dem weisen Kentauren Cheiron, der es alles lehrte, was er über die Heilkunst wusste (Pausanias, um 115-180 n. Chr., 2,26,2-8) und so wurde Asklepios zu einem großen Arzt, Wunderheiler und Heilgott, so eine der Versionen.

 

Der griechische Dichter Pindar (ca. 518-438 v. Chr.) berichtet vom Tod des Arztes durch Zeus, dem Himmelsgott und obersten Herrscher der olympischen Götter. Hades, der Gott der Unterwelt, hatte sich bei Zeus beschwert und war in Sorge darüber, dass durch weitere Auferweckungen durch Asklepios womöglich sein Reich entvölkert würde: „Gold verlockte auch ihn, gleißender Lohn, - der in den Händen blitzte, trieb ihn dazu, - einen Mann dem Tod zu entreißen, der schon gepackt war. - Da schleuderte Zeus mit seinen Händen - unversehens seinen Blitz durch Beide hindurch, - raubte ihnen den Atem aus der Brust, - der flammende Strahl schlug schmetternd zu Boden sie.“ (Pindar, 518-438 v. Chr., 3. Pythische Ode 54-57)

 

Die Historizität des Arztes wird jedoch etwas bestärkt, da der griechische Philosoph Platon (um 428 bis ca. 347 v. Chr.) Asklepios erwähnt und es nicht gut fand, wenn „man sich infolge von [schlechter] Lebensführung ... wie ein Sumpf mit bösen Säften und Dünsten angefüllt hat, sodass dann die klugen Jünger des Asklepios genötigt sind, diese Krankheiten als Blähungen und Katarrhe zu benamsen (benennen).“ (Platon, Politeia 3; 405 d) und auch, da der griechische Dichter Homer im 8. Jahrhundert vor Christus Asklepios in seine Dichtung „Auf Asklepios“ aufgenommen hat: „Den Heiler der Krankheiten, Asklepios, will ich besingen - den Sohn des Apollon, den gebar die herrliche Koronis - in der Ebene von Dotion, die Tochter des Königs Phlegyas, - als große Freude den Menschen, den  Bezauberer böser Schmerzen. - So freue auch Du Dich, Herr, ich flehe zu Dir im Lied.“ (Homerischer Hymnos 16)

 

Noch realitätsnäher sind wahrscheinlich Berichte, denenzufolge der Arzt Asklepios vermutlich im 11. Jh. v. Chr. lebte. Er soll mit Epione verheiratet gewesen sein und sie hatten 4 Kinder, die Söhne Podaleirios und Machaon und die Töchter Panakeia und Hygieia. Die beiden Söhne werden auch von Homer als Ärzte des griechischen Heeres beim Trojanischen Krieg besungen, die Töchter und Asklepios sogar im Eid des Hippokrates (ca. 460-375 v. Chr.) genannt: „Ich schwöre und rufe Apollon, den Arzt und Asklepios und Hygieia und Panakeia und alle Götter und Göttinnen zu Zeugen an, dass ich diesen Eid und diesen Vertrag nach meiner Fähigkeit und nach meiner Einsicht erfüllen werde ...“

 

Auch Aulus Cornelius Celsus, um 25 v. Chr. – ca. 50 n. Chr., römischer Enzyklopädist und Medizinschriftsteller, erwähnt Asklepios in der Vorrede seines Werkes De medicina:

 

„Sie (sc. die Heilkunde) ist aber bei den Griechen viel weiter ausgebildet, als bei den übrigen Völkern, aber auch bei ihnen nicht von Anfang an, sondern erst vor wenigen Jahrhunderten. Als ihr ältester Meister wird ja allgemein Äskulap (Asklepios) verehrt; weil er die bis dahin rohe und allen zugängliche Wissenschaft ein bisschen weiter fortbildete, wurde er unter die Götter aufgenommen ... Vom gleichen Dichter kann man aber auch erfahren, dass man die Krankheiten damals dem Zorne der unsterblichen Götter zuschrieb und dass man von eben diesen Göttern Hilfe zu verlangen pflegte.“ (Celsus: de medicina, prooemium)

 

Die Heilungssuchenden schliefen in einem speziellen Raum des Asklepiostempels, wo sie der Arzt durch Träume heilte. Vorher sollen sie für die Heilung durch Fasten, körperliche Reinigung und religiöse Übungen aufbereitet worden sein. Ein Opfer war ebenfalls erforderlich. Diese Therapie wird auch als Tempelschlaf (Inkubation) bezeichnet, bei der in der Antike der Kranke das Heiligtum eines Gottes aufsuchte, in der Hoffnung, dass er während eines Traumschlafes geheilt würde oder zumindest Hinweise für eine erfolgreiche Heilbehandlung erhielt.

 

Die Wunderheilungen in Epidauros/Griechenland, die bedeutendste antike Kultstätte für den Heilgott Asklepios, waren sehr bekannt. Der antike griechische Geschichtsschreiber und Geograf Strabon, 63 v. Chr. – 23 n. Chr., berichtet:

 

„Auch diese Stadt ist nicht unbedeutend, besonders wegen der Berühmtheit des Asklepios, von welchem geglaubt wird, dass er allerlei Krankheiten heile, und dessen Tempel stets gefüllt ist mit Kranken und geweiheten Tafeln, auf welchen die Heilungsmittel aufgeschrieben sind, eben wie in Kos und Trikke.“ (Erdbeschreibung in siebzehn Büchern, ins Deutsche übersetzt von Ch. G. Groskurd, 2. Teil, Buch VIII-XIII, Hildesheim/Zürich/New York 1988, S. 89)

 

Nach seinem Tod wurde Asklepios dann zum Gott der Heilkunst befördert. Seine Verehrung verbreitete sich in ganz Griechenland und sukzessive im ganzen Mittelmeerraum. In der römischen Kaiserzeit wurde er (Äskulap) später der am meisten geschätzte Gott. Es gab über 300 Asklepien (Heilstätten) im Römischen Reich, oft mit einem angeschlossenen Sanatorium.

 

Viele Epidaurosinschriften aus der 2. Hälfte des 4. Jh. v. Chr. wurden gefunden. R. Herzog hat in seinem Buch, Die Wunderheilungen von Epidauros, den Originaltext solcher Heilungsberichte überliefert. Gleiche und ähnliche Wunderheilungen, wie die nachstehenden aus Epidauros, sind auch in den späteren christlichen Evangelien zu finden:

 

So wurden Blinde sehend (4, 9, 11, 18, 20, 22, 32, 55, 65, 69), Lahme geheilt (3, 15, 16, 35, 36, 37, 38, 57, 64, 70), Stumme konnten wieder sprechen (5, 44, 51) und ein zerbrochenes Tongefäß wurde wie von Zauberhand zusammengefügt (10). Lanzen- und Pfeilspitzen, Blasensteine, bösartige Geschwüre, Blutegel, Ödeme und Bandwürmer wurden aus den Körpern entfernt und N. N. von Argos von der Epilepsie geheilt. Der armen Sostrata wurde von Asklepios buchstäblich der Bauch aufgeschlitzt, „viele Tiere herausgeholt, zwei Waschbecken voll“, und dann wieder zugenäht. Das Gewächs am Hals eines Jungen beleckte ein heiliger Hund zwecks Heilung und das Kind war danach gesund. Durch das Wirken des Asklepios, dem Gott der Heilkunst, wurde auch dem Anaxagoras sein „verdorrtes Bein wurde wieder lebendig.“ Ähnlich erging es Thersandros, der von Schwindsucht geheilt wurde und man fand auch einen Schatz mit der Hilfe des Asklepios. Des Weiteren wurden Läuse nur durch einfaches Abfegen ganz entfernt und auf der Glatze von Heraieus aus Mytilene wuchsen wieder Haare (8, 12, 13, 14, 17, 19, 21, 23, 25, 26, 27, 28, 30, 33, 41, 45, 46, 48, 49, 53, 58, 60, 61, 62, 66). (Siehe auch: Die Wunderheilungen von Epidauros, R. Herzog, 1931, 8-35)

 

Auch „Wunder in Form von Totenerweckungen sind dagegen vielfältig überliefert.“ (Wunderheilungen in Epidauros, S. Lachhain, vgl. ausführlich: Benedium, Riehtmüller, Wilamowitt) und die „Bibliothek Apollodors“, vermutlich aus dem 1. Jh. n. Chr., bestätigt: „Er wurde ein geschickter Wundarzt, übte seine Kunst sehr eifrig und rettete nicht nur einige vor dem Tod, sondern weckte selbst schon Verstorbene auf. Er hatte nämlich von Athena das aus den Adern der Gorgo geflossene Blut bekommen, wovon er das aus den linken Blutadern geflossene zum Verderben, das aus den rechten zum Heil der Menschen anwandte. Durch das Letztere weckte er die Toten auf.“ (Apollodor 3 10,3,5 – III 10,4,1)

  

[20] Dionysos ist der Gott des Weines und der Ekstase in der griechischen und später in der römischen Mythologie. Er ist der Sohn des Zeus und der thebanischen Königstochter Semele. In der späteren hellenistischen Welt wurde er als höchster Gott, als Erlöser, verehrt.

