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Krieg oder Frieden?

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"Es ist mir nicht erlaubt Soldat zu sein, denn ich bin Christ."

„Mihi non licet militare, quia Christianus sum.“

Maximilian, christl. Märtyrer, 295 n. Chr.  [1]

 

Ein Blutstrom verläuft durch die Geschichte Europas, denn immer wieder bekriegten sich christliche Nationen und verursachten ein fast unbeschreibliches Leid. Ein Christ schlug den anderen tot, viele wurden verkrüppelt, viele starben unter furchtbaren Qualen und Frauen und Kinder beschritten den Weg nach Golgatha [2].

 

Kein Jahrhundert verging, indem die Europäer sich nicht gegenseitig bekriegten oder versuchten ihre Nachbarländer oder zumindest Teile derselben zu annektieren. Christliche Herrscher von Gottes Gnaden [3], die Stellvertreter Christi auf Erden, waren die Schreibtischtäter. Allein im Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648, der oft mit Plünderungen, Raubzügen und Massakern an der Zivilbevölkerung verbunden war, starben durch Kriegshandlungen, Seuchen und Missernten fast 2/3 der mitteleuropäischen Bevölkerung.

 

Permanent setzten sich die Auseinandersetzungen fort und mündeten schließlich im 1. Weltkrieg, 1914-1918, der 17 Millionen Tote forderte. Zwanzig Jahre später folgte der 2. Weltkrieg, 1939-1945. Im christlichen Europa fanden dabei ca. 40 Millionen Menschen den Tod. Das massenhafte Morden und die verübten Grausamkeiten an Zivilisten sind in der Geschichte beispiellos. Aber wer wollte die jungen Soldaten richten? Wo waren die Wächter, wo die Vernunft? Und wie erklärten sich viele der christlichen Hirten? Standen sie möglicherweise vor der Entscheidung Jahwe [4] oder Jesus?

 

Es scheint, dass selbst der scharfsinnige und aus einem protestantischen Elternhaus stammende Philosoph Immanuel Cant, 1724-1804, bei der Niederschrift der nachstehenden Erklärung mehr vom Geist jener Zeit als von der Liebe zur Weisheit erfüllt war:

 

„Selbst der Krieg, wenn er mit Ordnung und Heiligachtung der bürgerlichen Rechte geführt wird, hat etwas Erhabenes an sich und macht zugleich die Denkungsart des Volks, welches ihn auf diese Art führt, nur um desto erhabener, je mehreren Gefahren es ausgesetzt war und sich mutig darunter hat behaupten können: da hingegen ein langer Frieden den bloßen Handelsgeist, mit ihm aber den niedrigen Eigennutz, Feigheit und Weichlichkeit herrschend zu machen und die Denkungsart des Volks zu erniedrigen pflegt." [5]

 

Summa summarum ein großes Unglück. Aber auch eine Verdummung der Völker, viel Heroismus, Gier, Herrschsucht, Egoismus und Eitelkeit. Zumindest muss die Frage erlaubt sein, was der Blutstrom in der Geschichte der christlichen Nationen mit dem Christentum zu tun hat?

 

Vielleicht liegt die einfache Erklärung in der Verschiedenartigkeit der Vereine, Frühchristentum, Katholische Kirche und Protestantische Kirche. Durch die rohen und abscheulichen Geschehnisse in der Geschichte kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die beiden Kirchen mehr dem alten israelitischen Kriegsgott Jahwe  zugetan waren, als dem jüdischen Prediger Jesus. Schließlich waren es ja nur seine Empfehlungen. Warum legte er auch die Messlatte so hoch?

 

Sagte doch Rabbi Jesus im Neuen Testament der Bibel: „Liebt eure Feinde, segnet die euch fluchen, tut wohl denen die euch hassen, und betet für die die euch beleidigen und verfolgen ..." [6]. Doch der Weg von der Erkenntnis zur Tat war und ist weit.

 

Die sich ergebende Unstimmigkeit wurde auch von vielen Theologen erkannt, die bezüglich des Frühchristentums erklärten: „Ihre Religion war für sie identisch mit Frieden, sie verurteilte streng den Krieg" [7]; „Die frühe Kirche hielt Liebe und Töten für unvereinbar". „Von allen hervorragenden Schriftstellern in Ost und West wird die Teilnahme von Christen am Kriegsdienst verworfen" [8] oder „Im Allgemeinen missbilligte die Frühkirche den Militärdienst wie den Krieg" [9], so ihre Ergebnisse.

 

Die frühchristliche Sicht gemäß dem Neuen Testament

 

Als Legitimation für die Exesse wird auch gern der Theologe Paulus von Tarsus zitiert, der vor fast 2000 Jahren meinte: 

 

„Jede Seele unterwerfe sich den obrigkeitlichen Gewalten, denn es ist keine Obrigkeit, außer von Gott und diese, welche sind, sind von Gott verordnet. 2 Wer sich aber daher der Obrigkeit widersetzt, widersteht der Anordnung Gottes; die aber widerstehen, werden ein Urteil über sich bringen. 3 Denn die Regenten sind nicht ein Schrecken für das gute Werk, sondern für das böse. Willst du dich aber vor der Obrigkeit nicht fürchten? So übe das Gute und du wirst Lob von ihr haben; 4 denn sie ist Gottes Dienerin, dir zum Guten. Wenn du aber das Böse übst, so fürchte dich, denn sie trägt das Schwert nicht umsonst; denn sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe für den, der Böses. 5 Darum ist es notwendig untertan zu sein, ... auch des Gewissens wegen ... denn dieserhalb entrichtet ihr auch Steuern ... gebet allen, was ihnen gebührt: die Steuer, dem die Steuer, den Zoll, dem der Zoll [gebührt] ..." und er empfahl „einander zu lieben" [10]

 

Er sprach hier also von einfachen staatsbürgerlichen Pflichten, nicht davon als Soldaten christliche Brüder aus Nachbarländern zu erschlagen. Die eher moderate Einstellung gegenüber dem Staat hat sich für den in einem strenggläubigen jüdischen Elternhaus in Tarsus/Türkei aufgewachsenen Paulus nicht ausgezahlt. Wurde er doch ca. 62 n. Chr. von der römischen "Obrigkeit" in Rom hingerichtet.

