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"Sterne" über der Lüneburger Heide

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Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts [1] war es eher unfein über andere bewohnte Welten zu sprechen, auch wenn schon nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung [2] zumindest eine Annahme dieser Theorie geboten war. Wie man sich doch drehte und wendete und eine innerliche Mauer der Ignoranz formte. Selbst ein großer Teil unserer Intelligenz konnten keine Freude an diesem doch wohl mehr obskuren Thema finden. Das entsprechende Bewusstsein war noch nicht entwickelt.

 

Exesse wie im 16. Jahrhundert blieben jedoch aus, als sich z. B. der Philosoph und Dichter Giordano Bruno [3] erdreistete, über solche und andere Themen Bücher zu schreiben, mit provozierenden Titeln wie z. B. "Zwiegespräche vom unendlichen All und den Welten" oder "Die Vertreibung der triumphierenden Bestie [4]." Er behauptete, dass es auf anderen Planeten im Universum unendlich viele Lebewesen gibt.

 

Die große und mächtige philosophische Gruppe Katholische Kirche konnte diese Freiheit des Geistes nicht fassen, nicht eingliedern oder in Übereinstimmung bringen, mit der Folge, dass der tapfere philosophische Dichter für 8 Jahre in den päpstlichen Kerker eingesperrt wurde und anschließend, gemäß dem damaligen Brauch dieser Organisation, am 17. Februar 1600 auf dem Campo dei Fiori in Rom öffentlich verbrannt wurde, als einer von Hunderttausenden anderen Märtyrern aus sechszehn Jahrhunderten mit gleichem oder ähnlichem Schicksal. Seine Bücher wurden verboten. Darum und summa summarum, also alles in allem, steht nun „tekel“ an der „getünchten Wand“ ihres Peters Dom (San Pietro in Vaticano), was bedeutet: "Du bist auf der Waage gewogen und zu leicht befunden worden." [5]

 

Ist es nicht so, dass allein die Überlegung, dass Galaxien aus einer riesigen Ansammlung von einigen Hundert Millionen bis einigen Milliarden Sternen bestehen, die Wahrscheinlichkeit bedingt, dass es in diesen unendlichen Weiten des Universums noch andere Lebensformen gibt? Auch unsere Heimatgalaxie, die Milchstraße, besteht aus circa 300 Milliarden Sternen und hat einen Durchmesser von 120.000 Lichtjahren, so die Wissenschaft. Das sind für uns Menschen unvorstellbare Weiten, bedenkt man, dass das Licht pro Sekunden etwa 300.000 Kilometer zurücklegt. In einem Jahr sind das 9.461.000.000.000 Kilometer, also 9,5 Billionen Kilometer und in 120.000 Lichtjahren – etwas mehr. Millionen von Galaxien hat der Mensch bisher entdeckt und siehe da, zuletzt auch Planeten.

 

Noch vor wenigen Jahren wussten die Forscher nicht einmal, ob es außerhalb unseres Sonnensystems überhaupt Planeten gibt. Jetzt kennen sie davon in unserer Galaxie der Milchstraße schon 3.728.  [6]

 

Mit etwas Demut könnte man als Quintessenz, also als das Wesentliche der vorgenannten Fakten und Abläufe behaupten, dass wir trotz der hervorragenden Ergebnisse unserer Wissenschaft, uns immer noch in der Anfangsphase unserer Erkenntnis befinden.

 

Diese Behauptung wird bestärkt durch ein Erlebnis am Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts, als ich am Rand der Lüneburger Heide, etwas abseits vom Dorf, lebte. Meine abendlichen Spaziergänge waren stets eine Bereicherung. Die Kiefern blühten, Stille, nur hin und wieder ein Hundebällen aus der Ferne. Die Natur atmete, schenkte Kraft. Ludwig Uhland beschrieb es einst poetisch: "Die linden Lüfte sind erwacht. Sie säuseln und weben Tag und Nacht. Sie schaffen an allen Enden. O frischer Duft, o neuer Klang!" [7]

 

An einem der Abende verließ ich wieder das kleine Behelfsheim, in dem ich wohnte. Vorbei an meiner gepflanzten Ulme, dem Freiheitsbäumchen, hatte ich plötzlich die Empfindung zu zwei Sternen aufzublicken. Irgendetwas war da oben nicht "in Ordnung", denn ein Dritter hatte sich hinzugesellt, der nach einer kurzen Zeit langsam und fast senkrecht ins Universum flog, bis ich ihn aus den Augen verlor. Solche Erlebnisse wiederholten sich, an denen etwas später auch ein Bekannter teilnahm.