 

[21Herakles (griechisch) oder Herkules (lateinisch), sinngemäß: „Der sich an Hera Ruhm erwarb“, war wegen seiner Stärke ein berühmter griechischer Held. Er wurde göttlich verehrt und in den Olymp aufgenommen. Der Olymp ist das höchstes Gebirge Griechenlands mit 2918 Metern und in der griechischen Mythologie der Wohnort der Götter. Die Gipfel stellte man sich lichterfüllt vor. Herakles war ein Heil- und Orakelgott (Weissagung), Beschützer der Sportstätten und Paläste. Er stand unter dem Schutz der griechischen Göttin Athene. Er wird schon im dichterischen Werk von Peisandros von Kameiros (um 650 v. Chr.) erwähnt.

 

Herakles und Christus aus „Abermals krähte der Hahn“, Kapitel 10: "Asklepios, Herakles, Dionysos – die heidnischen Vorbilder für den christlichen Gottessohn" von Karl Heinz Deschner, S. 82 -84. [Inhalt der eckigen Klammern: Hinzufügung von minerva79.de]

 

„Fast jeder weiß von den alten Heraklessagen. Es gab aber auch ein philosophisches Heraklesbild und eine Heraklesreligion, Sie war zurzeit Jesu in Syrien ebenso bekannt wie in Griechenland, in Rom und am Rhein.

 

Schon als Kind wurde Herakles, wie der biblische Christus, in der Wiege verfolgt. Und mit dem Wort „Es ist vollbracht“, das im Johannesevangelium wiederkehrt 8, starb er. Bei seinem Tode bebte die Erde, sie spaltete sich, und eine Finsternis trat ein, allerdings sehr bekannte Motivverwendungen beim Hingang eines Gottes, die etwa auch beim Tod Caesars begegnen. Endlich schwebte schon Herakles, wie Romulus, Henoch u. a. zum Himmel empor, so vom göttlichen Vater für alle Mühen belohnt. Ja, der unmittelbar an seinem Tode erhängte sich, wie Judas, voll Reue und Entsetzen 11.

 

Die Verwandtschaft der Heraklesmythen mit der Christusgestalt wurde zwar oft bemerkt 12, ihre direkte Abhängigkeit von Herakles aber ist die Entdeckung des Philologen Friedrich Pfister 13. Nur einige Hauptpunkte seien die von ihm bis in minutiöseste [peinlich, genau] Details aufgezeigte Parallelen mitgeteilt.

 

Bei der Geburtsgeschichte ergeben sich folgende Übereinstimmungen. Wie Amphitryon, der menschliche Vater der Herakles, mit der jungfräulichen Alkmene in Mykenai wohnt, so wohn Joseph, der menschliche Vater Jesu, mit der jungfräulichen Maria in Nazareth. Wie Amphitryon sich von Alkmene bis zur göttlichen Empfängnis fernhält, so hält sich Joseph von Maria fern. Wie Amphitryon mit Alkmene von Mykenai nach Theben wandert, so wandert Joseph mit Maria von Nazareth nach Bethlehem. Wie Herakles nicht am Wohnsitz des Vaters, in Mykenai, geboren wird, sondern am Ziel der Wanderung, in Theben, so wird Jesus nicht am Wohnsitz des Joseph, in Nazareth, geboren, sondern am Ziel der Wanderung, in Bethlehem.

 

Zur Jugendgeschichte seien folgende Parallelen angeführt. Wie Hera von Zeus erfährt, dass der aus einem Stamm geborene König werde, worauf sie dem Kind nachstellt, so hört Herodes von den Magiern, dass eben ein König geboren sei, worauf er dem Kind nachstellt. Wie Herakles nun aus Angst von der Mutter ausgesetzt und wieder zurückgebracht wird, so wird Jesus aus Angst von den Eltern nach Ägypten geführt und wieder zurückgebracht. Wie Herakles vor Beginn seins öffentlichen Wirkens in die Einsamkeit geht, so auch Jesus. Wie Herakles dabei in Versuchung fällt, so Jesus. Wie man Herakles von einem Berg das Reich des Königs und des Tyrannen zeigt, so wird Jesus durch den Versucher auf einen hohen Berg geführt und sieht alle Königreiche der Welt. Wie Herakles die Versuchung überwindet, so überwindet sie Jesus.

 

Auch die Tätigkeit im Mannesalter ergibt verblüffende Gemeinsamkeiten. Wie Herakles dem Auftrag seines göttlichen Vaters gehorcht, so Jesus. Wie Herakles den Auftrag durch das Orakel bestätigt erhält, so Jesus durch den Mund des Propheten. Wie Herakles Vater und Mutter verlässt, so Jesus. Wie bei Herakles der Lebensweg ein Weg des Leidens ist, so auch bei Jesus. Wie Herakles auf dem Wasser wandelt, zum Himmel auffährt, wie er Heiland genannt wird und als Wohltäter der Menschheit gilt, so auch Jesus. Wie es Herakles’ größte Tat war, den Tod zu überwinden, so war es auch die größte Tat Jesu.

 

Das philosophische Heraklesbild wurde noch im 5. vorchristlichen Jahrhundert geschaffen und durch Kyniker und Stoiker weiter idealisierend ausgestaltet. Schon um 500 vor Chr. weiß man, das Herakles, der Gottessohn, als Mittler für die Menschen bittet 14. Zurzeit Jesu aber gibt es eine Heraklesreligion. Herakles liefert jetzt unter den sittlich hochstehenden Persönlichkeiten das erhabenste Vorbild 15. Er ist zum Ideal des Weisen und Weltheiland geworden.

 

Besonders in den beiden Heraklesdramen des Seneca, dem Hercules Furens und dem Hercules Oetacus, die das tradierte [überlieferte] Heraklesbild wiedergeben, wird Herakles als der große Wohltäter, der Friedensbringer für die ganze Menschheit, vor allem aber als Weltheiland und wirklicher Gottessohn, als „Retter der Welt“ gezeigt. Selbst den Unterirdischen bringt er Erlösung und besiegt die Dämonen. „Der schreckliche Tod ist gebrochen, des Todes Reich hast du besiegt“. Für seine Tat vom göttlichen Vater erhöht, befielt er diesem scheidend seinen Geist: „Nimm meinen Geist, ich bitte dich, zu den Sternen auf ... Siehe mein Vater ruft mich und öffnet den Himmel. Ich komme, Vater, ich komme.“ Im Lukasevangelium heißt es später: „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist.“ 16

 

Besonders frappierend sind die Übereinstimmungen zwischen der Heraklesreligion und dem Johannesevangelium, das als jüngstes kanonisches Evangelium am meisten heidnisches Gedankengut enthält, was sich auch im Zusammenhang mit Dionysos gleich zeigen wird.

 

In drei älteren Evangelien fehlt der Lieblingsjünger unter dem Kreuz; ebenso die Mutter Jesu. Schauen doch hier die Frauen „von Ferne“ zu. Im Lukasevangelium ließt man sogar: „Alle (!) seine Bekannten aber standen von ferne“ 17. Im Widerspruch hierzu stehen im Johannesevangelium Jesu Mutter und der Lieblingsjünger bei Kreuz, wie bereits bei Herakles’ Tod dessen Mutter und Lieblingsjünger Hyllos anwesend waren! Nicht genug. Die Stimme des erhöhten Herakles ruft: „ ... klage nicht, Mutter ... ich gehe nunmehr in den Himmel ein“. Der auferstandene johanneische Christus spricht: „Frau, warum weinst du? ... Ich fahre auf zu meinem Vater“ 18. Auch starb der johanneische Christus mit dem gleichen Worte wie vor ihm Herakles: „Es ist vollbracht“ 19. Ebenso trug Herakles den Namen „Logos“ schon vor dem Heros (Helden) des Vierten Evangeliums. Und hieß es in der Heraklesreligion: „Denn nicht um zu schaden oder zu strafen, sondern um zu retten ist der Logos da“, so entspricht dies dem Wort des Johannesevangeliums: „Denn nicht hat Gott seinen Sohn in die Welt gesandt, um die Welt zu richten, sondern damit die Welt durch ihn gerettet werde“ 20.