 

Sein Aufruf „die ganze Waffenrüstung Gottes" anzulegen, „damit ihr zu bestehen vermöget wider die Listen des Teufels", erklärte er dann anschließend nicht im Sinne des alten israelitischen Kriegsgottes Jahwe, sondern im Sinne des jüdischen Predigers Jesus aus Galiläa. Sagt Paulus doch ausdrücklich: „Denn unser Kampf ist nicht wider Fleisch und Blut, sondern wider die Fürstentümer (himmlische), wider die Gewalten (himmlische), wider die Weltbeherrscher dieser Finsternis (himmlische), wider die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern." (Epheser, Kap. 6:10:20)

 

Und: „Wir leben zwar in dieser Welt, kämpfen aber nicht mit den Waffen dieser Welt. Die Waffen, die wir bei unserem Feldzug einsetzen, sind nicht irdisch, aber sie haben durch Gott die Macht, Festungen zu schleifen; mit ihnen reißen wir alle hohen Gedankengebäude nieder, die sich gegen die Erkenntnis Gottes auftürmen.“ (2. Korinther 10:3-5)

 

Unter Verwendung von Symbolen spricht Paulus weiter von einem gewaltfreien Glaubenskampf und beschreibt die neue christliche Waffenrüstung: „Eure Lenden umgürtet mit Wahrheit, und angetan mit dem Brustharnisch der Gerechtigkeit, und beschuht an den Füßen mit der Bereitschaft des Evangeliums des Friedens, indem ihr über das alles ergriffen habt den Schild des Glaubens, mit welchem ihr imstande sein werdet, alle feurigen Pfeile des Bösen auszulöschen. Nehmt auch den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches Gottes Wort ist; zu aller Zeit betend mit allem Gebet und Flehen in dem Geiste ..." [11]. In seiner Definition der Liebe bittet er u. a. die Christen, nicht „Böses mit Bösem" zu vergelten, sich nicht selbst „zu rächen" und „wenn nun dein Feind hungert, speise ihn; wenn er dürstet, so tränke ihn", auch „überwinde das Böse mit dem Guten" [12].

 

Nach den biblischen Berichten und dem Zeugnis der Kirchenväter bemühten sich die Frühchristen, gemäß den Worten Jesu, dem Kaiser zu geben „was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist" [13]. Denn sie wollten alle, so wie sie es ausdrückten, „ein königliches Priestertum, eine heilige (ehrliche, wahrhaftige, besondere) Nation" [14] sein, nicht töten, sich nicht an Kriegshandlungen beteiligen und „Gott mehr ... gehorchen als den Menschen" [15], um so möglichst mit Lichtgeschwindigkeit vom Primaten zum Übermenschen zu mutieren. Soweit es aus den Fragmenten des Neuen Testamentes noch ersichtlich ist, bereiteten sie sich auf eine andere und externe Welt vor, wo Krieg und Tod nicht mehr sind, noch Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz (Offenbarung 21:4), war ihnen doch von Jesus eine solche Perspektive gegeben worden:

 

„In dem Hause meines Vaters sind viele Wohnungen; wenn es nicht so wäre, würde ich es euch gesagt haben; denn ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten. Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, auf dass, wo ich bin, auch ihr seiet. (Johannesevangelium 14:1-3)

 

Letztendlich wird auch gern von den Befürwortern des christlichen Kriegsdienstes die Geschichte des Soldaten Kornelius im Rang eines Hauptmanns zitiert, der vom Apostel Petrus getauft wurde. Nach dem Bericht im Neuen Testament hätte Petrus das auch nie gemacht, wenn er nicht vorher diese Vision mit den unreinen Tieren gehabt hätte, die er essen sollte, was er ablehnte, denn er hatte niemals „irgendetwas Gemeines und Unreines gegessen". [16] Eine göttliche Stimme sprach jedoch zu ihm: „Was Gott gereinigt hat, mache du nicht gemein!" Petrus assoziierte das mit dem Hauptmann Kornelius, da der Umgang mit einem Fremdling und dann noch mit Vorhaut [16a], verboten war. Doch der "Chef" hatte gesprochen und Kornelius wurde mit seinem Anhang getauft. Die alte Regel bezüglich der Fremdlinge und der Vorhaut wurde nach Rücksprache mit der christlichen Jerusalemer Gemeinde gestrichen. [17]

 

Nach der Apostelgeschichte war Hauptmann Kornelius nun ein getaufter Christ. Ausnahmen bestätigen die Regel. Wichtig ist bei der Zitierung solcher Berichte, das Alte- und Neue Testament als einen historischen Roman zu sehen, was durch die Forschung hinreichend belegt ist. Ein Teil des Ganzen muss als Ausschmückung und Werbung angesehen werden. Wer dem nicht folgen kann, sollte die Geschichte im gleichen Buch von den Christen Ananias und seiner Frau Sophiera lesen. Sie hatten beschlossen ihr Feld zu verkaufen, und einen Teil vom Erlös ihrer Gemeinde zu spenden. Petrus soll dem Mann heftige Vorwürfe gemacht haben, weil er einen Teil zurückbehalten hatte, denn er hätte damit den Heiligen Geist und Gott betrogen. Nach dem Bericht viel der arme Ananias tot um. Seine Frau kam etwas später, ohne zu wissen, was geschehen war, und verschwieg ebenfalls den einbehaltenen Teil. Petrus kündigte ihr ihren Tod an. „Sie fiel aber alsbald zu seinen Füßen nieder und verschied ... Und es kam große Furcht über die ganze Versammlung und über alle, welche dies hörten." [18] Wahrheit oder Dichtung, das ist hier die Frage?

 

Alighiero Tondi, ehemals Jesuit und Professor an der päpstlichen Universität, bilanziert: „In Zeiten blinden und unwissenden Glaubens hat die Kirche festgesetzt, dass die Schriften, besonders die des Neuen Testaments, vollständig als authentisch und wahrhaftig zu gelten haben. Heute kann sie daher nicht mehr umkehren. Die Ergebnisse der modernen Wissenschaft müssen abgelehnt werden. Andererseits müssen die irrigen Entscheidungen der Kirche als wahr bewiesen werden. Deshalb muss man glauben, dass schwarz weiß ist". [19]

 

Die Einstellung der Kirchenväter in den ersten drei Jahrhunderten

 

 

„Nirgends in der gesamten christlichen Literatur der vorkonstantinischen Zeit wurde die Teilnahme am Krieg erlaubt." Cadoux [20]

 

Justin der Märtyrer, um 100-165 n. Chr., Philosoph, Theologe und Verteidiger der christlichen Kirche, spricht von dem praktizierten Glauben der Frühchristen:

 

„Obwohl wir uns so gut auf Krieg, Mord und alles Böse verstanden hatten, haben wir alle auf der weiten Erde unsere Kriegswaffen umgetauscht, die Schwerter in Flugscharen, die Lanzen in (andere) Ackergeräte, und züchten Gottesfurcht, Gerechtigkeit, Menschenfreundlichkeit, Glaube und Hoffnung, welche vom Vater selbst durch den Gekreuzigten gegeben ist." (Justin der Märtyrer, 100- 165 n. Chr., Philosoph, Theologe, Verteidiger der christlichen Kirche. - Dialog mit dem Juden Tryphon, 110,3)