 

Außergewöhnlich war es jedoch, als ich nachts plötzlich in eine Art andere Schwingungsebene hineinlief. Ein hohes fast unbeschreibliches Glückgefühl erfüllte mich, das leider nach einer kurzen Zeit aufhörte. Da stand ich nun ziemlich ernüchtert und lief umher, um so diese Art geistige Glocke wieder zu finden. Und sie kam, mit etwas Glückseligkeit und einer bisher nie gekannten Atmosphäre in der sich Harmonie, Frieden und Liebe vereinten. Nach wenigen Minuten löste sich diese sehr hohe Schwingung wieder auf. Mein Freund, der die ganze Zeit meinem merkwürdigen Treiben zugeschaut hatte, glaubte meiner Erzählung, zumal wir dann wieder „Sterne“ am Himmel erblickten, die sich nach einer gewissen Zeit lösten und halb senkrecht im Universum verschwanden.

 

Tage später ging ich allein durch die Feldmark am jungen Kiefernwald vorbei. Etwas Nebel lag über den Feldern, der Mond gab dem Ganzen seinen Glanz. Ich dachte über ein von anderen Zeitgenossen beschriebenes Phänomen nach, zu dem ich trotz meines Nachsinnens keinen inneren Kontakt herstellen konnte. In mir rührte sich nichts. Plötzlich sprach eine Stimme ganz klar und deutlich in meinem Innern: "Denk doch mal an kleine Kinder." Ich tat es und sofort war eine Empfindung hergestellt. Ich sah zum Firmament auf und über mir stand wieder ein "Stern", dieses Licht, das sich dann in der bekannten Art entfernte.

 

Unbekanntes Universum, unbekanntes Land und unbekannte Naturgesetze raten zu einer vorsichtigen Interpretation des Erlebten. Das Buch der Natur und des Lebens hat erst einige Seiten geöffnet. Da ist mehr – schön und schrecklich zugleich – so, wie wir sie empfinden, unsere Mutter Natur.

 

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Anmerkungen:

 

Bild: Sternbild Einhorn, NASA

 

[1] 20. Jahrhundert

 

[2] Die Wahrscheinlichkeitsrechnung ist ein wichtiger Zweig der Mathematik.

In vielen wissenschaftlichen Disziplinen ist sie unentbehrlich geworden.

 

 

[3] ^------------------------------  

 

Giordano Bruno 

Mord auf dem Blumenfeld & näher der Wahrheit

 

„Gefährlich ist's, den Leu (Löwen) zu wecken, - Verderblich ist des Tigers Zahn,

Jedoch der schrecklichste der Schrecken, - Das ist der Mensch in seinem Wahn.

Weh denen, die dem Ewigblinden - Des Lichtes Himmelsfackel leihn!

Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden - Und äschert Städt

und Länder ein.“ "Das Lied von der Glocke", Schiller

 

Giordano Bruno wurde 1548 in Nola bei Neapel/Italien geboren. 1565 trat er in den Orden der Dominikaner (katholischer Predigerorden) ein, wurde 1573 zum Priester geweiht und 1575 Lektor der Theologie. Im Kloster studierte er die Philosophie des Aristoteles, die Theologie des Thomas von Aquin und konnte sich mit den philosophischen Werken der alten Griechen und mit den europäischen Denkern seiner Zeit vertraut machen. Giordano bekannte sich zu einer an Pythagoras anknüpfenden Reinkarnationslehre, der Wiedergeburt der Seele in einen neuen Körper.

 

Schon dort im Kloster San Domenico Maggiore in Neapel soll er die Marienverehrung abgelehnt und Heiligenbilder aus seiner Klosterzelle entfernt haben. 1576 musste er Neapel verlassen, da man ihn der Ketzerei bezichtigte, weil er sich u. a. in mehreren Artikeln von der Kirchenlehre entfernt hätte. Bei seiner Flucht aus dem Kloster soll er dann noch Schriften des Kirchenvaters Hieronymus in die Latrine geworfen haben, so die Überlieferung.