 

Schon huntertfünfunddreißig Jahre vor dem durch Pfister erbrachten wissenschaftlichen Nachweis der Abhängigkeit des evangelischen Jesusbildes von einer kynisch-stoischen Heraklesbiographie nannte Hölderlin in einer jener genialen Hymnen, die lange als Dokumentation eines umnachteten Geistes galten, Christus „Herakles’ Bruder“ 21. Wie Hölderlin auch den Zusammenhang von Dionysos- und Christusmythos bereits visionär erfasst hat 22, übrigens ebenfalls Schelling und später auch Nietzsche 23." (Abermals krähte der Hahn, S. 82, 83, 84, Karl Heinz Deschner)

 

[22] Als Frommer Betrug, lat. pia fraus, wird eine Täuschung oder das Verschweigen der Wahrheit in angeblich guter Absicht bezeichnet, besonders die Volkstäuschung für religiöse Zwecke. 

 

Einst wurde eine Tochter als Junge ausgegeben, weil ein Kreter gedroht hatte, im Falle der Geburt eines Mädchens, dieses zu töten. Die Göttin Isis hatte diese Täuschung bzw. Lüge für einen guten Zweck der Mutter empfohlen. (Ovid, Metamorphosen, „So blieb undurchschaut durch frommen Betrug die Verhehlung“) 

 

Herder: „Je mehr frommer Betrug endlich in diese Lehren sich einwebte, je mehr böse Leidenschaften man dabei zu Hilfe rief; desto sicherer glaubte man sich entfernt von einem Geist, der Aufrichtigkeit, eine mit Lügen nicht gemischte Güte und Wahrheit liebet. (J. G. Herder’s sämtliche Werke, Zur Religion u. Theologie, 12. Teil, Tübingen 1810, S. 77, Abs. 7) 

 

Herder: „Nachschrift: Gesetzt, wird man sagen, du hättest die Apostel vom Vorwurf eines wissentlichen Betruges gerettet, und im Zusammenhange der Umstände die Auferstehung ihres Lehrers und seinen nochmaligen lebendigen Umgang mit ihnen glaubhaft gemacht; ... Endlich bei der Himmelfahrt des Auferstandenen, sollte da nicht ein frommer Betrug vorgegangen sein, den sie uns willentlich verschweigen?“ (J. G. Herder, Von der Auferstehung als Glauben, Geschichte u. Lehre, Riga 1794, S. 167, 168) 

 

„Inwiefern habe ich dir denn jemals Unrecht getan - denn von diesem Punkte aus bin ich entschlossen, die Fahrt in das Meer der Verantwortung anzutreten -, etwa weil ich dich überlistet und dir meine wahre Meinung verheimlicht habe? Es geschah dies jedoch dir, den ich getäuscht, zum Vorteil, und auch zum Vorteil derer, denen ich dich durch List überantwortet habe. Ist nämlich heimliche List überhaupt etwas Böses, und ist es niemals, auch nicht im Notfalle, erlaubt, sich ihrer zu bedienen, ... Ist aber ein listiger Kunstgriff nicht immer zu verwerfen, sondern wird er je nach der Absicht derer, die sich seiner bedienen, schlecht oder gut, so höre doch auf, mir vorzuwerfen, dass du hintergangen worden seiest, weise mir vielmehr nach, dass ich die fragliche List zu einem schlechten Zweck angewandt habe. Solange jedoch ein solches Motiv fehlt, sollten diejenigen, welche als verständig gelten wollen, keineswegs Tadel und Beschuldigungen vorbringen, sondern sie sollten billigerweise der verständnisvoll angewandten List Beifall zollen. Denn eine rechtzeitige und in der richtigen Absicht vorgebrachte Täuschung hat so großen Gewinn zur Folge, dass schon oftmals gar manche es büßen mussten, weil sie es an einem listigen Vorgehen fehlen ließen ...“ (Johannes von Antiochia, Heiliger, um 349-407 n. Chr., Chrysostomus griechisch „Goldmund“, Kirchenlehrer und Erzbischof von Konstantinopel - Über das Priestertum, De sacerdotio libri I-VI, 1. Buch, Kapitel 8) 

 

Origenes/Celsus: „Andere mögen nun dem Celsus* das Zugeständnis machen, dass "Gott sich nicht wirklich verwandelt, aber bewirkt, dass die Zuschauer glauben, er habe sich verwandelt". Uns dagegen trifft der Vorwurf des Celsus nicht; denn wir glauben, dass Jesus nicht scheinbar nur, sondern wahrhaft und wirklich zu den Menschen gekommen ist. Trotzdem wollen wir uns verteidigen, und zwar in folgender Weise. Sagst du nicht selbst, Celsus, dass man "Irreführung und Lüge einmal als Heilmittel anwenden darf"? Wäre also die Anwendung eines solchen Mittels ungereimt gewesen, wenn ein solches Mittel die Erlösung hätte vollbringen können? Denn mancher ist so geartet, dass er mit einigen Unwahrheiten, wie sich deren die Ärzte zuweilen ihren Kranken gegenüber bedienen, eher auf den rechten Weg gebracht wird als mit der reinen Wahrheit. Hiermit glauben wir, die Sache der andern genügend verteidigt zu haben. Denn es ist nicht ungereimt, wenn der, welcher "kranke Freunde heilt", auch die Menschheit, die er liebt, durch Anwendung solcher Mittel "geheilt hat", die man nicht vorzugsweise, sondern nur nach Umständen brauchen dürfte ...“ (Origenes, Kirchenschriftsteller, Lehrer, Theologe, um 185 bis ca. 254 n. Chr. Gegen Celsus, lat. Contra Celsum, 4. Buch, Kap. 19), *(Celsus, antiker Philosoph, Platoniker, 2. Hälfte des 2. Jh. n. Chr., Streitschrift gegen das Christentum, „Wahre Lehre“.)

 

[23] Jahwe: Name des Gottes des Volkes Israel. Die Bedeutung ist umstritten. Vermutlich bedeutet Jahwe ursprünglich „Er ist" oder „Er erweist sich". Das Wort besteht aus den Konsonanten JHVH oder JHWH und den Vokalen für Adonai (Herr). Die Überlieferung durch das Alte Testament berichtet u. a. auch von der Annektierung des Gelobten Landes und von der durch Jahwe angeordneten Ausrottung  der Bewohner, Männer, Frauen und Kinder. (Josua 6-17-24, 8:24-28, 10:28-42, 11:1-23, 4. Mose 31:1-54, 4. Mose 33:50:53, 5. Mose 2:31-36, 5. Mose 3:1-7, 5. Mose 20:10-18)

 