 

„Wer dich auf die Wange schlägt, dem biete auch die andere dar, und wer dir den Rock oder den Mantel nimmt, dem wehre es nicht" ... „Wir dürfen also nicht Widerstand leisten, und er hat keineswegs gewollt, dass wir es den Bösen nachtun, er hat uns vielmehr ermahnt, durch Geduld und Sanftmut alle von der Schande und von der Lust am Schlechten abzubringen." (Justin der Märtyrer, † um 165, Erste Apologie, 16)

 

Tertullian, ein lateinischer Kirchenschriftsteller, um 160 – ca. 220 n. Chr., übte einen nachhaltigen Einfluss auf die späteren Kirchenväter aus. Er formulierte eine christliche Theologie, die prägend für die Auffassungen der Frühkirche wurden. Viele seiner Werke gingen in die Orthodoxie der römisch-katholischen Kirche ein:

 

„Wird es erlaubt sein, mit dem Schwerte zu hantieren, da der Herr den Ausspruch tut, "wer sich des Schwertes bedient, werde durch das Schwert umkommen"? Soll der Sohn des Friedens in der Schlacht mitwirken, er, für den sich nicht einmal das Prozessieren geziemt? Wird er Bande, Kerker, Foltern und Todesstrafen zum Vollzug bringen, er, der nicht einmal die ihm selber zugefügten Beleidigungen rächt?" (Tertullian: Vom Kranze des Soldaten, 11, De corona militis)

 

„Wie viele andere Übertretungen kann man noch in den Verrichtungen des Kriegslebens ausfindig machen, die einem Abfall gleichzustellen sind! Schon dass er aus dem Heerlager des Lichtes zum Heerlager der Finsternis übergeht, ist eine Handlung der Fahnenflucht." (Tertullian: Vom Kranze des Soldaten, 11, De corona militis)

 

„Trotzdem muss man nach Annahme des Glaubens und der Taufe entweder den Kriegsdienst sofort verlassen, wie viele auch wirklich getan haben, oder, um nichts, was auch durch den Soldatenstand nicht zu etwas Erlaubtem wird, tun zu müssen, alle möglichen Ausflüchte suchen, oder zuletzt für Gott das dulden, was in gleicher Weise der heidnische Glaube zudiktiert. Denn weder Straflosigkeit bei Versündigungen noch Freibleiben vom Märtyrertode stellt der Soldatenstand in Aussicht. Der Christ wird nirgendwo ein anderer, als er ist. Es gibt nur ein Evangelium, und Jesus ist einer und derselbe; er verleugnet einen jeden, der Gott verleugnet, und bekennt einen jeden, der Gott bekennt; er wird die Seele retten, die für seinen Namen verloren wurde, und im Gegenteil diejenige verderben, die wider seinen Namen erhalten wurde. Bei ihm gilt der gläubige Nichtsoldat als Soldat und der gläubige Soldat nicht mehr als eine Zivilperson." (Tertullian: Vom Kranze des Soldaten, 11, De corona militis)

 

Ein weiterer Zeuge aus der Frühzeit war Origenes, um 185 bis ca. 254 n. Chr., christlicher Kirchenschriftsteller, Lehrer und Theologe. In seiner Schrift „Gegen die Schrift des Celsus mit dem Titel Wahre Lehre" antwortet er Celsus, dem antiken Philosophen des späten 2. Jahrhunderts n. Chr., auf seine Streitschrift gegen das Christentum:

 

Celsus: "Handelten nämlich alle so wie du", dem Kaiser nicht als Soldat zu dienen, „so wird nichts im Wege stehen, dass er (der Kaiser) allein und einsam übrigbleibt, die Herrschaft auf Erden aber den gesetzlosesten und wildesten Barbaren zufällt und dass weder von deiner Gottesverehrung noch von der wahren Weisheit unter den Menschen ferner eine Kunde übrig bleibt." (Origenes contra Celsum, 8. Buch, Kapitel 68)

 

Origenes: „Im Folgenden ermahnt uns Celsus, "wir sollten dem Kaiser beistehen mit aller Kraft, mit ihm für das uns abmühen, was recht ist, für ihn kämpfen und, wenn die Not es forderte, mit ihm ins Feld rücken und mit ihm seine Truppen anführen". Darauf haben wir zu sagen, dass wir zu rechter Zeit den Herrschern "beistehen", und zwar sozusagen mit göttlicher Hilfe, da wir die Waffenrüstung Gottes" 11) anlegen. Und dies tun wir, gehorsam dem Apostelwort, das so lautet: "Ich ermahne euch nun zuerst, zu vollziehen Bitten, Gebete, Fürbitten, Danksagungen für alle Menschen, für Könige und für alle Obrigkeiten." Und je frömmer jemand ist, um so mehr richtet er durch seine den Herrschern geleistete Hilfe aus, auch mehr als die Soldaten, die zur Feldschlacht ausziehen und so viele von den Feinden vernichten, als sie imstande sind.

 

Ferner könnten wir den Gegnern unseres Glaubens, die von uns verlangen, dass wir die Waffen für das allgemeine Beste tragen und Feinde niedermachen sollen, auch diese Antwort geben: Eure eigenen Priester, die für gewisse Götterbilder zu sorgen haben, und die Tempeldiener derjenigen, die ihr für Götter haltet, dürfen der Opfer wegen ihre Rechte nicht beflecken, damit sie mit reinen Händen, an denen kein Menschenblut haftet, euren Göttern die herkömmlichen Opfer darbringen können; und wenn ein Krieg ausbricht, so macht ihr doch wohl nicht auch die Priester zu Soldaten.