 

Er verbrachte anschließend viele Jahre in anderen europäischen Ländern und schrieb u. a. die Bücher "De l’infinito, universo e mondi" (1584, Zwiegespräche vom unendlichen All und den Welten), "De la causa, principio e uno" (1584, Von der Ursache, dem Prinzip und dem Einen) und "Spaccio de la bestia trionfante", (1584, Vertreibung der triumphierenden Bestie).

 

Bruno berichtet von einem belebten Universum. Er bezog sich auf die Sterne am Himmel: „Das sind nun alles Welten, die von ihren Lebewesen bewohnt und bebaut werden, darüber hinaus, dass sie selbst die allerersten und göttlichsten Lebewesen des Universums sind.“ ("Über das Unendliche, das Universum und die Welten"). Er glaubte an die Endlosigkeit des Universums, an die ordnende Kraft Gottes als Weltseele und an das Bestehen eines einzigen, unendlichen Gesetzes, das sich in jedem Teil der Schöpfung widerspiegelt.

 

Und - „Es ist ausgesprochen töricht und gemein zu glauben, es gäbe keine anderen Lebewesen, keine anderen Sinne, keine anderen Intelligenzen, als sie unseren Sinnesorganen erscheinen." Es sei auch „unsinnig anzunehmen, irgendein Teil der Welt sei ohne Seele, ohne Leben und folglich unbelebt“. (De Immenso et Innumerabilibus Liber I–VI, 1591. „Das Unermessliche und Unzählbare“, 6 Bücher; Peißenberg, 1999)

 

Alois Riehl bilanziert, von A. König zitiert: "So hat Bruno in seinen kosmologischen Anschauungen, wie Alois Riehl schreibt, „ein Bild der Welt entworfen, das von der nachfolgenden Wissenschaft beinahe Zug um Zug bestätigt wurde ...“ (Giordano Bruno, A. König, S. 49, Giordano Bruno, A. Riehl, Leipzig 1900, S. 27). So erkannte er auch als Erster, dass die Sterne am Himmel Sonnen sind, gleich der unsrigen.

 

Jesus und sein jüdisches Volk

 

In seinem Buch „Vertreibung der triumphierenden Bestie“ nennt G. Bruno Jesus von Nazareth zwar nie namentlich, es ist aber zu erkennen, wen er mit seinen Erklärungen meinte, was auch durch verschiedene Interpreten bestätigt wird.

 

Giordano: "Dieser (Jesus) versteht es ja allerlei Wunderwerke zu verrichten, und wie Neptun weiß, kann er über die Wogen des Meeres hinwandeln, ohne einzusinken, ja ohne sich die Füße zu benetzen, und folglich wird er auch noch viele andere Kunststücke machen können; - nun, so lasst ihn uns unter die Menschen senden ..., indem er sie glauben lassen kann, dass weiß schwarz ist, dass der menschliche Verstand, gerade wo er am klarsten zu sehen glaubt, nur Blindheit ... ist ..." (Bruno, Die Vertreibung der triumphierenden Bestie. In: Kuhlenbeck, Gesammelte Werke, Bd. 2, 1904, S. 242)

 

Oder: "Wenn daher nicht nur Orion, der doch ein Grieche und immerhin ein Mann von einiger Bedeutung ist, sondern auch ein Angehöriger (Jesus) des nichtswürdigsten und erbärmlichen Volkes (Juden), das es auf Erden gibt, von der niedrigsten und schmutzigsten Gesinnung als Jupiter angebetet wird, so wird er sicherlich wieder in Jupiter geehrt noch Jupiter in ihm verunehrt, da er diesen Sitz und Thron ja nur unter falscher Maske, und weil man ihn nicht kennt, einnimmt, sondern er bringt vielmehr nur seinen Anhängern Schimpf und Schande. Niemals also wird ein Schurke ehrenwert erscheinen können, weil er mithilfe böser Geister zum Affen und Possenreißer blinder Sterblicher gemacht wird." Und "... um wie viel unverständiger und eines Aufsehers und Vormunds bedürftiger würde Gott sein, wenn er diese Macht in den Händen eines verächtlichen, gemeinen und unwissenden Menschen (Jesus) legte oder darin beließe, durch schließlich alles entadelt, vernichtet, in Verwirrung gebracht und das Unterste zuoberst gekehrt würde, da ein solcher die Unwissenheit an die Stelle der Wissenschaft setzen, ... würde." (Giordano Bruno, Paul Seliger, S. 257, 259, 260, 261)