[24] Flavius Josephus, Geschichte des Jüdischen Krieges, Kap. 8:2,3,6,11,13: "Es gibt nämlich bei den Juden drei Arten von philosophischen Schulen; die eine bilden die Pharisäer, die andere die Sadduzäer, die dritte, welche nach besonders strengen Regeln lebt, die sogenannten Essener. Die Letzteren sind ebenfalls geborene Juden, aber untereinander noch mehr als die anderen durch Liebe verbunden. Die sinnlichen Freuden meiden sie wie die Sünde, und die Tugend erblicken sie in Enthaltsamkeit und Beherrschung der Leidenschaften. Über die Ehe denken sie gering, ... 3. Den Reichtum verachten sie, und bewundernswert ist bei ihnen die Gemeinschaft der Güter, sodass man niemand unter ihnen findet, der mehr besäße als die anderen. Es besteht nämlich die Vorschrift, dass jeder, der der Sekte beitreten will, sein Vermögen der Gesamtheit abtreten muss, und so bemerkt man durchgehends weder niedrige Armut noch übermäßigen Reichtum, sondern alle verfügen wie Brüder über das aus dem Besitztum der einzelnen Ordensmitglieder gebildete Gesamtvermögen ... 6. ... Das gegebene Wort gilt bei ihnen mehr wie der Eid, sie unterlassen das Schwören, weil sie es für schlimmer als den Meineid halten ... 11. Sie hegen nämlich den festen Glauben, dass der Körper zwar der Verwesung anheimfalle und vergänglich sei, die Seele dagegen in Ewigkeit fortlebe und dass sie, aus dem feinsten Äther stammend, durch einen natürlichen Zauberreiz herabgezogen und in den Körper gleichwie in ein Gefängnis eingeschlossen werde. Sobald die Seele aber von den Banden des Fleisches befreit sei, entschwebe sie, wie aus langer Knechtschaft erlöst, in seliger Wonne zur Höhe ...13. Außerdem gibt es nun noch einen zweiten Zweig der Essener, der in Lebensart, Sitten und Gebräuchen mit dem anderen ganz übereinstimmt, in der Ansicht über die Ehe dagegen von ihm abweicht. Sie glauben nämlich, dass die, welche nicht in die Ehe träten, den wichtigsten Lebenszweck, die Erzielung von Nachkommenschaft, außer Acht ließen, oder vielmehr, dass, wenn alle so dächten, das ganze Menschengeschlecht in kürzester Zeit aussterben müsse ..."

 

[25] Liebe: „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebt, auf dass, gleichwie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebt. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“ (Johannesevangelium 13:34) 

 

Reichtum: „Jesus aber sprach zu seinen Jüngern: Wahrlich, ich sage euch: Schwerlich wird ein Reicher in das Reich der Himmel eingehen. Wiederum aber sage ich euch: Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr eingehe, als ein Reicher in das Reich Gottes.“ (Matthäusevangelium 19:23,24) 

 

Gütergemeinschaft:Die Menge derer aber, die gläubig geworden, war ein Herz und eine Seele; und auch nicht einer sagte, dass etwas von seiner Habe sein eigen wäre, sondern es war ihnen alles gemein. Und mit großer Kraft legten die Apostel das Zeugnis von der Auferstehung des Herrn Jesus ab; und große Gnade war auf ihnen allen. Denn es war auch keiner dürftig unter ihnen, denn so viele Besitzer von Äckern und Häusern waren, verkauften sie und brachten den Preis des Verkauften und legten ihn nieder zu den Füßen der Apostel; es wurde aber einem jeden ausgeteilt, so wie einer irgend Bedürfnis hatte. Joseph aber, der von den Aposteln Barnabas zubenannt wurde, was verdolmetscht heißt: Sohn des Tristes, ein Levit, ein Cyprier von Geburt, der einen Acker besaß, verkaufte ihn, brachte das Geld und legte es nieder zu den Füßen der Apostel.“ (Apostelgeschichte 4:32-37) 

 

Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten. Es kam aber jede Seele Furcht an, und es geschahen viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. Alle aber, welche glaubten, waren beisammen und hatten alles gemein; und sie verkauften die Güter und die Habe und verteilten sie an alle, je nachdem einer irgend Bedürfnis hatte. Und indem sie täglich einmütig im Tempel verharrten und zu Hause das Brot brachen, nahmen sie Speise mit Frohlocken und Einfalt des Herzens, lobten Gott und hatten Gunst bei dem ganzen Volke. Der Herr aber tat täglich zu der Versammlung hinzu, die gerettet werden sollten.“ (Apostelgeschichte 2:42-47) 

 

„Ein gewisser Mann aber, mit Namen Ananias, mit Sophiera, seinem Weibe, verkaufte ein Gut und schaffte von dem Kaufpreis beiseite, wovon auch das Weib wusste; und er brachte einen gewissen Teil und legte ihn nieder zu den Füßen der Apostel. Petrus aber sprach: Ananias, warum hat der Satan dein Herz erfüllt, dass du den Heiligen Geist belogen und von dem Kaufpreis des Feldes beiseitegeschafft hast? Blieb es nicht dein, wenn es so blieb, und war es nicht, nachdem es verkauft war, in deiner Gewalt? Was ist es, dass du dir diese Tat in deinem Herzen vorgenommen hast? Nicht Menschen hast du belogen, sondern Gott. Als aber Ananias diese Worte hörte, fiel er hin und verschied. Und es kam große Furcht über alle, die es hörten. Die Jünglinge aber standen auf, rafften ihn zusammen und trugen ihn hinaus und begruben ihn. Es geschah aber nach Verlauf von etwa drei Stunden, dass sein Weib hereinkam, ohne zu wissen, was geschehen war. Petrus aber antwortete ihr: Sage mir, ob ihr für so viel das Feld hingegeben habt? Sie aber sprach: Ja, für so viel. Petrus aber sprach zu ihr: Was ist es, dass ihr übereingekommen seid, den Geist des Herrn zu versuchen? Siehe, die Füße derer, welche deinen Mann begraben haben, sind an der Tür, und sie werden dich hinaustragen. Sie fiel aber alsbald zu seinen Füßen nieder und verschied. Und als die Jünglinge hereinkamen, fanden sie sie tot; und sie trugen sie hinaus und begruben sie bei ihrem Manne. Und es kam große Furcht über die ganze Versammlung und über alle, welche dies hörten." (Apostelgeschichte 5:1-11) 

 

Schwören: Wiederum habt ihr gehört, dass zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht fälschlich schwören, du sollst aber dem Herrn deine Eide erfüllen. Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht; weder bei dem Himmel, denn er ist Gottes Thron; noch bei der Erde, denn sie ist seiner Füße Schemel; noch bei Jerusalem, denn sie ist des großen Königs Stadt; noch sollst du bei deinem Haupte schwören, denn du vermagst nicht, ein Haar weiß oder schwarz zu machen. Es sei aber eure Rede:  Ja, Ja: Nein, Nein: Was aber mehr ist als dieses, ist aus dem Bösen!“  (Matthäusevangelium 5:33-37)  

 

[26] Markus- 1:1-6, 6:17-20,27; Matthäus- 3:1-12, 14:1-4; Lukas- 3:1-14; Johannesevangelium 3:22-24; 4:1-3, Apostelgeschichte 19:1-7

 

Markusevangelium 6:17-20, 27: „Denn er, Herodes (Antipas) 1), hatte ausgesandt und Johannes (Jochanan ben Sacharja) ergriffen und ins Gefängnis geworfen um der Herodias willen, der Frau seines Bruders Philippus; denn er hatte sie geheiratet. 18 Johannes hatte nämlich zu Herodes gesagt: Es ist nicht recht, dass du die Frau deines Bruders hast. 19 Herodias aber stellte ihm nach und wollte ihn töten und konnte es nicht. 20 Denn Herodes fürchtete Johannes, weil er wusste, dass er ein frommer und heiliger Mann war, und hielt ihn in Gewahrsam; ... 27 Und sogleich schickte der König (Herodes Antipas) den Henker hin und befahl, das Haupt des Johannes herzubringen. Der ging hin und enthauptete ihn im Gefängnis ...“  1) Herodes Antipas, 21 v. Chr. bis 39 n. Chr., Tetrarch von Galiläa und Peräa (4 v. Chr. bis 39 n. Chr.), Sohn des Herodes des Großen. Er wurde 39 n. Chr. von Rom nach Gallien (Frankreich) verbannt.

