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Nostradamus-Visionen und ihre Bedeutung

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Untergang des Kirchenstaates u. Pius VI. - Valence war sein Schicksal.

 

Römischer Pontifex, hüte dich davor, dich der Stadt zu nähern,

die von zwei Flüssen durchflossen wird.

Du wirst dort in die Nähe kommen, um dein Blut auszuspeien.

Du und die deinen werden dort sein, wenn die Rose blühen wird.

Centurie 2:97 - Lyon 1568

 

Romain Pontife garde de t’approcher,

De la cité que deux fleuves arrouse,

Ton sang viendras au pres de la cracher.

Toy & les tiens quand fleurira la rose.

Centurie 2:97 – Lyon 1568 

 

Die französische Stadt Lyon wird heute immer noch „von zwei Flüssen“, der Rhone und Saone, „durchflossen“, die dann vereint in südliche Richtung zu der 90 km entfernten Stadt Valence fließen. Meiden sollte der „römische Pontifex“ [1] diese Gegend, doch das Schicksal nahm seinen Lauf.

 

Pius VI., bürgerlich Graf Braschi, Papst von 1775-1799 [2], hatte kein Verständnis für die Französische Revolution [3], diese über den Atlantik gewehte neue Mode. Denn "kann man etwas Unsinnigeres ausdenken als eine derartige Gleichheit und Freiheit für alle zu dekretieren (verordnen, anordnen)", so seine Antwort vom 10. 3. 1791 auf die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte. Die von den Revolutionären vorgenommene Reform der Religion in Frankreich, mit erheblichen Einschnitten besonders für seine Gruppe, gefiel ihm verständlicherweise auch nicht.

 

Dem Unglück wurde jedoch der Weg bereitet, als er dem Bündnis der europäischen Staaten gegen Frankreich beitrat und somit die antirevolutionär gesinnten europäischen Kräfte unterstützte, viele französische Royalisten im Kirchenstaat aufnahm und so die Machthaber in Paris verärgerte. Schon in die Jahre gekommen, konnte er wohl die Brisanz seines Handelns nicht so richtig einschätzen. Ungewollt brachte er den Kirchenstaat (Papal States) [5] in Gefahr, der damals fast das gesamte Mittelitalien umfasste.

 

General Napoleon [4] hatte gerade (1796) die Österreicher aus Mailand vertrieben und besiegte anschließend die "christlichen" Truppen des katholischen Kirchenstaates. Die französische Rechnung war auf den 19. Februar 1797 datiert, da im Frieden von Tolentino Pius VI. hohen Reparationszahlungen, der Übergabe von Kunst- und Kulturgütern, wie auch der Abtretung weiter Teile des Kirchenstaates zustimmen musste. Immerhin hatte er in seinem Breve Pastoralis sollicitudo vom Juli 1796 die Republik Frankreich anerkannt.

 

Das Unglaubliche wurde wahr! Das Ende des Kirchenstaates kam mit erneuten Unruhen in Rom und mit der Ermordung des französischen Generals Duphot. Die Franzosen besetzten den Staat. Am 10. Februar 1798 wurde Rom übergeben und die Repubblica Romana verkündet, die erste Römische Republik der Neuzeit.

 

Pius VI. wurde noch am gleichen Tag verhaftet, weil er den Verzicht auf jeglichen weltlichen Herrschaftsanspruch ablehnte. Um seine beiden Ringe erleichtert wurde er, zusammen mit zwei Geistlichen und seinem Leibarzt, für ein Jahr nach Siena/Italien gebracht und anschließend nach Turin/Italien. In einer Sänfte, bei großer Kälte über die Alpen transportiert, ging es weiter nach Briancon/Frankreich, nach Grenoble/Frankreich und von hier nach Valence/Frankreich, wo der Reisewagen am 14. Juni 1799 ankam, also im Sommer, in der Zeit „wenn die Rose blühen wird“.

 

Der über 80jähriger kranke und altersschwache Pontifex maximus war völlig erschöpft. Am 29. August 1799 verschied Papst Pius VI. in „einem verwahrlosten Gebäude der Zitadelle von Valence-sur-Rhone, wo Türen und Möbel fehlten, (und) spakige Tapeten von den Wänden hingen.“ [6]

 

In Europa war etwas Unfassbares geschehen! Alles war verloren: Der Kirchenstaat, die Reichtümer, die Macht und Papst Pius VI. war als Märtyrer seiner Gruppe unter fremden Himmel gestorben. Symbolisiert gesagt hatte er sein „Blut ausgespien" [7], denn das Leben von Pius VI. war zu Ende und der Lebenssaft der Katholischen Kirche, der Vatikanstaat, die Macht und der Reichtum, wurden ebenfalls "ausgespien" auf den Altar der Geschichte.