 

Wenn dies nun mit gutem Grunde geschieht, um wie viel mehr wird es dann vernünftig sein, dass die Christen, während die andern zu Felde ziehen, als Priester und Diener Gottes an dem Feldzuge teilnehmen, indem sie ihre Hände reinbewahren und mit ihren an Gott gerichteten Gebeten für die gerechte Sache und deren Verteidiger und für den rechtmäßigen Herrscher kämpfen, damit alles vernichtet werde, was sich der guten Sache und ihren Verteidigern feindlich widersetzt! Wir vernichten aber mit unseren Gebeten auch alle Dämonen, welche die kriegerischen Unternehmungen anstiften und Eide brechen und den Frieden stören, und helfen dadurch den Herrschern mehr als die Personen, welche äußerlich zu Felde ziehen! "Wir mühen uns" aber für die gemeinsamen Angelegenheiten "ab", indem wir unserer Gebete, die wir nach Schuldigkeit Gott darbringen, mit Übungen und Betrachtungen verbinden, die uns lehren, die Vergnügungen zu verachten und uns von ihnen nicht fortreißen zu lassen. "Wir kämpfen" sogar mehr "für den Kaiser"; und wenn wir auch nicht "mit ihm ins Feld rücken", "sobald die Not es fordert", so ziehen wir doch für ihn zu Felde, indem wir ein besonderes Kriegsheer der Frömmigkeit durch die an die Gottheit gerichteten Fürbitten zusammenbringen." (Origenes contra Celsum, 8. Buch, Kapitel 73)

 

Auch Cyprian, um 205-258 n. Chr., Bischof von Karthago, der als Märtyrer starb, spricht sich gegen das Töten im Krieg aus:

 

„Und ferner, dass du nicht schwörst und fluchst, dass du das dir Abgenommene nicht zurückforderst, dass du dem, der dich schlägt, auch die andere Wange darreichst, wenn du einen Backenstreich erhalten hast, dass du dem Bruder, der sich an dir versündigt, nicht nur siebzigmal siebenmal, sondern überhaupt alle seine Verfehlungen verzeihst, dass du deine Feinde liebst, dass du für deine Widersacher und Verfolger Fürbitte einlegst, wirst du all das über dich bringen können ohne zähe Geduld und Ausdauer?" (Cyprian von Karthago: Vom Segen der Geduld, De bono patientiae, Kapitel 16)

 

„Sieh nur, wie die Straßen von Wegelagerern versperrt, wie die Meere von Seeräubern besetzt und wie Kriege mit dem blutigen Gräuel des Lagerlebens über alle Länder verbreitet sind! Es trieft die ganze Erde von gegenseitigem Blutvergießen; und begeht der Einzelne einen Mord, so ist es ein Verbrechen. Tapferkeit aber nennt man es, wenn das Morden im Namen des Staates geschieht. Nicht Unschuld ist der Grund, der dem Frevel Straflosigkeit sichert, sondern die Größe der Grausamkeit." (Cyprian von Karthago: An Donatus, Ad Donatum, II., Kap. 6)

 

Hippolyt, um 170 bis ca. 235 n. Chr., Heiliger und theologischer Schriftsteller. Er war Schüler des Irenäus von Lyon und gilt als der wichtigste Kirchenlehrer seiner Zeit:

 

„Diejenigen, die erstmals zum Hören des Wortes kommen, sollen, bevor das ganze Volk eintritt, zuerst vor die Lehrer geführt werden, damit man sie nach dem Grund frage, weshalb sie sich dem Glauben zugewandt haben ... Man soll sich ferner danach erkundigen, welche Berufe und Tätigkeiten diejenigen ausüben, die man zum Unterricht bringt. Ist jemand Besitzer eines Bordells, soll er diese Tätigkeit aufgeben, oder man weise ihn zurück. Ist einer Bildhauer oder Maler, weise man ihn an, keine Götzenbilder zu machen; sie sollen davon ablassen, oder man weise sie zurück. Ist einer Schauspieler oder gibt er Vorstellungen im Theater, soll er damit aufhören oder zurückgewiesen werden. Wer Kinder unterrichtet, tat gut, wenn er davon ablässt. Wenn er aber keinen anderen Beruf hat, sei es ihm gestattet. Ebenso soll der Wagenlenker, der Wettkämpfer und wer sonst am Wettkampf teilnimmt, diesen Beruf aufgeben oder abgewiesen werden. Der Götzenpriester oder der Wächter von Götzenbildern soll davon ablassen oder zurückgewiesen werden.

 

Der Soldat, der unter Befehl steht, soll keinen Menschen töten. Erhält er dazu den Befehl, soll er diesen nicht ausführen, auch soll er keinen Eid leisten. Ist er aber dazu nicht bereit, weise man ihn ab. Wer die Schwertgewalt hat oder Stadtmagistrat ist und den Purpur trägt, soll seine Stellung aufgeben oder abgewiesen werden. Der Katechumene, aber auch der Gläubige, der Soldat werden will, soll abgewiesen werden, weil er Gott missachtet." (Hippolyt: Die christliche Initiation in der Traditio Apostolica)

 

Laktanz, um 250 – ca. 325 n. Chr., war ein aus der Provinz Africa stammender lateinischer Rhetoriklehrer und christlicher Apologet. Er wird zu den Kirchenvätern gezählt:

 

„Wenn Gott das Töten verbietet, ist nicht nur das Ermorden von Menschen nach Räuberart verboten; das verbietet auch schon das staatliche Gesetz; sondern es ist dann jede andere Menschentötung verboten, auch eine solche, die nach dem weltlichen Recht sehr wohl erlaubt wäre" (Laktanz: Auszug aus den göttlichen Unterweisungen, Epitome divinarum institutionum 6, 20, 15 ff u. 5, 17, 12 f)

 

„Daher dürfen wir nicht bloß kein Unrecht zufügen, sondern auch das zugefügte Unrecht nicht rächen, um die Schuldlosigkeit in uns vollkommen zu machen; und darum befiehlt uns Gott, immerdar auch Gebete für die Feinde zu verrichten." (Laktanz: Auszug aus den göttlichen Unterweisungen, Epitome divinarum institutionum, 60. Kapitel, Die Gebote)

 

„Religion bedeutet nicht, sich zu verteidigen, indem man tötet, wohl aber, indem man stirbt, nicht mit Aggressivität, wohl aber mit Geduld ... Wenn ihr jedoch die Religion mit blutigen Mitteln, mit Torturen und mit Bösem verteidigen wollt, dann verteidigt ihr sie nicht, sondern ihr vergiftet und entweiht sie." (Laktanz: Epitome divinarum institutionum)

 

Der griechische Theologe und Kirchenschriftsteller Clemens von Alexandrien, 150-215 n. Chr., spricht in seiner Mahnrede an die Heiden, Protrepticus 116, 2, vom Heer des Christus, „das kein Blut vergießt":

 

„Aber wenn die laut schmetternde Trompete durch ihren Schall Krieger zusammenruft und Krieg verkündigt, sollte da Christus, wenn er sein Friedenslied "bis an die Enden der Erde" erschallen lässt, nicht seine friedfertigen Krieger versammeln? In der Tat, o Mensch, hat er sein Heer, das kein Blut vergießt, mit seinem Blut und Wort versammelt und ihnen das Königreich der Himmel anvertraut."

 

Die Kirchenväter bestätigen also die Philosophie der ganz frühen jüdischen Gruppe, die später christlich genannt wurde. Diese Gläubigen lehnten das Töten grundsätzlich ab, d. h. auch im Krieg. Das Töten eines Menschen war nicht erlaubt, weder beim Angriffskrieg noch im Verteidigungsfall.

