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Nostradamus-Visionen und ihre Bedeutung

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Die Französische Revolution - Kult der Vernunft und das Ende Robespierres

 

Durch große Zwietracht wird die Posaune erzittern.

Die Eintracht ist zerstört, man erhebt den Kopf zum Himmel.

Der blutende Mund wird im Blut schwimmen.

Am Boden liegt sein mit Milch und Honig gesalbtes Gesicht.

Centurie 1:57 - Lyon 1568

 

Par grand difcord la trombe tremblera

Accord rompu dreflant la teste au ciel:

Bouche sanglante dans le sang nagera,

Au sol la face ointe de laict & miel.

Centurie 1:57 – Lyon 1568

 

Die erste Zeile dieser großen Prophezeiung aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, „durch große Zwietracht wird die Posaune erzittern“, erinnert an die sieben Engel Gottes aus der Offenbarung der Bibel. Wenn deren Posaunen oder Trompeten erklingen, so im 1. Jh. n. Chr. Johannes auf Patmos (Offenbarung 1:9), soll das verheerende Wirkungen für die Menschheit haben. So erhielt z. B. der sechste Posaunen-Engel von Gott die Order, vier Engel vom Euphrat zu lösen bzw. abzuberufen: „Und die vier Engel wurden gelöst, welche bereitet waren auf Stunde und Tag und Monat und Jahr, auf dass sie den dritten Teil der Menschen töteten.“ (Offenbarung 9:15) Der Seher bezog sich jedoch auf die Zeit der Französischen Revolution (1789-1799) und deutete somit schreckliche Ereignisse an.

 

In der Französische Revolution wurde die Feudalherrschaft gewaltsam abgeschafft und eine bürgerliche Republik gegründet. Die Monarchie wurde beendet, Ludwig XVI., König von Frankreich und seine Frau Marie Antoinette hingerichtet. Der Sohn Ludwig XVII. starb mit 10 Jahren an den Folgen der Kerkerhaft. Die Religion wurde stark eingeschränkt, deren Besitz verstaatlicht, viele Geistliche hingerichtet und deren Zehnt abgeschafft. Die feudalen Standesrechte und andere Privilegien wurden aufgehoben und viele Royalisten und Gegner der Revolution durch die Guillotine hingerichtet. So war „große Zwietracht“ über Frankreich gekommen und „die Posaune erzitterte“, das Lied des Todes erklang. Diese Zeit ist als La Grande Terreur, als der große Terror, in die Geschichte eingegangen.

 

„Die Eintracht war zerstört und man erhob den Kopf zum Himmel in dem Sinne, dass nun die Vernunft, symbolisiert als Kopf, den Himmel, also die christliche Religion ersetzte.

 

Einer der einflussreichsten Männer während der ersten fünf Jahre der Französischen Revolution war Maximilien Robespierre [1]. Er ergänzte die Schreckensherrschaft um antichristliche Vorschriften, errichtete den „Kult der Vernunft“ und das „Fest des Höchsten Wesens“ und ersetzte 1792 den julianischen Kalender durch den republikanischen. Er forderte den Tod des Königs und der Königin. Die Gegner der Republik hatten bei ihm höchstens die Wahl zwischen einer Änderung ihrer Überzeugung und dem Tod. Er war ein begabter Redner und ging als „Blutrichter“ der Französischen Revolution in die Geschichte ein.

 

Der Seher nannte Robespierre den „blutenden Mund“, weil er ständig mehr Todesurteile forderte und verhängte. Sein Programm lief auf eine immer weitere Verschärfung des Terrors hinaus.

 

Bald konnten auch die Mitglieder der Nationalversammlung der Willkür des Terrors ausgesetzt sein. Viele befürchteten selber hingerichtet zu werden. Man ließ Robespierre und seine Freunde verhaften. Es gelang ihm sich zu befreien, und mit seinen Anhängern ins Rathaus zu flüchten. Die Nationalgarde erstürmte das Gebäude. Robespierre schoss sich in den Mund, zerschmetterte jedoch nur seinen Kiefer.

