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Nostradamus-Visionen und ihre Bedeutung

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Das Ende der Königin Marie-Antionette, Ludwig XVI. u. ihres Sohnes Louis Charles

 

Die Herrschaft an sich gerissen, wird man den König einladen,

Die Dame gefangen, durch Los zum Tode verurteilt,

Dem Sohn der Königin wird man das Leben verweigern,

Die Hure ist in der Festung Schicksalsgenossin.

Centurie 9:77 - Lyon 1568

 

Le regne prins le Roy conviera,

La dame prinse à mort jurez à sort,

La vie à Royne fils on desniera,

Et la pellix au fort de la consort.

Centurie 9:77 - Lyon 1568

 

Die Stimmung war nicht gut im Land der Gallier. König Ludwig XVI. [1] von Frankreich hatte eine leere Staatskasse geerbt. Der Adel und der hohe Klerus hatten auf Kosten des einfachen Volkes über die Verhältnisse des Landes gelebt. Auch der Hof gab übermäßig viel Geld aus und die reichste Klasse zahlte am wenigsten Steuern.

 

Aufgrund schlechter Ernten in den Jahren 1788 und 1789 war der Brotpreis stark gestiegen, sodass eine pariser Familie dafür mehr als die Hälfte, ja bis zu 80% ihres Einkommens aufwenden musste. Die Bevölkerung war frustriert, sie fühlten sich zu Recht benachteiligt, ungerecht behandelt und sie waren sehr enttäuscht. Ihre wütenden Emotion richteten sich gegen die herrschenden Klassen Adel und Klerus.

 

Eine gewaltsame Revolution bahnte sich ihren Weg, in der letztlich der König von seinen Ämtern suspendiert und mit seiner Familie im sogenannten „Temple“ [2] inhaftiert wurde. Anlässlich der ersten Sitzung des Nationalkonvents wurde am 21. September 1792 die Republik ausgerufen. Man hatte somit „die Herrschaft an sich gerissen“ und nahm am 3. 12. 1792, anlässlich einer Rede [8] Robespierre im Nationalkonvent über das Schicksal des abgesetzten Königs Ludwig XVI. ein Dekret an, in dem der „König vorgeladen“ wurde, mit der Folge, dass man ihm am 11. 12. 1792 vor dem Nationalkonvent in der Salle du Manège [3] den Prozess machte.

 

Auf Antrag Robespierre wurde er am 17. 1. 1793 mit 361:334 Stimmen wegen „Verschwörung gegen die öffentliche Freiheit und die Sicherheit des gesamten Staates“ verurteilt und am 21. Jan. 1793 geköpft.

 

„Die Dame gefangen“, die Königin Marie Antionette, die vom Volk wenig geliebte Österreicherin, war zuletzt in dem Gefängnis Conciergerie [4] in Paris inhaftiert und wurde nach kurzem Prozess am 16. Oktober 1793 auf dem Revolutionsplatz öffentlich enthauptet. Sie war „per Los zum Tode verurteilt“ [5] worden, in dem Sinne, weil das Revolutionstribunal, dessen Aufgabe es war, Verbrechen gegen die Freiheit, Gleichheit, Einheit und Unteilbarkeit der Republik zu ahnden, aus fünf Richtern, einem öffentlichen Ankläger und zwölf "durch das Los" bestimmte Geschworene bestand.

 

Und als wenn es des Leids nicht genug gewesen wäre, übergab man „den Sohn der Königin“, Kronprinz Louis Charles de Bourbon, dem Jakobiner Schuster Simon, der ihn zu einen „guten Bürger“ erziehen sollte. Simon wurde jedoch am 28. 7. 1794 hingerichtet, sodass Louis Charles den Rest seines kurzen Lebens im Temple-Gefängnis verbringen musste. Dort starb er, auf sich allein gestellt, im Juni 1795 im Alter von 10 Jahren. Dadurch hatte man ihm quasi „das Leben verweigert“.

 

Dem führenden Jakobiner Robespierres sein Programm lief auf eine ständige Verschärfung des Terrors hinaus. Da die Mitglieder der Nationalversammlung befürchteten, bald selber auf einer der Todeslisten zu stehen, ließ man Robespierre und seine Freunde verhaften und brachte sie in das Gefängnis Conciergerie ("Festung"). Der gefürchtete Chefankläger Fouquier-Tinville [6] stellte sich dort selber, wo er auch seinen ehemaligen Kollegen vom Tribunal, Coffinhal, wiederfand.

 

Die Republik und sie als ihre Vertreter hatten als symbolische "Hure", "das Recht prostituiert" [7] und wurden so, als vor dem Tode stehende Gefangene, „Schicksalsgenossen“ derer, die vorher von ihnen inhaftiert und zum Tode verurteilt worden waren, speziell auch der Königin Marie Antoinette. 15 Richter und der Staatsankläger Fouquier-Tinville wurden am 7. Mai 1795 hingerichtet.