 

Der Theologe Lassere beschreibt das Ergebnis seiner Forschung: „Es ist eine bestürzende Feststellung, dass die Auffassung der Verteidigung im Sinne der erlaubten Notwehr – die Grundlage der herkömmlichen militaristischen Auffassung – keine biblische Stütze hat und dass sich auch der so gemeinte Ausdruck selbst im Neuen Testament überhaupt nicht findet. Es lässt sich kein einziger Text anführen, der ausdrücklich die erlaubte Notwehr rechtfertigt, im Gegenteil, Jesus Christus hat sie ausgeschlossen". [21]

 

Und MacGregor, Theologe, schließt sich an und fasst seine Erkenntnis zusammen: „Der Krieg kann vor dem Richterstuhl der neutestamentlichen Ethik nicht bestehen; ihm ist das Urteil gesprochen". [22]

 

 

Vom Paulus zum Saulus – Wandel und "Hochzeit

 

 

Vieles unterliegt dem Wandel und so entwickelte sich aus den reinen, orthodoxen, also dem recht- und strenggläubigen Frühchristen nach und nach eine neue Kirche mit einer anderen Lehre. Der Theologe Paulus hatte diese Entwicklung vorausgeahnt, „denn ich weiß dieses, dass nach meinem Abschiede verderbliche Wölfe zu euch hereinkommen werden, die der Herde nicht schonen. Und aus euch selbst werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger abzuziehen hinter sich her." [23] So kam es dann auch.

 

Mit dem römischen Kaiser Konstantin I. (um 274-337 n. Chr.) wurde das Christentum Staatsreligion. Konstantin war ursprünglich dem Sonnengott Sol zugetan, aber am Vorabend einer Schlacht, im Jahre 312 gegen seinen Rivalen Maxentius, soll ihm ein Kreuz mit der Inschrift „In diesem Zeichen wirst Du siegen" („in hoc signo vinces") erschienen sein. Konstantin siegte und erließ 313 n. Chr. das Edikt von Mailand. Die alte römische Staatsreligion wurde abgeschafft und das Christentum der römischen Religion gleichgestellt.

 

Als Reaktion auf Mailand, quasi von heute auf morgen, beschloss die christliche Kirche im Jahre 314 n. Chr. auf dem Konzil von Arles den Canon 3. Es war die „erste kirchenamtliche Erklärung zum Kriegsdienst" mit der Maßgabe, dass christliche Soldaten, die wegen ihres Glaubens als Fahnenflüchtige das Heer verließen, mit der Exkommunikation bestraft werden sollten. Es war „die Anpassung der kirchlichen Disziplin an die grundsätzliche gewandelte politische Situation." [24] So hatte das „politische Kalkül der Kirche ... über die pazifistische Moral gesiegt" [25] und der Theologe Karl Barth rügt die Wende und spricht von der „Elastizität mit der sich die Kirche auf Krieg und Kriegsgeschrei eingelassen hat", um so „in einer Art Panik, dem Kaiser doch nur ja zu geben, was des Kaisers ist", und so „die heilige Distanz diesem kaiserlichen, diesem staatlichen Unternehmen gegenüber völlig aufgab." [26] Die „Hochzeit" war vollzogen!

 

Die christliche Kirche verpflichtete mit dem Beschluss des Konzils die Gläubigen, den vom Staat geforderten Militärdienst abzuleisten und hat dabei „die aus dem erstmaligen Bündnis mit dem Staat heraufziehenden Gefahren ... nicht erkannt." [27] Sie hatte sich nun gänzlich dem alten Kriegsgott Israels Jahwe zugewendet und war vom Paulus zum Saulus geworden.

 

"Im Christentum aber wirkt(e) sich die Rezeption des Alten Testamentes entscheidend aus. Denn in ihm fand man den Krieg nicht nur gerechtfertigt, sondern sogar als göttliches Gebot. Nur vom Alten Testament her konnten die Christen den Krieg so naiv bejahen, wie sie es oft taten, und nur das Alte Testament ließ das Christentum zur Soldatenreligion werden", so der Theologe Carl Schneider. [27a]

 

Die unheilvolle weitere Geschichte der Christen und christlichen Nationen ist bekannt. Jesus, Maria und diverse Heilige entwickelten sich nun auch noch zu Soldatengöttern. Die ehemals verfolgten Christen wurden Verfolger, „Gott mit uns" [28], die Geschichte ist Zeuge.

 

Die Mahnung ihres Chefs, des jüdischen Predigers aus Galiläa, „hütet euch aber vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe ... Deshalb, an ihren Früchten werdet ihr sie erkennen", [29] wurde wenig beachtet.

 

Letztlich hat jeder Mensch seinen freien Willen und es wäre schön gewesen, die Verantwortlichen hätten in den vergangenen 2000 Jahren ihren christlichen Anhängern die Essenz, wie sie bei den Frühchristen selbstverständlich war, erklärt. Entscheiden bzw. wählen, ob Krieg oder Frieden, muss dann jeder christliche Gläubige selber, ohne Androhung einer Strafe. So aber hat man sie mehr oder weniger „zur Schlachtbank" [30] geführt, sodass aus dem Rinnsal ein großer Blutstrom wurde.

 

Der jüdische revolutionäre Prediger Jesus soll gesagt haben: „Ihr seid das Salz der Erde; wenn aber das Salz kraftlos geworden ist, womit soll es gesalzen werden? Es taugt zu nichts mehr, als hinausgeworfen und von den Menschen zertreten zu werden." (Matthäusevangelium 5:13)

 

Diesbezüglich kommt Dr. phil. Karlheinz Deschner in seinem Buch "Abermals krähte der Hahn" zu einem deprimierenden Ergebnis, quasi zu dem Fazit: "Tekel, d. h. - Gewogen [wurdest du auf der Waage und zu leicht befunden]." (Bibel, Buch Daniel 5:1)

 

„Alle Klagen der katholischen Kirche aber galten nur der Verletzung katholischer Interessen. Niemals wandten sich die deutschen Bischöfe gegen die vielen Tausende von Justizmorden an ihren Gegnern, gegen die Verfolgung von Liberalen, Demokraten und Kommunisten, die sie ja gerade wünschten. Niemals protestierten diese Bischöfe gegen Hitlers Überfall auf Österreich, die Tschechoslowakei, Polen, Dänemark, Norwegen, Belgien, Holland, Frankreich oder gar die Sowjetunion, einen Krieg, den sie doch heiß begrüßten. Niemals protestierten sie gegen die grauenhaften Judenpogrome, gegen die Zerstörung von mehr als zweihundert Synagogen, gegen die Demütigung, Verschleppung und Vergasung der Juden, die ihre eigene Kirche ja eineinhalb Jahrtausende lang immer wieder verfolgt und getötet hatte. Niemals protestierten sie gegen das System des Nationalsozialismus als solches. Vielmehr erklärten hohe Geistliche wie Kardinal Faulhaber von München, Kardinal Schulte von Köln, Bischof Matthias Ehrenfried von Würzburg u. a. (im Jahre 1935) ihre volle Bereitschaft zur Mitarbeit am Nazismus und bedauerten ihre Ausschaltung.“ (Abermals krähte der Hahn, Karlheinz Deschner, Kap. 67, S. 615)