 

Damals- beim Tode Pius’ VI., über dessen schweren Schicksal man nicht einen geradezu unverfrorenen Nepotismus (Vetternwirtschaft) und die skandalöse Bereicherung der eigenen Familie übersehen darf, hat es nicht wenige gegeben, die das Papsttum am Ende wähnten.“ [8]

 

Doch schon im folgenden Winter kamen die Kardinäle unter österreichischem Schutz in Venedig zusammen, um einen neuen Papst zu wählen.

 

Es wurde der geborene Graf Luigi Barnaba Chiaramonti, der am 21. März 1800 zum Papst Pius VII., (1742-1823, Papst von 1800-1823) Pontifex maximus, Bischof von Rom, und zum Souverän des Kirchenstaates gekrönt wurde.

 

Mit Frankreich gab es in dieser Zeit ständig Schwierigkeiten, da durch die Französische Revolution von 1789 bis 1799 die Feudalherrschaft in Frankreich abgeschafft und eine bürgerliche Republik gegründet wurde. Die Katholische Kirche wurde weitgehend enteignet und sukzessive eine strenge Trennung zwischen Staat und Kirche realisiert. Sie war nun keine Staatskirche mehr, d. h. eine christliche Religionsgemeinschaft, die in einem Staat aufgrund geltenden Rechts zu offiziellen Religion bestimmt wurde, sondern es sollte in Zukunft die Vielfältigkeit (Pluralismus) der religiösen Bekenntnisse und die Freiheit der Kultusausübung gelten.

 

1801 schloss der studierte Philosoph und Theologe Papst Pius VII. mit Frankreichs Erstem Konsul Napoleon Bonaparte ein Konkordat (Vertrag zwischen Staat u. Kirche) und erkannte u. a. die Französische Republik, den Zivilstand der Katholischen Kirche, die Enteignung des französischen Kirchenbesitzes und die von Napoleon angeordnete Entlassung aller Bischöfe an. Diese Einigung führte auch zur Wiederherstellung eines verkleinerten Kirchenstaates und gipfelte in der Anwesenheit Papst Pius VII. bei der Kaiserkrönung und Salbung Napoleons am 2. Dezember 1804 in der Kathedrale Notre-Dame in Paris.

 

Doch 1806 kam es zwischen Napoleon und Pius VII zu erheblichen Schwierigkeiten, als sich der Papst weigerte, einem Bündnis gegen Großbritannien beizutreten. Die Wirkung war gewaltig, da im November 1807 französische Truppen in den Kirchenstaat einrückten und im Februar 1808 Rom besetzten. Pius VII. musste als weltlicher Herrscher aufhören zu regieren, nur die geistliche Macht blieb ihm. Am 10. Juni 1809 fand die Vereinigung zwischen dem nun nicht mehr existierenden Kirchenstaat und dem Empire Francais bzw. dem Kaiserreich Frankreich statt.

 

Als Pius VII. seinen Gegnern den Bann androhte und sogar Napoleon exkommunizierte, wurde er verhaftet und in Grenoble/Frankreich dann in Savona/Italien und im Jahr 1812, ca. 60 Kilometer südlich von Paris, in Fontainebleau, gefangen gesetzt.

 

Auch bei diesem ähnlichen historischen Ereignis, wie dem Pius VI.-Drama von 1796 bis 1799, war in Europa wieder etwas Unfassbares geschehen! Der Kirchenstaat, die Macht, die Reichtümer schienen verloren und schließlich auch noch der Papst im Gefängnis. Er ist jedoch nicht als Märtyrer gestorben wie Pius VI., da er 1814 freigelassen wurde.

 

Doch die Prophezeiung 2:97 selbst bezieht sich wohl mehr auf den Vorgänger Pius VI. (Graf Braschi) und seinen Tod in Valence/Frankreich, da Paris nicht „von zwei Flüssen durchflossen wird.“, in dessen „Nähe", in Fontainebleau, Pius VII. (Graf Chiaramonti) inhaftiert war, denn die Marne mündet bereits bei Charenton-le-Pont, knapp südöstlich von Paris, als rechter Nebenfluss in die Seine.

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Anmerkungen:

 

Bild 1: Pius VI., bürgerlich Graf Braschi, Papst von 1775-1799; Bild 2: Graf Luigi Barnaba Chiaramonti (1742-1823), Papst Pius VII. von 1800-1823.

