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Nostradamus-Visionen und ihre Bedeutung

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Die Hinrichtung Karl I. von England, sein Absolutismus und das Parlament

 

 

Die Festung nahe der Themse wird fallen,

wenn der König dort drinnen eingesperrt wird.

Nahe der Brücke wird er im Hemd gesehen.

Einer, der vor dem Tod steht und danach

in der Festung eingeschlossen wird.

Centurie 1:37 - Lyon 1568

 

La forteresse aupres de la Tamise

Cherra par lors le Roi dedans serré:

Aupres du pont sera veu en chemise

Un devant mort, puis dans le fort barré.

Centurie 1:37 - Lyon 1568

 

Diese Vision des Sehers aus dem Jahre 1568 bezieht sich auf die Hinrichtung des englischen „Königs“ Karl I. [1] am 30. Januar 1649. Nach seinen Aufenthalten als Gefangener in Schloss Holmby [2], in Carisbrook Castle auf der Insel Wight und in Hurst Castle [3], wurde er für kurze Zeit in Schloss Windsor [4], „der Festung an der Themse“, inhaftiert.

 

Schon im Oktober 1648 hatten seine Gegner [5] im Bürgerkrieg  London besetzt. Nach der Anklageerhebung und dem Prozess im Januar 1649 wurde der König zum Tode verurteilt und am 30. des gleichen Monats hingerichtet.

 

„Die Festung an der Themse“, dass weltbekannte Schloss Windsor, ist auch ein Symbol für die englische Monarchie, hier die Regierung unter Karl I., die „fallen“ würde und für London an der Themse, denn England wurde anschließend unter Oliver Cromwell eine Republik.

 

Die Hinrichtung erfolgte in der Öffentlichkeit zu Whitehall [6] vor dem „Banqueting-House“. [7] Von dem extra errichteten Podest vor dem Haus führte ein Steg wie eine „Brücke“ zum Fenster des Gebäudes, auf dem der König zum Scharfrichter gehen musste.

 

Er zog seinen Mantel und seinen Rock aus, war also „im Hemd“ zu sehen und stand nun „vor dem Tod“. Dann folgte die Enthauptung. Sein Leichnam wurde in der „Festung“, in der St. Georgkapelle im Schloss Windsor beigesetzt. Er war symbolisch „in der Festung eingeschlossen“.

 

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Anmerkungen:

 

Bild: Banqueting House, Whitehall, England. Stahlstich von TH Shepherd, W. Wallis, 1829.

 

Video:http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=tqCFSg5xSw4

Von den 2008 Channel 4-Serie "Die Teufels Whore". Prozess und Hinrichtung von König Karl I. von England. Peter Capaldi spielt Charles I von England und Dominic West ist Oliver Cromwell. Veröffentlicht am 16.03.2012 in englischer Sprache.  

 

[1] Karl I., 1600 – 1649, war von 1625 bis 1649 König von England, Irrland und Schottland.

 

[2] Schloss Holmby in der Grafschaft Northampton.

 

[3] Hurst Castle auf der Insel Wight, früher gehörte die Insel zur Grafschaft Hampshire.

 

[4] Windsor Castle, auch Schloss Windsor, oberhalb der Themse, ist das größte und älteste Schloss der Welt. Die Burg liegt in der Stadt Windsor in der Grafschaft Berkshire. Man kann sagen, dass in Friedenszeiten dem Schloss Windsor prächtige Zimmer hinzugefügt wurden und dass es in Kriegszeiten stärker befestigt wurde. Heinrich VIII. errichtete noch um 1510 den Haupteingang des Schlosses neu, platzierte ihn jedoch so, dass Angreifer nach der Erstürmung des Tores einen Kampf bergauf führen mussten. Eduard III. begann den Umbau der Burg von einer Festung zu einem komfortablen Palast.

 

[5] Die Gegner Karl I.: Das Parlament, insbesondere die Roundheads (Rundköpfe), die Gegner der Royalisten. Die Independenten (engl. unabhängig), eine Bezeichnung für die radikalen Puritaner. Oliver Cromwell, einfacher Abgeordneter des englischen Unterhauses, Organisator im Bürgerkrieg gegen König Karl I., später Feldherr des Parlamentsheeres.