 

Der Dichter, Philosoph und Historiker C. F. Schiller (1759-1805) fast unser Verhalten in der langen Vergangenheit zusammen, wissend, dass einige Ausnahmen die Regel bestätigen:

 

„Gefährlich ist's, den Leu (Löwen) zu wecken, - Verderblich ist des Tigers Zahn,

Jedoch der schrecklichste der Schrecken, - Das ist der Mensch in seinem Wahn.

Weh denen, die dem Ewigblinden - Des Lichtes Himmelsfackel leihn!

Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden - Und äschert Städt

und Länder ein.“ "Das Lied von der Glocke", Schiller

 

 

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Anmerkungen:

Bild: © minerva79.de, Hunds-Rose (Rosa canina).

 

[1] Maximilian, frühchristlicher Märtyrer aus Nordafrika. Geboren 274 n. Chr., verweigerte den Militärdienst. Am 12. März 295 kommt es in Theveste, Nordafrika, zum Prozess, Todesurteil und Hinrichtung. „Mihi non licet militare, quia Christianus sum." "Es ist mir nicht erlaubt, Soldat zu sein, denn ich bin Christ."

 

[2] Golgatha: tiefster Schmerz, tiefstes Leid, das jemand zu erleiden hat; hebräisch Schädelstätte (Hügel vor dem alten Jerusalem); Kreuzigungsstätte Christi.

 

[3] Das Gottesgnadentum ist eine Begründung für monarchische Herrschaftsansprüche. Das Gottesgnadentum beinhaltet die Legitimation des Herrschers durch den Willen Gottes als „Stellvertreter Christi auf Erden". Das Gottesgnadentum wird aus dem Neuen Testament abgeleitet, genauer aus dem Brief des Paulus an die Römer (Neues Testament, Römer, Kapitel 13).

 

[4] Jahwe: Name des Gottes des Volkes Israel. Die Bedeutung ist umstritten. Vermutlich bedeutet Jahwe ursprünglich „Er ist" oder „Er erweist sich". Das Wort besteht aus den Konsonanten JHVH oder JHWH und den Vokalen für Adonai (Herr). Die Überlieferung durch das Alte Testament berichtet u. a. auch von der Annektierung des Gelobten Landes und von der durch Jahwe angeordneten Ausrottung  der Bewohner (Männer, Frauen und Kinder). Josua 6-17-24, 8:24-28, 10:28-42, 11:1-23, 4. Mose 31:1-54, 4. Mose 33:50:53, 5. Mose 2:31-36, 5. Mose 3:1-7, 5. Mose 20:10-18.  

 

[5] Cant: Kritik der Urteilskraft, § 28. Von der Natur als einer Macht.

 

[6] Elberfelder Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium 5:38-47: Ihr habt gehört, dass gesagt ist. Auge um Auge und Zahn um Zahn. Ich aber sage euch: Widersteht nicht dem Bösen, sondern wer irgend dich auf deinen rechten Backen schlagen wird, dem biete auch den anderen dar, und dem, der mit dir vor Gericht gehen und deinen Leibrock nehmen will, dem lass auch den Mantel. Und wer irgend dich zwingen wird, eine Meile zu gehen, mit dem geh zwei. Gib dem, der dich bittet, und weise den nicht ab, der von dir borgen will. 43-48 Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, segnet die euch fluchen, tut wohl denen die euch hassen, und betet für die, die euch beleidigen und verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters seid, der in den Himmeln ist: denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr? Tun nicht auch die Zöllner dasselbe? Und wenn ihr eure Brüder allein grüßt, was tut ihr Besonderes? Tun nicht auch die von den Nationen dasselbe? Ihr nun sollt vollkommen sein, wie auch euer Vater vollkommen ist."

 

[7] C. J. Cadoux: The Early Christian Attitude to War, A Contribution to the History of Christian Ethies, 1919

 

[8] Roland H. Bainton: The early church and war, in: Harvard Theological Review, 3, 1946

 

[9] Arnold J. Toynbee: Das Christentum und die Religionen der Welt, 1959

 

[10] Elberfelder Bibel, Neues Testament, Brief an die Römer, Kapitel 13:1-10: "Jede Seele unterwerfe sich den obrigkeitlichen Gewalten; denn es ist keine Obrigkeit, außer von Gott, und diese, welche sind, sind von Gott verordnet. Wer sich aber daher der Obrigkeit widersetzt, widersteht der Anordnung Gottes; die aber widerstehen, werden ein Urteil über sich bringen. Denn die Regenten sind nicht ein Schrecken für das gute Werk, sondern für das böse. Willst du dich aber vor der Obrigkeit nicht fürchten? So übe das Gute und du wirst Lob von ihr haben; denn sie ist Gottes Dienerin, dir zum Guten. Wenn du aber das Böse übst, so fürchte dich, denn sie trägt das Schwert nicht umsonst; denn sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe für den, der Böses tut. Darum ist es notwendig, untertan zu sein, nicht allein der Strafe wegen, sondern auch des Gewissens wegen. Denn dieserhalb entrichtet ihr auch Steuern; denn sie sind Gottes Beamte, die eben hierzu fortwährend beschäftigt sind. Gebet allen, was ihnen gebührt: die Steuer, dem die Steuer, den Zoll, dem der Zoll, die Furcht, dem die Furcht, die Ehre, dem die Ehre gebührt. Seid niemand irgendetwas schuldig, als nur einander zu lieben; denn wer den anderen liebt, hat das Gesetz erfüllt. Denn das: "Du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, lass dich nicht gelüsten", und wenn es ein anderes Gebot gibt, ist in diesem Worte zusammengefasst: "Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst". Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe die Summe des Gesetzes."