 

Andrea König kommentiert dazu in ihrem Buch "Giordano Bruno, An der Schwelle der Moderne" Bd. 6, S. 92, 2003: "Auch wenn Bruno Jesus nie namentlich nennt, ist eindeutig klar, wen er mit seinen Umschreibungen meint. Die Kirche konnte ihm diese eindeutigen Angriffe auf das Christentum nicht verzeihen. Seine Allegorien und Schlussfolgerungen waren nicht nur gewagt, sie führten Bruno auf den Scheiterhaufen." ... "So richtet er in seinem Werk "Die Vertreibung der triumphierenden Bestie" auch wütende Angriffe gegen das Judentum die er als "bestialisch" (161) und gemeingefährlich bezeichnet: "Denn diese sind eine so pestilenziale, aussätzige und gemeingefährliche Rasse, dass sie ausgerottet zu werden verdienen, noch bevor sie geboren werden." (162) Durch diesen Angriff auf den persönlichen Gott des Judentums, der keine anderen Götter neben sich duldet und dem israelischen Volk das Bewusstsein gibt, auserwählt zu sein, prangert er den damit verbundenen grenzenlosen Hochmut an. In einem sehr auffälligen Stil lehnt sich Bruno gegen die Monopolstellung einer Religion." (Giordano Bruno von Andrea König, An der Schwelle der Moderne, Bd. 6, S. 92, 2003) – (161): Bruno, Die Vertreibung der triumphierenden Bestie. In: Kuhlenbeck, Gesammelte Werke, Bd. 2, 1904, S. 204; 162: Ebenda, S. 170, (S. 180 bei Seliger)

 

 

Giordano klärte seine Mitmenschen auch über das Verhalten der Kirche seiner Zeit auf, was in seinem Stück "Der Kerzenmacher von Bruno dem Nolaner, Absolvent keiner Akademie, genannt der Quälgeist", als schlimme Anklage gegen die Kirche, zum Ausdruck kommt. G. Gentiles kommentierte dann diese Schrift und beschreibt Brunos Charakterisierung der katholischen Kirche wie folgt:

 

"Man bekommt in ungeordneter Folge zu sehen: Episoden von Beutelschneiderei, Trickbetrügereien, Schurkengeschäfte; ebenso herrliche Widerwärtigkeiten, bittere Süßigkeiten, törichte Entscheidungen, irriger Glaube und verkrüppelte Hoffnungen, schäbige Almosen, Richter, würdevoll und aufrichtig in Bezug auf die Angelegenheiten der anderen, aber nicht auf ihre eigenen; männliche Frauen, weibische Männer und Stimmen der Verschlagenheit statt Barmherzigkeit, sodass der Gläubige der Betrogene ist - und überall die Liebe zum Gold." (Zitiert in "Giordano Bruno, Sein Leben und Denken" von Dorothea Waley Singer, 1950, Seite 22)

 

 

 Heimkehr, Gefängnis und Tod

 

Leider ließ sich Giordano nach Jahren in anderen europäischen Ländern dazu hinreißen nach Venedig zu reisen, wo er im Mai 1572 von der katholischen Inquisition verhaftet, inhaftiert, Anfang 1593 nach Rom gebracht und sieben Jahre in der päpstlichen Engelsburg eingesperrt wurde. Während dieser langen Haft erduldete G. Bruno viele "Verhöre". Man warf ihm Gotteslästerung, unmoralisches Verhalten und Ketzerei vor. In seiner entsetzlichen Not war er bereit teilweise zu widerrufen, doch an der Ablehnung der Gottessohnschaft Christi, des Jüngsten Gerichts und der Behauptung vieler Welten hielt er fest.