 

Johannes der Täufer von Flavius Josephus: Manche Juden waren übrigens der Ansicht, der Untergang der Streitmacht des Herodes sei nur dem Zorne Gottes zuzuschreiben, der für die Tötung Joannes des Täufers die gerechte Strafe gefordert habe. Den Letzteren nämlich hatte Herodes hinrichten lassen, obwohl er ein edler Mann war, der die Juden anhielt, nach Vollkommenheit zu streben, indem er sie ermahnte, Gerechtigkeit gegeneinander und Frömmigkeit gegen Gott zu üben und so zur Taufe zu kommen. Dann werde, verkündigte er, die Taufe Gott angenehm sein, weil sie dieselbe nur zur Heiligung des Leibes, nicht aber zur Sühne für ihre Sünden anwendeten; die Seele nämlich sei dann ja schon vorher durch ein gerechtes Leben entsündigt. Da nun infolge der wunderbaren Anziehungskraft solcher Reden eine gewaltige Menschenmenge zu Joannes strömte, fürchtete Herodes, das Ansehen des Mannes, dessen Rat allgemein befolgt zu werden schien, möchte das Volk zum Aufruhr treiben, und hielt es daher für besser, ihn rechtzeitig aus dem Wege zu räumen, als beim Eintritt einer Wendung der Dinge in Gefahr zu geraten und dann, wenn es zu spät sei, Reue empfinden zu müssen. Auf diesen Verdacht hin ließ also Herodes den Joannes in Ketten legen, nach der Festung Machaerus bringen, die ich oben erwähnte, und dort hinrichten. Sein Tod aber war, wie gesagt, nach der Überzeugung der Juden die Ursache, weshalb des Herodes Heer aufgerieben worden war, da Gott in seinem Zorn diese Strafe über den Tetrarchen verhängt habe. (Jüdische Altertümer v. Flavius Josephus, jüdischer Geschichtsschreiber, um 37/38 bis ca. 100 n. Chr., 18. Buch, 5. Kapitel, Abs. 2, übersetzt von Dr. Heinrich Clementz)

 

[26a] Judas aus Galiläa: „Ferner sammelte ein gewisser Judas 1), der Sohn des Räuberhauptmannes Ezechias, der eine große Macht besaß und von Herodes nur mit Mühe niedergehalten worden war, bei Sepphoris, einer Stadt in Galiläa, eine Schar verkommener Menschen, griff damit das Zeughaus an, bemächtigte sich der daselbst befindlichen Waffen, teilte sie unter die Seinigen aus, raubte auch das dort aufbewahrte Geld und verbreitete allseitig Schrecken, indem er jeden, der ihm in die Hände fiel, plünderte und mit sich fortschleppte. Ja, er strebte sogar nach der Königsherrschaft und glaubte dieselbe nicht so sehr durch Tapferkeit, als vielmehr durch zügellose Zerstörungssucht erringen zu können.“ (Jüdische Altertümer v. Flavius Josephus, um 37/38 bis ca. 100 n. Chr., jüdischer Geschichtsschreiber, 17. Buch, 10. Kap., Abs. 5, übersetzt von Dr. Heinrich Clementz), 1) Judas der Sohn des Ezechias aus Galiläa rebellierte ca. 7/4 v. Chr. gegen die römische Besatzung in Nordisrael.

  

 

Athronges: „Hierauf vermaß sich auch ein gewisser Athronges, ein Mann, der sich weder auf vornehme Herkunft, noch auf Tüchtigkeit und Reichtum berufen konnte, sondern ein einfacher Schafhirt war und sich durch nichts anderes als durch einen riesenhaften Körperbau und gewaltige Stärke auszeichnete, seine Hand nach der Krone auszustrecken. Dieser sehnte sich so sehr nach der Macht, anderen Schaden zufügen zu können, dass er, obgleich er beständig den Tod vor Augen sah, doch den Verlust des Lebens, den er sich durch seine Übeltaten zuziehen würde, für nichts achtete. Er hatte vier Brüder, welche, da sie ebenfalls von gewaltigem Körperbau und so handfest waren, dass sie jedem noch so schwierigen Unternehmen gewachsen schienen, seiner Meinung nach ihm sehr nützlich bei der Behauptung der errungenen Herrschaft sein konnten. Jeder von diesen vier Brüdern befehligte eine Rotte Abenteurer, da eine große Menschenmasse ihnen zugelaufen war, und als Anführer dieser Rotten ließen sie sich auf Gefechte ein und schlugen sich für Athronges. Er selbst aber setzte sich die Königskrone auf, hielt Rat, wie man die einzelnen Unternehmungen anzugreifen habe, und ordnete alles nach seiner Willkür an. So hielt er sich lange Zeit, führte den Titel König und tat, was ihm beliebte; auch verursachte er mit seinen Brüdern den Römern nicht weniger Schaden wie den Königlichen, da er gegen beide Teile in gleicher Weise aufgebracht war, gegen die Königlichen nämlich wegen des Übermutes, den sie unter Herodes 1) an den Tag gelegt, und gegen die Römer wegen der Unbilden, welche diese ihm zugefügt hatten. In der Folgezeit wüteten sie überall mit gleicher Grausamkeit, sodass bei ihrer Habgier und Mordsucht kaum einer, der ihnen in die Hände fiel, dem Tode entging ... In dieser Weise trieben es die Abenteurer noch lange Zeit, ließen sich bald hier, bald da auf Gefechte ein und fügten den Römern ebenso bedeutenden Schaden zu, als sie ihr eigenes Volk schwer bedrückten ...“ (Jüdische Altertümer v. Flavius Josephus, um 37/38 bis ca. 100 n. Chr., jüdischer Geschichtsschreiber, 17. Buch, 10. Kap., Abs. 7, übersetzt von Dr. Heinrich Clementz), 1) Herodes Archelaos, um 23 v. Chr.; † um 18 n. Chr.) war Ethnarch von Judäa von 4. v. Chr. bis 6. n. Chr., wurde vom römischen Kaiser Augustus nach Gallien verbannt.

  

Simon: „Auch ein gewisser Simon, ein Knecht des Königs Herodes und ein Mensch von hoher, schöner Gestalt, wollte aus der allgemeinen Verwirrung Nutzen ziehen und wagte sich die Königskrone aufzusetzen. Dann sammelte er eine Menge Abenteurer um sich, ließ sich von diesem sinnlosen Haufen als König begrüßen und glaubte von sich selbst, dass er mehr wie alle anderen der Königsherrschaft würdig sei. Er plünderte darauf den Königspalast in Jericho und äscherte ihn ein, zündete auch noch an vielen anderen Orten die könig­lichen Schlösser an und überließ alles, was sich darin vorfand, seiner Mannschaft als Beute. Zweifellos hätte er noch schlimmeres Unheil angerichtet, wenn man nicht zeitig gegen ihn eingeschritten wäre. Gratus nämlich vereinigte die königlichen Streitkräfte mit den Römern und zog ihm mit seiner gesamten Truppenmacht ent­gegen. Nach einem langen und scharfen Gefecht wurde die Bande des Simon, die aus den Gegenden jen­seits des Jordan zusammengelaufen war und mehr toll­kühn als kunstgerecht ohne alle Ordnung kämpfte, gänzlich vernichtet. Simon selbst aber wurde, als er, um sein Leben zu retten, durch einen Engpass entfliehen wollte, von Gratus 1) eingeholt und enthauptet.“ (Jüdische Altertümer v. Flavius Josephus, um 37/38 bis ca. 100 n. Chr., jüdischer Geschichtsschreiber, 17. Buch, 10. Kap., Abs. 6, übersetzt von Dr. Heinrich Clementz),1) Valerius Gratus, 4. römischer Präfekt in Judäa. Amtszeit: 11 Jahre (15 bis 26 n. Chr.). Er war der Nachfolger von Annius Rufus und wurde von Pontius Pilatus abgelöst.

 

Der Samariter: „Unterdessen hatten auch die Samariter sich empört, aufgereizt von einem Menschen, der sich aus Lügen nichts machte und dem zur Erlangung der Volksgunst jedes Mittel recht war. Er forderte das Volk auf, mit ihm den Berg Garizin zu besteigen, der bei den Samaritern als heiliger Berg gilt, und versicherte, er werde dort die heiligen Gefäße vorzeigen, die von Moses daselbst vergraben worden seien. Diesen Worten schenkten die Samariter Glauben, ergriffen die Waffen, sammelten sich in einem Dorfe mit Namen Tirathaba und zogen immer mehr Menschen an sich heran, um in möglichst großer Anzahl auf den Berg rücken zu können. Pilatus 1) jedoch kam ihnen zuvor und besetzte den Weg, den sie zurücklegen mussten, mit Reiterei und Fußvolk. Diese Streitmacht griff die Aufrührer an, hieb eine Anzahl von ihnen nieder, schlug den Rest in die Flucht und nahm noch viele gefangen, von welch letzteren Pilatus die Vornehmsten und Einflussreichsten hinrichten ließ.“ (Jüdische Altertümer v. Flavius Josephus, um 37/38 bis ca. 100 n. Chr., jüdischer Geschichtsschreiber, 18. Buch, 4. Kap., Abs. 1, übersetzt von Dr. Heinrich Clementz); 1) Pilatus, Pontius, römischer Präfekt der Provinz Judäa von 26 bis 36 n. Chr.