 

Eugen Schleiers „Toren“

 

Losgelöst und befreit vom englischen Parlament, gestützt auf einige Berater, wie z. B. William Laud, Erzbischof von Canterbury, Träger des höchsten kirchlichen Amtes der Anglikanischen Kirche und T. Wentworth, 1. Earl of Strafford, regierte Karl I. (1625-1649) das Land mehr absolutistisch, also gern ohne politische Mitwirkung ständischer oder demokratischer Institutionen, wie dem Parlament.

 

So berief er z. B. 1628 das Unterhaus ein, weil er neue Finanzmittel benötige. Die Mitglieder hatten die Petition of Right vorbereitet, um sich gegen königliche Willkürakte abzusichern. Um an sein Geld zu kommen unterschrieb der König, regierte jedoch im gleichen Stil weiter und berief das Parlament 11 Jahre nicht mehr ein.

 

Schlimme Folgen hatte dann die Idee des Bischofs von London, die presbyterianische Kirchenverfassung in Schottland abzuschaffen und die anglikanische Kirche dort einzusetzen. Daraufhin marschierten schottische Truppen in England ein.

 

Durch einen weiteren Aufstand in Irrland kam es zum Englischen Bürgerkrieg (1639-1651), zwischen den Anhängern König Karl I. und denen des englischen Parlaments. Ursächlich waren die Spannungen zwischen dem König und dem Parlament und Diskrepanzen zwischen den christlichen Gruppen, Katholiken, Anglikanern, Puritanern und Presbyterianern. Der Hass wurde sichtbar, als in Irrland die katholische Bevölkerungsmehrheit die protestantischen englischen Neusiedler bekämpfte, sodass die meisten Engländer getötet wurden oder erfroren, weil man sie bei großer Kälte nackt vertrieben hatte.

 

Die Schlachten tobten, doch letztendlich brachte der Abgeordnete, Organisator und Feldherr des Parlamentsheeres Oliver Cromwell, der politische Gegner von Karl I., mit seinem Heer die Wende. Der Historiker E. K. L. von Schleier berichtet 1793:

 

„Nun hatten Cromwell und die Armee alle ihre Feinde, die sich ihnen widersetzen konnten, unter sich gebracht, außer dem... König und dem Parlament... zugleich rückte die Armee nach Windsor vor...“. Das Parlament „gab Befehl, dass die Armee nicht nach London kommen sollte...“. Doch die Generäle widersetzten sich, ließen  „die Armee nach London marschieren, besetzten selbiges und umringten das Parlament mit Soldaten.“ 96 Mitglieder wurden ausgeschlossen und 47 verhaftet. Lediglich 80 Mitglieder, Anhänger der Independenten a), verblieben im sogenannten "Rumpfparlament".

 

Auch die „Festung“ London war nun gefallen. Karl I. wurde wegen Hochverrat angeklagt. Am 20. Januar 1649 begann in der Westminster Hall im Gerichtshof der Prozess gegen den König. Er äußerte sich vor dem Gericht dahin gehend, dass er es nicht anerkennen könne, da er sonst seine Pflicht verletzen würde, die er von Gott habe. Eugen K. L. von Schleier berichtet:

 

„Dreimal wurde Karl vor das Gericht geführt und dreimal lehnte er dessen rechtmäßige Gewalt von sich ab...". Dann "wurde ihm endlich in dem vierten Gerichte ... sein Todesurteil gesprochen":

 