 

Das Heilige Offizium der Katholischen Kirche, vom jahweistischen Geist ummantelt, verkündete dann am 8. Februar 1600 das Urteil. Er wurde wegen Magie und Ketzerei aus der Kirche und aus dem Orden der Dominikaner ausgeschlossen. Seine Schriften wurden verboten. Alles sollte zerrissen und verbrannt werden. Dann wurde er dem Gericht des Gouverneurs in Rom überstellt.

 

Nach 8 Jahren Kerkerhaft wurde der von Folter gezeichnete und körperlich gebrochene Philosoph zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Dieses Jahr 1600 war von Papst Clemens VIII. zum Jubeljahr erklärt worden. Demzufolge hielten sich sehr viele Pilger in Rom auf. Die Hinrichtung eines sehr bekannten Philosophen und Ketzers (griechisch, katharos, rein) geriet zu einem Höhepunkt der Feierlichkeiten und war doch gleichzeitig auch eine Mahnung an Andersdenkende.

 

Giordano wurde am 17. 2. 1600 bei lebendigem Leibe auf dem Campo de’ Fiori in Rom (Blumenfeld) verbrannt. Der spektakulärste Justizmord in der Kirchengeschichte war vollendet. Heute erinnert er an den Holocaust Hunderttausender anderer weiblicher und männlicher Märtyrer, die von der Katholischen Kirche verurteilt und mithilfe des jeweiligen Staates verbrannt oder auf andere Weise ermordet wurden.

 

"Überhall flammten die Scheiterhaufen auf, die zu lodern nicht mehr aufhören wollten.

Alles wurde verbrannt, Frauen und Männer, Katholiken und Protestanten,

Idioten und Gelehrte, vierjährige Kinder und achtzigjährige Greisinnen,

alles wurde wahllos und ohne Unterschied auf den Scheiterhaufen

befördert und zur Asche verwandelt."

 

(Das Buch der Ketzer, Walter Nigg, Theologe. Artemis Verlag, 1949, S. 317)

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[4] "Die Vertreibung der triumphierenden Bestie", von Giordano Bruno, aus dem Italienischen übersetzt und eingeleitet von Paul Seliger. (Auszug)

Der dritte Teil des dritten Dialogs: (S. 257- 261)

"Nun fragt Neptun: Was werdet ihr dann, o Götter, mit meinem Günstling, meinem schönen Liebling, jenen Orion meine ich, anfangen, der aus Angst, wie einige Etymologen meinen, am Himmel uriniert?" "Lasst mich, o Götter, einen Vorschlag machen", erwiderte Momus. "Uns sind, wie man in Neapel sagt, die Makkaroni in den Käse gefallen. Da dieser es versteht Wunder zu tun und, wie Neptun weiß, auf den Wogen des Meeres gehen kann, ohne unterzusinken und ohne sich die Füße nass zu machen, und infolgedessen wohl auch noch andere artige Kunststücke fertig bringen wird, so wollen wir ihn zu den Menschen schicken, damit er ihnen alles einrede, was uns gut und nützlich erscheint, und sie dahin bringe zu glauben, dass weiß schwarz sei, dass der menschliche Verstand dann, wann er am schärfsten zu sehen glaubt, völlig blind sei und dass das, was der Vernunft vortrefflich, gut, und als das Beste erscheint, niedrig, verworfen und äußerst böse sei, dass die Natur eine feile Dirne, das Naturrecht eine Schurkerei sei, dass Natur und Gottheit nie zu einem gemeinsamen guten Zwecke zusammenwirken können, und dass die Gerechtigkeit der einen nicht der Gerechtigkeit der Anderen untergeordnet, sondern ganz verschieden von ihr sei wie das Licht von der Finsternis, dass die Gottheit nur den Griechen mütterlich gesinnt sei, den anderen Völkern aber einer bösen Stiefmutter gleiche, und das daher niemand auf andere Weise den Göttern wohlgefällig sein könne, als wenn er sich gräzisiere, das heißt zum Griechen machen, denn der größte Schuft und Taugenichts, den Griechenland aufzuweisen habe, sei wegen seiner Zugehörigkeit zu den Göttern unvergleichlich besser und als der gerechteste und hochherzige Mann, der aus Rom zu der Zeit, als es noch Republik war, oder aus einem anderen Volke hervorgehen konnte, möge dieses auch in Sitte und Wissenschaft, Tapferkeit, Verstand, Schönheit und Macht noch soweit fortgeschritten sein.