 

Der Seher hatte das exzessive Geschehen ca. 240 Jahre vorher in einer Vision gesehen und symbolisiert mitgeteilt, dass „die Hure ... in der Festung Schicksalsgenossin“ sein würde.

 

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Anmerkungen:

 

Bild1: Ludwig XVII., Dauphin (Kronprinz) von Frankreich (1785-1795), Ausstellung Wien, 1905, Nr. 279, Porträtminiatur. Wien, Hofburg, Präsidentschaftskanzlei. Windt S. 30 (VIII/39).

 

Bild2: Porträt von Louis XVI. von Frankreich (1754-1793); von Joseph Siffred Duplessis (1725-1802). Standort: Schloss Versailles.

 

[1] Ludwig XVI., 1754 – 1793, aus dem Haus der Bourbonen wurde nach dem Tode seines Vaters 1765 Dauphin (Kronprinz) und nach dem Tode seines Großvaters Ludwig XV. im Jahre 1774 König von Frankreich.

 

[2] Temple war früher ein Ordensgebiet der Templer. Der dortige Bergfried, der Wehrturm einer mittelalterlichen Burg, diente vormals zur Unterbringung des französischen Staatsschatzes und wurde später ein Gefängnis.

 

[3] Salle du Manège war eine königliche Reithalle in Paris. Von 1789 bis 1793, während der Französischen Revolution, der Tagungsort der Nationalversammlung, ab September 1792 des Nationalkonvents.

 

[4] Conciergerie: Besonders während der Französischen Revolution diente die Conciergerie in Paris als Gefängnis mit bis zu 1200 Insassen. Vom 1793 bis 1795 tagte dort das Revolutionstribunal und verurteile ca. 2700 Bürger zum Tod. Der öffentliche Ankläger Fouquier-Tinville war federführend. Besondere Häftlinge waren z. B. Robespierre, Marie Antoinette, M.-J. Dubarry, Danton, Ravaillac, Coffinhall, Fouquier-Tinville usw.

 

[5] "Das Urteil über Marie-Antoinette wurde dem Revolutionstribunal übertragen, das als solches eine neue Einrichtung war und sich aus Geschworenen zusammensetzte, die durch das Los bestimmt waren. Das war eine Nachbildung der englischen jury, die erst aus der englischen Revolution (1649) herrührt und zu Lebzeiten des Nostradamus selbst dem Namen nach nicht bekannt war." (Die Weissagunen des Nostradamus, C. Loog, 1921, Seite 36)

 

[6] Fréron bestieg die Tribüne (Louis-Marie Stanislas Fréron, 1754-1802, Politiker der Französischen Revolution.):

 

„Ich habe“ – sprach er – mit Schrecken und erstaunen auf der Liste der neuen Mitglieder, welche zur Bildung des Revolutionstribunals vorgeschlagen wurden, Männer gesehen, welche die öffentliche Meinung zurückweist. Ganz Paris verlangt die wohlverdiente Hinrichtung von Fouquier-Tinville. (Allgemeine Zustimmung.)

 

Ihr habt den schändlichen Dumas und die Geschworenen, welche mit ihm an dem Verbrechen des Schurken Robespierres teilnahmen, vor das Revolutionstribunal gestellt. Ich will euch beweisen, dass Fouquier-Tinville ebenso strafbar wie jene ist; denn wenn der Präsident und die Geschworenen unter Robespierres Einfluss standen, so war dies derselbe Fall mit dem öffentlichen Ankläger, weil er die Anklageakten aus demselben Gesichtspunkte abfasste. Ich verlange das Fouquier-Tinville in der Hölle das Blut keltere, welches er vergossen; ich verlange einen Haftbefehl gegen ihn.“ Mehrere Mitglieder: „Zur Abstimmung über den Haftbefehl!“ ...

 

Turreau: „Ich erkläre mich gegen den Haftbefehl. Es hieße diesem Schurken zu große Ehre erweisen; ich verlange, dass man ihn einfach für verhaftet, verurteilt, und dem Revolutionstribunal übergeben erkläre.“ Dieser Antrag wird angenommen und man zollt ihm wiederholt Beifall.

