minerva79.de - Parapsychologie - Esoterik - mehr Realität

 

Nostradamus-Visionen und ihre Bedeutung

Startseite   Himmel & Erde   Nostradamus   Visionen & Träume   Frühe Schriften   Gefiederte Welt   Bilder

Ende des Ständestaates in Frankreich, Flucht und Tod seiner Vertreter

 

Wenn die Sänfte vom Wirbelwind umgeworfen ist,

und die Gesichter von ihren Mänteln verdeckt sein werden,

wird die Republik durch neue Leute gequält.

Die Weißen und die Roten verurteilen sich gegenseitig.

Centurie 1:3 - Lyon 1568

 

Quand la lictiere du tourbillon versee,

Et seront faces de leurs manteaux couverts:

La republique par gens nouveaux vexee,

Lors blancs & rouges jugeront à l’envers.

Centurie 1:3 - Lyon 1568

 

„Der Krug geht so lange zu Wasser, bis er bricht.“ Dieses Sprichwort will sagen, dass gegensätzliches Verhalten bzw. schlechte Gewohnheiten auf Dauer nicht ohne Wirkungen bleiben, denn eine neue Zeit war angebrochen, die Grande Nation hatte ein Licht angezündet. Es ging z. B. um die Abschaffung des feudalabsolutistischen Ständestaats [1], eine Art Diktatur, um die Bekanntmachung und Umsetzung von Werten der Aufklärung, um die Menschenrechte und um „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“.

 

Die Französische Revolution (1789-1799) kam wie ein „Wirbelwind“ über das Land, sodass die „Sänfte umgeworfen“ wurde, die in Frankreich zurzeit des Sehers der Adel benutzte, der auch zusammen mit der Katholischen Kirche Ursache der Revolution war. Die Wirkungen suchten sich ihren Weg, indem man die Republik ausrief, den König („Sänfte“) offiziell entthronte und ihn sozusagen als „Sündenbock“ im Januar 1793 hinrichten ließ. Die katholische Religion wurde stark eingeschränkt und deren Besitz verstaatlicht, ein Teil der Geistlichen hingerichtet und deren Zehnt abgeschafft.

 

Das ganze in der Vergangenheit an den königlichen Untertanen verübte Leid rief nun nach Genugtuung, sodass die „Staatsfeinde“, wozu auch der Adel ("Sänfte") gehörte, verfolgt wurden und diese, symbolisch ausgedrückt, „die Gesichter [mit] ihren Mänteln verdecken“ mussten. Von den ca. 16.500 durch die Guillotine hingerichteten Franzosen gehörten in etwa 8,5 % dem Adel an, viele flohen ins Ausland.

 

„Die Republik wird durch neue Leute gequält“, denn es kam zu einem furchtbaren Bürgerkrieg mit schlimmen Exessen, da die Revolution in vielen ländlichen Gegenden auf erheblichen Widerstand stieß. So wurde z. B. im Oktober 1793 in Lyon ein Girondisten- und Royalistenaufstand niedergeschlagen, die 20.000 Mann bewaffnet hatten. In den folgenden 6 Monaten folgte ein blutiges Strafgericht, 1.962 Stadtbewohner wurden hingerichtet. Marseille wurde entwaffnet und etwa 800 Personen guillotiniert. Auch Bordeaux musste sich unterwerfen. Tausende Bürger wurden verhaftet und 300 Todesurteile vollstreckt.

 

Der „Aufstand der Vendee“ (1793-1796), der bewaffnete Kampf einer royalistisch-katholischen Landbevölkerung gegen die linken Revolutionäre, kostete ca. 150.000 Menschen das Leben. Die Niederschlagung durch die Truppen der „Republik“ war grausam. 'Städte und Dörfer wurden abgebrannt, alle Wälder und Hecken, alle Ortschaften und Höfe angezündet und alle bewaffneten Leute sofort getötet.' „Die Verbrechen [sind], ... von Reynald Secher genauer untersucht und als „frankofranzösischer Genozid“ bezeichnet worden ...". (Die Französische Revolution v. Ernst Schulin, S. 228)

 

Ein anderer bewaffneter Widerstand „Chouannerie“ der königstreuen Katholiken in der Bretagne und in benachbarten Regionen Anjou, Maine und der Normandie, die gegen die Truppen der Ersten Französischen Republik kämpften, hatte viel Leid und Elend zur Folge. Tausende fanden den Tod. So war das Erschießen von Gefangenen auf beiden Seiten des erbittert geführten Bürgerkrieges Brauch.

 

Viele der Königlichen flohen nach Nantes, das eines der Zentren der royalistischen Gegenrevolution war, doch letztlich landeten sie im Gefängnis, zusammen mit den Aufständischen aus der Stadt. Ohne Prozess wurden viele von ihnen ertränkt. In vier Monaten sollen ca. 16.000 Menschen getötet worden sein. Zusammengefasst kann gesagt werden, dass „die Republik durch neue Leute gequält“ wurde.