 

Theudas: "Noch während Fadus 1) Landpfleger von Judäa war, bewog ein Betrüger mit Namen Theudas eine un­geheure Menschenmenge, ihm unter Mitnahme ihrer gesamten Habe an den Jordan zu folgen. Er gab sich nämlich für einen Propheten aus und behauptete, er könne durch sein Machtwort die Fluten des Jordan teilen und seinem Gefolge einen bequemen Durchgang ermöglichen. Durch solche Spiegelfechtereien gelang es ihm, viele zu täuschen. Indes duldete Fadus nicht, dass ihr sinnloses Treiben Schaden stifte, indem er eine Abteilung Reiter gegen sie aussandte, die unversehens über sie herfiel, viele von ihnen tötete und andere in Ge­wahrsam brachte. Theudas selbst geriet ebenfalls in Gefangenschaft, worauf er enthauptet und sein Kopf nach Jerusalem gebracht wurde. Das sind die Haupt­begebenheiten während der Amtsführung des Land­pflegers Cuspius Fadus.“ (Jüdische Altertümer v. Flavius Josephus, um 37/38 bis ca. 100 n. Chr., jüdischer Geschichtsschreiber, 20. Buch, 5. Kap., Abs. 1, übersetzt von Dr. Heinrich Clementz), 1) Fadus, Cuspius, römischer Prokurator in Judäa von 44 und 46 n. Chr.; 2) Theudas, jüdischer Prediger, ca. 7/4 v. Chr., + um 45 n. Chr.

 

Der ägyptische Jude: Infolge des Treibens der Räuber war die ganze Stadt ein Schauplatz der nichtswürdigsten Verbrechen. Gleichzeitig traten auch Gaukler und Betrüger auf und beredeten die Menge, ihnen in die Wüste zu folgen, wo sie mit Gottes Beistand offenbare Zeichen und Wunder tun würden. Viele glaubten ihnen, mussten aber für ihren Unverstand schwer büßen, da Felix 1) sie zurückholen und hinrichten ließ. Um diese Zeit kam auch ein Mensch aus Ägypten 2) nach Jerusalem, der sich für einen Propheten ausgab und das gemeine Volk verleiten wollte, mit ihm auf den Ölberg zu steigen, der in einer Entfernung von fünf Stadien der Stadt gegenüberliegt. Dort, sagte er, wolle er ihnen zeigen, wie auf sein Geheiß die Mauern Jerusalems zusammenstürzten, durch welche er ihnen dann einen Eingang in die Stadt bahnen würde. Als Felix hiervon Kunde erhielt, ließ er die Besatzung alarmieren, machte mit einer starken Abteilung von Reitern und Fußsoldaten einen Ausfall aus Jerusalem und griff den Ägypter und dessen Anhänger an. Von den Letzteren fielen viertausend, und zweihundert wurden gefangen genommen; der Ägypter selbst aber entkam aus dem Treffen und wurde unsichtbar ...“(Jüdische Altertümer v. Flavius Josephus, um 37/38 bis ca. 100 n. Chr., jüdischer Geschichtsschreiber, 20. Buch, 8. Kap., Abs. 6, übersetzt von Dr. Heinrich Clementz), 1) Marcus Antonius Felix, 52 bis 60 n. Chr. Prokurator von Judäa, Idumäa und Samaria. 2) Der erwähnte „Ägypter“, ein ägyptischer Jude, soll mit ca. 30.000 Anhängern zum Ölberg, einem Gebirge östlich von Jerusalem gezogen sein, um die Römer in einem endzeitlichen Gotteskrieg zu besiegen und um sie aus der heiligen Stadt zu vertreiben.

 

Eleazar u. andere: „Die Verhältnisse in Judäa wurden inzwischen von Tag zu Tag zerrütteter. Denn das Land war abermals voll von Räubern und von Betrügern, die das Volk irreleiteten. Felix (Römischer Prokurator, 52-60 n. Chr.) nun ließ von diesen wie von jenen tagtäglich eine große Anzahl ergreifen und hinrichten. So nahm er auch Eleazar, den Sohn des Dinaeus, der eine ganze Räuberbande um sich gesammelt hatte, mit List gefangen ...“ (Jüdische Altertümer v. Flavius Josephus, um 37/38 bis ca. 100 n. Chr., jüdischer Geschichtsschreiber, 20. Buch, 8. Kap., Abs. 5, übersetzt von Dr. Heinrich Clementz)

 

[27] Jüdische Altertümer, 17. Buch, 10. Kapitel, Absatz 10

 

[28] Füllen = Fohlen eines Hauspferdes, das noch kein Jahr alt ist. Erst wenn die Tiere dreijährig sind, beginnen die Ausbildung und das Zureiten. Die Stuten werden erst ab dem 3. Lebensjahr gedeckt, um die Wirbelsäule nicht zu schädigen:

 

„... Geht hin in das Dorf, das euch gegenüber liegt; und alsbald, wenn ihr in dasselbe kommt, werdet ihr ein Füllen angebunden finden, auf welchem kein Mensch je gesessen hat; bindet es los und führet es her ... Und sie führten das Füllen zu Jesus und legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich auf dasselbe. (Markusevangelium 11: 1 >, Matthäusevangelium 21:1 >, Lukasevangelium 19:28 >, Johannes-evangelium 12:12 >)

 

„Frohlocke laut, Tochter Zion; jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König wird zu dir kommen: Gerecht und ein Retter ist er, demütig, und auf einem Esel reitend, und zwar auf einem Füllen, einem Jungen der Eselin. (Bibel, Altes Testament, Sacharja 9:9)  

 

[28a] „Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr seid wie die übertünchten Gräber, die von außen hübsch aussehen, aber innen sind sie voller Totengebeine und lauter Unrat! ... Ihr Schlangen, ihr Otternbrut! Wie wollt ihr der höllischen Verdammnis entrinnen?“ (Lutherbibel 1984, Matthäusevangelium 23:27,33)

 

„Er aber sprach: Weh auch euch Schriftgelehrten! Denn ihr beladet die Menschen mit unerträglichen Lasten und ihr selbst rührt sie nicht mit einem Finger an.“ (Lutherbibel 1984, Lukasevangelium 11:46)

 

„Da sprach nun Jesus zu den Juden, ... 39 Sie antworteten und sprachen zu ihm: Abraham ist unser Vater. Spricht Jesus zu ihnen: Wenn ihr Abrahams Kinder wäret, so tätet ihr Abrahams Werke. 40 Nun aber sucht ihr mich zu töten, einen Menschen, der euch die Wahrheit gesagt hat, wie ich sie von Gott gehört habe. Das hat Abraham nicht getan. 41 Ihr tut die Werke eures Vaters. Da sprachen sie zu ihm: Wir sind nicht unehelich geboren; wir haben "einen" Vater: Gott. 42 Jesus sprach zu ihnen: Wäre Gott euer Vater, so liebtet ihr mich; denn ich bin von Gott ausgegangen und komme von ihm; denn ich bin nicht von selbst gekommen, sondern er hat mich gesandt. 43 Warum versteht ihr denn meine Sprache nicht? Weil ihr mein Wort nicht hören könnt! 44 Ihr habt den Teufel zum Vater, und nach eures Vaters Gelüste wollt ihr tun. Der ist ein Mörder von Anfang an und steht nicht in der Wahrheit; denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er Lügen redet, so spricht er aus dem Eigenen; denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge. 45 Weil ich aber die Wahrheit sage, glaubt ihr mir nicht.“ (Lutherbibel 1984, Johannesevangelium 8:31, 39-45)

 

[28b] Justus von Tiberias, ein Historiker aus der 2. Hälfte des 1. Jahrhunderts, stammte aus Tiberias bei Kapernaum in Galiläa. Während des jüdischen Krieges (66-73 n. Chr.) war er Privatsekretär des Königs Herodes Agrippa II (27-93 n. Chr.). Die Geschichte des jüdischen Krieges und sein Werk über die jüdischen Könige bis Agrippa II. sind nur bruchstückhaft überliefert. In diesen Fragmenten wird Jesus Christus nicht erwähnt.