 

[11] Elberfelder Bibel, Neues Testament, Brief an die Epheser, Kapitel 6:10:20: "Übrigens, Brüder, seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Zieht an die ganze Waffenrüstung Gottes, damit ihr zu bestehen vermöget wider die Listen des Teufels. Denn unser Kampf ist nicht wider Fleisch und Blut, sondern wider die Fürstentümer, wider die Gewalten, wider die Weltbeherrscher dieser Finsternis, wider die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern. Deshalb nehmt die ganze Waffenrüstung Gottes, auf dass ihr an dem bösen Tage zu widerstehen und, nachdem ihr alles ausgerichtet habt, zu stehen vermöget. Steht nun, eure Lenden umgürtet mit Wahrheit, und angetan mit dem Brustharnisch der Gerechtigkeit, und beschuht an den Füßen mit der Bereitschaft des Evangeliums des Friedens, indem ihr über das alles ergriffen habt den Schild des Glaubens, mit welchem ihr imstande sein werdet, alle feurigen Pfeile des Bösen auszulöschen. Nehmt auch den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches Gottes Wort ist; zu aller Zeit betend mit allem Gebet und Flehen in dem Geiste, und eben hierzu wachend in allem Anhalten und Flehen für alle Heiligen, und für mich, auf dass mir Rede verliehen werde im Auftun meines Mundes, um mit Freimütigkeit kundzutun das Geheimnis des Evangeliums, für welches ich ein Gesandter bin in Ketten, damit ich in demselben freimütig rede, wie ich reden soll."

 

[12] Elberfelder Bibel, Neues Testament, Brief an die Römer, Kapitel 12:9-21: "Die Liebe sei ungeheuchelt. Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten. In der Bruderliebe seid herzlich gegeneinander, in Ehrerbietung einer dem anderen vorangehend; im Fleische nicht säumig, inbrünstig im Geist; dem Herrn dienend. In Hoffnung freut euch; in Trübsal harret aus; im Gebet haltet an; an den Bedürfnissen der Heiligen nehmt teil; nach Gastfreundschaft trachtet. Segnet, und flucht nicht. Freut euch mit den sich Freuenden, weint mit den Weinenden. Seid gleich gesinnt gegeneinander; sinnt nicht auf hohe Dinge, sondern haltet euch zu den niedrigen; seid nicht klug bei euch selbst. Vergeltet niemand Böses mit Bösem; seid vorsorglich für das, was ehrbar ist vor allen Menschen. Wenn möglich, soviel an euch ist, lebt mit allen Menschen in Frieden. Rächt nicht euch selbst, Geliebte, sondern gebet Raum dem Zorn; denn es steht geschrieben: "Mein ist die Rache; ich will vergelten, spricht der Herr!" "Wenn nun deinen Feind hungert, so speise ihn; wenn er dürstet, so tränke ihn; denn wenn du dieses tust, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln: "Lass dich nicht von dem Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten."

 

[13] Elberfelder Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium, Kapitel 22:5-22: „Dann gingen die Pharisäer hin und hielten Rat, wie sie ihn in der Rede in eine Falle locken könnten. Und sie senden ihre Jünger mit den Herodianern zu ihm und sagen: Lehrer, wir wissen, dass du wahrhaftig bist und den Weg Gottes in Wahrheit lehrst und dich um niemand kümmerst, denn du siehst nicht auf die Person der Menschen; sage uns nun, was denkst du: Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu geben, oder nicht? Da aber Jesus ihre Bosheit erkannte, sprach er: Was versucht ihr mich, Heuchler? Zeigt mir die Steuermünze. Sie aber überreichten ihm einen Denar. Und er spricht zu ihnen: Wessen ist dieses Bild und die Überschrift? Sie sagen zu ihm: Des Kaisers. Da spricht er zu ihnen: Gebet denn dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Und als sie das hörten, verwunderten sie sich und ließen ihn und gingen hinweg."

 

[14] Elberfelder Bibel, Neues Testament, 1. Petrusbrief, Kapitel 2:9: „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum, damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch berufen hat aus der Finsternis zu seinem wunderbarem Licht; die ihr einst "nicht ein Volk" waret, jetzt aber ein Volk Gottes seid; die ihr "nicht Barmherzigkeit empfangen hattet", jetzt aber Barmherzigkeit empfangen habt."

 

[15] Elberfelder Bibel, Neues Testament, Apostelgeschichte, Kapitel 5:29: „Petrus und die Apostel aber antworteten und sprachen: Man muss Gott mehr gehorchen als Menschen."

 

[16] Elberfelder Bibel, Neues Testament, Apostelgeschichte 10:9-48: „Des folgenden Tages aber, während jene reisten und sich der Stadt näherten, stieg Petrus um die sechste Stunde auf das Dach, um zu beten ... Und er sieht den Himmel geöffnet und ein gewisses Gefäß, gleich einem großen leinenen Tuch, herabkommen an vier Zipfeln gebunden und auf die Erde herniedergelassen, in welchem allerlei vierfüßige und kriechende Tiere der Erde waren und das Gevögel des Himmels. Und eine Stimme geschah zu ihm: Stehe auf, Petrus, schlachte und iss! Petrus aber sprach: Keineswegs Herr! Denn niemals habe ich irgendetwas Gemeines oder Unreines gegessen. Und wiederum geschah eine Stimme zum zweiten Male zu ihm: Was Gott gereinigt hat, mache du nicht gemein! ... Während aber Petrus über das Gesicht nachsann, sprach der Geist zu ihm: Siehe, drei Männer suchen dich. Stehe aber auf, geh hinab und ziehe mit ihnen, ohne irgend zu zweifeln, weil ich sie gesandt habe. Petrus aber ging zu den Männern hinab und sprach: Siehe, ich bin's, den ihr sucht. Was ist die Ursache, weshalb ihr kommt? Sie aber sprachen: Kornelius, ein Hauptmann, ein gerechter und gottesfürchtiger Mann, und der ein gutes Zeugnis hat von der ganzen Nation der Juden, ist von einem heiligen Engel göttlich gewiesen worden, dich in sein Haus holen zu lassen und Worte von dir zu hören. ... Und er sprach zu ihnen: Ihr wisset, wie unerlaubt es für einen jüdischen Mann ist, sich einem Fremdling anzuschließen oder zu ihm zu kommen; und mir hat Gott gezeigt, keinen Menschen gemein oder unrein zu heißen. Darum kam ich auch ohne Widerrede, als ich geholt wurde ... 34-43 Petrus aber tat den Mund auf und sprach: In Wahrheit begreife ich, dass Gott die Person nicht ansieht, sondern in jeder Nation, wer ihn fürchtet und Gerechtigkeit wirkt, ist ihm angenehm. ... 44-48 Während Petrus noch diese Worte redete, fiel der Heilige Geist auf alle, die das Wort hörten. Und die Gläubigen aus der Beschneidung, so viele ihrer mit Petrus gekommen waren, gerieten außer sich, dass auch auf die Nationen die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen worden war; denn sie hörten sie in Sprachen reden und Gott erheben. Dann antwortete Petrus: Könnte wohl jemand das Wasser (die Taufe) verwehren, dass diese nicht getauft würden, die den Heiligen Geist empfangen haben, gleichwie auch wir? Und er befahl, dass sie getauft würden in dem Namen des Herrn."

