minerva79.de - Parapsychologie - Esoterik - mehr Realität

 

Nostradamus-Visionen und ihre Bedeutung

Startseite   Himmel & Erde   Nostradamus   Visionen & Träume   Frühe Schriften   Gefiederte Welt   Meine Bilder

„Araber“ waren ihr Schicksal. Ende der Saadier-Dynastie in Marokko. Die Sonne war Zeuge.

Beim Tagesanbruch, beim zweiten Hahnenschrei, [sehen es]

die von Tunis, Fez und Bougie.

Der marokkanische König durch die Araber gefangen.

[Historisches um] das Jahr 1607, [nach] der Liturgie.

Centurie 6:54 – Lyon 1568 [1]

                       

Au poinct du iour au second chant du coq,

Ceulx de Tunis, de Fez, & de Bugie:

Par les Arabes captiv le Roy Maroq,

L’an mil six cens & sept, de Liturgie.

Centurie 6:54 – Lyon 1568

 

Die Historiker berichten, dass der marokkanische Sultan Abu Marwan Abd al-Malik zusammen mit Ahmad al-Masur 1557 nach Istanbul zu den Osmanen [2] fliehen mussten, da sie in Machtkämpfen gegen den marokkanischen Sultan Abdallah al Galib unterlegen waren. Erst 1576 konnte Ahmad al-Masur nach Marokko zurückkehren, der zwischenzeitlich in osmanische Dienste getreten war.

 

Der zukünftige Sultan von Marokko war also sinnbildlich von den „Arabern [wie] gefangen“. Zu dieser Zeit gehörte ein Teil der Arabischen Halbinsel (Saudi-Arabien u. a.) zum Osmanischen Reich, sodass der Seher zwecks Verschleierung und als Symbol, die Osmanen/Türken als „Araber“ bezeichnen konnte.

 

Nachdem er im August 1578 ein portugiesisches Annexionsheer in Nordmarokko mithilfe einer osmanischen Elitetruppe, den Janitscharen [3], besiegt hatte, wurde er selber der neue Sultan der Saadier-Dynastie, erkannte aber die Oberhoheit der Osmanen vorerst an, d. h., er war auch hier in einer gewissen Art von ihnen wie „gefangen“.

 

Doch die Pestepidemie im Jahre 1603 verschonte auch Sultan Ahmad al-Masur nicht, sodass er starb. Die wichtigsten Gelehrten am Hofe priesen ihn in ihren Schriften als großen Kalifen [4] und Mudschaddid [5].

 

Schwere Machtkämpfe um die Nachfolge brachen unter den Saadiern aus, die 1610 zur Teilung Marokkos und zu den beiden Herrscherlinie Fez/Marokko und Marrakesch/Marokko führten.

 

 

Diese Schwächung des Reiches hatte Anarchie zur Folge und begünstigte den Aufstieg der Alawiden, die ihre Macht in Südmarokko ausdehnten. Sie stammten von Hasan dem Enkel des Propheten Mohammed ab und waren somit Scherifen [6]. Ende des 13. Jahrhunderts waren sie aus Hedschas, aus dem heutigen Saudi-Arabien, nach Marokko gekommen und gehörten demnach zu den Arabern. 1659 wurde Marokko von dem Sadier König Alhmad III. al Abbas regiert. Im gleichen Jahr eroberten die arabischen Alawiden die Hauptstadt Marrakesch und beendeten damit die Dynastie der Saadier in Marokko. Die Alawiden-Dynastie begann.

 

Diese menschlichen Gegensätze ereigneten sich in einem etwas größeren Zeitfenster um „das Jahr 1607“, nicht nach der islamischen Zeitrechnung, sondern nach der „Liturgie“ [7], ein Symbol für die christliche Zeitrechnung, nach dem julianischen Kalender.

 

Letztendlich verfinsterte sich auch noch die Sonne. Dr. Chr. Wöllner [8] berichtet, dass die Menschen von „Tunis/Tunesien, Fez/Marokko und Bougie/Bejaia/Algerien“ die Verfinsterung ab „Tagesanbruch, beim zweiten Hahnenschrei" (7:13 h), sehen konnten:

 

„Die genaue Epoche ist wohl der 16. (julianisch) Februar 1607. An diesem Tag ereignete sich eine (totale) Sonnenfinsternis ... Die Finsternis begann in Fez 7:13 h ["Marokko"] morgens (mittlerer Ortszeit), 38 m nach Sonnenaufgang (womit der erste Vers des Quatrains seine Erklärung findet), erreichte 8:16 h ihr Maximum und endete 9:20 h. Die Zentralitätszone lief über den Kamm des Kongogebirges, quer durch Afrika und Südarabien und endete in der Wüste Gobi.“

 

Frühe Nostradamusausgaben gab es bereits 1555. Die Bilder von hunderten Ereignissen mussten jedoch in Jahren vorher empfangen, eingeordnet, schriftlich erfasst und verschlüsselt werden, sodass anzunehmen ist, dass der Prophet Visionen spätestens ab 1550 erhielt. Insofern ist der Beginn dieser Deutung im Jahre 1557 kompatibel. Nostradamus lebte von 1503 bis 1566.