 

Denn dies seien nur natürlich Gaben, die von den Göttern gering geschätzt und denen überlassen werde, die viel höhere, das heißt jener natürlicher Privilegien unteilhaftig seien, wie zum Beispiel auf dem Wasser herumspringen, die Krebse tanzen zu lehren, zu machen, dass Lahme wie Böcklein herumhüpfen und das die Maulwürfe ohne Brille sehen und unzählige andere schöne Dinge mehr.

 

Dabei soll er ihnen vorreden, dass die Philosophie, jede Spekulation und jede Magie, die sie uns ähnlich machen können, nicht seien als eitel Narrenspossen, dass jede heroische Handlung nichts anderes sei, als Torheit und dass die Unwissenheit die schönste Wissenschaft der Welt sei, weil sie sich ohne Mühen erwerben lasse und den Geist nicht mit Schwermut belaste. Dadurch wird er vielleicht den Kultus und die Verehrung, die wir eingebüßt haben, wiederherstellen und wieder einrichten, ja sogar steigern und bewirken können, dass unsere Schurken für Götter gehalten werden, nur weil es Griechen oder Gräzisierte sind.

 

Aber ich gebe euch diesen Rat nur mit schweren Bedenken, ihr Götter, denn eine Mücke summt mir dabei ins Ohr, es könnte leicht geschehen, dass, wenn jener die Jagdbeute schließlich in seinen Händen hat, er sie für sich behält und sagt, der große Jupiter sei nicht Jupiter, sondern Orion sei Jupiter und die Götter seien insgesamt nur leere Schimären und Fantasiegebilde.

 

Daher scheint es mir doch nicht angebracht zu sein, ihn zu gestatten, per fas et nefas, wie man sagt, seine vielfache Geschicklichkeit zu zeigen und seine Vorstellungen zu geben, durch die er berühmter werden würde als wir."

 

Hierauf antwortete die weise Minerva: "Ich weis nicht, o Momus, in welchem Sinne du diese Worte sprichst, diese Ratschläge gibst, diese Vorsichtsmaßnahmen vorschlägst. Ich glaube, dass deine Rede ironisch gemeint ist, weil ich dich nicht für so dumm halte, dass du der Ansicht seien könntest, die Götter erbettelten sich durch solche Armseligkeiten die Achtung bei den Menschen, und was jene Betrüger betrifft, die falsche Achtung, die sich auf Unwissenheit und Bestialität ihrer Anhänger stützt, könne ihnen Ehre, anstatt die Bekräftigung ihrer Unwürdigkeit und ihrer maßlosen Schande bringen.

 

Für das Auge der Gottheit und der alles beherrschenden Wahrheit kommt es nur darauf an, ob jemand gut und würdig sei, wenn ihn auch keiner der Sterblichen dafür erkennt; und mag ein anderer es durch falsche Vorspiegelungen auch dahin bringen, dass er von allen Sterblichen für einen Gott gehalten wird, er wird sich dadurch doch keine Würde erwerben können, da das Fatum (Schicksal) sich seiner nur als Werkzeug und Hinweis bedient, um daran klarzumachen, dass die Unwürdigkeit und Dummheit aller, die ihn verehren, umso größer ist, je niedriger, unedler und gemeiner er selbst ist.

 

Wenn daher nicht nur Orion, der doch ein Grieche und immerhin ein Mann von einiger Bedeutung ist, sondern auch ein Angehöriger des nichtswürdigsten und erbärmlichen Volkes (Juden), das es auf Erden gibt, von der niedrigsten und schmutzigsten Gesinnung als Jupiter angebetet wird, so wird er sicherlich wieder in Jupiter geehrt noch Jupiter in ihm verunehrt, da er diesen Sitz und Thron ja nur unter falscher Maske, und weil man ihn nicht kennt, einnimmt, sondern er bringt vielmehr nur seinen Anhängern Schimpf und Schande. Niemals also wird ein Schurke ehrenwert erscheinen können, weil er mithilfe böser Geister zum Affen und Possenreißer blinder Sterblicher gemacht wird."