 

Am 28. Juli 1794 wurde der „Blutrichter“ dann selbst zur Guillotine gebracht und enthauptet. „Der blutende Mund“ schwamm nun auch direkt „im Blut“ und „am Boden lag sein mit Milch und Honig gesalbtes Gesicht“ [2], was wohl die Unreife und Unwissenheit des noch jungen Maximilien Robespierre (1758-1794) symbolisiert, denn die französischen Könige selbst wurden von jeher mit einem heiligen Öl aus Oliven und Balsam gesalbt. „Ungo te in Regem“ („Ich salbe dich zum König“).

 

Bild 1: Freiheit führ das Volk, 1830, zum Ruhme und zum Gedenken der Julirevolution 1830, Ausschnitt, F. V. Eugène Delacroix, französischer Maler, 1798-1863. 

 

Bild 2: Maximilien Robespierre, 1758-1794, französischer Politiker und Revolutionär.

 

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Anmerkungen:

 

[1] Maximilien Robespierre, 6.5.1758 - 28.7.1794: „der Unbestechliche“ und „Anwalt der Armen“ genannt, Musterschüler, Stipendium, 12 Jahre Studium, Anwalt des Rechts, Lizenziat (akademischer Grad), Politiker, führendes Mitglied der Jakobiner, vorzeiten Gegner der Todesstrafe und der Sklaverei in den Kolonien, war gegen die Privilegien des Adels und der Geistlichkeit, vertrat die "Menschen- und Bürgerrechte", wollte die Gesellschaftsform des monarchistischen Frankreichs nach der Staatstheorie seines geistigen Erziehers und Ratgebers Rousseau umgestalten und die "heilige Gleichheit" einrichten.

 

Er wurde am 27. Juli 1793 zum Wohlfahrtsausschuss berufen, unterstützte Exesse gegen die „Feinde der Revolution“ und erhielt so den Ruf als „Blutrichter der Revolution“. Als Mitglied des Nationalkonvents stimmte er der Hinrichtung Königs Ludwig XVI. wegen Hochverrats zu, der am 21. Januar hingerichtet wurde und seine Frau Marie-Antoinette am 16. Oktober 1793.

 

Sein Eintreten für den Terror im Namen der Tugend forderte immer mehr Todesopfer, da er in seinem halbreligiösen Wahn ständig mehr Bürger zur Guillotine führen ließ. Die Parlamentarier, in Sorge um ihre eigene Sicherheit, ließen nun Robespierre und seine Anhänger verhaften. Um seiner Festnahme zu entgehen, schoss sich Robespierre in den Mund, der stark blutete, doch er lebte. Am 28.7.1794 wurden er und 21 seiner Anhänger auf der Guillotine geköpft. In den Tagen danach noch ca. 80 weitere seiner Mitstreiter.

 

[2] „Robespierre war der zehnte Hinzurichtende... Charles Henri (Henker) hatte einen seiner Gehilfen beauftragt, den Verband, der den Kopf des Patienten umgab, wegzunehmen; dieser Tat wie ihm befohlen war, und zog die Leinwand mit den Bändern fort. Der Schmerz war entsetzlich, sodass der Patient einen schrecklichen Schrei ausstieß. Der lose Kinnbacken hing herab, der Mund öffnete sich weit, und das Blut floss heraus. Man stieß ihn eilig auf das Brett und nach kaum einer Minute viel das Messer nieder. Das Haupt Robespierres wurde dem Volke gezeigt, wie es mit dem des Königs und Danton geschehen war; die Menge begrüßte es mit wiederholtem Beifallssturm.“ (Tagebücher der Henker von Paris von Henry Sanson, Band 2, S. 151)

 

Vom Freiheitsrauch bis Warterloo (Auszug) von Rudolf Augstein

 

„Jener Robespierre des Sommers 1794, der rein äußerlich auf dem Höhepunkt seiner Macht zu stehen scheint und der als Konventspräsident das "Fest des Höchsten Wesens" (8. Juni 1794) ausrichten lässt, scheint den Glauben an sich und seine Sache bereits verloren zu haben. Er hat keine einzelnen Feinde mehr, die hat er aus dem Weg geräumt. Ihm schlägt eine schwer zu durchschauende Kollektivfeindschaft entgegen.

 

Korrupt war er nicht, auch kein Blutsäufer, wie viele seiner Feinde.. Kein Unmensch also, aber doch, wie in Georg Büchners Geniestreich "Dantons Tod", das Symbol der Schreckensherrschaft, ja, der Unmenschlichkeit. Warum? Es scheint, als habe er sich durch seine häufige Anrufung der Tugend verhasst gemacht...

