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Nostradamus-Visionen und ihre Bedeutung

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Franz. Revolution: Zerstörung der Königsgräber in St. Denis u. die heilige Weltweisheit.

 

Falsch ausgestellt werden die Ortsbeschreibungen,

die Krüge der Grabmäler werden geöffnet:

die Sekte der heiligen Weltweisheit wird stark gewachsen sein.

Sie erklärt Schwarz für Weiß und für alt das noch Grüne.

Centurie 7:14 - Lyon 1568 

 

Faux exposer viendra topographie,

Seront les cruches des monumens ouvertes:

Pulluler secte saincte philosophie,

Pour blanches, noires, & pour antiques vertes.

Centurie 7:14 – Lyon 1568 

 

Der Wind der Revolution [1] wehte über Frankreich, die alten Dinge sollten vergehen und alles in einem neuen Licht erscheinen, eine Reformation war gefragt. Das ganze Land wurde neu unterteilt, die alten „Ortsbeschreibungen“ zurückgestellt und anstelle der historischen Provinzen traten im Jahre 1790 83 ungefähr gleich große Départements [2]. Um den Bruch mit der Tradition und der verhassten alten Ordnung [3] deutlich zu machen, wurden sie alle nach den sie durchquerenden Flüssen oder nach Bergen benannt.

 

Infolge der durch das alte System, Monarchie, Adel und Kirche, über längere Zeit verursachten Drangsal und den damit verbundenen seelischen Aufstauungen, verlor im Jahre 1793 ein Teil der französischen Bürger die Kontrolle und verwüstete die Basilika und die „Grabmäler“ in St. Denis/Frankreich. Seit dem 10. Jahrhundert waren in der Kathedrale von Saint-Denis 160 Mitglieder des französischen Herrscherhauses beigesetzt worden. Die Särge, symbolisiert als „Krüge“, wurden „geöffnet“, die Gebeine entweder gestohlen oder außerhalb der Kirche vergraben. Später unter Ludwig XVIII. wurden die „Grabmäler“ wieder errichtet, doch die Grabstätten blieben fast alle leer, da die noch vorhandenen Gebeine sich nicht mehr zuordnen ließen.

 

"Die Sekte" oder philosophische Gruppe, also die Anhängerschaft der Aufklärung und Revolution in Frankreich, war „stark gewachsen“. Es kam zur Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte [4]. „Liberté, Égalité, Fraternité“: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit sollte ihr künftiger Kanon sein. So hatte die Aufklärung [5], die „heilige Weltweisheit“, ihre ersten Früchte gebracht. Die Monarchie, die ihre Macht von Gottes Gnaden [6] erhielt, sollte der Vergangenheit angehören. Die Religion wurde auf den ihr gebührenden Platz gestellt. Der Kult der Vernunft [7] breitete sich immer mehr aus und gehörte ebenfalls zur „heiligen Weltweisheit“. Viele Kirchen wurden in Tempel der Vernunft umbenannt und in ihnen entsprechende Riten vollzogen.

 

Die Religion mit ihrer Unfreiheit, ihrem Reichtum, ihren Dogmen und Irrlehren und die Monarchie von Gottes Gnaden wurden für „alt“ erklärt. Die Revolution veranlasste die Aufhebung und erklärte die bisher als gültig anerkannten Gesetze oder die bisher geübte Praxis durch ihre neuen Erkenntnisse und Methoden für ungültig. Die Aufklärung hatte diese Institutionen ad absurdum geführt. So wurde „Schwarz für Weiß erklärt und für alt das noch Grüne“.

 

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Anmerkungen:

 

Bild: Mausoleum von König Ludwig XII. und Anne de Bretagne in der Kirche von Saint-Denis, Saint-Denis (Frankreich);  Gemälde von Emil Pierre Joseph de Cauwer (1827-1873), 1867.

 

[1] Französische Revolution: Epoche der französischen Geschichte von 1789 bis 1799, in der die Feudalherrschaft gewaltsam abgeschafft und eine bürgerliche Republik etabliert wurde. Die Französische Revolution hatte tief greifende Auswirkungen auf beinahe ganz Europa.

 

[2] Departement (frz. Département = „Unterteilung“), Verwaltungsbezirk in Frankreich.

 

[3] Monarchie, Säulen: Das Heer, Justiz u. Polizei, Verwaltung, Adel, Staatskirche (Klerus).

 

[4] 1789: Déclaration des droits de l'homme et du citoyen (Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte) am 26. August 1789 von der Nationalversammlung Frankreichs als Verfassungsrecht verabschiedet.

 

[5] Aufklärung, auch Zeitalter der Aufklärung (Siècle des lumières), Bezeichnung einer geistesgeschichtlichen Epoche des 18. Jahrhunderts in Europa, insbesondere in Frankreich, England und Deutschland, in der unter der Maßgabe einer Herrschaft der Vernunft weitreichende philosophische, soziale und politische Veränderungen vor sich gingen.

 

[6] Gottesgnadentum, „von Gottes Gnaden“, lat. Dei Gratia. Das Gottesgnadentum beinhaltet die Legitimation des Herrschers durch den Willen Gottes („Stellvertreter Christi auf Erden“). Ist abgeleitet aus dem Brief des Paulus an die Römer. (13:1-3) (Staatliche Gewalt ist von Gott verliehen, Widerstand ist Verstoß gegen den Willen Gottes).

 

[7] Der Kult der Vernunft (Culte de la Raison) gehörte zu einer Gruppe zivilreligiöser Feste und Glaubensformen während der Französischen Revolution, das an Stelle von Christentum und insbesondere Katholizismus treten sollte.

 

Kleines Wörterbuch: 

1. Faux 1. „falsch“ 12. Jh., aus lat. falsus; exposer „auseinandersetzen“ 12. Jh., aus lat. exponere, (ausstellen, Gefahr usw. aussetzen, darlegen); topographie, topographia, lat. „Ortsbeschreibung“; 2. les, le, la, les 1. „der, die“ usf., 2. „ihn“, „sie“; chruches, chruche „Krug“ 13. Jh.; des „von ... an“; monumens, monument „Denkmal“ 12. Jh., aus lat. monumentum = „Denkmal“, „Andenken“, (bsd. „Weihgeschenk“, „Tempel“, „Grabmal“, „Gruft“ u. ä.); ouuertes, ouverture „Öffnung“, „Eröffnung“ 12. Jh., aus lat. apertura; 3. Pulluler „wuchern“, „wimmeln“ 14. Jh., aus lat. pullulare; secte „Sekte“ 13./14. Jh., aus lat. secta „philosophische Lehre“, „Sekte“; faincte, saincte, saint „heilig“, „Heiliger“ 10. Jh., aus lat. sanctus = „geheiligt“, „geweiht“ u. ä.; philosophie „Weltweisheit“ 12. Jh., aus lat. philosophia; 4. pour „für“ 9. Jh.; blanches, blanc „weiß“ 11. Jh.; noir „schwarz“ 11. Jh., aus lat. niger; antique „alt“ 13. Jh., aus lat. antiquus für afrz. antif; vertes, vert, verte „grün“ 12. Jh., afrz. vert.

 

Quellen: U. a. Etymologisches Wörterbuch der französischen Sprache, E. Gamillscheg, 1997

 

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