 

Seitenanfang

 

Anmerkungen:

Bild: © Zapfen der Atlaszeder, Chris Gurk, Original uploader was Treebeard at de.wikipedia, 28. March 2005, Licensed under the GFDL by the author.

 

[1] Frühe Nostradamusausgaben: Wien im Jahr 1555, Albi 1555, Utrecht 1557, Moskau 1557 ist identisch mit dem Budapester Exemplar, Lyon 1568.

 

[2] Osmanisches Reich bzw. Ottomanisches- oder Türkisches Reich, Dynastie der Osmanen von ca. 1299 bis 1923. Das Reich erstreckte sich über drei Kontinente, von Algerien im Westen bis zur iranischen Grenze im Osten und von Ungarn, dem Balkan und der Krim im Norden bis zum Jemen im Süden, Ägypten eingeschlossen. Das Zentrum bildete das Gebiet der heutigen Türkei.

 

[3] Janitscharen: In besiegten Ländern wurde von den Osmanen (Türken) eine sogenannte „Knabenlese“ durchgeführt. Man entführte männliche Kinder, ließ sie zu strenggläubigen Muslimen erziehen und setzte sie im Militär- und Verwaltungsdienst des Reiches ein. Sie waren auch als „Janitscharenkorps“ bekannt, bildeten eine Elitetruppe und stellten die Leibwache des Sultans.

 

[4] Kalif ist ein Stellvertreter oder Nachfolger, wird jedoch häufig als Titel für religiös-politische Führer verwendet. Chalīfat Allāh = Stellvertreter Gottes und chalīfat rasūl Allāh = Nachfolger des Gottesgesandten und kann einen Anspruch auf die Führung der gesamten islamischen Gemeinschaft bedeuten.

 

[5] Mudschaddid ist ein „Erneuerer“, eine Person, die mit einem Prophetenspruch, am Anfang eines jeden muslimischen Jahrhunderts, die Religion des Islam erneuert.

 

[6] Scherif, „edel, vornehm“ ist der religiöse Titel der Nachkommen Mohammeds, die von ihm über seinen ältesten Enkel Hasan abstammen. Die Scherifen trugen ab dem 14. Jh. einen grünen Turban.

 

 

[7] Liturgie, von griechisch leiturgia ‚öffentlicher Dienst’, bezeichnet die Ordnung der religiösen Riten und Zeremonien bzw. die Form des kirchlichen Gottesdienstes.

 

[8] Die Mysterien des Nostradamus von Dr. Chr. Wöllner, 1926, S. 44.

 

Seitenanfang

 

Kleines Wörterbuch

 

1. Point „Punkt“; du „des“ für älteres deu; jour „Tag“ 11. Jh.; second „zweiter“ 12. Jh. segond, aus lat. (secundus); chant „Gesang“ 12. Jh., aus lat. cantus; cop „Hahn“ 12. Jh.; 2. ceux, celui, celle, celles „derjenige“ usf., ist afrz. die substantivische Form von cel, celle; de „von“, aus lat. de „von“, „betreffs“, u. ä.; 3. par „durch“, „gemäß“, „mittels“ u. ä. 11. Jh.; les, le, la, 1. „der, die“ usf., 2. „ihn“, „sie“; Arabes „Araber“; captiv „kriegsgefangen“ 15. Jh., aus lat. captivus, dazu seit dem 15. Jh. captiver „gefangen halten“, „für sich gewinnen“ aus lat. captivare; roi „König“ 9 Jh. rei, aus lat. rex, rege, royal „königlich“ 12. Jh. reiel, reial, aus lat. regalis „königlich“; Maroc „Marokko; 4. an „Jahr“ 11. Jh., aus lat. annus; mil „tausend“ 12. Jh., aus lat. mille; six „sechs“ 12. Jh. sis aus lat. sex; cent „hundert“ aus lat. centum; sept „sieben“ 11. Jh. set, aus lat. septum; Liturgie „Liturgie“ 16. Jh., aus mlat. = gr. (liturgia).

 

Quellen: U. a. Etymologisches Wörterbuch der französischen Sprache, E. Gamillscheg, 1997.

 

Seitenanfang