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Nostradamus-Visionen und ihre Bedeutung

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Paul V. – Sein „Heiliger Krieg“ im Geiste Jahves und die moderne Wissenschaft

 

Römische Geistlichkeit, das Jahr 1609,

[Zu Beginn] des Jahres wirst du die Wahl des [Ober]hauptes durchführen.

[Die] eines Grauen und [eines] Schwarzen, [der] aus dem Latium stammt [und]

der so bösartig [ist], wie nie zuvor einer war.

Centurie 10:91 - Lyon 1568 [1]

 

Clergé Romain l'an mil six cens & neuf,

Au chef de l'an feras election

D'un gris & noir de la Compagne yssu,

Qui onc ne feut si maling.

Centurie 10:91 – Lyon 1568

 

Die Welt des Jahres 1605 war nicht in Ordnung. Der Spanisch-Niederländische Krieg (1568-1648) tobte auch auf deutschen Boden und die „Pulververschwörung“ wurde verraten, ein Versuch von britisch-katholischen Landadligen, während der Parlamentseröffnung, den englischen König, seine Familie, die Regierung und alle Parlamentarier zu töten. Und im Vatikanstaat in Italien waren sich der Papst, Kardinal Bellarmino und der Klerus einig, „dass die Sonne am Himmel ist und sich mit ungeheurer Geschwindigkeit um die Erde dreht und dass die Erde vom Himmel sehr weit entfernt ist, im Zentrum des Weltalls und unbeweglich." [2]

 

Und in Rom musste im April 1605, nicht 1609 [3], ein neuer Papst gewählt werden. Es war der erfahrene A. O. de’ Medici als Leo XI., geboren 1535 in Florenz, der besonders von den französischen Kardinälen gewählt wurde. Zuvor war er päpstlicher Botschafter in Frankreich und führte die diplomatischen Gespräche zwischen Frankreich und Spanien, die im Mai 1598 zum Friedensvertrag von Vervins führten. Doch der bereits 69-jährige Medici-Papst starb nach nur 27 Tagen.

 

Nostradamus benutzte auch hier die Farben als Symbol, in diesem Fall „grau“ für die Persönlichkeit oder das hohe Alter, für das bald Vergehende, fügte jedoch gleich hinzu, dass im gleichen Jahr ein weiteres Oberhaupt der katholischen Gruppe gewählt würde: [Die Wahl] eines Grauen und [eines] Schwarzen, [der] aus dem Latium stammt.“

 

Der neue „Stellvertreter Christi“ Camillo Borghese, geboren 1552 in Rom, der wichtigsten Stadt der italienischen Region Latium, der „Campagne“ Romana, war unter dem Namen Paul V. Papst von 1605 bis 1621.

 

Sein Amtszeit begann Paul V., der vorher auch Inquisitor von Rom war,  mit einer Hinrichtung. Der Schriftsteller Piccinardi hatte ein Manuskript verfasst. Es war noch nicht veröffentlich, trotzdem wurde er bei der Inquisition angezeigt. Er hatte Papst Clemens VIII. mit dem römischen Kaiser Tiberius verglichen. Viele baten um Milde. Doch eines Morgens hing der arme Piccinardi tot an der Engelsbrücke in Rom [4], die längere Zeit eine Hinrichtungsstätte war, auf der auch Köpfe und Gliedmaßen von Verbrechern und Gegnern der Päpste zwecks Abschreckung aufgestellt wurden.

 

Die militärische Handlungsmacht war ein Hauptfaktor in der Politik Pauls V. Er führte umfangreiche Reformen in der Armee durch, um die Verteidigungskraft des Kirchenstaates zu potenzieren [5]. Einen Monat nach Gründung der Katholischen Liga teilte er im August 1609 dem spanischen Boschafter mit, „er wolle mit allem Geld, das er habe, zu Hilfe eilen, wenn man gegen die Ketzer Eisen anwende“ und er versicherte, der Liga „nicht bloß mit Geld, sondern auch mit Truppen zur Hilfe zu eilen.“ So ließ er anfänglich eine eigene Truppe mitkämpfen, ein päpstliches Infanterieregiment von 2000 Mann und eine päpstliche Reiterabteilung von 500 Mann. [6]

 

1618, zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges, verlangte Paul V. vom Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Matthias und König Ferdinand einen Feldzug mit allen verfügbaren Mitteln gegen seine christlich-protestantischen Brüder und zahlte 60.000 Gulden Zuschuss. Er ordnete einen dreijährigen Sonderzehnt in Italien, einen einmaligen Zehnt aus deutschen Kirchengütern und den Sonderzehnt aus zwölf italienischen Mönchskongregationen an, wodurch erhebliche Mittel zur Finanzierung dieses Glaubenskrieges zusammen kamen. [7]

 

Vom alttestamentlichen Geist geprägt bestimmte er, dass Gotteslästerer bei der ersten Verfehlung gefoltert werden, beim zweiten Mal ausgepeitscht und auf die päpstlichen Galeeren geschickt werden und dass bei erneuter Wiederholung die Zunge durchbohrt werden sollte. [8]

 

Bücher von Astronomen und Astrologen wurden auch in seiner Zeit auf den Index Romanus, dem „Verzeichnis der verbotenen Bücher“ der römischen Inquisition gesetzt, deren Lektüre eine schwere Sünde war, im Extremfall sogar zur Exkommunikation führen konnte. Betroffen waren Bücher von Johannes Keppler, Naturphilosoph, Mathematiker, Astronom, Astrologe, Optiker und evangelischer Theologe, von A. Foscarini, Schriftsteller und Botschafter und von N. Kopernikus, Jurist, Arzt, Mathematiker und Astronom.