 

[16a] Beschneidung, „stutzen, zurückschneiden", kann u. a. bestimmte rituell oder kulturell motivierte Eingriffe an den äußeren Geschlechtsorganen Penis und Vulva des Menschen bezeichnen. Z. B. war die heilige Vorhaut Jesu, lateinisch: „sanctum praeputium", eine angebliche Reliquie der Vorhaut von Jesus von Nazaret. Eine Anzahl von europäischen Kirchen beanspruchte im Mittelalter, im Besitz dieser Reliquie zu sein, der angeblich wunderbare Heilkräfte zugeschrieben wurden.

 

[17] Elberfelder Bibel, Neues Testament, Apostelgeschichte 11:1-18: „Die Apostel aber und die Brüder, die in Judäa waren, hörten, dass auch die Nationen das Wort Gottes angenommen hätten; und als Petrus nach Jerusalem hinaufkam, stritten die aus der Beschneidung mit ihm und sagten: Du bist zu Männern eingekehrt, die Vorhaut haben, und hast mit ihnen gegessen. Petrus aber fing an und setzte es ihnen der Reihe nach auseinander und sprach: ... Wenn nun Gott ihnen die gleiche Gabe gegeben hat, wie auch uns, die wir an den Herrn Jesus Christus geglaubt haben, wer war ich, dass ich vermocht hätte, Gott zu wehren? Als sie aber dies gehört hatten, beruhigten sie sich und verherrlichten Gottes und sagten: Dann hat Gottes also auch den Nationen die Buße gegeben zum Leben."

 

[18] Elberfelder Bibel, Neues Testament, Apostelgeschichte 5:1-11: „Ein gewisser Mann aber, mit Namen Ananias, mit Sophiera, seinem Weibe, verkaufte ein Gut und schaffte von dem Kaufpreis beiseite, wovon auch das Weib wusste; und er brachte einen gewissen Teil und legte ihn nieder zu den Füßen der Apostel. Petrus aber sprach: Ananias, warum hat der Satan dein Herz erfüllt, dass du den Heiligen Geist belogen und von dem Kaufpreis des Feldes beiseitegeschafft hast? Blieb es nicht dein, wenn es so blieb, und war es nicht, nachdem es verkauft war, in deiner Gewalt? Was ist es, dass du dir diese Tat in deinem Herzen vorgenommen hast? Nicht Menschen hast du belogen, sondern Gott. Als aber Ananias diese Worte hörte, fiel er hin und verschied. Und es kam große Furcht über alle, die es hörten. Die Jünglinge aber standen auf, rafften ihn zusammen und trugen ihn hinaus und begruben ihn. Es geschah aber nach Verlauf von etwa drei Stunden, dass sein Weib hereinkam, ohne zu wissen, was geschehen war. Petrus aber antwortete ihr: Sage mir, ob ihr für so viel das Feld hingegeben habt? Sie aber sprach: Ja, für so viel. Petrus aber sprach zu ihr: Was ist es, dass ihr übereingekommen seid, den Geist des Herrn zu versuchen? Siehe, die Füße derer, welche deinen Mann begraben haben, sind an der Tür, und sie werden dich hinaustragen. Sie fiel aber alsbald zu seinen Füßen nieder und verschied. Und als die Jünglinge hereinkamen, fanden sie sie tot; und sie trugen sie hinaus und begruben sie bei ihrem Manne. Und es kam große Furcht über die ganze Versammlung und über alle, welche dies hörten."

 

[19] A. Tondi, Die Jesuiten, Bekenntnisse und Erinnerungen, 1961, 395

 

[20] Cadoux: The Early Christian Attitude to War, A Contribution to the History of Christian Ethies, 1919, 49 ff

 

[21] J. Lasserre: Der Krieg und das Evangelium, 1956, mit Bezug auf Lukas 9:24, 17:33

 

[22] H. C. MacGregor: Friede auf Erden? Biblische Grundlegung ..., 1955, 15

 

[23] Elberfelder Bibel, Neues Testament, Apostelgeschichte 20:29: „Denn ich weiß dieses, dass nach meinem Abschiede verderbliche Wölfe zu euch hereinkommen werden, die der Herde nicht schonen. Und aus euch selbst werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger abzuziehen hinter sich her."

 

[24] G. Assenmacher: Wehrpflichtbefreiung, 313

 

[25] A. Bayet: Pacifisme et Christianisme aux premiers siecles.

 

[26] B. Barth: Kirchliche Dogmatik, 1969, 3. Bd., 4. Teil, 521

 

[27] H. Karpp: Kriegsdienst, 510

 

[27a] Geistesgeschichte der christlichen Antike, 1970, S. 400, (Geistesgeschichte des antiken Christentums, 1954), Carl Schneider, Theologe, 1970-1977.

Altes Testament der Bibel. Es besteht aus 39 Büchern und ist fast identisch mit der hebräischen Bibel als Heiliger Schrift des Judentums. Das Alte Testament wurde ursprünglich überwiegend in hebräischer Sprache abgefasst. Die katholische Fassung enthält 7 weitere Bücher. Diese Zusätze werden auch als Apokryphen (griechisch apokryphos = verborgen) oder als deuterokanonische  (griechisch deuteros = zweiter) Bücher bezeichnet.

 

[28] „Gott mit uns". Der Wahlspruch wurde nach dem Ende der Monarchie (1919) in Deutschland  von der Reichswehr und Wehrmacht benutzt. Im 2. Weltkrieg trugen die Soldaten der deutschen Wehrmacht den Spruch auf ihren Koppelschnallen. Es war auch der Schlachtruf des schwedischen Heeres unter König Gustav II. Adolf (1594-1632). Auch die Brandenburger verwendeten ihn während des Dreißigjährigen Krieges.

 

[29] Elberfelder Bibel, Neues Testament, Matthäus-Evangelium, Kapitel 7:15-20: „Hütet euch aber vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Liest man etwa von Dornen eine Traube oder von Disteln Feigen? Also bringt jeder gute Baum gute Früchte, aber der faule Baum bringt schlechte Früchte. Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen, noch ein fauler Baum gute Früchte bringen. Jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Deshalb, an ihren Früchten werdet ihr sie erkennen."

 

[30] Elberfelder Bibel, Altes Testament, Sprüche, Kapitel 7:22: „Auf einmal ging er ihr nach, wie ein Ochs zur Schlachtbank geht, und wie Fußfesseln zur Züchtigung des Narren dienen."

 

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