 

Die Situation eskalierte, als andere Monarchien versuchten sich in die inneren Angelegenheiten Frankreichs einzumischen und als im I. Koalitionskrieg (1792-1797) Österreich, Preußen, kleinere deutsche Staaten, Großbritannien, Niederlande, Spanien und das Heilige Deutsche Reich gegen Frankreich Krieg führten, um die französische Monarchie wieder einzuführen, ihre eigene zu retten und um den Geist der Freiheit zurückzudrängen.

 

 „Die Weißen und die Roten verurteilen sich gegenseitig“, so berichtet der Seher abschließend. Für „die Roten“ werden auch von anderen Nostradamusforschern, die Jakobiner bzw. Robespierristen genannt. Sie vertraten die politische Linke, setzten sich für die Abschaffung der Monarchie ein und erzwangen 1792 gegen den Willen ihrer gemäßigten revolutionären Gegenspieler, den Girondisten, einen Prozess gegen König Ludwig XVI. Sie errichteten unter der Führung von Maximilien de Robespierre ein Schreckensregime, eine Terrorherrschaft (La Terreur) und waren an ihren „roten“ Zipfelmützen bzw. Jakobinermützen zu erkennen, die auch als Freiheits- und Unabhängigkeitssymbol bekannt sind.

 

Das Symbol „die Weißen“ ist nicht so leicht zu definieren. Als Erklärung ließe sich das Lilienbanner (Fahne) der königlichen Bourbonen verwenden, das die Nationalflagge bis zur Französischen Revolution (1789) war und goldene Lilien mit weißem Hintergrund enthielt. Weiß symbolisiert: Licht, das Ideale, das Gute, Unschuld und Wahrheit. Dementsprechend könnte der Seher die Monarchisten mit „weiß“ symbolisiert haben, zumal er selbst einer war. Aber auch die bürgerlichen und gemäßigten revolutionären Girondisten werden als Lösung genannt, da sie einen Prozess gegen den König abgelehnt hatten und später zusammen mit den Royalisten gegen die I. Republik kämpften.

 

Seitenanfang

 

Anmerkungen:

 

Bild: Männer mit Jakobinermützen, z. T. mit Culotte bzw. Kokarde, color. Stich aus dem 19. Jh., © Jodo

 

[1] Absolutismus: Eine Herrschaftsform in Monarchien, mit einem aus eigener Machtvollkommenheit handelnden Herrscher, ohne Mitwirkung ständischer oder demokratischer Institutionen, nur durch seinen göttlichen Auftrag legitimiert.

 

Kleines Wörterbuch:

 

1. Quand „als“, „wenn“ 10. Jh. quant, aus lat. quando; la, les, le, 1. „der, die“ usf., 2. „ihn“, „sie“; lictiere, litière 1. „Sänfte“ 12. Jh., aus gallorom. lectaria zu lat. lectarius „zur Lagerstatt gehörig“. 2. „Streu“ ist pejorativ weiter entwickeltes afrz. litiere „Lager“, „Bett“; du „des“ für älteres deu; utorbillon „Wirbelwind“, „Wasserwirbel“ 12. Jh.  torbeillon, aus vlat. turbellione, d. i. dem. Abl. von lat. turbellae „Gewühl“ unter Einwirkung von lat. turben, turbo „Wirbelwind“, „Sturm“; versee, verse „umwerfen des Getreides“, verser „(den Acker) umwerfen“, „auf die Seite werfen“, „umgießen“, „verbreiten“ u. ä. 12. Jh., afrz. auch „umwerfen“; 2. et „und“ aus lat. et; seront „werden“; face „Gesicht“, „Vorderansicht“, „Seite“ 12. Jh., aus vlat. facia; de „von“, aus lat. de „von“, „betreffs“, u. ä.; leurs, leur „ihr“, „ihnen“ aus lat. illorum; manteaux, manteau „Mantel“ 12. Jh., bedeutet afrz. den ärmellosen Mantel, den vornehme, reiche Leute tragen, im Gegensatz zur chape der armen Leute; couverts, couvert „Bedeckung“, „Gedeck“ u. ä. 13. Jh., couverte 12. Jh. „Decke“, „Überzug“; 3. republique „Republik“ 15. Jh., aus lat. respublica, republique „Republik“ 15. Jh., aus lat. respublica; par „durch“, „gemäß“, „mittels“ u. ä. 11. Jh.; gens „Leute“ 11. Jh. la gent, daneben seit dem 12. Jh.; nouveaux, nouveau „neu“ 11. Jh., aus lat. novellus „neu“, „jung“; vexee, vexer „drücken, „schikanieren“, 14. Jh., aus lat. (vexare) „mißhandeln“; 4. lors „damals“ 12. Jh. aus lat. illa; hora „zu jener Stunde“; blancs, blanches, blanc „weiß“ 11. Jh.; rouges, rouge „rot“ 12. Jh., aus lat. rubeus; iugeront, jugeront, juge „Richter“ 12. Jh. aus lat. judice; envers 1. „Kehrseite“ 12. Jh., adjektivisch „verkehrt“, „auf dem Rücken liegend“, u. ä., 2. „gegen“ 11. Jh., zusammengesetzt aus en und vers „gegen“.

 

Quellen: U. a. Etymologisches Wörterbuch der französischen Sprache, E. Gamillscheg, 1997. 

 

Seitenanfang