 

Philon von Alexandria, um 15/10 v. Chr. bis ca. 40 n. Chr., gilt vielen als der bedeutendste Denker des hellenistischen Judentums. Von Philon sind heute noch 50 Schriften vorhanden. Er berichtet nicht von Jesus Christus, erwähnt jedoch Pilatus und die Essener:

 

Essener: Philon, jüdisch-griechischer Philosoph, berichtet in seinem Werk „Quod omnis probus liber sit“ von 4000 Essäern (Essener), die zusammen mit den Juden im „palästinensischen Syrien“ wohnten. Sie lebten in Dörfern und mieden die Städte, „wegen der Ruchlosigkeit die den Bewohnern der Städte zur Gewohnheit wurde“ und „weil der Umgang mit Ruchlosen die Seelen einheilbar infiziert, wie eine Krankheit die durch todbringende Luft hervorgerufen wird.“

 

Sie würden auch „mit Absicht weder Geld noch Land besitzen“, hätten keine Schiffe und Sklaven und „man kann bei ihnen niemanden finden, der Pfeile, Speere, Dolche, Helme, Brustpanzer oder Schilde herstellt sowie überhaupt keinen Waffenschmied, Kriegsmaschinenbauer oder sonst jemanden der Dinge anfertigt, die im Krieg gebraucht werden.“

 

Und Philon berichtet weiter: „Den Großhandel, Krämerei und Reederbetrieb kennen sie nicht einmal im Traum, da sie alles verabscheuen, was Anlass zur Habsucht geben kann.“

 

Essener: Philon, jüdisch-griechischer Philosoph, über die Essener (Pro Judaeis defensio: Praepar. evang. VIII 11,1-18) „... Sie werden Essener genannt. Ich glaube, sie sind angesichts ihrer Frömmigkeit dieser Bezeichnung würdig. Sie bewohnen viele Städte Judäas, aber auch große, viel bewohnte Dörfer ... Keiner wagt es, überhaupt etwas zu besitzen, kein Haus, keinen Sklaven, kein Land, keine Herden, nichts anderes, was der Beschaffung oder Ausstattung von Reichtum gleich käme. Sie legen vielmehr alles geschlossen in die Mitte [ihrer Gemeinschaft] und haben den gemeinsamen Ertrag von allem. Sie wohnen an demselben Ort, sie leben in Freundschaftsbünden und halten gemeinsame Mahlzeiten und führen ihre Leben, indem sie alles für Gemeinnütziges einsetzen ... Jeder nimmt den Lohn für so verschiedene Tätigkeiten und übergibt sie dem einen Schatzmeister, der von ihnen gewählt wurde. Nach dem Empfang kauft jener sofort das Notwendige und sorgt für reichlich Nahrung und die anderen Dinge, die für das tägliche Leben notwendig sind. Sie leben miteinander an einem Ort, sind Tischgenossen und miteinander zufrieden, lieben die Genügsamkeit, fliehen das aufwendige Leben wie eine Krankheit an Seele und Leib ... Was nun allein oder am meisten die Gemeinschaft dabei war zu gefährden, haben sie höchst scharfsinnig in der Ehe gesehen. Deshalb haben sie sie vermieden, um unterschiedslos Enthaltsamkeit zu üben. Keiner der Essener hat eine Frau, weil die Frau selbstsüchtig, sehr eifersüchtig und feige ist und die guten Sitten des Mannes zu umgarnen und mit bedrängenden Zaubereien zu verleiten versucht ...“ (Übersetzung: R. Hoppe)

 

Josephus, Flavius, um 37/38 bis ca. 100 n. Chr., jüdischer Geschichtsschreiber. – „Testimonium Flavianum“ nennt man das gefälschte „Zeugnis“ über Jesus Christus im Werk des jüdischen Historikers Josephus. Die Manipulation durch christliche Apologeten betrifft zwei Abschnitte in seinem Werk „Jüdische Altertümer“, das 93 n. Chr. veröffentlicht wurde:

 

„Um diese Zeit lebte Jesus, ein weiser Mensch, wenn man ihn überhaupt einen Menschen nennen darf. Er war nämlich der Vollbringer ganz unglaublicher Taten und der Lehrer aller Menschen, die mit Freuden die Wahrheit aufnahmen. So zog er viele Juden und auch viele Heiden an sich. Er war der Christus. 1) Und obgleich ihn Pilatus auf Betreiben der Vornehmsten unseres Volkes zum Kreuztod verurteilte, wurden doch seine früheren Anhänger ihm nicht untreu. Denn er erschien ihnen am dritten Tage wieder lebend, wie gottgesandte Propheten dies und tausend andere wunderbare Dinge von ihm vorherverkündigt hatten. Und noch bis auf den heutigen Tag besteht das Volk der Christen, die sich nach ihm nennen, fort.“ (Jüdische Altertümer, Flavius Josephus, 18. Buch, 3. Kap., 3. Abs., Fourier Verlag, übersetzt von Dr. H. Clementz, S. 515)

 

„Zur Befriedigung dieser seiner Hartherzigkeit glaubte Ananus jetzt, da Festus (60-62 n. Chr. Statthalter in Judäa) gestorben, Albinus aber noch nicht angekommen war, eine günstige Gelegenheit gefunden zu haben. Er versammelte daher den hohen Rat zum Gericht und stellte vor dasselbe den Bruder des Jesus, der Christus genannt wird, mit Namen Jakobus, sowie noch einige andere, die er der Gesetzesübertretung anklagte und zur Steinigung führen ließ.“ (Jüdische Altertümer, Flavius Josephus, 20. Buch, Kap. 9, Abs. 1, Fourier Verlag, übersetzt von Dr. H. Clementz, S. 667)  

 

Jesus, des Ananus Sohn; von Josephus, Flavius: „Noch unheimlicher ist folgendes: Ein gewisser Jesus, des Ananus Sohn, ein ungebildeter Landmann, kam vier Jahre vor dem Ausbruch des Krieges (ca. 62 n. Chr., Kriegsbeginn 66 n. Chr.), als die Stadt (Jerusalem) sich noch tiefen Friedens und großen Wohlstandes erfreute, zu dem Fest, an dem der Sitte gemäß alle Juden Gott zu Ehren Laubhütten in der Nähe des Tempels errichten, und fing da plötzlich an zu rufen: „Eine Stimme vom Aufgang, eine Stimme vom Niedergang, eine Stimme von den vier Winden; eine Stimme über (wehe) Jerusalem und den Tempel, eine Stimme über Bräutigame und Bräute, eine Stimme über (wehe) das ganze Volk!“

 

Tag und Nacht rief er dies, in allen Gassen der Stadt umherlaufend. Einige vornehme Bürger, die sich über das Unglücksgeschrei ärgerten, ergriffen den Menschen und züchtigten ihn mit harten Schlägen. Er aber fuhr, ohne etwas zu seiner Entschuldigung oder gegen seine Peiniger vorzubringen, immer nur fort, seine früheren Worte zu wiederholen. Mit Recht glaubten daher die Vorsteher, es möchte dem Benehmen des Menschen ein höherer Antrieb zugrunde liegen, und führten ihn vor den römischen Landpfleger, wo er, bis auf die Knochen durch Geißelhiebe zerfleischt, weder um Gnade bat noch Tränen vergoss, sondern im kläglichsten Tone jeden Hieb nur mit dem Ruf erwiderte: „Wehe Jerusalem!“

 

Als Albinus - so hieß der Landpfleger - ihn fragte, wer und woher er sei und weshalb er also rufe, gab er auch hierauf keine Antwort, sondern fuhr mit seinem Klagegeschrei über die Stadt fort, bis Albinus, von seinem Wahnsinn überzeugt, ihn laufen ließ. Die ganze Zeit hindurch bis zum Ausbruch des Krieges verkehrte er mit keinem seiner Mitbürger, noch sah man ihn mit jemand reden - sondern Tag für Tag klagte er, wie wenn er ein Gebet hersage: „Wehe, wehe Jerusalem!“ Er fluchte keinem, der ihn schlug (was täglich vorkam), noch dankte er dem, der ihm zu essen gab: Für niemand hatte er eine andere Antwort, als jene Unglücksprophezeiung.