 

Er war auch kein Diktator. Sonst wäre es ihm gelungen, seinen Bruder Augustin zu sich in den Wohlfahrtsausschuss zu berufen. Sein Fehler scheint eine Mischung aus Eitelkeit, Selbstgerechtigkeit und höherer Sendung; vielleicht war er auch noch nachtragend.

 

Als er vom "Fest des Höchsten Wesens" in das Haus des Tischlers Duplay, wo er bescheiden wohnte, zurückgekehrt war, gebärdete er sich wie Jesus im Garten Gethsemane. "Ihr werdet mich nicht mehr lange sehen", sagt er...

 

Nun wohl, oft genug hatte er in der Rhetorik der Zeit, man möchte sagen der Franzosen, sein Leben angeboten; hatte sich bereit erklärt, den Schierlingsbecher des Sokrates zu trinken.

 

"Ich werde ihn mit dir trinken", ruft im Konvent der Maler David. Gott sei Dank, der wird am 9. Thermidor krank sein, jedenfalls abwesend. Der Welt blieb ein großer Maler erhalten.“

 

Quelle: Vom Freiheitsrauch bis Waterloo, Spiegel 16.1.1989, Rudolf Augstein über die Französische Revolution (III).

 

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Kleines Wörterbuch: 

 

1. Par 1. „durch“, „gemäß“, „mittels“ u. ä. 11. Jh., 2. „seitens“; grand „groß“ 10. Jh., afrz. grant; discord „Zwietracht“ va., im 12. Jh. descort, auch als Bezeichnung einer Art Lied, das afrz. Wort ist postverb. Subst. von descorder „in Zwietracht bringen“, „bestreiten“; trombe „Windhose“ 18. Jh., im 16. Jh. trompe, ist eins mit trompe „Trompete“, das afrz. auch „Kreisel“ bedeutet; tremblera, trembler „zittern“ 12. Jh., aus vlat. tremulare zu lat. tremulus „zitternd“; 2. accord „Übereinstimmung“, „Übereinkommen“, 12. Jh., ist postverb. Subst. von accorder „in Übereinstimmung bringen“, dieses aus vlat. accordare; rompu, rompre „zerbrechen“, „zerreißen“, 10. Jh., aus lat. rumpere „brechen“; dressant, dresser „aufrichten“, „ausfertigen“, seit dem 16. Jh., auch „abrichten“, dresser „aufrichten“, „in die Höhe richten“, „strecken“; teste, tete „Kopf“ 11. Jh., aus lat. testa „Topf“, „Scherbe“, „Schale“, spätlat. auch „Hirnschale“, ciel „Himmel“ 9. Jh., aus lat. caelum; 3. bouche „Mund“ 11. Jh., aus lat. bucca „Backe“; sanglante, sanglant „blutig“ 11. Jh., sanglent, aus vlat. sanguilentus; dans „in“ 16. Jh.; sang „Blut“ 10. Jh., aus lat. sanguis; nagera, nage „Schwimmen“, 12. Jh. „Schiffen“, ist postverb. Subst. vo nager „schwimmen“; 4. sol „Erdboden“ 16. Jh., aus lat. solum; sa, son „sein“ 9. Jh.; face „Gesicht“, „Vorderansicht“, „Seite“ 12. Jh., aus vlat. facia; ointe, oindre „einschmieren“, „salben“ 12. Jh., afrz. auch „schmeicheln“, oing „Schweinefett“ va., 12. Jh. oint, aus lat. unctum „Fett“, „Salbe“; laict, lait „Milch“ 12. Jh., aus vlat. lactis, lacte für lat. lae, lactis, lai „weltlich“, „Laie“ 12. Jh., bedeutet afrz. auch „unwissend“, aus lat. laicus „zum Volke gehörig“, „gemein“, dann „Laie“; miel „Honig“ 10. Jh., aus spätlat. mele für lat. neutrales mel, dazu seit dem 13. Jh. die Abl. mielleux „honigsüß“.

 

Quellen: U. a. Etymologisches Wörterbuch der französischen Sprache, E. Gamillscheg, 1997.

 

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