 

Bild 2: Graf Luigi Barnaba Chiaramonti, Pontifex maximus, Bischof von Rom, Souverän des Kirchenstaates. Gekrönt: 21. März 1800 zum Papst Pius VII., (1742-1823), Papst von 1800-1823.

 

[1] Pontifex maximus, oberster Priester im alten Rom; Titel des römischen Kaisers u. danach des Papstes.

 

[2] Pius VI., Giovanni Angelo Braschi aus dem italienischen Cesena, (1717-1799), Papst (1775-1799), dessen Pontifikat in der französischen Gefangenschaft endete und den Tiefpunkt des modernen Papsttums markiert.

 

[3] Französische Revolution, Epoche der französischen Geschichte von 1789 bis 1799, in der die Feudalherrschaft gewaltsam abgeschafft und eine bürgerliche Republik etabliert wurde. Die Französische Revolution hatte tief greifende Auswirkungen auf beinahe ganz Europa.

 

[4] Napoléon Bonaparte (1769-1821, Ajaccio/Korsika), 1796 wurde Napoleon zum Oberbefehlshaber der französischen Armee in Italien ernannt. Im Dezember 1797 beauftragte ihn das Direktorium mit dem Oberbefehl über die französische Armee. 1799: Erster von drei Konsuln. 1802: Erster Konsul auf Lebenszeit. 1804: Krönung zum Kaiser Napoleon I. von Frankreich.

 

[5] Papal States, Vatikanstaat: Norditalien und Mittelitalien im Jahr 1806, aus: Shepherd, William. Historical Atlas. New York: Henry Holt and Company, 1911, S. 151 (Ausschnitt). Diese Bilddatei ist gemeinfrei, da ihre urheberrechtliche Schutzfrist, 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers, abgelaufen ist.

 

[6] Die Päpste: von Petrus zu Benedikt XVI., Horst Fuhrmann, Seite 186.

 

[7] Blut wurde schon früh als Träger des Lebens angesehen. Im Alten Testament der Bibel, den Fünf Büchern Moses, (griechisch: Pentauteuch, jüdisch Tora) existiert die Vorstellung, die Blut mit Leben oder Seele gleichsetzt: "Denn das Leben aller Wesen aus Fleisch ist das Blut, das darin ist. Ich habe zu den Israeliten gesagt: Das Blut irgendeines Wesens aus Fleisch dürft ihr nicht genießen; denn das Leben aller Wesen aus Fleisch ist ihr Blut. Jeder, der es genießt, soll ausgemerzt werden." (Bibel, Altes Testament, 3. Mose 17:14)

 

[8] Die Päpste: von Petrus zu Benedikt XVI., Horst Fuhrmann, Seite 186.

 

Kleines Wörterbuch:

1. Romain Pontife „römischer Pontifex“, pontife „hoher Priester“ 15./16. Jh., aus lat. pontifex; garde „Bewachung“, „Bewahrung“, „Wächter“, 10. Jh. „Aufmerken“, „Wache“, „Vormundschaft“ u. ä., garder „bewahren“, „bewachen“, afrz. „beobachten“, „achtgeben“, „sich hüten vor“; de „von“, aus lat. de „von“, „betreffs“, u. ä.; approcher „nähern“ 12. Jh. aprochier „näher bringen“, „näher kommen“, aus vlat. appropiare; 2. cité „Altstadt“, „Bürgerschaft“, 10. Jh. „Stadt“; que „welcher“, „was“, „dass“; deux „zwei“ aus lat. duos; fleuve „Fluss“ ist afrz. synonym mit rivière; arrouse, arroser „begießen“ 12. Jh., afrz. auch „betauen“, „bewässern“, auf vlat. arrosare, die Mundarten haben meist die lautgesetzlich zu erwartende Form arrouser; 3. ton 1. „dein“, 2. „Spannung“, „Ton“ 11. Jh., aus lat. tonus; sang „Blut“ 10. Jh. aus lat. sanguis; aupres „daneben“ 16. Jh., ist verschmolzen aus präpositionalem au pres de „in der Nähe von“; cracher „spucken“ 12. Jh., aus vlat. craccare; 4. toy, toi „dich“; les, le, la, les 1. „der, die“ usf., 2. „ihn“, „sie“; tien „deiner“ 12. Jh.; quand „als“, „wenn“ 10. Jh. quant, aus lat. quando; fleurir „blühen“, 12. Jh. florir; rose „Rose“ 11. Jh., aus lat. rosa.

 

Quelle: U. a. Etymologisches Wörterbuch der französischen Sprache, E. Gamillscheg, 1997. 

 


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