„Die Gemeinde von England, welche in ein Parlament sich versammelten und den hohen souveränen Gerichtshof errichteten, um den Karl Stuart König von England, der wegen großen Verbrechen von Mord und schrecklichen Verrätereien angeklagt wurde, den Prozess zu machen, erklären  hiermit öffentlich, dass, nachdem der Verbrecher sich dreimal geweigert hatte, auf die Anklagen, welche ihm vorgelesen wurden, zu antworten, wozu er immer vergebens, insbesondere, aufgerufen wurde, der hohe Gerichtshof, welcher die Beweise seiner Verbrechen in den Händen hat, und gegen ihn nun in contumaciam (wegen Unbotmäßigkeit) verfährt, besagten Karl als einen Tyrannen, Verräter, Mörder und Feind des Vaterlandes feierlich zur Todesstrafe verdammt, durch welche sein Kopf von dem Leibe getrennt werden soll.“ Seite 5,6

 

Karl I. wurde am 30. Januar 1649 öffentlich hingerichtet. Das Land wurde unter Oliver Cromwell, dem Lordprotektor von England, Irland und Schottland, eine Republik.

 

Eugen K. L. von Schleier kommt zu dem enttäuschenden Fazit: „Die Toren wollten lieber das größte bürgerliche Interesse aufopfern, als den geringsten Punkt in ihren theologischen Streitigkeiten.“

 

a) Independenten, englisch „unabhängig“. Bezeichnung für die radikalen Puritaner, die aus den Religionskriegen des 16. Jh. in England hervorgingen und die gegenüber der anglikanischen Kirche völlige Unabhängigkeit und Selbstständigkeit der einzelnen Gemeinden forderten. Sie waren auch frühe Verfechter des amerikanischen Demokratieverständnisses.

 

 

[6] Whitehall: Die Bezeichnung stammt vom weiträumigen Whitehall-Palast, Westminster, London, der früher dort stand und 1698 durch einen Brand größtenteils zerstört wurde. Whitehall war ursprünglich eine breite Straße.

 

[7] Banqueting House in Whitehall, Westminster, London, ist das einzige heute noch bestehende Gebäude des Whitehall-Palastes, der 1698 niederbrannte. Dieser war einer der größten Paläste in Europa und hatte ca. 1.500 Räume.

 

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Kleines Wörterbuch:

 

1. La, les, le 1. „der, die“ usf., 2. „ihn“, „sie“; forteresse „Festung“ 12. Jh. bedeutet afrz. auch „Macht“, „Kraft“; aupres „daneben“ 16. Jh., ist verschmolzen aus präpositionalem au pres de „in der Nähe von“ zu substantivischem le près „die Nähe“; de „von“, aus lat. de „von“, „betreffs“, u. ä.; Tamise „Themse“; 2. par „durch“, „gemäß“, „mittels“ u. ä. 11. Jh.; lors „damals“ 12. Jh. aus lat. illa, lors (Präposition) „während“; roi „König“ 9 Jh. rei, aus lat. rex, rege; dedans „in“; serré „eingeschlossener Raum“ v. a., „Gewächshaus“, dann „Druck“, „Keltern“, „Klaue“, „Kralle“ u. ä. 12. Jh., ist postverb. Subst. von serrer „verschließen“, „drücken“, „straff anziehen“ u. ä.; 3. du „des“ für älteres deu; pont „Brücke“ 12. Jh., aus lat. ponte; sera, werden; veu, vue „Sehen“, „Gesicht“, „Angesicht“ 12. Jh., ist subst. Part. von voir; en „in“, „auf“ 9. Jh., afrz. auch „unter“, „zwischen“; chemise „Hemd“ 10. Jh. (Passion) aus vlat. camisia; 4. un „einer“ 10. Jh., aus lat. unus; devant „voran“, „vor“ 11. Jh., afrz. auch davant; mort 1. „Tod“ 9 Jh. aus lat. morte, 2. „tot“ 10. Jh., aus lat. mortunus; puis „dann“ 10. Jh. poisse, ist afrz. auch als Präposition im Gebrauch, aus lat. postea „später“; dans „in“ 16. Jh.; fort „stark“, „Fort“ 10. Jh. aus lat. fortis; barré „Stange“, „Stab“, 11. Jh., afrz. „Balken“, „Querstange“, „Schranke“.

 

Quellen: U. a. Etymologisches Wörterbuch der französischen Sprache, E. Gamillscheg, 1997.  

 

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