 

"Wisst ihr," fragt nun Jupiter, "was ich über jenen beschließen will, um jedem künftigen Ärgernis vorzubeugen? Ich wünsche, dass er zur Erde niedersteige und verfüge, dass er alle Macht verliere, seine Künste, Betrügereien, Streiche, artige Stückchen und andere Wunderwerke auszuführen, die gar keinen Wert besitzen. Ich will nicht, dass es ihm gelingen soll, dass hohe Maß von Vortrefflichkeit und Würde, dass sich in den für die Erhaltung der Welt notwendigen Naturgesetzen vorfindet, zu zerstören, zumal ich sehe, wie leicht sich die Welt täuschen lässt und infolgedessen zu Torheiten neigt und jeder Art von Korruption und Unwürdigkeit zum Opfer fällt.

 

Daher will ich nicht, dass unser Ruf vom Verhalten diese Orion oder eines anderen seinesgleichen abhängt, denn wenn schon ein König töricht handelt, der einem seiner Feldherren und ehrgeizigen Heerführer soviel Macht und Gewalt einräumt, dass dieser sich selbst zum Herrscher aufwerfen kann – was möglicherweise mit keinem Nachteil für das Reich verbunden ist, dass vielleicht ebenso gut, wenn nicht besser, von diesem wie von jenem regiert werden kann – um wie viel unverständiger und eines Aufsehers und Vormunds bedürftiger würde Gott sein, wenn er diese Macht in den Händen eines verächtlichen, gemeinen und unwissenden Menschen legte oder darin beließe, durch schließlich alles entadelt, vernichtet, in Verwirrung gebracht und das Unterste zuoberst gekehrt würde, da ein solcher die Unwissenheit an die Stelle der Wissenschaft setzen, den Adel der Gesinnung zu Unehren und die Gemeinheit zu Ehren bringen würde."

 

"Er soll sich schleunigst entfernen", sagte Minerva, "und an seine Stelle trete die ernste Arbeit, die Waffenübung und Kriegskunst, durch die im Vaterlande der Friede und die Herrschaft der Gesetze aufrechterhalten und die Barbaren bekämpft, bezwungen und zu einem gesitteten, menschenwürdigen Leben angehalten und die unmenschlichen, schmutzigen, barbarischen und viehischen Kulte, Religionen, Opfer und Gesetze abgeschafft werden sollen, denn zur Erreichung dieses Zieles reicht wegen der Menge der Unwissenden und Schlechten, die zahlreicher sind als die nur dünn gesäten Edlen, Weisen und wahrhaft Guten, mitunter meine Weisheit ohne die Spitze meiner Lanze nicht aus, so fest und tief gewurzelt sind derlei Schuftereien in der Welt, die nur allzu voll von ihnen ist."

 

Ihr antworte Jupiter: „Die Weisheit reicht vollständig aus, meine Tochter, gegen diese von dir zuletzt genannten Dinge aus, denn sie werden von selbst alt und hinfällig, werden von der Zeit verschlungen und verdaut und stehen auf sehr schwankem Grunde.“ "Indessen muss man ihnen jedoch Widerstand leisten und sie bekämpfen", meint Pallas, "damit sie uns durch Gewalttätigkeiten nicht unterdrücken, bevor wir sie reformieren können."

 

[5] Bibel, Altes Testament, Buch Daniel 5:27

 

[6] „In den Katalogen der Astronomen tummeln sich bereits 3728 Exoplaneten, die alle innerhalb der Milchstraße [unsere Galaxie] kreisen.“ (Spiegel Online vom 6.2.2018)

 

27.08.2011: „In der Milchstraße gibt es 100 bis 300 Milliarden Sterne, jeder Fünfte gilt als sonnenähnlich. Unter dem Strich blieben so 7 bis 20 Milliarden Sterne mit mindestens einem Felsplaneten - und das allein in der Milchstraße, die ihrerseits nur eine von Milliarden Galaxien ist.“ (Leben im All - Neu entdeckter Planet schwebt in grüner Zone - Von Markus Becker, http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,781893,00.html)

 

[7] Aus Frühlingsglaube von Johann Ludwig „Louis“ Uhland, 1787-1862, Deutscher Dichter, Literaturwissenschaftler, Jurist und Politiker.

 

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