 

Diese Dekret wurde gegen Mittag erlassen; um vier Uhr nachmittags stellte sich Fouquier selber als Gefangener in der Conciergerie, wo er seinen ehemaligen Kollegen vom Tribunal, Coffinhal, wiederfand ... Des letzteren Leben war durch die Aufhebung des Revolutionstribunal um einige Tage verlängert worden ... Diese Dekret wurde am 17. erlassen und Coffinhal am 18. auf die Guillotine geführt. (Tagebücher der Henker von Paris von Henry Sanson, Band 2, S. 153)

 

[7] Nostradamus, Der Prophet der Weltgeschichte, 1960, S. 206, Dr. N. Centurio

 

[8] Auszüge aus der Rede des Abgeordneten Robespierre vor dem Nationalkonvent am 3. Dezember 1792 in sprachlich stark vereinfachter Form:

 

„Ludwig ist kein normaler Angeklagter vor einem Gericht. Es geht nicht um ein Urteil gegen einen Menschen, sondern um eine Maßnahme zur Rettung des Staates. Die Entscheidung kann entweder die Freiheit und den Frieden in Frankreich stören oder beide befestigen.

 

Ludwig ist wegen seiner Verbrechen als König abgesetzt worden. Er hat die Truppen anderer Könige zur Hilfe gerufen, um das französische Volk zu bestrafen. Die wilden Horden der Kämpfer dieser Tyrannen machen sich bereit, unser Vaterland im Auftrage Ludwigs XVI. zu zerstören. Deswegen muss Ludwig als Feind behandelt werden. Das Volk muss sich gegen seine Unterdrücker wehren.

 

Wenn Ludwig freigesprochen oder nicht mit dem Tode bestraft wird, ist die Revolution in großer Gefahr. Wenn er weiterlebt, wird Frankreich von den Gegnern der Revolution in neue Kriege hineingezogen werden.

 

Ich verabscheue die Todesstrafe und ich hasse Ludwig nicht, aber ich hasse seine schlimmen Taten. Die Todesstrafe ist im Allgemeinen ein Verbrechen, aber sie ist dann gerechtfertigt, wenn sie für die Sicherheit der einzelnen Menschen und der ganzen Gesellschaft notwendig ist. Besser Ludwig wird getötet als 100.000 unschuldige Bürger. Ich spreche mit Bedauern aus: Ludwig muss sterben, weil das Vaterland und die Revolution leben sollen.

 

Ich verlange, dass Ludwig zum Verräter an der französischen Nation, zu einem Verbrecher gegen die Menschheit erklärt wird. Dadurch wird ein Zeichen gesetzt, das die Völker zu Selbstbewusstsein und zu Abscheu gegenüber den Tyrannen aufruft und alle Tyrannen in Furcht vor dem Volk versetzt.“

 

(Sprachlich stark vereinfachte Version von Frank Hoffmann, wörtliche Übersetzungen der Originaltexte in Auszügen finden sich z. B. in: Peter Fischer (Hg.) Reden der Französischen Revolution, Deutscher Taschenbuch Verlag, München, 1974, S. 250 ff., Wolfgang Lautemann / Manfred Schlenke (Hg.), Geschichte in Quellen. Amerikanische und Französische Revolution, Bayerischer Schulbuch Verlag, München 1981, S. 328 f.)

 

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Kleines Wörterbuch

 

1. Le, les, la, 1. „der, die“ usf., 2. „ihn“, „sie“; regne „Königsherrschaft“, „Herrschaft“, 10. Jh., aus lat. (regnum); prise „Ergreifen“, „Einnahme“, „Griff“ u. ä. 12. Jh.; roi „König“ 9 Jh. rei, aus lat. rex, rege, royal „königlich“ 12. Jh. reiel, reial, aus lat. regalis „königlich“; conviera, convi „Einladung“ 13. Jh. „Gastmahl“, ist postverb. Subst. von convier „einladen“, 13. Jh., aus vlat. convitare, nfz. convier „einladen“, „drängen“, „treiben“, „auffordern“, conviera „wird auffordern“; regne „Königsherrschaft“, „Herrschaft“ 10. Jh. aus lat. (regnum); 2. dame, „Edelfrau“ v. a.; „Dame“ 11. Jh., afrz. „Herrin“, „Gebieterin“, „Ehefrau des Ritters“, „ehrende Bezeichnung für verheiratete Frauen“, aus lat. domina „Herrin“; prins, prise „Ergreifen“, „Einnahme“, „Griff“ u. ä. 12. Jh.; mort 1. „Tod“ 9 Jh. aus lat. morte, 2. „tot“ 10. Jh., aus lat. mortunus; jurez, jurer „schwören“, juré „Geschworener“; sort „Schicksal“ 11. Jh.; 3. vie „Leben“, 10. Jh., aus lat. vita;  fils „Sohn“ 10. Jh., afrz. Nom. fieus; on „man“ 12. Jh.; desniera, wird sich weigern; 4. pellix, pellex, lat. „Hure“, paelex lat. „Konkubine“; au „die“; fort „stark“, „Fort“ 10. Jh. aus lat. fortis; consort „Ehegenosse“ v. a., „Schießgenosse“, 14. Jh., aus lat. (consorte) „Mitgenosse“.

 

Quellen: U. a. Etymologisches Wörterbuch der französischen Sprache, E. Gamillscheg, 1997.

 

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