  

Auch die wissenschaftlichen Erkenntnisse von Galileo Galilei, italienischer Philosoph, Mathematiker, Physiker und Astronom, waren unerwünscht. „Papst Paul der V..., bei allen als Philister bekannt, übergab seinen Fall der Indexkongregation.“ Galileo durfte seine Ansichten nicht lehren, verteidigen und nicht diskutieren und man drohte ihm mit dem Gefängnis. [9]

 

Finanziell kam Paul V. zurecht, denn „durch die Erringung des Papstamtes schloss die Familie Borghese von Paul V. zu den alten römischen Adelsfamilien Colonna und Orsini auf und überholte sie bald in Bezug auf das Familienvermögen.“ [10]

 

Solche menschlich Prägungen kommentierte der Prophet: "Der Schwarze, der aus dem Laitium stammende, war so bösartig wie nie einer zuvor."

 

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Anmerkungen:

 

Bild: © Zweihandlangschwert aus Toledo, Author: Markoz, Own work (Original text: eigenes Foto) 19. April 2013

 

[1] Dr. Chr. Wöllner übersetzt: „Römischer Klerus, im Jahre 1609 wirst du zum Führer des Jahres Wahl treffen eines grauen und eines schwarzen, der Campagna entstammenden, der niemals so verderblich war ...“ Die Mysterien des Nostradamus, 1926, S. 43.

 

[2] Gottes erste Diener, Die dunkle Seite des Papsttums, 1989, Peter de Rosa, S. 279, 280

 

[3] Zeitangaben in der Prophetie der letzten 2000 Jahren waren meistens falsch. Die Ereignisse trafen zum genannten Zeitpunkt nicht ein. So waren z. B. die im Evangelium Epistula Apostolorum genannten Termine für die Wiederkunft Christi und des Gerichtes falsch, welche man auf 150 und 180 n. Chr. datiert hatte. Auch die frühen Christen wurden bezüglich ihrer Naherwartung enttäuscht, wenngleich die schreckliche Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 n. Chr. als kleine Apokalypse gedeutet werden kann, die zumindest Christen veranlasst haben soll, rechtzeitig in die Berge zu fliehen. Immer wieder wurden, besonders auch im 20. Jahrhundert, Gläubige „enttäuscht“. Am Ende eines Jahrhunderts bzw. Jahrtausends sind solche Neigungen besonders stark, so auch im Hinblick auf das Jahr 1999, als selbst fortgeschrittene Gruppen die Kontrolle verloren. Selbst das große Medium aus Kentucky/USA Edgar Cayce (1877-1945) sagte den Untergang New Yorks bis 1999 voraus. Auch Nostradamus konnte der Terminisierung nicht ganz widerstehen. Daher ist es erfreulich, dass mittels seiner „astrologischen Uhr“, bei der zeitlichen Einordnung der Ereignisse, nur geringfügige Abweichungen zu erkennen sind, jedoch nicht bei dem Jahr 1792.

 

[4] Albert Christian Sellner, Immerwährender Päpstekalender. Frankfurt 2006 (Die andere Bibliothek 260). http://www.physiologus.de/unaufgereg.htm

 

[5] Die Außenbeziehungen der römischen Kurie unter Paul V. (1605-1621).

http://www.hsozkult.de/hfn/conferencereport/id/tagungsberichte-814

 

[6] Kriminalgeschichte des Christentums, 2008, Band 9, S.308, 309, 363, Karlheinz Deschner.

 

[7] Kriminalgeschichte des Christentums, 2008, Band 9, S.363, 364, Karlheinz Deschner.

 

[8] Peter Godman. Die geheime Inquisition. Aus den verbotenen Archiven des Vatikan. - http://www.gavagai.de/hhd114.htm

 

[9] Gottes erste Diener, Die dunkle Seite des Papsttums, 1989, Peter de Rosa, S. 279, 280.

 

[10] Wikipedia/Paul V.

 

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Kleines Wörterbuch

 

1. Clergé „Geistlichkeit“ 10./11. Jh., aus lat. clericatus; romain „römisch“, „Römer“ 12./13. Jh. aus lat. (romanus); an „Jahr“ 11. Jh., aus lat. annus; mil „tausend“ 12. Jh., aus lat. mille; six „sechs“ 12. Jh. sis aus lat. sex; cent „hundert“ aus lat. centum; neuf „neun“ 12. Jh., aus lat. novem; 2. au am, in, ins, zu, dem, zu; chef „Haupt“ 10. Jh., afrz. chief, auch in übertragener Bedeutung „Führer“, „Mittelpunkt“, „Hauptstadt“; electioin „Wahl“ 12. Jh. aus lat. (electione); 3. un „einer“ 10. Jh., aus lat. unus;  gris „grau“ 12. Jh.; noir „schwarz“ 11. Jh., aus lat. niger; compagne „Genossin“ 12. Jh., Campagne Romaina = Land um Rom, das Latium; issu „stammend“; 4. qui, 1. „welcher“ aus lat. qui, 2. „welchen“, „wen“, afrz. cui, aus lat. cui „welchem“; onc „niemals“ 9. Jh., va. auch onques, bedeutet in Altfrz. „jemals“; ne 1. „nicht“ 7. Jh. no, afrz. vorvokalisch nen, vgl. nenni, aus lat non, 2. „weder“, „noch“ va.; fut, war; si „wenn“ 9. Jh. afrz. se; malin u. a. „bösartig“.

 

Quellen: U. a. Etymologisches Wörterbuch der französischen Sprache, E. Gamillscheg, 1997. 

  

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