 

Besonders laut aber ließ er seinen Ruf an Festtagen erschallen, und obwohl er dies sieben Jahre und fünf Monate lang fortsetzte, wurde seine Stimme weder heiser noch matt, bis er endlich bei der Belagerung seine Weissagung in Erfüllung gehen sah und mit seinen Wehklagen aufhörte. Während er nämlich eines Tages mit dem gellenden Ruf: „Wehe der Stadt, dem Volke und dem Tempel“ die Mauer umging, und schließlich hinzusetzte: „Wehe auch mir“, traf ihn ein aus einer Wurfmaschine geschleuderter Stein und machte seinem Leben ein Ende; mit dem Klageruf auf den Lippen verschied er.“ (Josephus, Flavius, um 37/38 bis ca. 100 n. Chr., jüdischer Geschichtsschreiber, Geschichte des Jüdischen Krieges, 6. Buch, 5. Kapitel, Abs. 3) 

 

Tacitus, Publius Cornelius, um 58 n. Chr. bis ca. 120 n. Chr., war ein bedeutender römischer Historiker und Senator:

Über die Christen: „Um das Gerücht aus der Welt zu schaffen, schob er die Schuld auf andere und verhängte die ausgesuchtesten Strafen über die wegen ihrer Verbrechen Verhassten, die das Volk ‚Chrestianer’ nannte. Der Urheber dieses Namens ist Christus, der unter der Regierung des Tiberius vom Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet worden war. Für den Augenblick war [so] der verderbliche Aberglaube unterdrückt worden, trat aber später wieder hervor und verbreitete sich nicht nur in Judäa, wo das Übel aufgekommen war, sondern auch in Rom, wo alle Gräuel und Abscheulichkeiten der ganzen Welt zusammenströmen und gefeiert werden.“ (Tacitus: Annalen, 15. Buch, 44)

 

Über die Juden: „Damit er sich des Volkes für die Zukunft versichere, gab Moses ihnen neue Kultbräuche, die im Gegensatz stehen zu denen aller übrigen Menschen. Unheilig ist dort alles, was bei uns heilig, andererseits ist erlaubt bei ihnen, was für uns als Schande gilt.“ (Tacitus: Historien, um 100 n. Chr., 5. Buch, 4–5)

 

Plinius der Jüngere, 61/62 n. Chr. bis 113/115 n. Chr., war Anwalt und Senator der römischen Kaiserzeit. Aus einem Brief des Plinius, als Statthalter in Bithynien (Türkei), an Kaiser Trajan: „Denen, die bestritten, Christen zu sein oder gewesen zu sein, sprach ich die Formel vor und ließ sie die Götter anrufen und zu Deinem Standbild … mit Weihrauch- und Weinspenden beten und außerdem Christus lästern. Daraufhin konnten sie meines Erachtens freigelassen werden. Denn zu all dem sollen sich wahre Christen nicht zwingen lassen ... Sie versicherten, ihre ganze Schuld oder ihr Irrtum habe darin bestanden, dass sie sich regelmäßig an einem bestimmten Tag vor Dämmerung versammelten, um Christus als Gott ein Lied darzubringen und sich durch Eid zu verpflichten - nicht etwa zu einem Verbrechen, sondern zur Unterlassung von Diebstahl, Raub, Ehebruch, Treulosigkeit, Unterschlagung von anvertrautem Gut. Umso mehr hielt ich es für notwendig, von zwei sogenannten ‚Dienerinnen‘ die Wahrheit auch noch durch Folter zu erforschen. Ich fand nichts als absurden, maßlosen Aberglauben ... Denn nicht nur über die Städte, auch über die Dörfer hat sich die Seuche dieses Aberglaubens verbreitet. Doch es scheint möglich, sie einzudämmen und auszutilgen.“ (Plinius der Jüngere, Epistula 10, 96,7)

 

Sueton, um 69 bis 140 n. Chr., römischer Biograf und Kulturhistoriker, erwähnt einen Erlass des römischen Kaisers Claudius aus dem Jahre 49 n. Chr., der die Juden aus Rom auswies. „Chrestos“ ist altgriechisch „der Nützliche“: „Die Juden, welche von einem gewissen Chrestos aufgehetzt, fortwährend Unruhe stifteten, vertrieb er aus Rom.“ (De Vita Caesarum, 120 n. Chr., Kap. 25,4)

 

„Mit Todesstrafen wurde gegen die Christen (christiani) vorgegangen, eine Sekte, die sich einem neuen, gefährlichen Aberglauben ergeben hatte.“ (De Vita Caesarum, 120 n. Chr.)

 

Mara Bar Serapion, ein syrischer Stoiker, schrieb aus dem Gefängnis zwischen 73 und 135 n. Chr. einen Brief an seinen Sohn Serapion. Er empfahl ihm, Weisheit anzustreben, die trotz aller Verfolgung der Weisen ewig sei. Er nannte eine Reihe von Beispielen, darunter Jesus, ohne dessen Namen zu erwähnen:

 

„Welchen Vorteil hatten die Athener davon, dass sie Sokrates zum Tode verurteilten? Hunger und Seuchen kamen über sie als Strafe für ihr Verbrechen. Welchen Vorteil hatten die Männer von Samos davon, dass sie Pythagoras verbrannten? In einem Augenblick wurde ihr Land von Sand verschüttet. Was hatten die Juden davon, dass sie ihren weisen König umbrachten? Bald darauf wurde ihnen ihr Reich weggenommen. Denn Gott rächte diese drei Weisen: Die Athener starben Hungers; die Bewohner von Samos wurden vom Meer bedeckt, die Juden umgebracht und aus ihrem Land vertrieben, nachdem es zerstört worden war. Danach lebten sie in vollständiger Zerstreuung. Doch Sokrates starb nicht umsonst. Er lebt fort in den Lehren des Plato; auch Pythagoras starb nicht umsonst, er lebt fort in der Statue der Hera. Und auch der weise König der Juden starb nicht umsonst; er lebt weiter in den neuen Geboten, die er verkündet hat.“ (Übersetzung nach Gerd Theißen, Annette Merz, Der historische Jesus, a. a. O. S. 82f)

 

Lukian von Samosata, griechischer Satiriker, 120 bis ca. 180 n. Chr., schrieb ca. 170 n. Chr. über das Lebensende des Peregrinus: „Übrigens verehrten diese Leute den bekannten Magus (Magir), der in Palästina deswegen gekreuzigt wurde, weil er diese neuen Mysterien in die Welt eingeführt hatte … Denn diese armen Leute haben sich in den Kopf gesetzt, dass sie mit Leib und Seele unsterblich werden und in alle Ewigkeit leben würden: Daher kommt es dann, dass sie den Tod verachten und viele von ihnen ihm sogar freiwillig in die Hände laufen. Überdies hat ihnen ihr erster Gesetzgeber beigebracht, dass sie untereinander alle Brüder würden, sobald sie den großen Schritt getan hätten, die griechischen Götter zu verleugnen und ihre Knie vor jenem gekreuzigten Sophisten zu beugen, und nach seinen Gesetzen zu leben.“ (zitiert nach Schweizerische Evangelische Allianz: Außerbiblische Quellen zu Jesus Christus)

 

Jüdischer Talmud: „Am Vorabend des Passahfestes hängte man Jeschu. Vierzig Tage vorher hatte der Herold ausgerufen: Er wird zur Steinigung hinausgeführt, weil er Zauberei getrieben und Israel verführt und abtrünnig gemacht hat; wer etwas zu seiner Verteidigung zu sagen hat, der komme und sage es. Da aber nichts zu seiner Verteidigung vorgebracht wurde, so hängte man ihn am Vorabend des Passahfestes.“ (Talmud, Traktat, Sanhedrin 43 a, 3. Jh. n. Chr.)

 

[29] Fanatismus ist ein rigoroses, unduldsames Eintreten für eine Sache oder Idee als Ziel, das kompromisslos durchzusetzen versucht wird.

 

[30] Fundamentalismus ist allgemein das radikale und kompromisslose Eintreten für politische oder religiöse Grundsätze. 

 

[31] Voltaire, eigentlich François Marie Arouet, (1694-1778), französischer Schriftsteller und Philosoph. Er war einer der führenden Vertreter der Aufklärung.

 

[32] Buddha (um 563 bis ca. 486 v. Chr.), Mahatma Gandhi (1869-1948), usw.

 

[33] Z. B.: Dr. Robert A. Monroe, Der Mann mit den zwei Leben.  

 

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